DFB-Mitgliederstatistik: der schöne Schein

Von am 19. März 2010 – 12.02 Uhr 19 Kommentare

Man ist es inzwischen gewohnt, dass der DFB jedes Jahr neue Rekordzahlen in seiner Mitgliederstatistik verkündet. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Insgesamt 6,76 Millionen Mitglieder sind inzwischen im DFB gemeldet, davon 1,05 Millionen Frauen und Mädchen. 27 477 Neuanmeldungen kamen im Jahr 2009 im Frauenfußball-Bereich dazu. Erfreulich, doch die jährlichen Zuwachsraten kaschieren, dass das öffentliche Interesse am Frauenfußball nur langsam zunimmt.

5 341 Frauenfußball-Mannschaften sind im DFB gemeldet, 8 665 Mädchenfußball-Mannschaften bis 16 Jahre. Bei den weiblichen Teams gab es im vergangenen Jahr ein Plus von 924. Hannelore Ratzeburg, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball, freut sich: „Das sind natürlich sehr erfreuliche Zuwachsraten, die beweisen, dass sich der Frauen- und Mädchenfußball in den vergangenen Jahren immer mehr zur Trendsportart entwickelt hat und unsere Maßnahmen im Hinblick auf die WM 2011 positiv umgesetzt worden sind.“ Doch die Zahlen sprechen nur die halbe Wahrheit.

Schwache Besucherzahlen
Suggerieren sie doch einen Aufwärtstrend, der die Beweisführung beim wöchentlichen Besucher der Frauenfußball-Bundesligen nicht standhält. So ist etwa der Zuschauerschnitt im bisherigen Verlauf der Frauenfußball-Bundesliga-Saison 2009/10 nach wie vor dreistellig: 768. Nur die Top 3, der 1. FFC Turbine Potsdam, der FCR 2001 Duisburg und der 1. FFC Frankfurt sind in der Lage, regelmäßig eine vierstellige Besucherzahl zu erzielen. Selbst den strengen Winter eingerechnet, eine insgesamt immer noch dürftige Bilanz. Zum Vergleich: Der Zuschauerschnitt der Handball-Bundesliga der Frauen liegt mehr als 20 Prozent über dem der Frauenfußball-Bundesliga.

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Ribéry und Ronaldo in den Köpfen
Würde sich nur ein Bruchteil der Aktiven stärker für das Geschehen im Frauenfußball interessieren, wären die Besucherzahlen deutlich besser, würde auch der Umfang der Berichterstattung in den  Medien weiter wachsen. Doch in den Köpfen der Fußball spielenden Mädchen sind immer noch Namen wie Franck Ribéry oder Cristiano Ronaldo stärker verankert, als solche wie Inka Grings oder Fatmire Bajramaj. Diskutiert wird bevorzugt über das Geschehen im Männerfußball, über die Ereignisse im Frauenfußball tauscht man sich nur in Ausnahmefällen aus.

Faszination Frauenfußball wecken
Im  Zuge der Frauenfußball-WM 2011 und auch darüber hinaus wird die eigentliche Herausforderung für den DFB sein, verstärkt die Faszination für den Frauenfußball zu wecken und weniger die Zahl der Fußball spielenden Mädchen und Frauen zu vergrößern. Auch die Anstoßzeiten der Frauenfußball-Bundesligen sollten einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Und die Vereine müssen sich hinterfragen, wie sich die infrastrukturellen Rahmenbedingungen und die Außendarstellung verbessern lassen, um mehr Besucher zu den Spielen zu locken. Von der Anfahrt über die Parkplatzsituation bis hin zu den sanitären Einrichtungen an den Spielstätten gibt es noch großen Handlungsbedarf, genauso wie etwa bei der Pflege und Aktualisierung der vereinseigenen Websites.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

19 Kommentare »

  • peter sagt:

    sehr guter artikel!

    daher wird die wm 2011 auch keine massive änderung im ff hinsichtlich bundesliga bringen. 2012 wird das jahr der ff-ernüchterung..

