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Marina Hegering: „Sind verdient Weltmeister geworden“

Von am 2. August 2010 – 13.01 Uhr 3 Kommentare

Der Lärm im FIFA-WM-Stadion Bielefeld war nach dem 2:0-Sieg der deutschen U20-Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Nigeria und dem gewonnenen WM-Titel ohrenbetäubend. So laut, dass Kapitänin Marina Hegering beim besten Willen nicht verstehen konnte, was FIFA-Präsident Sepp Blatter ihr sagen wollte. „Wir haben einfach den Pokal genommen und hoch gehalten“, erklärte sie später freudestrahlend. Dabei trübte ein Wermutstropfen die ausgelassene Siegesfreude.

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„Es war eine lange Vorbereitung, wir haben uns in dieser Zeit als Team gefunden und das super auf dem Platz umgesetzt, deswegen sind wir auch verdient Weltmeister geworden, denn wir haben souverän und gut gespielt“, so Hegering. Doch vor dem Titelgewinn standen noch einmal 90 Minuten harter Arbeit. „Nigeria war sehr robust und hatte eine andere Spielweise als alle anderen Gegner hier. Wir hatten Probleme in der ersten Halbzeit und mussten uns erst darauf einstellen, in der zweiten Halbzeit lief das besser“, so die 20-Jährige.

Extralob für Popp
Team- und Vereinskollegin Alexandra Popp bekam ein Sonderlob. „Wenn man bei einer WM zehn Tore schießt, dann ist man nicht nur eine Spielerin, dann gehört man auch zu den besten Spielerinnen des Turniers, und sie ist ja auch verdient ausgezeichnet worden.“ Erstaunt war Hegering, dass Teams wie England, Japan und die USA frühzeitig die Segel streichen müssten. „Das hat mich schon überrascht. Sie sind gegen Gegner rausgeflogen, gegen die wir gewonnen haben. Wer weiß, wie es ausgesehen hätte, wenn sie weitergekommen wären.“

Marina Hegering, Kapitänin der deutschen U20-Frauenfußball-Nationalmannschaft

Marina Hegering, Kapitänin der deutschen U20-Frauenfußball-Nationalmannschaft ©Nora Kruse /FF-Archiv

Kaum Zeit zum Feiern
Viel Zeit zum Feiern blieb nicht, denn schon am Montag ging es für einige Teamkolleginnen weiter. „Die Potsdamerinnen müssen direkt ins Trainingslager, die meisten müssen sofort ins Training einsteigen, nur ein paar Spielerinnen bekommen Pause.“ Während Hegerings Teamkollegin Popp am Mittwoch mit dem FCR 2001 Duisburg nach Belfast zur Champions-League-Qualifikation fliegt, ging für Hegering die Reise am Montag nach München.

Hegering fehlt zum Bundesligaauftakt
Denn schon seit März plagt sie eine hartnäckige Fersenverletzung. „Ich bin eigentlich verletzt und habe nur durchgehalten. Ich werde jetzt Pause machen und nicht mit nach Nordirland fliegen“, so Hegering. Eine ärztliche Untersuchung am Dienstag soll näheren Aufschluss geben. „Ich weiß noch nicht, ob etwas gemacht werden muss. Den Bundesligaauftakt werde ich auf jeden Fall verpassen, ich rechne zumindest mit vier Wochen Pause.“

Glückwünsche per SMS
Eine Zwangspause, die nach einer langen Saison, Vorbereitung und U20-WM vielleicht aber gar nicht schlecht ist. „Es ist sicherlich nicht einfach, sich jetzt gleich wieder auf die neue Saison zu konzentrieren. Aber wir sind befreit, glücklich und man nimmt natürlich auch die Euphorie mit. Wir haben viele Glückwünsche per SMS bekommen, das fühlt sich richtig gut an.“

Frauenfußball-WM 2011 als großer Traum
Und nach überstandener Verletzung will auch Hegering wieder täglich dafür kämpfen, den Traum von einer Teilnahme an der Frauenfußball-WM 2011 wahr werden zu lassen. „Die eine oder andere aus dem U20-Kader hat sicherlich Chancen auf die A-Nationalmannschaft, aber das ist die Entscheidung von Bundestrainerin Silvia Neid, da haben wir keinen Einfluss darauf.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Jan sagt:

