U20-WM: der erste Spieltag im Überblick

Von am 13. Juli 2010 – 23.20 Uhr 10 Kommentare

68 120 Zuschauer, zwölf  Tore, eine Rote Karte, Salto-Einwürfe und ein echter Pechvogel – der erste Spieltag der U20-Frauenfußball-WM in Deutschland produzierte umkämpfte Spiele und sorgte bereits für eine Menge Aufregung und Unterhaltung.

Gleich das Eröffnungsspiel der fünften Titelkämpfe zwischen Deutschland und Costa Rica bescherte den 23 995 Zuschauern im ausverkauften Bochumer WM-Stadion sechs Tore, eine gute Leistung der deutschen Mannschaft und einen 4:2 (2:1)-Erfolg der Gastgeberinnen. Da waren auch schnell WM-2011-Maskottchen  „Karla Kick“ und die Eröffnungszeremonie wieder vergessen. Kurioserweise brachte das Spiel dasselbe Ergebnis hervor, mit dem die deutsche Männer-Nationalmannschaft 2006 in München ins heimische WM-Turnier gestartet war – ebenfalls gegen Costa Rica.

Huth hatte es eilig
Svenja Huth gelang bereits in der zweiten Minute die Führung und somit das zweitschnellste Tor der WM-Geschichte. Nur die Kanadierin Loredana Riverso war bisher schneller, sie traf  2002 im Spiel gegen die Demokratische Republik Kongo bereits nach 40 Sekunden. Ärgerlich: Abwehrspielerin Bianca Schmidt sah ohne Not beim Stand von 4:1 nach einer Notbremse gegen die quirlige Raquel Rodriguez Vasquez die Rote Karte und wird somit das zweite Gruppenspiel gegen Kolumbien am Freitag verpassen.

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Ruppiger Gegner
Ohne Platzverweis kamen hingegen die Mittelamerikanerinnen aus – doch fünf Gelbe Karten sind Beleg für die ruppige Gangart, der Asiens Schiedsrichterin des Jahres 2009, Eun Ah Hong, das ein oder andere Mal vielleicht etwas entschlossener Einhalt hätte gebieten können. Nur die mangelnde Chancenverwertung der DFB-Elf schmeckte Bundestrainerin Maren Meinert nicht, denn der Sieg mit zwei Toren Unterschied spiegelt die wahren Kräfteverhältnisse auf dem Rasen nur unzureichend wider.

Lady Andrade (r.) setzt sich durch.

Lady Andrade vermiest Frankreich WM-Auftakt
Im zweiten Spiel der Gruppe A trennten sich Kolumbien und Frankreich leistungsgerecht mit 1:1 (0:1). Die bessere Spielanlage der Französinnen kam nur in Ansätzen zum Tragen, trotz des frühen Führungstreffers von Marina Makanza, die mit einem schnellen Antritt kraftvoll in den kolumbianischen Strafraum eindrang und mit einem Schrägschuss die französische Führung erzielte (16.). Doch Kolumbien ließ sich durch den Rückstand nicht beirren, biss sich immer besser in die Partie und übernahm in der zweiten Halbzeit zunehmend das Kommando. Angetrieben von der überragenden Lady Andrade, der Stürmerin mit der Nr. 16 und dem berühmten Nachnamen, wurden die Südamerikanerinnen immer dominanter und erkämpften sich am Ende einen verdienten Punkt.

Frankreich kämpft mit der Hitze
Minuten zuvor noch wegen Krämpfen an der Seitenauslinie behandelt, schloss Andrade einen schönen Angriff über den linken Flügel von Katerin Castro aus zentraler Position zum 1:1 ab, gefolgt von einem Jubelsturm Richtung Trainerbank der Cafeteras (86.). Die Französinnen müssen sich vorwerfen lassen, nach der Führung zu wenig für den möglichen Sieg gearbeitet zu haben. Trainer Jean-Michael Degrange lobte den Gegner für den Kampfgeist und wies darauf hin, dass Kolumbien mit der warmen Witterung besser klar gekommen sei. Für Frankreich war es im 14. Spiel bei einer U20-WM das erste Remis nach sechs Siegen und sieben Niederlagen.

