Lebenszeichen der Totgesagten

Von am 21. März 2010 – 17.44 Uhr 6 Kommentare

Zuletzt mussten der 1. FFC Frankfurt und der FC Bayern München in der Frauenfußball-Bundesliga noch herbe Niederlagen einstecken, doch nach den Siegen am Wochenende wittern beide Teams noch einmal Morgenluft im Kampf ums internationale Geschäft. Und auch am Tabellenende hat der SC Freiburg mit einem wertvollen Dreier neue Hoffnung geschöpft.

Während der 1. FFC Frankfurt bereits am Samstag einen unerwartet souveränen 2:0-Auswärtssieg beim UEFA-Pokal-Sieger einfuhr, hatte der FC Bayern München beim 2:1 (0:1)-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg das Glück auf seiner Seite.

Wolfsburg dominant
Denn eine Halbzeit lang bestimmten die Niedersachsen vor 310 Zuschauern in Aschheim das Geschehen, Rebecca Smith sorgte per Kopf für die verdiente Führung (35.), die höher hätte ausfallen können, hätte Bayern-Torhüterin Kathrin Längert nicht zweimal glänzend gegen Martina Müller reagiert (17. und 29.). Die beste Bayern-Chance ließ Stefanie Mirlach per Kopf nach Flanke von Nina Aigner aus (19.).

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Vetterlein patzt
Besser machte es Mirlach in der 49. Minute, als Wolfsburgs Torhüterin Alisa Vetterlein bei einem Schuss von Bianca Rech nicht gut aussah und ihr den Ball maßgerecht zum 1:1 vor die Füße legte. Die Bayern nutzten nun die kurze Schwächephase der Wölfinnen eiskalt aus, Julia Simic gelang nach schöner Vorlage von Mirlach von der Strafraumgrenze der Siegtreffer (53.) für ansonsten durchschnittlich agierende Bayern.

Harmlose Offensive
In der Folge kamen erneut die Gäste einem Treffer näher, doch in der Offensive waren die Wolfsburgerinnen zu harmlos, die blasse Melissa Wiik musste zur Pause vom Feld, Selina Wagner als Müllers Sturmpartnerin hatte, anders als noch beim 4:0-Hinspielerfolg, ebenfalls nicht ihren besten Tag erwischt.

Bayern will dran bleiben
Bayern-Trainer Günther Wörle räumte nach der Partie ein: „Wir hätten uns heute sicherlich über ein Unentschieden nicht beschweren dürfen“, schickte aber gleich eine Kampfansage hinterher: „Mit vier Siegen aus fünf Spielen sind wir die beste Rückrundenmannschaft der Bundesliga. Und wenn wir in Saarbrücken und Potsdam gewinnen, dann können wir noch einmal ganz oben mitmischen.“

Spielerisch auf Augenhöhe
Gäste-Trainer Ralf Kellermann meinte: „Es ist unglaublich, dass wir heute ohne Punkte nach Hause fahren, denn wir waren die bessere Mannschaft. Aber wir nehmen hier mit, dass wir mit einer Mannschaft wie Bayern München spielerisch mithalten können.“

Potsdam marschiert
Meister 1. FFC Turbine Potsdam ließ sich bei der SG Essen-Schönebeck durch einen 0:1-Rückstand nicht aus der Ruhe bringen, am Ende stand ein souveräner 5:1 (3:1)-Sieg. Essen ging durch Sarah Freutel in Führung (10.), doch Nadine Keßler (22.), Babett Peter (38.), Anja Mittag (43.), Fatmire Bajramaj (50.) und Yuki Nagasato (85.) hielten die Potsdamerinnen weiter auf Titelkurs.

Hoffnung in Freiburg
Der SC Freiburg feierte im Duell zweier Kellerkinder einen wichtigen 1:0 (1:0)-Sieg gegen den 1. FC Saarbrücken, Juliane Maier erzielte kurz vor der Pause den Siegtreffer (45.). Freiburgs Trainer Ede Beck erklärte: „Nun haben wir zwei Spiele in Folge gewonnen und die Rote Laterne abgegeben, dürfen aber nicht euphorisch werden, sondern müssen unseren Rückstand Schritt für Schritt aufholen, um unser Ziel, den zehnten Tabellenplatz, zu erreichen.“ Gäste-Trainer Stephan Fröhlich meinte: „Glückwunsch an den SC Freiburg, sie haben heute verdient gewonnen. Wir haben heute unser schlechtestes Spiel in dieser Saison abgeliefert, wir sind zu keinem Zeitpunkt richtig ins Spiel gekommen, haben zu viele einfache Fehler gemacht und nie das abgerufen, was wir eigentlich können.“

