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Algarve Cup: Die Welt zu Gast unter sich

Von am 23. Februar 2010 – 17.00 Uhr 6 Kommentare

„Mundialito“, sprich „kleine Weltmeisterschaft“, nennen die Veranstalter euphemistisch den zum 17. Mal vom 24. Februar bis 3. März ausgetragenen Algarve Cup im Süden Portugals, auch wenn der Zuschauerzuspruch traditionell spärlich ist und TV-Übertragungen in diesem Jahr gänzlich fehlen. Doch fünf Teams der Top 10 der Weltrangliste sind am Start, Bundestrainerin Silvia Neid erhofft sich interessante Aufschlüsse über die Baustellen im deutschen Team im Hinblick auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011.

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Die DFB-Elf trifft in ihren drei Gruppenspielen auf altbekannte Gegner: Am Mittwoch, 24. Februar, 18.00 Uhr, startet das Team mit einer Partie gegen Dänemark in das Turnier, einen Gegner, gegen den man zuletzt 2008 und 2009 jeweils 0:1 verlor. Es folgen Spiele gegen Finnland (26. März, 18.00 Uhr) und China (1. März, 18.00 Uhr), ehe am 3. März die Platzierungsspiele ausgetragen werden – an einem auch acht Tage vor Austragung noch unbekannten Ort.

Neid: „Sinnvolles Turnier“
Trotz der in den vergangenen Jahren wachsenden Kritik an Modus, Zeitpunkt und Teilnehmerfeld des Turniers sowie eines zunehmend dichter gedrängten Terminkalenders lässt Neid keine Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Teilnahme aufkommen. „Wir würden nicht daran teilnehmen, wenn wir es nicht als sinnvoll erachten würden.“ In Vorbereitung auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land und ohne Qualifikationsspiele in den nächsten eineinhalb Jahren hofft man darauf, im Duell mit der Weltelite eigene Schwachstellen zu identifizieren, statt sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Zumal der Süden Portugals in diesen Tagen anders als das winterliche Deutschland willkommene Gelegenheit bietet, Trainingseinheiten und Spiele unter vernünftigen Bedingungen durchzuführen.

Vertraute Gesichter
„Bis zum Turnierstart ist es nicht mehr lange, die Zeit wird rasend schnell vergehen. Deswegen heißt es für uns, sie möglichst optimal zu nutzen. Ich will die Mannschaft so häufig wie möglich zusammen haben und sehen, wo die Spielerinnen stehen“, ist der Blick schon ganz auf die WM 2011 gerichtet. Kurzfristig durften auch Nadine Keßler und Jennifer Zietz vom 1. FFC Turbine Potsdam die Reise antreten, da Linda Bresonik und Simone Laudehr verletzt passen müssen. Abgesehen davon findet man in erster Linie die vertrauten Spielerinnen des Kaders, der in Finnland den EM-Titel gewann. Auch wenn so mancher Frauenfußball-Fan gerne weitere neue Gesichter im Kader ausgemacht hätte.

Ergebnisse zweitrangig
Auch wenn Neid die Ergebnisse beim Algarve Cup als „sekundär“ einstuft, ein wenig besser als in den vergangenen Jahren, als man einmal Achter (2007) und zweimal Vierter (2008 und 2009) wurde und dabei insgesamt sieben Niederlagen kassierte, will man sich als amtierender Welt- und Europameister diesmal sicherlich präsentieren. Zumal der im Vergleich zum Vorjahr bessere Fitnesszustand des Teams, wie gesehen beim 3:0-Sieg gegen Nordkorea in Duisburg in der vergangenen Woche, Anlass zur Hoffnung gibt. Doch Neid relativiert: „Man sollte die Leistungen beim Algarve Cup auch vor dem Hintergrund bewerten, dass die Winterpause gerade erst zu Ende gegangen ist und auf Grund der Witterungsverhältnisse in Deutschland kaum Spiele stattfinden konnten.“

Dänemark: Test für WM-Qualifikation
Gegen die ballsicheren Däninnen, die bei der EM in Finnland im vergangenen Jahr enttäuschend bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten mussten, tat man sich in den vergangenen Jahren bei Testspielen nie leicht. „Sie verfügen über eine gute Technik und einen guten Spielaufbau.“  Die Däninnen wollen zudem den Ernstfall proben und sich auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Bulgarien am 27. März in Vejle einstimmen. „Das Turnier in Chile und der Algarve Cup in Portugal sind eine perfekte Vorbereitung für uns“, so Trainer Kenneth Heiner-Møller.

Rückkehrerin Brogaard, durchwachsene Ergebnisse
In den Kader kehrt überraschend Mia Brogaard von Brøndby zurück, die im vergangenen Herbst ihren Abschied aus der Nationalmannschaft verkündet hatte. Mit dabei sind nach Verletzung auch die zuletzt fehlende Stürmerin Maiken With Pape sowie Nadia Nadim, die im Vorjahr ihr Debüt in der Nationalmannschaft gegeben hatte. Nicht mit dabei ist hingegen Camilla Sand Andersen. Dänemark bestritt in diesem Jahr beim Einladungsturnier in Chile bereits vier Länderspiele. Gegen Gastgeber Chile (2:1) und Argentinien (1:0) gab es jeweils knappe Siege, gegen Kolumbien ein Remis (2:2) und eine Niederlage gegen Japan (0:1) – eine durchwachsene Bilanz.