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  • SiggiDitsche sagt:

    Danke Markus für deine Einschätzung. Die DFB- Oberen sonnen sich nur zu gern in diesen Statistiken, aber im Tagesgeschäft werden die fussballbegeisterten Frauen und Mädchen in Deutschland doch allzugern als „hilfsbedürftiges“ Anhängsel der Männer gesehen und auch so behandelt. Dazu kommt auch noch die Megaarroganz der „Neid“-Mitarbeiterinnen, was die 1. und 2. Liga und den Spielbetrieb betrifft. Mit so vernichtenden Entscheidungen die Liga 2011 im März regelrecht zu killen, damit die in den Vereinen „so schlecht“ trainierten Frauen bei der WM eine Siegchance haben. Das gibts in keiner anderen Sportart in unserem Land. Wer erklärt eigentlich den Vereinsverantwortlichen und vor allem allen zahlenden Zuschauern und Sponsoren das sie 4 Monate für nix zahlen dürfen. Vom DFB war dazu bisher auch gar nichts zu hören. Ich hätte einen Vorschlag (ist natürlich purer Sarkasmus von mir). Der DFB zahlt alle Spieler/Trainergehälter der Ligamannschaften in den Monaten März 2011 ff. und wir Fans/Vereinsmitglieder bekommen unsere Beiträge erstattet, in Form von zwei Freikarten für zwei WM Spiele.

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  • cremaster sagt:

    Ich mache mal eine kleine Rechnung auf.

    Zuschauerdurchnitt 768 x 6 Spiele pro Spieltag = 4608 Zuschauer. Aus dem Bauch heraus 65% davon weiblich = 2995 weibliche Zuschauer, 70% davon unter 35 Jahre = 2096 potentiell aktive FF’lerinnen.

    2.096 : 1.050.000 heisst, dass max. eine von 500 aktiven DFB-Spielerinnen (entspricht 20 Kader) am Sonntag den Weg als Zuschauerin zu einer Erstligabegegnung findet.

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  • Cookie sagt:

    @cremaster
    Solange die Anstoßzeiten so bleiben, werden auch nicht mehr aktive Fußballerinnen sich die Spiele der Bundesliga ansehen. Die spielen da nämlich selbst alle…

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  • mercator03 sagt:

    Der Artikel bringt es wirklich auf den Punkt.
    Es muss sich wirklich noch eine Menge tun – hinsichtlich der Rahmenbedingungen genauso wie in den Köpfen, sonst bleibt der FF allen Statistiken zum Trotz eine Randsportart.

    Ich habe wirklich noch nie in einem Interview mit einer Spielerin gelesen, dass eine andere Fußballerin als „sportliches Vorbild“ genannt wurde – es waren stets nur Namen aus dem aktuellen Männerfußball.

    Die Berechnung von Cremaster mag richtig sein. Aber es sind ja auch nicht die anderen aktiven Fußballerinnen (die an Sonntagen ja z.T. selber spielen), die in die Stadien der FF-BL kommen müßten, es sind die ganz „normalen“ Fußballfans, die man erreichen müßte, um die Zuschauerzahlen nennenswert zu steigern.

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  • Markus Juchem sagt:

    @mercator03: Man darf aber auch die negative Signalwirkung nicht unterschätzen, auf Verwandte, Freunde und Bekannte. Meines Wissens nach gehen die meisten aktiven Spielerinnen auch nicht zu Länderspielen, geschweige denn zu Ligaspielen (mit der Einschränkung, dass sie da möglicherweise selber kicken). Ich denke, hier lässt man eine große Chance liegen.

    Warum soll sich der „normale“ Fan für den Frauenfußball erwärmen, wenn es offenbar nicht mal die Aktiven tun? Das ist Negativ-PR in eigener Sache.

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  • cremaster sagt:

    Was die Spieltage der untern Ligen angeht, kann ich mich jetzt nur auf den Raum Frankfurt/M. beziehen, wo in aller Regel Samstags gekickt wird. Mag sein, dass anderswo eher sonntags gespielt wird.

