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WM-Playoffs: Außenseiter träumen vom großen Coup

Von am 10. September 2010 – 14.01 Uhr 8 Kommentare

An diesem Wochenende finden die vier Playoff-Hinspiele zur Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland statt. Die Favoritenrollen sind klar verteilt, doch die Außenseiter sind guter Dinge, für eine Überraschung sorgen zu können.

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Die ersten drei Spielen werden bereits am Samstag ausgetragen, den Anfang macht um 16.00 Uhr die Partie Schweden gegen Dänemark im Gamla-Ullevi-Stadion von Göteborg.

Duell mit Derbycharakter
„Dänemark ist natürlich der stärkste Gegner, auf den wir treffen konnten“, so die Einschätzung des schwedischen Trainers Thomas Dennerby. „Insgesamt sind wir wohl die etwas stärkere Mannschaft, aber in einem Derby kommt es nicht nur auf die Qualität der Spielerinnen an, das ist auch eine Kopfsache.“ Dänemarks Trainer Kenneth Heiner-Møller ist vor allem darüber zufrieden, dass man das Rückspiel fünf Tage in Vejle später auf heimischem Boden bestreiten kann.

„Wenn wir in Schweden ein Tor erzielen, schaut es für uns gut aus. Aber wir werden sowohl offensiv wie defensiv hart arbeiten müssen, um gegen Schweden zu bestehen“, erklärt Heiner-Møller. Und er hofft: „Mit etwas Glück unterschätzen sie uns ein bisschen.“ Doch in der Vergangenheit behielt Schweden in den wichtigen Duellen oft die Oberhand, wie etwa in den beiden Playoff-Spielen zum Olympischen Fußballturnier in Peking 2008. Damals gewannen die Schwedinnen 4:2 und 3:1.

Stensland warnt vor der Ukraine
Um 17.00 Uhr geht es weiter mit der Partie Ukraine gegen Norwegen im Yurii-Gagarin-Stadion von Chernigov. Die Ukraine schaffte erst am letzten Gruppenspieltag durch einen 3:1-Sieg gegen Polen den Einzug in die Playoffs und geht als krasser Außenseiter in die Partie mit den Skandinavierinnen. Doch Norwegens Kapitänin Ingvild Stensland warnt: „Das ist alles andere als ein leichter Gegner, auch wenn viele das Gegenteil denken.“ Bereits in der Qualifikation zur WM 2007 in China konnte man sich von der Stärke des Gegners überzeugen. Damals kam man auswärts nicht über 1:1 hinaus. „Die Spielerinnen sind technisch versiert und individuell sehr stark“, so Stensland.

Doch die Ukraine geht personell geschwächt in die beiden Duelle, es fehlen die verletzte Verteidigerin Valentina Kotyk sowie die gelbgesperrte offensive Mittelfeldspielerin Vira Dyatel. „Norwegen ist ein unbequemer Gegner, der uns nicht besonders liegt, aber wir haben nichts zu verlieren“, so Ukraines Trainer Anatoly Kutsov.

Italien in Lauerstellung
In Besançon trifft ab 20.45 Uhr Frankreich auf Italien. Die Bilanz der Französinnen in den bisherigen Qualifikationsspielen war beeindruckend, in zehn Spielen feierte man zehn Siege bei einem Torverhältnis von 50:0. Doch diese Statistik ist nun Schall und Rauch. „Diese tolle Qualifikation gilt es nun zu vergolden“, so Laura Georges. Doch Italien, das seit 1999 bei keiner WM-Endrunde mehr dabei, will dem Favoriten ein Bein stellen.

Das Team bewies bei der EM 2009 in Finnland etwa beim 2:1-Sieg gegen Vizeeuropameister England in der Gruppenphase, dass man an einem guten Tag für jedes Team zur Gefahr werden kann. „Frankreich ist sicherlich leicht im Vorteil“, räumt Italiens Trainer Pietro Ghedin ein. Und auch die Bilanz spricht gegen die Italienerinnen. In den vorigen vier Duellen gab es drei Niederlagen und ein Remis. Doch Ghedin erklärt: „Wichtig ist, dass wir uns athletisch auf Augenhöhe präsentieren, denn am Ende werden nur kleine Details über Sieg oder Niederlage entscheiden.“

Englands Nationaltrainerin Hope Powellwill ihre Mannschaft zur WM führen. (c) Nora Kruse, ff-archiv.de

Schweiz träumt vom großen Coup
In der Gruppenphase räumte die Schweizer A-Nationalmannschaft bereits das favorisierte Russland aus dem Weg, jetzt soll Vizeeuropameister England das nächste prominente Opfer der Schweizerinnen werden. Am Sonntag will sich die Mannschaft von Béatrice von Siebenthal ab 20.05 Uhr in Shrewsbury eine gute Ausgangsposition erarbeiten. Personell kann die Schweiz aus dem Vollen schöpfen, auch Ramona Bachmann steht nach überstandener Rückenverletzung wieder zur Verfügung.