Nordkorea überzeugt
In Gruppe B setzte sich im Auftaktspiel Nordkorea gegen Brasilien knapp, aber verdient mit 1:0 (0:0) durch. Die eingewechselte Ho Un Byol erzielte mit einem Schrägschuss, ähnlich wie die Französin Makanza, in der 69. Minute den Treffer des Tages zum Sieg der Asiatinnen, die sich nach ausgeglichener erster Halbzeit in den zweiten 45 Minuten optische Vorteile erarbeiteten. Brasiliens Offensivspiel blieb harmlos, die außergewöhnlichen Salto-Einwürfe von Leah brachten die Nordkoreanerinnen nur einmal in Verlegenheit – als in der Nachspielzeit Yun Song Mi nach einem solchen den Ball fast in das eigene Tor befördert hätte. Das Team von Trainer Choe Kwang Soks Team deutete an, dass es zu Recht zum Favoritenkreis gezählt wird. Brasilien stand in der Verteidigung gut, ließ es aber gegen die gute Defensive Nordkoreas an Ideen und Kreativität vermissen.

Doppelschlag durch Göransson
Im zweiten Spiel dieser Gruppe kam Schweden zu einem hart erkämpften 2:1 (0:1)-Sieg gegen Neuseeland. Hannah Wilkinson nutzte die Uneinigkeit zweier schwedischer Abwehrspielerinnen zur überraschenden, aber nicht unverdienten Führung (33.). Denn die Neuseeländerinnen agierten aus einer guten Defensive und setzten geschickt punktuelle Nadelstiche. Erst in der zweiten Halbzeit begann das nun druckvollere Spiel der Schwedinnen Früchte zu tragen. Antonia Göransson (57. und 67.) drehte die Partie zugunsten der Skandinavierinnen.

Neuseeland im Pech
Beim Ausgleich hatte sie nach einer 3:2-Überzahlsituation allerdings ein wenig Glück, dass ihr Schuss für Neuseelands starke Torhüterin Erin Nayler unhaltbar abgefälscht wurde. Und auch beim zweiten Treffer meinte es der Zufall gut mit ihr, denn ihr Schuss prallte von Nayler zurück an ihr Bein, von dort fand der Ball den Weg ins Tor. Neuseeland hatte hingegen Pech:  Renee Leota knallte den Ball in der 16. Minute an den Pfosten, in der 61. Minute stand bei ihrem fulminanten Schuss nur die Latte einem Führungstreffer im Weg. Neuseelands Torschützin Wilkinson konnte zwar nicht die Punkte, aber zumindest den Spruch des Tages für sich beanspruchen: „Spanien hat bei der WM in Südafrika auch das erste Spiel verloren. Ich denke, das heißt wohl, dass wir Weltmeister werden.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

10 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    …Spanien hatte sein Auftaktspiel und zwar gegen die Schweiz verloren und wurde am Schluß WM-Champion! 😉

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  • labrys696 sagt:

    Markus, könntest du im letzten Satz „gewonnen“ mit „verloren“ ersetzen? Spanien hat gegen die Schweiz 1:0 verloren 😀

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  • Markus Juchem sagt:

    Wollte nur mal sehen, ob noch jemand wach ist. 😀 Danke an Euch beide!

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  • Jarmusch sagt:

    68120 Zuschauer? – Woher stammen diese Zahlen?

    Lt. FIFA waren 23995 Zuschauer beim Deutschlandspiel, der KICKER spricht von 22995. Die FIFA-Homepage weist die Stadionkapazität mit 19226 aus, irgendwo habe ich gelesen, dass die Kapazität wegen der großen Nachfrage zum Eröffnungsspiel um 2000 erhöht wurde. Macht dann aber immer noch nur knapp über 21000.
    Spiel 2 in Bochum sollen 2500 Leute gesehen haben (FIFA-Zahlen).
    Die beiden Spiele in Bielefeld wurden angeblich von jeweils 10065 Zuschauern verfolgt. Gab’s da nur Kombikarten für beide Spiele?
    Zähle ich die Zuschauerzahlen von FIFA zusammen komme ich auf 46625.