Pflichtsieg für Jena
Der FF USV Jena bewältigte die Auswärtsaufgabe bei Tennis Borussia Berlin beim 3:0 (1:0) fehlerfrei. Genoveva Anonma brach den Bann (42.), ein verwandelter Foulelfmeter von Yvonne Hartmann (75.) sowie ein Treffer von Sylvie Arnold in der Nachspielzeit vergrößerten die Abstiegsnöte des Aufsteigers. Jenas Trainerin Heidi Vater meinte: „Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Nicht ganz so zufrieden mit dem Spiel, wir haben uns zu viele Abspielfehler geleistet im Vorwärtsgang. Letztendlich sind das aber ganz wichtige Punkte, die wohl für uns eine Vorentscheidung gegen den Abstieg sein sollten.“ Gegenüber Thomas Grunenberg erklärte: „Ich bin wahnsinnig enttäuscht. Obwohl der Gegner nicht seinen besten Tag hatte, konnten wir dies nicht nutzen. Meine Mannschaft ist in den Spielen gegenüber den Trainingsleistungen nicht wieder zu erkennen.“

HSV stoppt Bad Neuenahr
Ebenfalls ein Dreier gelang dem Hamburger SV beim 2:1 (2:0)-Sieg gegen den SC 07 Bad Neuenahr. Ana Crnogorcevic (4.) und Maja Schubert (44.) schossen in der ersten Halbzeit eine Zwei-Tore-Führung heraus, den Gästen gelang durch Lena Goeßling durch einen verwandelten Foulelfmeter nur noch der Ehrentreffer (65.).

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • eisbär sagt:

    Turbine hat gezeigt, wie man ein 0:1 in Essen noch in einen klaren Sieg verwandelt. So leid es mir auch für den FCR tut, aber Turbine ist klarer Favorit in allen drei Wettbewerben. Die besten Chancen für Duisburg ist der DFB-Pokal, da in einem Spiel eine schlechte Tagesform nicht mehr ausgebügelt werden kann. In der Meisterschaft ist Turbine nicht mehr zu stoppen, dafür sind ihre Auftritte zu souverän; Ausnahme wäre ein unglaubliches Verletzungspech, was aber nicht zu wünschen wäre.

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  • laasee sagt:

    @eisbar (sorry my Deutsch is bad)

    You are correct – Turbine is the top form team.

    On Wednesday the winner of the game will go on and win all three competitions. This game is huge for both Potsdam and Duisburg for psychological matters.

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  • sisyphos sagt:

    @ eisbär: Du kennst den Spruch vom Bären und dem Fell? 😉

    aber zustimmen muss ich Dir darin, dass Turbine das Spiel souverän gedreht hat. Hätte allerdings MelH ihren Volleyschuss zum 2:0 vollstrecken können , wäre einiges anders gelaufen … aber ‚hätte, wäre, wenn und aber‘ sind net im Angebot. Dass Turbine Favorit ist, bestreitet inzwischen keiner mehr, denke ich.
    Wir werden sehen, was mit Liras Oberschenkel ist, aber eine Verletzung wünsche ich natürlich keiner Spielerin.

    Ich favorisiere auch den DFB-Pokal, denn ein punktuelles Highlight ist möglich und mir ist Köln wesentlich lieber als Getafe. Also, lasst die Mädels sich ausruhen und dann ab in die ‚Turbine-Löwen-Wochen‘ mit dem besseren Ausgang für die jeweils bessere Mannschaft.

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  • eisbär sagt:

    @ sisyphos

    Ja klar, den Spruch kenne ich.

    Nur legt Turbine eine so konstante Saison hin, dass ist schon bemerkenswert und Duisburg ist immer für einen Patzer gegen „kleine“ Teams gut. Natürlich hoffe ich, dass es enge und gute Spiele zwischen dem FCR und Turbine geben wird und die Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden wird.
    Also auf ein gutes Spiel am Mittwoch.

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  • 7 sagt:

    Da könntet ihr fast Recht haben, und TP ist (wieder) der Favorit. Aber war das letztes Jahr nicht ähnlich, TP gewinnt souverän gegen den FCR und im Pokal kriegen sie (TP) die Klatsche …

    Das Spiel am Mittwoch mag die Vorentscheidung für die Meisterschaft sein – „mehr“ sehe ich deshalb da aber (noch) nicht!

    @ laasee: Translations necessary?

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  • laasee sagt:

    @ 7 ……. it is okay, thanks. I understand far better than I can write.

    If TP win on Wednesday then it makes a massive step to winning the Buli. If TP lose on Wednesday then the pressure of the English week schedule drains the players mentally more than physically and it goes bad very quickly and then FCR has the advantage for the Pokal and CL games.

    For Inka & Co……….losing to Frankfurt is a ‚wake up‘ call………..will they ‚wake up‘ on Wednesday?……….I hope so!

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