Faszination Fußball

Von am 1. Mai 2010 – 15.19 Uhr 2 Kommentare

Wie lässt sich erklären, dass ein verhältnismäßig simples Spiel wie der Fußball zur beliebtesten Sportart der Welt werden konnte? Die netzathleten sind dieser Frage auf den Grund gegangen und geben ein paar Erklärungsansätze.

na_alleswas_dunkel_200x62Nimmt man allein die TV-Quoten als Gradmesser, sind Olympische Spiele und nicht die Fußballweltmeisterschaft das Sportereignis Nummer eins. Das liegt allein schon daran, dass die drei bevölkerungsreichsten Länder der Erde (China, Indien und USA) bislang mit dem Spiel ums runde Leder noch nicht so richtig warm geworden sind. Für die meisten Länder Europas, Südamerikas und Afrikas gilt jedoch: Fußball ist die Sportart Nummer eins, und eine Fußball-WM der größte Einzel-Sportevent. Das ist der heutige Stand. Doch wie konnte der Fußball überhaupt so groß werden?

Fußball: Ein einfaches Spiel kommt einfach an
„Die besondere Faszination des Fußballs liegt zu einem großen Teil in seiner Einfachheit“, sagt Jens Heuer, Sportpsychologe aus Münster. „Zum Fußballspielen braucht es nicht viel. Ein Ball, ein wenig Platz und einige Mitspieler, schon kann es losgehen. Die Möglichkeit, Fußball zu spielen, ist überall auf der Welt gegeben“, fährt Heuer fort. Selbst das Problem nicht vorhandener Tore lässt sich mittels Bäumen, Tonnen oder Taschen immer irgendwie lösen.

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Die Einfachheit des Spiels geht aber noch weiter: Während z.B. im Basketball ein Korb je nach Situation mal einen, mal zwei und mal drei Punkte wert ist, zählt ein Treffer im Fußball immer gleich viel; ob es sich um einen Abstauber aus zwei Metern oder einen Kunststoß aus schier unglaublichem Winkel handelt, spielt keine Rolle.

Darüber hinaus ist häufig ein Tor nicht bloß ein Tor: „Im Handball oder im Basketball ist ein Tor oder ein Korb ein normaler Bestandteil des Spiels, im Fußball ist es eine echte Rarität. Und bereits das erste Tor kann eines Spiels kann das letzte und somit das entscheidende sein“, sagt Sportpsychologe Jens Heuer.

Fußball ist unberechenbar
„Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie das Spiel ausgeht“, hatte schon der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger gewusst. Und in der Tat enden Spiele und Turniere nicht immer so, wie man es erwartet. Bayern München wird eben nicht jedes Jahr Deutscher Meister, und auch die brasilianische Nationalmannschaft holt nicht jedes Mal den WM-Titel. Der Fußball lebt einfach von der Überraschung, ebenso wie von den Details, die einen Spielverlauf beeinflussen und dem „hätte…wäre…wenn.“

Die Liebe zum Fußball wird weitervererbt
In Europa, Afrika oder Südamerika kommt man in aller Regel schon in frühesten Kindertagen mit dem Fußball in Berührung. Im engeren Umfeld gibt es immer irgendjemanden, der die Liebe zum Fußball weitervererbt. Oft genügt es schon, wenn man zum Geburtstag einen Ball geschenkt bekommt. Oder wenn man vom Vater einfach einmal mit ins Stadion genommen wird. Egal, wie das Spiel dann ausgeht; meistens ist dies die Geburtsstunde einer lebenslangen „Liebesbeziehung“.