    Jawoll: Verdiente Weltmeisterinnen! Sie haben den 2., 3. u. 4. besiegt, jedes WM-Spiel mit mind. 2 Toren Differenz gewonnen, und sogar jede Halbzeit gewonnen! (die 2. gegen Frankreich mit Glück) Bei einem Meister – egal in welchem Metier – sieht eben vieles so spielend einfach aus. – Bloß: Ob’s 2011 auch so ein Spaziergang wird?? bzw. wie lang er da wohl währt?? – (Betrüblich, dass innerhalb eines halben Jahres 3 große int. Sportereignisse von Todesfällen überschattet waren: Vancouver, Südafrika u. hier.)

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  • Jan sagt:

    (Achtung, jetzt kommen einige Zahlen.)

    Alle 6 Spiele gewonnen. Klasse! – Und nochmal: Sogar jede Halbzeit gewonnen! … Die Wahrscheinlichkeit beim Münzwurf, dass 6x nacheinander Zahl fällt, beträgt 1:64 ; für 12x nacheinander aber nur winzige 1:4096! Darum recherchierte ich – und tatsächlich: Es ist ein Jahrhundert-Erfolg, wie man ihn auf Weltniveau so noch nie gesehen hat!! Bei allen 85 vorherigen Welt-Turnieren der letzten 100 Jahre — WM, U20-WM, U17-WM, Olympia — gab es das weder bei Männern noch Frauen: Dass der Turniersieger jede Halbzeit gewann! Chapeau! – (Selbst unsre A-Auswahl gewann 2007 trotz 21:0 Toren „nur“ 9 von 12 Halbzeiten.)

    (Zwar waren manche dicht dran. Allein beim allerersten und einzigen derartigen Turnier vorher war das bislang gelungen – 1908 ; jedoch mit nur 6 Teams, alle aus Europa, bei deutlichen Leistungsunterschieden, bloß ganzen 6 Spielen, davon 3 für den Sieger – d.h. mit hoher Chance darauf.)

    Vielleicht erinnert sich manch eine/r an Bilder der Mannschaft unmittelbar nach dem bitteren EM-Aus 2009…
    Und jetzt sowas! Ob das nun öfter vorkommen wird? Denn die Turniere häufen sich ja; kaum ist eines zu Ende, beginnt das nächste, puh. Fast ein Wunder, dass Sepp Blatter sich da noch nicht doubeln lassen muss. 😉 Andererseits:
    1.) Gibt es immer mehr und ähnlich starke Konkurrenz.
    2.) Werden die Turniere größer (d.h. z.B. 7 Spiele bis ins Finale).
    3.) Gab’s in den letzten 100 Jahren bei jenen 85 Turnieren (ohne Qualifikation) 2783 Spiele, macht 5566 Halbzeiten. Das liegt etwa in der Größenordnung o.g. Wahrscheinlichkeit.
    Aber vielleicht klappt’s ja bereits erneut bei der nächsten WM (U17 F).

    Und dass Nigeria es irgendwann mal schaffen würde, überraschte Experten sicher nicht.

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  • Jan sagt:

    …um den Monolog fortzuführen: Wenn Käpt’n Marina Hegering sagt, sie seien verdient Weltmeister, kann man also getrost noch einen drauf setzen und behaupten: Nie gab es einen verdienteren (Fußball-)Weltmeister! 🙂 Und so wie die Mädels auftrumpften, leuchtet das ein. – Aber die 5 Gegentore!? Die passieren eben, wenn die Abwehr kaum gefordert ist. Außerdem geziemen sich Gastgeschenke für einen guten Gastgeber nunmal. 😉

    Nach 2x China u. 2x USA war 2011 Europa zum 2. Mal als WM-Ausrichter eigtl. fällig. Wäre die Fußball-WM 2011 dennoch nicht an Deutschland vergeben worden, dann hätte die U20-WM 2010 wohl nicht hier stattgefunden – und man hätte womöglich gar nicht teilnehmen und U20-Weltmeister werden können! Kaum auszudenken! – Ist so ein beispielloser Erfolg nun ein gutes oder schlechtes Omen für 2011? Immerhin wurde bei den 5 WMs bisher der Gastgeber erst 1x Weltmeister, und das erst im 11m-Schießen.

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