    Im übrigen waren die 3 Spiele ohne deutsche Beteiligung doch sehr schwach besucht. Ich glaube nicht, dass dort ca. 45000 Leute, also 15000 pro Spiel anwesend waren.

    Ich vermute eher man bedient sich (wie in Deutschland wohl leider üblich) der Zahl der verkauften/verschenkten Karten. Da insbesondere die Beschenkten dann oft gar nicht kommen, fällt die tatsächliche Zuschauerzahl (wohlgemerkt der anwesenden im Stadion) schon mal drastisch niedriger aus.

    Ich tippe auf insgesamt 30000 – 35000 Zuschauer bei den 4 Spielen.

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  • labrys696 sagt:

    Doppelt hält besser und diesen historischen Sieg der Schweiz darf man nicht vergessen 😀

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  • Markus Juchem sagt:

    @Jarmusch: Die FIFA-Angaben sind widersprüchlich, wie ich gerade festgestellt habe.

    In den offiziellen Spielberichten finden sich folgende Zuschauerzahlen:

    Deutschland – Costa Rica 23 995
    Kolumbien – Frankreich 2500
    Brasilien – Nordkorea 10065
    Schweden – Neuseeland 10065

    Das wären also gesamt 46625 Zuschauer.

    Im FIFA-Media-Channel gibt es allerdings eine Tagesstatistik incl. Graphik, dort heißt es „A total of 68,120 spectators viewed day 1 action, an average of 17,030 across the 4 matches.“

    Ich versuche das morgen mal rauszukriegen, wo der Fehler liegt, vielen Dank für den Hinweis.

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  • Markus Juchem sagt:

    In der Media-Channel-Statistik wurde offenbar das Spiel Kolumbien – Frankreich ebenfalls mit 23 995 Zuschauern erfasst, der Zuschauerzahl des Deutschland-Spiels. So käme man zumindest auf die besagten 68 120.

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  • oliver jonischkeit sagt:

    Mehr Karten wären evt. an jene, die nicht an den Spielorten wohnen, verkauft worden, wäre der Vorverkauf auch z.B. gegen Vorauskasse, Nachnahme etc. möglich gewesen. Er war es aber nur über Kreditkarte. Während dank des Sportamtes in Augsburg eine individuelle Lösung möglich war, gelang dies in Bielefeld nicht. Die wenigsten Fans der DVR Korea, die es auch in Europa gibt, sind im Besitz einer bestimmten Kreditkarte und daher de facto von der WM ausgeschlossen. Hoffentlich wird hier schnell an einer Lösung bis zur WM 2011 gearbeitet.

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  • SCW sagt:

    Uns wurde gesagt, dass die (FIFA) nach verkauften Karten gegangen sind. Offizielle Kapazität des Bochumer Stadions sind 23.000… also haut das schonmal nicht hin mit 23.995.
    War ja live dabei und denke, dass so 21.500 – 22.000 vor Ort waren. Beim 2. Spiel müsste ich raten / schätzen.. 2.000 könnte hinkommen… schon schade dass das Stadion sich derart schnell geleert hat. Naja.

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  • Markus Juchem sagt:

    Ursprünglich wurde die Kapazität in Bochum mit 19 226 angegeben, dann wurde ja nochmal aufgestockt. So ganz klar scheint es gerade nicht zu sein, wie groß das Fassungsvermögen genau ist. Die Zahl 23 995 stammt aus dem offiziellen Spielbericht: http://www.fifa.com/u20womensworldcup/matches/round=253537/match=300125146/report.html

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