Fußball schafft Identifikation
Fußball ist aber auch ein Motivationsspender. Gerade in ärmeren Ländern stellt der Fußball eine der wenigen Möglichkeiten auf gesellschaftlichen Aufstieg dar. Bei allen Schattenseiten (Stichwort: Kinderhandel mit „Rohdiamanten“ aus der Dritten Welt), trägt dies doch enorm zur Identifikation mit dem Spiel und seinen Stars bei, wie Sportpsychologe Jens Heuer ausführt: „Fußballhelden sind für viele Jungen und Mädchen Identifikationsfiguren. Erfolg auf der Weltbühne des Fußballs dient als Projektionsfläche für eigene Wünsche und Sehnsüchte. Die Fußballstars – und wir mit ihnen – durchleben grandiose Triumpfe ebenso wie tragische Niederlagen.“

Fußball verbindet Menschen
Bald steht mal wieder eine Fußball-Weltmeisterschaft an. In den Stadien, aber auch beim Public Viewing oder in Kneipen wird man dann wieder einen Eindruck erhalten von der verbindenden Kraft des Fußballspiels. Man bildet gemeinsam mit den anderen Anwesenden eine Art (Leidens-)Gemeinschaft: „Nahezu jeder Mensch empfindet es als lustvoll und beschwingend, in einer Gruppe Gleichgesinnter Rauschhaft-Besonderes zu erleben. Je größer die Fangemeinde eines Teams ist, umso stärker kann das positive Erleben ausfallen“, erläutert Sportpsychologe Jens Heuer.

Ein Beispiel: Ein Sieg nach einem 0:2-Rückstand ist ohnehin schon eine Seltenheit und ein Anlass für einen heftigen Adrenalinausstoß. Doch wenn man eine solche Erfahrung in der Gemeinschaft macht, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich die Atmosphäre und die Emotionen einbrennen und auch Jahre später noch auf Abruf eine Gänsehaut erzeugen können.

Fußball ist aber auch ein Gleichmacher – und zwar im positivsten Sinne. Vor der WM 1998 in Frankreich prophezeite man dem Gastgeber nur Außenseiterchancen auf den Titel. Eine Truppe, in der sich verschiedenste Kulturen vermischten („echte“ Franzosen, aber auch solche mit asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Wurzeln), galt vielen Experten als zu inhomogen. Am Ende wurde die Mannschaft um Superstar Zinédine Zidane, einen Sohn algerischer Immigranten, Weltmeister. Dieser Titel hat in unserem Nachbarland (zumindest phasenweise) mehr zum Verständnis der Kulturen untereinander beigetragen als jede Integrationsmaßnahme der Politik.

Experte: Jens Heuer; www.bestleistung.com

Hier geht’s zum Originalartikel auf netzathleten.de

2 Kommentare »

  • Timo sagt:

    Ein weitere Punkt wäre vielleicht die Tatsache, das die Schiedsrichter im Fussball ohne technische Hilfsmittel entscheiden (Zeitlupe im Nachhinein etc.) und so manche Entscheidungen unfair und nicht richtig waren und dies dann im Nachhinein noch für viel Diskussion sorgen kann. Ich meine als Beispiel wären 100m Läufe, sind für mich jetzt nicht so populär wie Fussball, und dort entscheidet halt eine Laserschranke wer gewonnen hat und auch so gibt es wenig Raum für Diskussionen, und davon lebt der Fussball.

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  • Jan sagt:

    Jemand meinte mal, Fußball sei ein demokratischer Sport; weil (so o. ä.) Menschen mit verschiedenen körperlichen Voraussetzungen dabei Chancen haben – egal ob man groß oder klein, bullig oder hager ist. Kampfsportarten z.B. benötigen deswegen Gewichtsklassen.
    Oder:
    – Für Rudern, Schwimmen, Basketball, Volleyball, Hochsprung und oft auch Handball und Eishockey musst du groß sein.
    – Für Turnen, Eiskunstlaufen, als Jockey und Steuermann beim Rudern musst du klein sein.
    – Für Skispringen musst du leicht sein.
    – Für Langstreckenlauf musst du sehnig und drahtig sein.
    – Für Speerwerfen, Kugelstoßen, Hammerwerfen, Gewichtheben/Kraftsport, (Am.) Football musst du muskulös und schnellkräftig sein.

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