U20-WM: ein erstes Zwischenfazit

Von am 15. Juli 2010 – 14.43 Uhr 10 Kommentare

Alle 16 Teams der U20-Frauenfußball-WM in Deutschland haben ihre ersten Gruppenspiele absolviert. Zeit für ein erstes kleines Zwischenfazit.

Wenn noch einer bezweifelt haben sollte, dass die Weltspitze im Frauenfußball weiter zusammengerückt ist und zweistellige Siege wie der 11:0-Erfolg der DFB-Elf bei der WM 2007 in China gegen Argentinien der Vergangenheit angehören, der sieht sich schon nach zwei Spieltagen bei der U20-WM eines Besseren belehrt. Denn die ersten Spiele waren technisch anspruchsvoll und geprägt von Tempofußball, guten Spielzügen, hohem Niveau, starken individuellen Leistungen und größtenteils knappen Ergebnissen. Das machte Vorfreude auf die nächsten Spiele und auch auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011.

Teams aus Asien und Afrika überzeugen
Zu den großen Gewinnern durften sich die Teams aus Asien und Afrika zählen. Während der 1:0-Sieg Nordkoreas gegen Brasilien nur noch flüchtige Frauenfußball-Beobachter überrascht haben dürfte, sorgte vor allem die Art und Weise, wie Südkorea die Schweiz, immerhin U19-EM-Halbfinalist im Vorjahr, mit einem 4:0-Sieg in die Schranken verwies, für Erstaunen. Und in der dreifachen Torschützin Ji So Yun hatte das Land die wohl bisher auffälligste Spielerin des Turniers zu bieten. Was die 19-Jährige auf dem Spielfeld auch machte, es hatte Hand und Fuß. Mit einem Wort: Weltklasse.

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Iwabuchi wirbelt
Für Japan reichte es beim 3:3 gegen Mexiko zwar nicht zum Sieg, doch die erfrischende Spielweise des Teams und der Kampfgeist, mit dem man einen 1:3-Rückstand wettmachte, überzeugte die Zuschauer. Und Mana Iwabuchi zuzuschauen, macht einfach großen Spaß. In unnachahmlicher Weise bereitete sie den ersten Treffer ihres Teams vor, zwei Minuten vor Schluss erzielte sie selbst den Ausgleich. Von ihr dürfte man im weiteren Turnierverlauf noch einiges zu sehen bekommen.

Individuelle Klasse
Und wer hätte gedacht, dass WM-Neuling Ghana dem Favoriten aus den USA beim 1:1 einen Punkt abtrotzen und Nigeria den Europameister England ebenfalls mit einem 1:1 an den Rand einer Niederlage bringen würde? Doch auch Ozeanien-Meister Neuseeland hinterließ bei der knappen 1:2 Niederlage gegen Schweden einen guten Eindruck und hätte mit etwas mehr Glück als Sieger vom Platz gehen können. Nicht nur Ji So Yun und Mana Iwabuchi gaben am ersten Tag eine Visitenkarte ihrer individuellen Klasse ab. Svenja Huth, Alexandra Popp und Marina Hegering ragten beim deutschen Sieg gegen Costa Rica heraus, Lady Andrade aus Kolumbien bestach als Lenkerin und Denkerin ihres Teams. An feinen Aktionen mangelte es nicht, beispielhaft sei die Vorarbeit von Stephany Mayor zum dritten mexikanischen Tor erwähnt, als sie am rechten Flügel die japanische Abwehr überlief.

Favoriten patzen
Des einen Freund, war des anderen Leid. USA, England, Frankreich und Schweiz – gleich ein ganzes Quartett hoch gehandelter Teams konnte bei seinem ersten Auftritt nur wenig überzeugen oder enttäuschte sogar. Wobei die Amerikanerinnen andeuteten, zu welchen Leistungen sie im Turnierverlauf noch fähig sein werden. Mit der sommerlichen Wärme im deutschen Juli kamen offenbar nicht alle Teams gut zurecht.  Doch von früheren Juniorinnenturnieren weiß man, dass die Karten schon im nächsten Spiel neu gemischt werden. Mehr als ein Fingerzeig waren die ersten Spiele also sicherlich nicht.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

10 Kommentare »

  • laasee sagt:

    South Korea and Germany have been best teams so far.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Meinst Du nicht, laasee, das diese Einschätzung nach dem 1. Spieltag etwas verfrüht ist? Dort, wo die meisten Tore fallen, müssen nicht zwangsläufig die auf Dauer besten Turniermannschaften gespielt haben. Ist da vieleicht eher der Wunsch Vater des Gedanken?

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  • Flachpass sagt:

    Die mäßigen Leistungen von USA und Frankreich würde ich nicht so überbewerten, die werden sich garantiert noch steigern.

    Sehr erfreulich, daß Nigeria und vor allem Ghana sich so stark gegen WM-Mitfavoriten präsentiert haben. Ghana hat ja eine ganz junge Mannschaft, die sind nahezu alle sehr technisch beschlagen, es macht Spaß, denen zuzusehen. Hoffentlich halten die afrikanischen Teams ihre gute Form.

