Wolfsburg und Frankfurt machen Liga spannend

Von am 13. September 2010 – 12.58 Uhr 16 Kommentare

Der fünfte Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga lieferte wertvolle Erkenntnisse: Meister 1. FFC Turbine Potsdam ist nicht so unantastbar wie manch einer möglicherweise geglaubt hatte, der 1. FFC Frankfurt deutete beim Auswärtssieg in Duisburg an, dass man die Defensivprobleme in den Griff bekommen hat. Die Liga rückt zusammen und ist spannend wie selten zuvor, zwischen Tabellenplatz 1 und 6 liegen gerade einmal drei Punkte.

Allen voran beim 1. FFC Frankfurt dürfte man gewaltig aufgeatmet haben, dass der 1. FFC Turbine Potsdam nach der 1:2 (0:1)-Niederlage beim VfL Wolfsburg den Nimbus der Unbesiegbarkeit eingebüßt hat. Doch schon eine Woche zuvor deutete sich beim knappen Sieg in Herford an, dass dem Team die Souveränität und Abgeklärtheit der ersten Saisonspiele abhanden gekommen ist. Den Wolfsburgerinnen konnte dies egal sein, denn nach der ärgerlichen Niederlage in Leverkusen kam der unerwartete Dreier gegen Turbine gerade recht.

Schröder: „So kann man kein Spiel gegen keinen Gegner gewinnen“
Auch wenn Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann einräumte, dass es einer ausgezeichneten Torfrau Alisa Vetterlein und einer gehörigen Portion Glück bedurfte, um als Sieger vom Platz zu gehen. „Trotzdem bin ich stolz auf die Mannschaft.“ Turbine-Trainer Bernd Schröder bemängelte sowohl die Abschlussschwäche seines Teams, als auch die Gesamtleistung. „Wir haben es über 90 Minuten nicht fertig gebracht, vernünftigen Fußball zu spielen. So kann man kein Spiel gegen keinen Gegner gewinnen.“ Für Wolfsburg war es nach dem Erfolg gegen Frankfurt bereits der zweite Sieg gegen ein Topteam der Liga. Doch nur wenn man zukünftig gegen die Kleinen nicht patzt, wird man ganz oben mitmischen können.

Anzeige

Conny Pohlers lässt Frankfurt hoffen. (c) Nora Kruse, ff-archiv.de

Frankfurt landet wertvollen Dreier
Mit einem 2:1 (1:0)-Sieg beim FCR 2001 Duisburg meldete sich der 1. FFC Frankfurt im Kampf um die Meisterschaft zurück. Ausgerechnet die zuletzt auf die Bank verbannte Conny Pohlers sorgte mit ihrem späten Siegtreffer dafür, dass Frankfurt neue Hoffnung schöpfen kann. Frankfurts Trainer Sven Kahlert sah erstaunlicherweise einen „glücklichen Sieg“, obwohl seine Mannschaft über 90 Minuten betrachtet mehr Spielanteile hatte. „Ich muss meiner Mannschaft aber ein Sonderlob machen, für die Leidenschaft, die Laufstärke, das gute taktische Verhalten sowie für die Zweikampfstärke.“

Debüt von Weichelt und Islacker
Die Gastgeberinnen kamen wie schon so oft in dieser Saison in der ersten Halbzeit nur schwer in die Gänge, dabei machte die erneut umformierte Innenverteidigung Linda Bresonik/Annemieke Kiesel ihre Sache gut. Die beste Phase hatte das Team direkt nach dem Ausgleich, doch ein zweiter Treffer wollte den Duisburgerinnen nicht gelingen. In der Schlussphase agierten dann die Frankfurterinnen ein wenig entschlossener und bissiger, Duisburg konnte somit auch das zweite Heimspiel in Folge nicht gewinnen. Lichtblick: Stefanie Weichelt und Mandy Islacker kamen nach Verletzungspause zu einem Kurzdebüt im Dress der Löwinnen, so dass Trainerin Martina Voss-Tecklenburg nun wieder ein paar zusätzliche Optionen hat.

