Sarholz im siebten Himmel

Von am 19. April 2010 – 11.11 Uhr 1 Kommentar

Mit einer Mischung aus Stolz, Coolness und der Unbekümmertheit einer 17-Jährigen genoss Anna Felicitas Sarholz das Bad in der Menge. Gleich drei Elfmeter hatte Sarholz soeben gegen keine Geringeren als die Nationalspielerinnen Inka Grings, Linda Bresonik und die junge Irini Ioannidou gehalten  – und das im Elfmeterschießen des Halbfinalrückspiels in der Champions League. Ein Highlight, das man als Sportlerin ein Leben lang nicht vergessen wird, und sogar Trainer Bernd Schröder ließ sich von seinen Emotionen mitreißen.

Normalerweise hebt der 67-Jährige einzelne Spielerinnen nur ungern aus dem Kollektiv heraus, wie er in der Pressekonferenz nach dem Spiel noch einmal betonte, um sogleich in eine Lobeshymne auf seinen Schützling überzugehen: „Heute war bei uns eine 17-Jährige auf dem Platz, die überragend war, was Stellungsspiel, Persönlichkeit und Ausstrahlung angeht. Bei den Elfmetern kommt es natürlich auch immer auf den Schützen an“, so Schröder, der seinen überraschenden emotionalen Überschwang jedoch gleich wieder etwas zu bremsen versuchte.

Die Qual der Wahl
„Bei uns gibt es keine Nummer 1 und Nummer 2, weil beide Torhüterinnen auf Augenhöhe sind. Wir überlegen spontan von Spiel zu Spiel, wer in einer bestimmt Situation die beste Wahl ist. Schumann stand gegen Jena und in Duisburg im ersten Halbfinale im Tor, gegen Bayern München und heute dann Sarholz. Wir haben zu beiden Vertrauen, deswegen weiß ich auch noch nicht, wer in Frankfurt oder im Finale das Tor hüten wird. Das sind meistens spontane Bauchentscheidungen.“

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Unbeschreibliches Gefühl
Doch an das Finale in Getafe wollte man jetzt noch gar nicht richtig denken, sondern erst einmal ganz den besonderen Augenblick genießen. Und so freute sich Sarholz, der vor nicht langer Zeit noch ein frühes Karriereende drohte: „Ich kann es noch gar nicht beschreiben. Das ist Wahnsinn, einfach überragend.“ Allerdings räumte sie ein, dass beim Elfmeterschießen für eine Torhüterin auch immer eine Portion Glück mit im Spiel ist. „Es gibt kein System, man versucht spontan und intuitiv zu reagieren und die Körpersprache der Spielerin zu lesen. Aber mir wäre es lieb, wenn die Mannschaft die Sache im Finale schon vor dem Elfmeterschießen erledigt“, so Sarholz augenzwinkernd.

Anna Felicitas Sarholz bestimmt die Schlagzeilen

Die 17-jährige Anna Felicitas Sarholz bestimmte am Montag die Schlagzeilen der lokalen Presse

Lukrativer Sieg
Mit ihren Paraden hat Sarholz dem Team nicht nur den sportlichen Einzug ins Finale, sondern auch ein substanzielles finanzielles Zubrot gesichert. „Zwischen 250 000 und 300 000 Euro“, beziffert Schröder den Betrag, den man dank der Finalteilnahme zusätzlich auf der Habenseite verbuchen kann. „Das eröffnet uns natürlich neue Möglichkeiten, was den Kader betrifft“, so Schröder.

Mit Selbstvertrauen ins Finale
Gegen wen der 1. FFC Turbine Potsdam am Donnerstag, 20. Mai, in Getafe vor den Toren Madrids (live ab 20.15 Uhr im ZDF) zur besten Sendezeit antreten wird, steht noch nicht fest, da das zweite Halbfinalrückspiel zwischen Umeå IK und Olympique Lyonnais wegen des Flugverbots über Europa verschoben werden musste. „Ich kann zu beiden Teams noch nicht besonders viel sagen“, so Sarholz. „Es kommt, wie es kommt. Wir haben gezeigt, dass wir es können und müssen auch ins Finale mit Selbstbewusstsein reingehen, dann können wir womöglich als erster Champions-League-Sieger in die Geschichte eingehen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Mini sagt:

    Hey felix…du verdammter freak 😉

    Elfer-Killer…Ich hab da nen deja-vu…ähhmm letztes Jahr – B-Juniorinnen Meisterschaft in DUISBURG.. 😀

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