Keine TV-Übertragungen
Dass wohl auch in diesem Jahr nur wieder selten mehr als ein paar Dutzend Zuschauer den Weg zu den Spielen des Algarve Cup finden werden, hat mehrere Gründe. Das Interesse am Frauenfußball ist im Gastgeberland traditionell gering, die portugiesische Frauenfußball-Nationalmannschaft ist international bisher kaum in Erscheinung getreten und spielt in der schwächeren Gruppe C. Die zu kurzfristige Bekanntgabe des Spielplans und der Spielorte tut ihr übriges, um zahlreiche potenziell reisewillige Frauenfußball-Fans von einem Besuch des Turniers abzuschrecken. Wegen der Olympischen Winterspiele in Vancouver wird es auch erstmals seit mehreren Jahren keine TV-Bilder vom Algarve Cup geben, weder auf den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD/ZDF noch auf Eurosport, so dass das Turnier nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wird.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich möchte mich mal kurz zu diesem, aus dem letzten Absatz stammenden Satz positionieren:
    > Die zu kurzfristige Bekanntgabe des Spielplans und der Spielorte tut
    > ihr übriges, um zahlreiche potenziell reisewillige Frauenfußball-Fans
    > von einem Besuch des Turniers abzuschrecken.

    Wer den Algarve Cup als Event ausgemacht hat, zu dem er reisen möchte, hat mir der Kurzfristigkeit bei der Spielplanbekanntgabe kein sonderliches Problem. Der weiteste Spielort ist San Antonio (an der Grenze zu Spanien) und das ist er durchaus regelmäßig. Ansonsten ballen sich die Spielorte, auch wenn es mitunter kleinere Spielstätten ohne sonderlichen Komfort sind. Nicht von ungefähr finden die Endspiele im Estadio Algarve, am Rand von Faro statt, dessen Erreichbarkeit 1a ist!
    Auch Touristen ohne den oftmaligen Miet-PKW kommen mit öffentlichen Verkehrmitteln und das zu moderaten Fahrpreisen in die Stadien und der Zeitfaktor ist nebensächlich.

    Man sollte also obige Feststellung durch relativieren!

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  • Markus Juchem sagt:

    Da mag ich Dir ansatzweise Recht geben, das gilt aber wohl nur für Besucher, die eh vorhaben, den kompletten Turnier-Zeitraum an der Algarve zu bleiben. Für Zuschauer, die einzelne Spiele anpeilen bzw. auch Flüge und/oder Unterkunft entsprechend buchen müssen und nicht langfristig Urlaub nehmen können/wollen, macht es meiner Meinung nach sehr wohl einen großen Unterschied.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Markus

    Was versteht man denn dann unter den sog. „zahlreichen potenziell reisewilligen Frauenfußball-Fans“, wenn sie nicht das gesamte Event wahrnehmen wollen.
    Abgesehen davon gibt es auch zahlreiche FF-Touristen, die nur die letzten Spiele sehen wollen und da gibt es erst Recht kein Problem.
    Ein- oder Zweitagestouristen habe ich jedenfalls keine erlebt, würde sich auch finanziell nicht rechnen.

    Ausserdem wollte ich mit meinem Tatsachenbericht dafür sorgen, das die nächsten Algarve Cups nicht von verherein gemieden werden, bloss weil eine negative Presse herrscht. 🙂

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  • Markus Juchem sagt:

    Also es gibt schon einige, die die Reise auch für ein Spiel auf sich nehmen würden, wenn sich das langfristig planen ließe. Es gibt auch andere, die nur Spiele gegen einen bestimmten Gegner sehen wollen. Aber durch die Kurzfristigkeit ist es fast unmöglich, einen günstigen Flug abzukriegen. Ich sag ja auch nicht, dass dann Tausende von Zuschauern da wären, aber ein bisschen weniger trostlos würde es in den Stadien dann womöglich schon aussehen. Aber damit wollte ich keinen vom Besuch abhalten, die Algarve ist immer eine Reise wert. 😉

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  • laasee sagt:

    Question – Why don’t the boys have an AC of their own?

    Answer – They are not stupid.

    Question – Why do UEFA, DFB and other Federations organise the AC for the girls.

    Answer – They are not stupid. The boys get all the money and the girls get a weeks holiday in the sun.

    Sorry for writing in English but this AC stupidity does FF no favours at all.

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  • Smulan sagt:

    laasee: The Algarve Cup isn’t for „girls“. It’s for women. There is no „girls‘ cup“. However, you are mistaken about there being no Algarve Cup for „the boys“- there is one, for under 17s.

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