Bayern souverän
Der FC Bayern München kam beim FF USV Jena anders als in den vergangenen Jahren zu einem ungefährdeten und in der Höhe überraschenden 4:0 (3:0)-Sieg. Der frühe Kopfballtreffer von Nina Aigner (9.) spielte dem Team von Trainer Thomas Wörle in die Karten, bei den Thüringerinnen ist man trotz guter Ansätze von der Form der vergangenen Saison noch weit entfernt. Ein Tor von Petra Wimbersky und ein sehenswerter Volleytreffer von Vanessa Bürki machten den Erfolg noch vor der Pause perfekt, ehe Wimbersky in der zweiten Halbzeit ihren dritten Saisontreffer erzielte. Jenas Trainer Thorsten Zaunmüller musste einräumen: „Der letzte finale Pass kommt einfach zu selten, das wird wohl noch eine Weile dauern, bis das klappt.“ Für Bayern München gilt es nun, endlich einmal auch zuhause zu punkten. Erste Gelegenheit: Das Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken am kommenden Sonntag.

Erster Saisonsieg für den HSV
Der Hamburger SV feierte dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit beim 3:1 (0:1)-Auswärtssieg gegen den 1. FC Saarbrücken den ersten Saisonerfolg und beendete zugleich auch den Höhenflug der Saarländerinnen, die ihre zweite Niederlage in Folge kassierten. Neuzugang Antonia Göransson durfte sich gleich in ihrem ersten Spiel über 90 Minuten über ihren ersten Treffer freuen. HSV-Trainer Achim Feifel bewies mit der Einwechslung von Maja Schubert und Nicole Zweigler zur zweiten Halbzeit ein glückliches Händchen, denn das HSV-Spiel kam nun richtig in Schwung. „In der zweiten Halbzeit sah das schon richtig gut aus. Besonders Maja Schubert hat nach ihrer Einwechslung ein tolles Spiel gemacht und für richtig Alarm gesorgt“, so Feifel. Doch auch diesmal musste sich das Team wieder einmal fragen lassen, warum man nicht bereits in der ersten Halbzeit die spielerische Überlegenheit in Zählbares umwandeln konnte.

Leverkusen punktet erneut
Bei Bayer 04 Leverkusen durfte man sich zwar nach dem 1:1 (1:0) gegen die SG Essen-Schönebeck darüber freuen, nach drei Auftaktniederlagen auch im zweiten Spiel in Folge nicht verloren zu haben. Doch Leverkusens Trainerin Doreen Meier erklärte: „Hier wäre heute sicherlich mehr drin gewesen. Hinten standen wir sehr gut, kämpferisch hat auch alles gestimmt, aber nach vorne lief leider nicht so viel zusammen wie letzte Woche.“ Ein ernüchterter Essener Trainer Markus Högner meinte: „Wir müssen mit dem Punkt zufrieden sein und analysieren, woran es gelegen hat.“ Schon am Mittwoch kann das Team weitere Spielpraxis sammeln, in einem Testspiel gegen den niederländischen Ehrendivisionär FC Twente.

Herford schwach
Beim Herforder SV wartet man nach der 1:5 (1:3)-Niederlage beim SC 07 Bad Neuenahr hingegen weiter auf den ersten Punktgewinn der Saison. Und mit der Höhe der Niederlage war man bei den Ostwestfälinnen noch gut bedient. „Da gibt es nicht schönzureden, heute haben wir uns wie ein Absteiger präsentiert. Das war von vorne bis hinten einfach nur Mist, was wir gezeigt haben“, sprach Herfords Trainerin Tanja Schulte nach dem Spiel Klartext. In dieser Form wird es das Team schwer haben, die Ligazugehörigkeit zu wahren. Ihr Gegenüber Thomas Obliers beklagte die eigene Chancenverwertung. „Das hätten heute auch zehn Tore werden können.“

Tags: ,

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

16 Kommentare »

  • expert1 sagt:

    Detlef, kleine veränderungen werden die TP nach der niederlage in 2001 am darauffolgenden Sonntag wieder zurück auf die Erfolgsspur bringen. Die sogenannten kleinen werden TP nicht überraschen.

    (0)