    Das der Zuschauerschnitt bei den Handballerinnen höher als im FF liegt finde ich schon sehr bemerkenswert. Insbesondere wenn man bedenkt, welch geringe mediale Beachtung diese Sportart erfährt.

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  • stargirl sagt:

    Bei den anstoßzeiten ist es kein wunder,dass keiner hingeht…ich würde liebend gerne zu jedem potsdam spiel,aber wenn potsdam spielt spiele ich ja selbst…ich bin dafür ,dass die bundesliga am samstag spielt.

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  • bluab sagt:

    frauenbundesliga am samstag finde ich nicht sehr gut samstag ist männerfußballtag das würde bedeuten die vereine haben noch weniger fans im ff stadion

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  • suplo sagt:

    Seht es doch positiv!
    … und wenn jeder beim nächsten Spiel noch jemanden mitbringt, dann haben wir die Zuschauerzahlen schon verdoppelt. Das geht bei den Herren doch gar nicht mehr.

    Und im heutigen Alltag sind doch die Wachstumszahlen viel wichtiger als der Bestand…

    🙂

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  • stargirl sagt:

    Sonntags wird auch bei den männern gespielt. Außerdem,wer geht an einem sonntag um 11 ins stadion ?!?

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  • djane sagt:

    Es bringt nichts, an den Anstoßzeiten rumzuschrauben: man wird es nie allen Leuten Recht machen können, die Kunst ist also eher, die Anstoßzeiten nicht den Leuten anzupassen sondern die Leute so dafür zu begeistern, das sie die Anstoßzeiten akzeptieren.
    Letztendlich ist es doch auch ein Massenphänomen: wenn genug Leute kommen und Stimmung garantiert ist, kommen immer auch welche, die sonst in den Zoo oder biken gegangen wären (siehe UEFA-Cup Finale des FCR letztes Jahr).
    Als zeitweiliger Besucher von Heimspielen des TSV Crailsheim kenne ich aber auch das Gegenteil: 50-150 Leute am Spielfeld (mit Gästefans), und eine Stimmung wie bei ner Beerdigung, weil einfach null Leidenschaft und Begeisterung da ist (von den pöbelnden Rentnern mal abgesehen, die eh alles besser wissen) Da macht es keinen Spaß zu jubeln, weil man einfach alleine auf weiter Flur ist (abgesehen davon, das es letzte Saison nix zum jubeln gab).
    Um so erholsamer sind Besuche im Brentano oder PCC, weil dort einfach eine Fanbase vorhanden ist und man eher das Gefühl hat, das Fans und Kickerinnen in einer Symbiose stehen.
    Falls jetzt aber jemand fragen sollte, wie man auch die Massen in Crailsheim oder Berlin mobilisieren kann: keine Ahnung, auf dem Papier stehen momentan nicht so viele Argumente für einen Stadionbesuch. Anders sieht das bei Vereinen wie Bayern München aus: warum dort so wenige kommen, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben.

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  • bluab sagt:

    @djane
    beim fcb ist das problem das die erste der männer ALLES domminiert die amateure der herren klagen genauso über wenig zuschauer wie alle anderen sportarten in münchen auch.
    wenn man in münchen einen mords werbeaufwand betreibt das wetter gut ist eine topmannschaft kommt und die anstosszeit passt dann kann man sehen was möglichseinkönnte (da sind dann gleich mal 2000 leute da) aber das ist halt nicht bei jedem spiel möglich.
    abgesehen davon denke ich das mehr leute kommen würden wenn das stadion nicht vor den toren münchens währe und mit den öffentlichen zu erreichen währe so können leute ohne auto fast nicht ins stadion

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  • laasee sagt:

    @djane

    The main problem is the cosy relationship between mens football and the media. In England the television, radio, newspapers, magazines etc are big on mens football because it helps them commercially. Most of the media are not true football lovers but realise the commercial benefits that football brings to them. I assume the same is true in Germany and other countries. The media glorify that the mens English Premier League is the best in the world but most matches are of a low quality. The media marketing ’spin‘ creates the impression that all matches are wonderful.