    Und Südkorea hat die mitfavorisierte Schweiz eindrucksvoll entzaubert, ist vielleicht DER Geheimtip für diese WM. Mal abwarten, wie das weitergeht.

    Neuseeland hat die Schwedinnen vor unerwartete Probleme gestellt, es ist vor allem so, daß es wohl bei dieser WM unter keinem der Teilnehmer Kanonenfutter gibt, alle die auf dem Papier zu den Aussenseitern zählen, können zumindest über weite Strecken mithalten und das Spiel lange offen halten.

    Japan – Mexiko war für ein Gruppenspiel allerste Sahne, tolles Spiel.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Flachpass: Sehe ich auch so. Die Amerikanerinnen mussten sich nach dem frühen Rückstand erst mal ein bisschen sammeln. Die zweite Halbzeit sah schon viel besser aus. Frankreich sah nicht gut aus, das lag aber schon auch am Gegner Kolumbien, der 90 Minuten gerackert und ihnen etwas den Zahn gezogen hat. Die Schweiz hatte ich persönlich nicht ganz vorne auf dem Zettel, das Kombinationsspiel von Südkorea war aber auch wirklich sehr ansehnlich. Neuseeland hat auch viel Qualität, funktioniert aber als Team noch nicht so gut. Aber schön, dass wir hier schon so viele gute Auswahlen gesehen haben.

    @Schenschtschina Futbolista: laasee schrieb „so far“ und das würde ich schon unterschreiben, was aber mehr mit der Spielweise als den Ergebnissen zu tun hat.

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  • Detlef sagt:

    Ich habe leider nur die Partie Deutschland – Costa Rica gesehen!!!
    Der Gastgeber agierte erwartungsgemäß stark, auch wenn hier und da noch die Säge etwas klemmt!!!
    Aber sie werden sich auch weiter steigern, da bin ich mir sicher!!!
    Der deutsche Kader ist einfach so klasse besetzt, da ist auch noch Luft nach oben!!!

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Markus
    Das ist der Beweis, dass meine Englischkenntnisse nicht optimal sind!
    Du besinnst Dich u.U., was ich dazu schonmal schrieb… 🙂

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  • laasee sagt:

    @ Schenschtschina futbolista

    How are you ?

    In the first game Germany had very good moments but also some times when it was not that good. 3 points and 4 goals is a good base to build on. South Korea played very well and so far have been the most impressive team.

    Ji So Yun has been the best player so far…………I think she would fit in well at Duisburg with FCR. Ji can be a Samba girl. Do you agree?

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  • Jarmusch sagt:

    Habe bisher so ziemlich alles gesehen was via Eurosport, Eurosport 2 und FIFA-Stream gesendet wurde. Leider gab es bei uns während das Spiels USA-Ghana ein schweres Unwetter, so dass ich vorsorglich alle Stecker gezogen und auf dieses Spiel verzichtet habe.

    Das spielerische Niveau ist wirklich gut. Trotz der hohen Temparaturen sind die meisten Teams ganz ordentlich marschiert. Hier hatten vermutlich die Südamerikanerinnen und Mexiko, sowie die afrikanischen Teams Vorteile.

    Total beeindruckt hat mich Südkorea. Technisch auf höchstem Niveau, laufstark und spritzig. Damit können sie dem Gegner ihr Spiel aufzwingen. Das wird ganz schwer die zu schlagen. Am ehesten könnte das Mannschaften gelingen, die körperlich hart dagegenhalten, also vielleicht USA und Deutschland.

    Etwas unerwartet kommen für mich die guten Leistungen Kolumbiens, Mexikos und der beiden afrikanischen Teams. Wie oben erwähnt, vielleicht kamen sie mit der Hitze besser klar. Der eine oder andere könnte hier sogar in die Viertelfinals durchrutschen.

    Absolut enttäuschend dagegen die Leistungen von drei der fünf europäischen Teilnehmer, namentlich die Schweiz, Frankreich und England. Der Schweiz räume ich die geringsten Chancen auf ein Weiterkommen ein. Danique Stein mit einem rabenschwarzen Tag war hinten gegen die quirligen Südkoreanerinnen restlos überfordert. Ramona Bachmann übermotiviert und nicht wirklich eine Teamspielerin. Wenn sie den Ball hatte wollte sie mit dem Kopf durch die Wand, Effektivität gleich Null. Frustiert stand sie in den Schlussminuten nach einem Ellenbogenwischer ins Gesicht ihrer Kontrahentin kurz vor einem Platzverweis. Mit Gelb war sie jedenfalls gut bedient.

    Ich freue mich auf die nächsten Gruppenspiele. Durch die vier Unentschieden in den acht Auftaktspielen werden die Gruppen hoffentlich bis zum Ende richtig spannend bleiben.
    Brasilien gegen Schweden morgen, Freitag, 15:00 Uhr wird richtungsweisend. Südkorea gegen Ghana am Samstag, 15:00 Uhr, könnte ein spielerischer Leckerbissen werden. USA gegen Schweiz am späteren Abend, da geht es bereits ums Überleben.
    Und Deutschland könnte mit einem Sieg gegen Kolumbien ja bereits das Viertelfinale klarmachen. Ich bin mal gespannt wer Bianca Schmidt ersetzen wird. Sollte Tabea Kemme verletzungsbedingt passen müssen, wird es auf dieser Position schon eng. Vermutlich würde dann Mirlach dort spielen.

