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Kathrin Längert: „Mit uns wird noch zu rechnen sein“

Von am 25. August 2010 – 11.19 Uhr

Für Bayern Münchens Torhüterin Kathrin Längert stand der Auftakt zur WM-Saison 2010/11 unter keinem guten Stern. In der Vorbereitung zog sie sich im Training eine Verletzung an der rechten Schulter zu. Doch nun steht ihr Comeback kurz bevor und die ehrgeizige 23-Jährige hat große Ziele.

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Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Längert bereits beim Auswärtsspiel gegen den SC 07 Bad Neuenahr am kommenden Sonntag das Tor hüten wird. „Die Tendenz ist positiv. Ich habe die letzten drei Wochen in der Reha hart gearbeitet, täglich zweimal trainiert und in der letzten Woche große Fortschritte gemacht“, so Längert.

Schnell Anschluss finden
Nun will sie den „dummen Unfall“ schnell vergessen machen. „Ich habe mir für die WM-Saison so viel vorgenommen, und dann bin ich einfach im Training unglücklich gelandet und mit der Schulter in dem etwas stumpfen Rasen hängengeblieben. Das habe ich mir natürlich alles anders vorgestellt. Doch ich hoffe, dass ich schnell wieder Anschluss finden und die Mannschaft unterstützen kann.“

Mit Bayern Titel gewinnen
Denn vom Leistungsvermögen ihres Teams ist sie überzeugt. „Wir können eine bessere Rolle spielen, als viele uns das zutrauen. Ich traue uns zu, Titel zu gewinnen, auch wenn das für uns vielleicht schwieriger ist als für andere Vereine.“ Man habe zwar „krasse Abgänge“ zu verkraften gehabt, doch: „Mit Petra Wimbersky haben wir uns richtig verstärkt. Sie bringt noch einmal eine ganz andere Klasse in den Kader, sie ist eine ganz starke Spielerin“, erklärt Längert.

Ehrgeizige Ziele
An der Zielsetzung und dem eigenen Ehrgeiz lässt sie keine Zweifel aufkommen. „Uns wird oft von außen die Rolle des Underdogs aufgedrückt. Doch keiner geht zum FC Bayern, um Sechster zu werden. Wenn man sich für einen Wechsel hierher entscheidet, dann macht man das, weil man Ambitionen hat, sonst gäbe es einfachere Lösungen. Jede Spielerin will Titel gewinnen, denn das ist das Einzige, was einem nach der Karriere bleibt.“

Außenseiterrolle als Vorteil
Die Außenseiterrolle schmeckt Längert gut. „Das sehe ich als Vorteil an, jeder denkt, wir werden nach unten durchgereicht, dann holen wir uns halt als Außenseiter die Punkte. Mit uns wird noch zu rechnen sein“, ist sie sich sicher, dass eine neue Zeitrechnung beginnt, nachdem die vergangene Saison aufgrund der verletzten Spielerinnen und des zu verarbeitenden Traumas der in letzter Sekunde verpassten deutschen Meisterschaft unter keinem guten Vorzeichen stand.

Papierform nicht entscheidend

Allerdings räumt sie ein: „Uns würde ein bisschen mehr Selbstbewusstsein manchmal ganz gut zu Gesicht stehen. Aber wir sind eine gute Mannschaft und einige werden sich noch wundern.“ Sie räumt ein, dass andere Bundesligateams von der Papierform her einen breiteren Kader haben, doch sie meint: „Ich habe auch in meiner Karriere sechsmal hintereinander gegen Frankfurt gewonnen, obwohl sie immer auf dem Papier die stärkere Mannschaft waren.“

Exzellente Rahmenbedingungen
Vor allem die Infrastruktur des Vereins und den Teamgeist hebt sie besonders hervor. „Die Bedingungen, unter den wir hier arbeiten, und das Umfeld sind hier richtig gut, ich habe ja den Vergleich zu einem anderen Spitzenverein. Bei Bayern kümmert man sich um das ganze Drumherum und man muss sich nur aufs Fußballspielen konzentrieren. Und hier herrscht ein außergewöhnlicher Zusammenhalt in der Mannschaft.“

Kathrin Längert

Kathrin Längert dirigiert ihre Vorderleute ©Nora Kruse /FF-Archiv

Ins Rampenlicht spielen
Mit beständig guten Leistungen will sie sich auch ins Rampenlicht der Nationalmannschaft spielen. „Ich bin da bescheiden. Aber ich bin ja letzte Saison wieder in den U23-Kader gerückt, habe den Lehrgang gut genutzt und ein gutes Länderspiel gemacht. Jetzt geht es darum, diese Leistung Woche für Woche zu bestätigen.“ Vergessen ist die Eiszeit, die zwischen dem DFB und ihr lange Zeit herrschte.

Aus Fehlern gelernt
„Ich habe einfach als junge Spielerin nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen, habe Fehler gemacht, für die mich bezahlt habe. Ich habe mich bei den DFB-Verantwortlichen dafür entschuldigt und das Ganze ist abgeschlossen. Ich bin Frau Neid, Frau Ballweg und Frau Meinert sehr dankbar und ich bin auch stolz, dass ich mich noch einmal heran kämpfen konnte. Ich möchte meine Chance diesmal besser nutzen als beim letzten Mal.“

Kein Heimweh
In München hat sich Längert schnell eingelebt. „Ich bin ein Großstadtkind, deswegen habe ich mich hier schnell zurechtgefunden, auch wenn die Mentalität im Ruhrgebiet ein bisschen offener und kumpelhafter ist. Aber hier haben sich ab dem ersten Tag alle bemüht, dass ich mich wohl fühle und auch außerhalb des Platzes etwas zu tun habe, da war keine Zeit für Heimweh.“

Rohdiamant Bayern München
Sie hofft, dass ihrer Wahlheimat im Frauenfußball in Zukunft etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. „Hier gibt es nicht so eine Sportkultur wie im Ruhrpott. Da geht die ganze Familie jedes Wochenende am Samstag und Sonntag auf den Fußballplatz, hier fahren die Leute bei schönem Wetter in die Berge. Ich würde dem Verein mehr Zuspruch gönnen, denn das ist hier noch ein Rohdiamant. Wenn man an ein, zwei Ecken noch schleift, kann es nochmal richtig vorwärts gehen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.