Home » U20-WM

„Mit Gottes Hilfe holen wir den Titel“

Von am 18. Juli 2010 – 17.22 Uhr

Schüchtern und etwas unbeholfen schlenderte Desire Oparanozie nach Nigerias 2:1-Sieg gegen Japan bei der U20-Frauenfußball-WM durch die Mixed Zone des Augsburger Stadions. Kein Wunder, denn hinter der nigerianischen Stürmerin liegen bewegte Monate. Doch ihr Ziel hat die 16-Jährige nie aus den Augen verloren.

Anzeige

Vier Punkte hat Nigeria nach zwei WM-Spielen auf der Habenseite, die Chancen zum vierten Mal in Folge das WM-Viertelfinale zu erreichen, stehen gut. Auch ein Verdienst der 1,69 Meter großen, antrittsschnellen Spielerin der Delta Queens aus Asaba. Beim 1:1 gegen England schoss sie den so wichtigen Ausgleichstreffer, beim Sieg gegen Japan ebnete sie mit ihrem Tor zum 2:0 den Weg zum Erfolg gegen die hoch eingeschätzten Japanerinnen.

WM-Titel als Zielsetzung
„Ich fühle mich großartig und freue mich über meine Tore“, so Oparanozie gegenüber Womensoccer. „Wir sind nicht nur hierher gekommen, um mitzuspielen. Mit Gottes Hilfe werden wir auch den Titel holen“, erklärt sie freundlich, aber bestimmt. Dass Tore schießen zu Oparanozies liebsten Hobbys gehört, ruft aber nicht überall Freude hervor.

Schwere Anschuldigung
Im April erzielte sie für ihre Nationalelf in der Qualifikation zur U17-Weltmeisterschaft beim 5:0-Sieg gegen Südafrika vier Treffer. Und zog sich damit den Zorn des gegnerischen Trainers Solly Lovengo zu. „Schauen Sie sich bloß diese Nummer 9 an“, polterte er. „Sie macht überhaupt keine Fehler und wenn man ihr nur eine kleine Chance gibt, bestraft sie dich. Die Spielerinnen Nigerias sind reifer, größer und stärker. Über manche Dinge darf man nicht sprechen, aber wir wissen was im Fußball passiert“, so Lovengo. Nicht das erste Mal, dass sich Nigeria Vorwürfen ausgesetzt sieht, es mit dem Alter seiner jungen Spielerinnen und Spieler nicht immer ganz genau zu nehmen.

Denise Operanozie

Denise Operanozie, Schlüsselspielerin im Team Nigerias ©Sascha Pfeiler/girlsplay.de

Unruhige Zeiten
Lange musste Oparanozie zudem um ihre Teilnahme an der U20-Frauenfußball-WM in Deutschland bangen. Erst entbrannte ein interner Streit darüber, ob sie für die U20-WM oder die im September stattfindende U17-Frauenfußball-WM  in Trinidad und Tobago nominiert werden soll.  Dann drohte Nigerias Staatspräsident Goodluck Jonathan nach dem schwachen Abschneiden der Männer-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika damit, alle Mannschaften seines Landes für zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben zurückzuziehen.

Fußball als Glückselixier
Doch nun ist Oparanozie in Deutschland, und kann das tun, was sie am liebsten macht: Fußball spielen. „Ich habe in der Schule damit angefangen, als ich sechs Jahre alt war. Ich habe mich zwar auch für andere Sportarten interessiert, aber Fußball hat mir am besten gefallen und mich glücklich gemacht. Und meine Familie hat mich von Anfang an dabei unterstützt, das ist bis heute so.“

Stark genug für Mexiko
Bereits im Alter von 14 Jahren bestritt sie 2008 für ihr Land die U17-Frauenfußball-WM in Neuseeland, in der Qualifikation für die U20-WM in Deutschland war es auch ihre starke Leistung, die die WM-Teilnahme perfekt machte. Das Selbstvertrauen in die eigene Stärke und die Erfahrung sind stetig angewachsen. Das soll am Mittwoch in Bochum auch Mexiko zu spüren bekommen, wenn es im direkten Duell beider Länder um den Gruppensieg geht. „Wir nehmen das Spiel und den Gegner, so wie sie kommen“, so Oparanozie gelassen. „Aber unsere Mannschaft ist stark genug, um auch dieses Spiel zu gewinnen.“

Tags: ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.