Eli Landsem: Wir haben die Entwicklung verschlafen

Von am 7. März 2010 – 13.15 Uhr

Seit September letzten Jahres arbeitet Eli Landsem als norwegische Nationaltrainerin und hat beim Algarve Cup das erste Turnier mit ihrer Mannschaft bestritten. Womensoccer sprach mit der Trainerin über die ersten Monate im Amt, die kommenden Aufgaben sowie Probleme in Nationalmannschaft und Liga.

Wie sieht Ihr Algarve-Cup-Fazit aus, sind Sie zufrieden?
Ich bin mit dem Auftritt der Mannschaft insgesamt zufrieden. Wir haben einige neue Spielerinnen eingesetzt, einen guten Wettbewerb geboten bekommen. Ich bin neu bei der Mannschaft, wir haben noch viel zu tun, aber ich habe im Defensiv- und Offensivverhalten auch viel Gutes gesehen.

Sie sind erst nach der Europameisterschaft ins Amt gekommen. Wie haben Sie die ersten Monate erlebt?

Direkt zu Beginn standen die WM-Qualifikationsspiele gegen die Niederlande und die Slowakei auf dem Programm. Da gab es nur ein Ziel: diese Spiele zu gewinnen. Ich hatte nicht die Zeit, vorher mit dem Team zu arbeiten. Aber wir haben die Punkte geholt und uns eine gute Ausgangsposition für die Qualifikation erarbeitet. Danach hatten wir Pause wegen der Liga und Ferien der Spielerinnen. Ich konnte es kaum abwarten, mit der Mannschaft endlich anzufangen zu arbeiten – aber ich musste bis Januar warten. Erst dann konnte ich beginnen, die Mannschaften zu „meinem“ Team zu machen und meine Ideen und Vorstellungen umzusetzen.

Wie sehen diese aus?
Ich muss die Eigenschaften weiterentwickeln, in denen die Mannschaft schon immer gut war. Wir hatten immer eine gut organisierte Defensive, hatten dabei vielleicht Schwächen, selbst kreativ nach vorne zu spielen. Auf dieser Defensive müssen wir aufbauen, dann aber auch verstärkt ins eigene Spiel investieren und mental stärker werden.

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Dies sind für Sie die wichtigsten Schritte in diesem Jahr?
Ja. Ich denke, wir stehen etwas zurück. USA, Deutschland und Brasilien sind heute stärker als wir… aber morgen schon nicht mehr (lacht). Wir müssen darüber nachdenken, wie wir diese Lücke schließen können.

Eli Landsem will mit Norwegen zurück an die Spitze. (c) Nora Kruse

Norwegen war früher Weltspitze. Seit einiger Zeit hat man den Eindruck, die Leistung stagniert. Wo liegen für Sie die Gründe?
Der norwegische Fußballverband hat sehr früh in den Frauenfußball investiert. Wir konnten sehr viel trainieren und waren körperlich topfit. Mittlerweile sind das alle Nationen – also kein Vorteil mehr für uns. Dann waren wir eine sehr gut organisierte Mannschaft – alle sind das heute. Wir müssen etwas finden, was uns wieder zur besten Mannschaft macht. Wir haben die Entwicklung ein wenig verschlafen.

Wo steht dabei die norwegische Liga im internationalen Vergleich?
Wir haben die Liga von zehn auf zwölf vergrößert – ich würde das gerne wieder rückgängig machen, da wir nicht genug Spielerinnen haben. Die Liga ist dadurch nicht besser geworden, darüberhinaus haben einige Spielerinnen das Land verlassen, um als Profi spielen zu können. Wir haben eine „Okay-Liga“, müssen aber das Training intensivieren und genau, wie wir das mit der Nationalmannschaft machen, verstärkt gegen Jungs spielen.

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Den vielen Abgängen ins Ausland stehen Sie also eher kritisch gegenüber?
Für die Nationalmannschaft ist es okay. Die Spielerinnen können professionell arbeiten und besser trainieren. Für die Liga ist es kurzfristig nicht gut, aber man kann es auch von einer anderen Seite sehen: Die jungen Spielerinnen sehen, dass sie mit viel Arbeit auch in unserem Sport Profi werden können, und sie können in der Liga früher zum Einsatz kommen.

Sie haben erwähnt, was sich im Spiel Ihrer Mannschaft verändern muss. Wie sieht es mit Maßnahmen aus, um den Stellenwert des Sports in Norwegen zu erhöhen?
Die Vereinsstrukturen sind nicht gut. Manche Teams haben sich Männervereinen angeschlossen und ich denke, dass das der richtige Weg ist, um Infrastruktur, Organisation und Trainingsmöglichkeiten zu verbessern. Es gibt von Verbandsseite jetzt ein Fünfjahresprogramm, das die Erstligavereine finanziell unterstützen soll.

Eine Summe, die an Auflagen für die Vereine gebunden ist?
Ja. Sie müssen einen Vollzeittrainer sowie einen Manager einstellen und außerdem ein Programm für die Nachwuchsarbeit entwickeln. Der Verband kommt darüber hinaus aber auch für Kosten bei Auswärtsspielen auf.

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