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Maren Meinert: “Das sind junge Menschen, die sich präsentieren wollen”

Von am 24. Juni 2010 – 7.00 Uhr 4 Kommentare

Es dauert keine drei Wochen mehr, bis am 13. Juli in Bochum die U20-Weltmeisterschaft angepfiffen wird. Ein Jahr vor der Frauenfußball-WM in Deutschland stehen zunächst die Jung-Nationalspielerinnen im Mittelpunkt, und in Hinblick auf 2011 ist die WM eine Art Generalprobe für die Organisatoren. Über den Druck, den dies auf die U20-Auswahl ausübt, ihre Erwartungen sowie mögliche Kandidatinnen für die Frauenfußball-WM, sprach Womensoccer exklusiv mit Bundestrainerin Maren Meinert.

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Die Erwartungen an die Frauen-WM 2011 sind groß, immer wieder ist auch der „Sommermärchen“-Vergleich zu hören. Wie sehen Ihre Erwartungen an die U20-WM aus?
Wir wollen Appetit machen auf 2011 und einen schönen Übergang schaffen. Und wir wollen versuchen, durch unsere familienfreundlichen Preise und unsere hoffentlich begeisternde Mannschaft möglichst viele Menschen in die Stadien zu locken und ihnen die Chancen geben, bei einer WM live dabei sein zu können.

Wie sieht es mit den Erwartungen an Ihr eigenes Team aus?
Wir sind hier als Gastgeber und gehören sicherlich zum Favoritenkreis. Ich erwarte mir von der Mannschaft, dass wir gut vorbereitet in das Turnier gehen und wissen, dass es kein leichtes Spiel geben wird. Wir wollen versuchen, bis zum Ende dabei zu sein und haben den Anspruch, ein Wörtchen um den Titel mitzureden.

Bundestrainerin Maren Meinert will um den WM-Titel mitspielen.

Die U20-WM liegt zwischen der WM der Herren und der der Frauen. Wie groß ist Ihre Sorge, dass sie dabei ein wenig untergeht oder nach Südafrika vielleicht etwas Fußballmüdigkeit herrscht?
Die Sorge habe ich eigentlich nicht, weil ich glaube, dass man, wenn man viel Fußball im Fernsehen guckt, auch die Gelegenheit gern wahrnimmt, vor der Haustür ein Spiel live zu besuchen. Darüber hinaus orientiert sich unsere WM in Richtung Familienfest und ist von klein bis groß für alle ausgerichtet.

Im eigenen Land bekommt eine WM, auch im Hinblick auf 2011, mehr Beachtung und ist mit hohen Erwartungen verknüpft. Wie macht sich das in der Arbeit mit der Mannschaft bemerkbar?
Das hält sich momentan noch in Grenzen. Für die Spielerinnen steht die Erwartungsfrage, die von außen gestellt wird, nicht im Vordergrund. Das sind junge Menschen, die sich präsentieren wollen und sich freuen, dass sie das vor der eigenen Haustür können. Wir haben sehr wenige Heimländerspiele mit der U20, und da sind die Spielerinnen froh, wenn sie vor eigenem Publikum spielen können. Dass wir die Stimmung, die einige schon bei der WM in Chile vor zwei Jahren kennengelernt haben, jetzt auch in Deutschland erleben können, ist natürlich etwas ganz Besonderes, das man nur einmal im Leben erlebt. Da steigt die Spannung – was ich aber als durchaus positiv empfinde.

Ist die Mannschaft nicht, um bestmöglich Werbung für 2011 machen zu können, zum Erfolg verpflichtet?
Die Frage ist sicherlich, dass von außen der Anspruch an diese Mannschaft besteht, als Gastgeber möglichst weit zu kommen. Davon lebt eine Heim-WM, und ich denke, das ist normal. Wir haben mit dem Druck, den wir uns selber machen, viel mehr zu tun, als mit dem, der von außen kommt. Druck ist auch immer ein großes Wort, und meine Spielerinnen sind jung; sie wollen etwas zeigen und machen sich nicht so viele Gedanken über das Gesamtbild.