    On the other side, the media virtually ignore FF and consequently FF is not regarded as being ’sexy‘ whilst mens football is. The media in Britian do not question the imbalance at all. The politicians are just as bad as the media……….they are not football lovers but see that being linked to football is good for votes. Political parties advocate positive gender discrimination for election candidates but stay quiet when players such as Kelly Smith have to leave ‚cash rich‘ England to go to USA in order to be professional. There is far too much hypocrisy towards FF in every country.

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  • djane sagt:

    naja, also meines Erachtens ist das PCC mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch nicht gerade gut zu erreichen- trotzdem sind im Schnitt 1200 Leute da. Dazu kommt, das im Ballungsgebiet Rhein-Ruhr auch noch ein Haufen anderer Vereine kickt- was für einen einzelnen Verein ja nicht gerade ein Vorteil sein muß.
    Und letztendlich sollte es für die Münchner Frauen doch trotzdem nicht ein so großes Problem sein, bei Höneß und Co. um etwas mehr Mittel für anständiges Marketing zu bitten.

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  • Markus Juchem sagt:

    In München ist das Problem sicherlich vielschichtig: das hohe Freizeitangebot der Stadt macht es allen Sportarten schwer, dauerhaft und in großer Zahl Zuschauer zu binden. Dazu kommen die ungünstige Lage des Sportparks Aschheim und einige weitere Faktoren.

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  • bluab sagt:

    @djane glaubst du wirklich das man einfach so zum höneß gehen kann und sagen kann „wir brauchen noch mehr geld für eine sparte die höchstwahrscheinlich in den nächsten 10 jahren keinen gewinn abwirft“?? und wegen potsdam die haben doch sonst nichts in ihrer nähe wo sollen die denn sonst hingehen zu herta???? dazu kommt der erfolg bei den turbinen der bleibt in münchen ja aus

    z markus kann dir nur voll und ganz recht geben

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  • Sehr guter Artikel, Markus,

    ich persönlich hab ja auch schon das eine oder andere Mal hier Frauenfussball mit Frauenhandball verglichen – und wenn solche zentralen Vergleiche wie Zuschauerzahlen sogar relativ deutlich für die Handballerinnen ausgehen, ist das für den Sport Fussball in meiner Hinsicht absolut peinlich. Laut DOSB-Statistik 2009 spielen 319.210 Frauen Handball – und auch die müssen ja schließlich irgendwann selber spielen und können dann „ihre“ Mannschaft nicht anfeuern. Irgendwas macht Handball also besser als Fussball.

    Letztlich wollte ich aber an sich nur einen Punkt einwerfen: ich finde, man muss gar nicht so weit sich auf die von Markus oben zitierte Seite durchklicken, bis man die Zuschauerstatistiken der Handball-Bundesliga Frauen gefunden hat – alleine so eine Bundesliga-Website sollte den deutschen Kickerinnen die Tränen in die Augen treiben – wenn ich das mit dem DFB-Auftritt vergleiche… HBFV steht übrigens für die Handball-Bundesliga Vereinigung Frauen e.V. … Sowas wird man im Frauenfussball auch vergeblich suchen, solange in den Ligatagungen Anträge nur deswegen abgelehnt werden, weil sie vom falschen Verein oder falschen Vereinsvertreter eingebracht worden sind…

    LG,
    Florian

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  • djane sagt:

    @bluab, ich wollte mit meinen Kommentar eigentlich nur ausdrücken, das die Frauen des FCB ja doch Teil der großen FCB-Familie sind- und das man da schon das ein oder andere Gespräch führen könnte (was die Zuständigen der FCB-Frauen bestimmt auch getan haben, nur bis jetzt halt ohne Erfolg). Wenn von der Seite nix kommt fragt man sich schon, warum sich der FCB denn dann überhaupt eine Frauenabteilung gönnt.
    Die Sache mit der medialen Präsenz steht bei mir auf einem anderen Blatt und tangiert m.E. eher die Menschen, die sich sowieso schon mit FF beschäftigen.

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