Turbine Potsdam: Dem Schlendrian keine Chance geben

Von am 19. Februar 2010 – 14.24 Uhr

Tabellenführer in der Frauenfußball-Bundesliga, Halbfinalist im DFB-Pokal und Viertelfinalist in der Champions League – die bisherige Saison hätte für Meister 1. FFC Turbine Potsdam kaum besser laufen können. Doch vor dem Rückrundenstart beim SC Freiburg am Samstag warnt Turbine-Trainer Bernd Schröder vor Nachlässigkeit: „Das Schlimmste ist, wenn man sich darauf ausruht.“

„Fußball ist keine Wissenschaft, es sind immer Momentaufnahmen“, warnt Schröder im Gespräch mit Womensoccer davor, sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen. Wenngleich auch er von der Art und Weise beeindruckt war, wie seine Schützlinge in der Winterpause einen Hallentitel nach dem anderen eroberten. „Da konnte man schon sehr zufrieden sein.“ Doch diese Erfolge sind Schnee von gestern, wenn das Team am Samstag im Breisgau den beschwerlichen Tanz auf drei Hochzeiten fortsetzt.

Von Spiel zu Spiel denken und individuell besser werden
Von Spiel zu Spiel denken heißt die Turbine-Devise für die kommenden Wochen und Monate, wenn auf die Spielerinnen ein anspruchsvolles und dicht gedrängtes Programm in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League wartet, für einige Spielerinnen gar garniert mit Abstellungen zu diversen Auswahlteams. „Wir haben viel Fitness und körperliche Frische aus der alten Saison mitgenommen, die wir halten und ausbauen müssen.“ Darüber hinaus hofft Schröder, dass sein Team auch weiterhin von schweren Verletzungen verschont bleibt. „Außer Isabel Kerschowski, die schon im Oktober am Kreuzband operiert wurde, aber schon wieder gut bei Fuß ist, hatten wir Glück.“ Um weiterhin Erfolg zu haben, gelte es aber auch, sich im Training individuell weiter zu verbessern.

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Will sich auf der erfolgreichen Hinrunde nicht ausruhen: Bernd Schröder

Euphorie und Entschlossenheit beibehalten
„Wir müssen wöchentlich an den Defiziten arbeiten, die einige Spielerinnen etwa in den Bereichen Schnelligkeit und Schnellkraft haben.“ Darüber hinaus sei der Psychologe im Trainer gefragt, die Stimmung im Team hoch zu halten. „Wir müssen aufpassen, dass keine Klassengesellschaft entsteht. Es können immer nur elf Spielerinnen auf dem Platz stehen und man muss aufpassen, dass unsere Euphorie und Willensqualität nicht von einigen Spielerinnen in zweiter Reihe kaputt gemacht wird.“ Eine entscheidende Rolle dürfte auch spielen, wie man mit der Belastung neben dem Platz umgeht. „Wir haben viele Auswärtsfahrten, wo wir weiter fahren müssen als andere, international müssen wir fliegen, man kommt aus dem Rhythmus und kann weniger trainieren.“

Dreikampf um die Meisterschaft
Für die Bundesliga-Rückrunde erwartet Schröder einen Dreikampf um den Titel. „Ich bin durchaus der Meinung, dass Frankfurt noch eine Rolle spielen wird. Sie haben eine erfahrene Mannschaft, viel wird davon abhängen, wie sie in die Rückrunde starten, und wichtig sind die direkten Duelle untereinander. Wir müssen noch nach Frankfurt, Duisburg kommt noch nach Potsdam und auch Bayern München. Ich habe auch Bayern noch nicht abgeschrieben, aber im Wesentlichen wird sich die Meisterschaft zwischen Duisburg, Frankfurt und Potsdam entscheiden. Für mich ist Frankfurt auf Augenhöhe, denn sie haben zwar ein paar Punkte Rückstand, aber eine deutliche geringere Belastung.“

Nagasato passt ins System
Die zunehmende Internationalisierung der Frauenfußball-Bundesliga sieht Schröder prinzipiell positiv. „Aber die Leistung muss stimmen. Die Spitzenteams können nur Spitzenspielerinnen holen. Wir hatten mit Cristiane eine Weltklassespielerin, die aus verschiedenen Gründen nicht den Durchbruch geschafft hat. Die Mannschaft hat erkannt, dass sie von der Mentalität her nicht 100 Prozent gearbeitet hat.“ Bei Neuzugang Yuki Nagasato macht sich Schröder wenig Sorgen. „Sie passt in unser System und sie lebt den schnellen Fußball mit letztem Einsatz.“

Turbine, Duisburg oder Arsenal als Champions-League-Sieger
Will man in der Champions League den Thron besteigen, gilt es auch hier, wieder einige Flugkilometer zu absolvieren. Denn das Finale am 20. Mai wird diesmal anders als in der Vergangenheit in nur einem Spiel in Getafe, einem Vorort Madrids ausgetragen. Die Ausgangslage sieht Schröder zwiespältig.  „Wir sind die einzige Gruppe, in der drei ehemalige UEFA-Pokal-Sieger spielen, die andere Hälfte ist wesentlich schwächer. Wer von uns dreien ins Finale kommt, der wird auch gewinnen“, ist er sich sicher.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.