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Schwedische Liga im Umbruch

Von am 4. April 2010 – 11.50 Uhr

Die Meinungen der Experten gehen in diesem Jahr weitgehend auseinander. Es sind vor allem Göteborg, Linköping und der ewige Favorit LdB Malmö FC, denen man die Favoritenrolle zuspricht. Im ersten Spiel der neuen Saison in der schwedischen Damallsvenskan besiegte Titelverteidiger Linköpings FC den Geheimfavoriten Göteborg mit 1:0.

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Den Treffer erzielte Tilda Heimerson per Elfmeter in der 62. Minute. Linda Sällström war im Duell mit Nationaltorfrau Hedvig Lindahl zu Fall gekommen, Lindahl erhielt die rote Karte.

Umeå nur noch Außenseiter
Nicht mehr im Gespräch um den Titel ist Rekordmeister Umeå IK, das gleich fünf Spielerinnen (Bachmann, Yamaguchi, Elaine, Rasmussen und Edlund) an die amerikanische Liga WPS verloren hat. Die Finanzen stimmten schon lange nicht mehr in der einstigen Wunderstadt des Frauenfußballs und man hatte nicht genügend Muskeln, um mit Atlanta Beat oder Saint Louis Athletica konkurrieren zu können.

Allerdings sollte man die Truppe des neuen Trainers Joakim Blomqvist auch nicht unterschätzen. Dafür gibt es zu viele Nachwuchsspielerinnen mit internationaler Erfahrung in der Mannschaft. Vor allem Sofia Jakobsson hat mit ihren Toren gegen Frankreich bei der U19-EM auf sich aufmerksam gemacht. Reaktiviert hat man auch die unverwüstliche Frida Östberg, deren Routine sicherlich wichtig sein wird für die vielen jungen Spielerinnen, unter denen die finnische Nationalspielerin Anna Westerlund noch die spektakulärste ist.

Neuorientierung bei Djurgården
Ebenfalls zur Ader gelassen wurde Ex-Meister Djurgården. Auch hier hat die finanzielle Lage zu einer drastischen Neuorientierung gezwungen. Victoria Sandell Svensson ist zurückgetreten und hat nun das Amt der Sportdirektorin beim Verein übernommen. Dazu verlor man mit Marijke Callebaut (zurück nach Belgien) und Linda Sällström (jetzt bei Linköping) weitere torgefährliche Spielerinnen. Die Deutsche Jennifer Meier hat sich entschieden, kürzer zu treten und spielt nun beim Zweitligisten Bollstanäs, um Beruf und Fußball besser kombinieren zu können. Das Team ist jung und unerfahren, hat aber in der Vorbereitung durchaus überraschend gute Resultate erzielt mit seinem Kader, der ein Durchschnittsalter von 21,4 Jahren hat.

Noch schlechter sieht es beim Lokalrivalen AIK aus Solna aus. Vor zwei Jahren noch Tabellenvierter mit dem erklärten Ziel mittelfristig um die Meisterschaft zu spielen, scheint der Verein die ambitionierten Zielsetzungen vergessen zu haben. Denn der Kader umfasst derzeit nur 14 Spielerinnen, die am Montag gegen Örebro eingesetzt werden können. Die in Deutschland bekannte Essi Sainio ist nach wie vor verletzt. Sie, die letzten Sommer als vierte Finnin zu AIK kam, ist nun die einzige Vertreterin ihrer Nation. Laura Kalmari nutzte die Gelegenheit, nach einer glanzvollen EM vor Karriereende noch einmal nach Amerika zu gehen und spielt beim WPS-Meister Sky Blue FC, Annica Sjölund wechselte zu Aufsteiger Jitex und die legendäre Anne Mäkinen kümmert sich um ihre Ausbildung und jobbt nebenbei als Assistenztrainerin der finnischen Nationalmannschaft.

Aufsteiger mit Visionen
Es scheint also nicht gut auszusehen in Schweden, dessen Liga sich oft als beste der Welt vermarktete. Aber in den Zeiten der Finanzkrise beweist Aufsteiger Tyresö FF, dass es auch anders gehen kann. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Mannschaft von der vierten in die erste Liga auf und verpflichtete nicht weniger als neun neue Spielerinnen, darunter etwa  den niederländischen Mittelfeldstar Kirsten van de Ven. In Tyresö gibt es Geld, es gibt Visionen. Die hat vor allem Sportdirektor Hans Löfgren, der vor fünf Jahren beim Verein einstieg und es geschafft hat, große Teile der Unternehmerschaft und Bevölkerung der 45 000-Einwohnergemeinde hinter sich zu versammeln. Tyresö liegt 20 Kilometer südöstlich von Stockholm, weit genug um dem Club eine eigene Identität zu geben. Durch kluge Netzwerkarbeit und überzeugende Beruf-Fußball-Lösungen für die Spielerinnen ist es Löfgren und Tyresö gelungen, in Krisenzeiten etwas Positives zu schaffen. Zum ersten Ligaheimspiel am nächsten Wochenende hofft man auf 2 000 Zuschauer am Bollmoravallen, nicht ganz unwahrscheinlich, nachdem man bereits unglaubliche 600 Dauerkarten abgesetzt hat.

Malmös Understatement
In Malmö wollen sie dieses Jahr nicht von der Meisterschaft reden. Beim Presseauftakt sprach ich darüber mit Pavlina Scasna, die schon bei Los Angeles Sol unter Vertrag stand und ab April mit Marta stürmen sollte, als bekannt wurde, dass sich die Eigentümer des Vereins zurückziehen, wie das in den USA heißt. Daraufhin wurde ein Extra-Drafting veranstaltet, bei dem Scasna Atlanta Beat zugesprochen wurde. Da aber wollte die 28-jährige Tschechin (früher Bayern München) nicht hin, sondern nahm wieder Gespräche mit Malmö auf.Dessen Sponsor LdB setzt weiterhin viel Geld ein, will aber sicherlich irgendwann einmal auch die Meisterschaft. Einige meinen, dass es dieses Jahr soweit ist.

Pavlina Scasna sagt, dass man nicht so sehr über Platz 1 spricht wie im vergangenen Jahr. Schaut man sich die Kader auf dem Papier an, sollte Malmö die Nase vorn haben. Das Team spielt ohnehin den attraktivsten Angriffsfußball und steht damit recht alleine da, nun, nachdem Umeå seinen kompletten Sturm in die USA abgegeben hat und das Mittelfeld noch dazu. Und mit Kathryn Gill hat Malmö jetzt eine athletische, kopfballstarke Stürmerin geholt, die sicherlich eine wichtige Rolle spielen wird. Beim Trainingslager in der Türkei vor einigen Wochen drehte Malmö einen hochprofessionellen Werbefilm für seine Mannschaft.

Die Damallsvenskan 2010 ist um viele Stars ärmer geworden. Ob sich das in den Zuschauerzahlen niederschlägt, die noch immer knapp vor denen der deutschen Bundesliga liegen, wird sich zeigen. Der Verlust ausländischer und einheimischer Stars wird aber auch zur Folge haben, dass eine Reihe von jungen Spielerinnen schneller als bisher den Durchbruch schaffen wird.

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