Wie sehen die Lehrgänge aus, gibt es neben dem Training Teambuilding-Maßnahmen?
Es ist bei uns immer erstaunlicherweise so, dass sich die Spielerinnen – obwohl wir zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammen sind – schon sehr gut kennen. Sie dürfen natürlich sagen, was sie außerhalb des Platzes machen wollen. Vom Trainerteam haben wir keine Aktionen geplant, weil wir uns immer darauf verlassen können, dass die Spielerinnen mit Vorschlägen zu uns kommen, was sie gerne tun würden –  sei es auf den Golfplatz gehen oder einen Grillabend veranstalten.

In der Frauen-Nationalmannschaft wird mit einem Mentaltrainer gearbeitet, bei der U20 ebenfalls?
Wir haben Kontakt mit dem Mentaltrainer der A-Nationalmannschaft, der während des vergangenen Lehrgangs auch einen Vortrag gehalten und die Spielerinnen kennen gelernt hat. Sicherlich machen wir das nicht in der Form, wie es bei den Frauen möglich ist, aber wir wollen zumindest einen zusätzlichen Baustein in die Vorbereitung eingliedern, sodass die Spielerinnen auch die Möglichkeit haben, die ein oder andere Frage loszuwerden.

Mit Kim Kulig, Alexandra Popp und Bianca Schmidt haben Sie drei Spielerinnen mit Erfahrung aus der A-Nationalmannschaft in den Kader berufen. Die Sorge, dass dieser Schritt das Konzept und Mannschaftsgefüge durcheinander bringt, bestand nie?
Die Gefahr besteht natürlich immer, wenn man Spielerinnen hat, die länger in der nächsthöheren Stufe gespielt haben. Aber es kommt auch auf den Charakter an. Speziell bei den drei Spielerinnen sind wir uns ganz sicher und haben vom ersten Tag an gemerkt, dass sie unheimlich heiß darauf waren, hier zu spielen und sich freuen, wieder in ihrem Alterskreis zu sein. Sie sehen es nicht als lästige Pflicht, sondern sind sehr motiviert, mit der U20 ein erfolgreiches Turnier zu spielen.

Die drei bieten sich natürlich für die WM 2011 an – gibt es andere im aktuellen Kader, die sich aufdrängen?
Ich denke, dass wir in Bezug auf die WM 2011 so realistisch sein müssen, dass wir – abgesehen von den drei – nicht mehr fünf oder sechs Spielerinnen in die Frauen-Nationalmannschaft berufen können. Die hat momentan auch ein sehr junges Durchschnittsalter. Aber wir haben mehrere Spielerinnen, ohne Namen nennen zu wollen, denen ich es zutraue, sich bei dieser WM in den Vordergrund zu spielen. Ich hoffe schon, dass sie sich auch eine Chance in Hinblick auf 2011 im Kader der Frauen-Nationalmannschaft erspielen. Und dann muss man natürlich auch sehen, dass nach 2011 der Frauenfußball in Deutschland weiter geht. Wir brauchen sicherlich noch viele junge, gute Spielerinnen, die sich jetzt vielleicht bei der WM hervor spielen.

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4 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Für mich ist der Gastgeber dieser WM der Favorit schlecht hin!!!
    Der Kader ist wirklich sehr stark besetzt!!!
    Vor allem das Mittelfeld und der Angriff sind sicher das Beste, was es in der Welt zur Zeit in dieser Altersklasse gibt!!!
    Jetzt müssen nur noch die Nerven mitspielen!!!

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  • Freiburger sagt:

    Schau mal den Angriff der Schweizer an:-)

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  • Ralf sagt:

    @Freiburger

    🙂 „Scatterlings of Africa!“

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    …und das von ihrer besten Seite!“
    Ist nur meine persönlich gefärbte, vervollständigte bzw. korrigierte Fassung der Meinertschen Aussage, die als Titel des obigen Beitrages herhalten mußte – da fehlt mir nämlich das Wie!

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1 Pingbacks »

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