Stürmerin Martina Moser erklärt: „Wir sind als Neuling kein Favorit, aber wir verfügen über enormes Potenzial und deshalb ist alles möglich. Warum nicht das Unmögliche möglich machen? Wir sind alle sehr euphorisch und so nah dran, wie noch nie.“ Bei den Engländerinnen ist man jedoch optimistisch, diese Hürde nehmen zu können. „Das ist keine schlechte Mannschaft und sie haben einige sehr gute Spielerinnen“, sagt Rachel Unitt. Und fährt gelassen fort: „Ich nehme die Partie wie jedes andere Spiel. Es mag zwar eines der wichtigsten Spiele in der Karriere sein, aber wenn wir unsere Topleistung abrufen, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir den Job erfolgreich erledigen.“

Termine

WM-Playoff, Hinspiele

Samstag, 11. September

16.00 Uhr, Schweden – Dänemark
17.00 Uhr, Ukraine – Norwegen
20.45 Uhr, Frankreich – Italien

Sonntag, 12. September

20.05 Uhr, England – Schweiz

WM-Playoff, Rückspiele

Mittwoch, 15. September

15.00 Uhr, Italien – Frankreich
18.00 Uhr, Norwegen – Ukraine

Donnerstag, 16. September

18.30 Uhr, Dänemark – Schweden
19.00 Uhr, Schweiz – England

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • Svensson sagt:

    „Donnerstag, 16. September
    18.30 Uhr, Dänemark – Schweiz
    19.00 Uhr, Schweiz – England“

    Busy Donnerstag for Schweiz! 😉

    Ramona Bachmann back in the team. Great! They will need her against England.

    Really interesting games in the play-off.
    Two „derby“ games, Schweden – Dänemark and Frankreich – Italien.
    I wish I could see them all. If this was play-off for the men…….

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  • Markus Juchem sagt:

    corrected. 😉

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  • Nora Kruse sagt:

    Vom Spiel der Schweizerinnen in England wird es morgen Abend hier einen ausführlichen Spielbericht geben…

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  • intersoccer sagt:

    da ich ja immer einen Hang dazu habe, den Außenseitern die Daumen zu drücken, wünsch ich mal der Ukraine und Italien viel Glück! 😀

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  • Jochen sagt:

    Wieso Ukraine? Norwegen muss unbedingt dabei sein – nicht nur wegen der großartigen Leistungen des kleinen Verbandes in der Vergangenheit, sondern auch weil sie die frischesten und attraktivsten Spielerinnen haben! Das ist doch die beste Werbung für den Frauenfussball, der ja endlich die verdiente sportgesellschaftliche Stellung und Anerkennung erlangen sollte.
    Da hilft auch so was!

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  • intersoccer sagt:

    klar, letztlich sollen natürlich die besten europäischen Teams dabei sein. Schon allein dafür, damit Europa eine angemessene Anzahl von Startplätzen bekommt. 4,5 Teams + Gastgeber entsprechen meiner Meinung nach nicht der Leistungsdichte der UEFA-Nationalteams. Vielleicht ändert sich das aber ja, wenn die WM künftig evtl. auf 24 Teams erweitert werden sollte.
    Aber trotzdem darf ich ja hoffen, dass die Underdogs aufgeholt haben und ein ordentliches Ergebnis holen. Ist ja schon mal respektabel, dass die Ukraine den Gruppensieg geholt hat.

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  • Markus Juchem sagt:

    Die Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf 24 Teams ab der WM 2015 wurde bereits beschlossen: http://www.womensoccer.de/2009/12/03/frauenfussball-wm-zukuenftig-mit-24-teams/ Die Startplatzaufteilung wurde noch nicht festgelegt, aber natürlich wird von der Aufstockung auch Europa profitieren.

    Eine Glanzleistung war der Gruppensieg der Ukraine ja nicht gerade. Er wurde erst auf den letzten Drücker gesichert, was in dieser Gruppe eher eine Überraschung war.

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  • intersoccer sagt:

    Ah ok, das ist wohl an mir vorbei gegangen. Danke für den Hinweis…

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