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  • Ossi sagt:

    Von einer guten Leistung Kolumbiens habe ich vor Ort wenig gesehen. Insgesamt war das Spiel einfach nur langweilig und schlecht – von beiden Teams. Laut der Anzeige im Stadion gab es in der ersten Halbzeit ganze 3 Torschüsse (2:1 für Frankreich).

    Bei den Französinnen fielen besonders die zahlreichen Fehlpässe auf, da hätte ich gern eine Statistik gesehen. Wenn mal ein Ball nach vorne kam, stand meist Makanza im Abseits (und zwar deutlich).

    Die Kolumbianerinnen waren zwar technisch besser, machten aber viel zu wenig daraus. Anstatt den schnellen Abschluss zu suchen, rannten sie sich oft in der Abwehr fest. Erst in der Schlussphase sah das etwas besser aus, da wäre auch noch das 2:1 möglich gewesen. Torschüsse gehören aber anscheinend auch nicht zu ihren Stärken. Mir ist rätselhaft, wie diese Mannschaft gegen Leverkusen dreimal treffen konnte.

    In dieser Form werden beide hoch gegen Deutschland verlieren und Costa Rica ist mein Favorit für den 2. Platz in der Gruppe.

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  • pinkpanther sagt:

    @Ossi: Danke für die Einschätzung KOL-FRA, kann mich deiner Einschätzung nur anschließen. Von meinen vier Spielen vor Ort (noch DEU-CRC, SKR-SUI, USA-GHA) war dies das mit Abstand schwächste! Kolumbien konnte mich nicht besonders überzeugen, Frankreich genausowenig. Nach dem Ausgleich witterten sie halt ihre Chance gegen phlegmatische Französinnen. Normalerweise müsste Deutschland beide schlagen und Costa Rica hat mich als Mannschaft auch mehr überzeugt.
    Aber auch bei der deutschen Mannschaft war noch einiges an Sand im Getriebe: Kim Kulig oft zu eigensinnig, Bianca Schmidt zwar offensiv stark aber in der Defensive sehr anfällig. Insgesamt war das deutsche Spiel aber doch eine spielerische Achterbahnfahrt. Phasenweise haben die Mädels zwar schön kombiniert und sind als homogene Einheit aufgetreten, dann aber wieder zahlreiche eigensinnige Aktionen, zu spätes Abspiel oder unmotivierte Distanzschüsse (und ich meine nicht nur Kim, die bisweilen sogar etwas arrogant wirkte). Hier ist noch einiges an Luft nach oben, vor allem was das Mannschaftsspiel betrifft.
    Ich hoffe, dass sich das Trainerteam noch eine Aufzeichnung von Südkorea besorgt. Denn die haben eine dermaßen geschlossene Mannschaftsleistung hingelegt – das war erste Sahne (vergoldet durch Ji So-Yun). Aber alle weiteren Gegner sollten sich davor in Acht nehmen und SKR auf So-Yun zu reduzieren, denn in allen Mannschaftsteilen war dies eine sehr reife Leistung – fast über das gesamte Spiel schön anzuschauen die Raumaufteilung, das unaufgeregte und sichere Kombinationsspiel, kaum hektische Aktionen usw. Hier bin ich echt gespannt wie sie sich gegen stärkere Gegner präsentieren.
    @Jarmusch: Möchte mich ansonsten deiner Einschätzung von SKR anschließen.
    @Markus: Ich persönlich fand die zweite Halbzeit der USA -zumindest vor dem Ausgleich- NICHT besser wie die erste. Im Gegenteil: Ich hatte den Eindruck, dass sich die Ghanaerinnen immer besser auf das Spiel der USA eingestellt hatten und für mich fiel der Ausgleich zu dem Zeitpunkt eher überraschend – wenn auch nach einem wirklich toll herausgespielten Konter erzielt. Aber auch für das Team der USA galt: Bisweilen wurde zu schnell der Abschluss gesucht und das Mannschaftsspiel -zumindest phasenweise- vernachlässigt. Nichtsdestotrotz: Für mich bis jetzt das beste Spiel (JAP-MEX hab ich leider nur von gehört), dies vor allem aber auch ein Verdienst von Ghana, die mich als Mannschaft sehr überzeugt haben, vermutlich aber in dieser starken Gruppe gegen SKR/USA den Kürzeren ziehen … Und die Stimmung dank Ghanas Fans war spitze :-)))))
    Ich denke aber auch, dass hier noch deutliches Steigerungspotential ist – bei den Französinnen bin ich da eher skeptisch.
    Bin gespannt wie es heute weitergeht und freue mich schon morgen auf Augsburg 😉

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