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FC Stattegg: Teenie-Truppe auf Erfolgskurs

Von am 8. Juni 2010 – 10.31 Uhr

Mit einem Durchschnittsalter von nur 16,8 Jahren ist der FC Stattegg das jüngste Team der höchsten Frauenfußball-Liga in Österreich. Und nur wenige hätten dem Aufsteiger den Klassenerhalt zugetraut. Trainer Arnold Freiberger erklärt im Interview mit Womensoccer, wie dies dennoch gelang.

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Womensoccer: Herr Freiberger, herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt, den Sie schon vor dem letzten Spieltag perfekt gemacht haben. Haben Sie je daran gezweifelt, dieses Ziel zu erreichen?

Arnold Freiberger: Nein, nicht wirklich. Die Mädchen agieren sehr zielgerichtet und haben in den entscheidenden Spielen ihre psychische und physische Leistungsgrenze abrufen können.

Womensoccer: Wie ist es gelungen, die Routine der Konkurrenz wettzumachen?

Freiberger: Die Mädchen haben eine unbedingte Erfolgsmentalität und sie haben versucht, alle Vorgaben im taktischen Bereich umzusetzen. Durch diese Einstellung, gepaart mit dem nötigen technischen Können, ist es ihnen gelungen, auch gegen routinierte Mannschaften zu bestehen.

Womensoccer: Was waren die größten Umstellungsprobleme zwischen der 2. Liga Süd und Österreichs höchster Spielklasse?

Freiberger:
Zwischen der ersten und der zweiten Liga ist der Unterschied sehr, sehr groß. Das fängt bei den einzelnen Spielerinnen an, geht über die Technik der Mädchen bis zum viel höheren Tempo im Spiel. Auch im technisch-taktischen Bereich ist der Unterschied enorm. Bedingt durch den Tempounterschied muss man auch im körperlichen Bereich anders trainieren.

Womensoccer: Welche Schlüsse haben Sie aus dem erfolgreichen Lehrjahr gezogen?

Freiberger: Der Aufstieg kam vielleicht ein Jahr zu früh. Wir hatten keine Zeit für die Ausbildung im fußballerischen Bereich, aber andererseits sind die Mädchen in diesem Jahr sehr gereift.

Teamfoto des FC Stattegg

Womensoccer: Was sind Ihre Ziele für die kommende Saison?

Freiberger: Wir wollen unseren Platz natürlich verbessern, weiter lernen und uns entwickeln. Wir streben eine noch bessere Vermarktung in allen Bereichen an und wollen für die Mädchen noch ein besseres Umfeld schaffen.

Womensoccer: Ihr Team verfügt (e) mit Susanne Ehgartner, Tanja Altenbacher, Kerstin Fernitz, Christina Fischler,  Lisa Weissensteiner, Christina Peintinger  über Auswahlspielerinnen, die in der erfolgreichen U17 eingesetzt wurden oder jetzt  noch aktiv sind. Ist eine solche Nominierung ein Glücksfall oder eher eine Strapaze für den Verein?

Freiberger:
Für die Mädchen ist eine Teamnominierung das Allergrößte. Ich sehe das nicht negativ, sondern forciere es sogar. Ich will, dass die Mädchen mehr vom Fußball haben, dass sie noch mehr an die Idee und die Möglichkeiten glauben, mit ihrem Spiel etwas zu erreichen. Das Wort „Zusatzbelastung“ kennen meine Mädchen nicht, sie sind sogar böse, wenn ich sie nach einem ÖFB-Turnier zur Regeneration aus dem Trainingsprozess herausnehme.

Womensoccer: Ist Ihrer Meinung nach für Österreich nach den bisherigen Erfolgen mit der U17 und U19 auch eine Steigerung des österreichischen A-Teams möglich?

Freiberger: Im Nachwuchs sind wir in Österreich sehr gut unterwegs, entscheidend wird aber sein, wie viele der jungen Spielerinnen dann die Möglichkeit haben, sich weiter zu entwickeln. Österreich kann es nur gut tun, wenn die Mädchen ins Ausland wechseln, weil einfach speziell in Deutschland der Stellenwert des Frauenfußballs höher ist und die die Arbeit ganz anders funktioniert. So kommen viel mehr positive Aspekte zurück. Der ÖFB braucht für die Frauen einen starken Mann. Wenn diese Jungen bleiben und entsprechend gefördert werden, dann ist in Zukunft mit unserem Frauenfußball zu rechnen.

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