DFB-Team in starker Frühform

Von am 18. Februar 2010 – 12.31 Uhr 12 Kommentare

Im Auftaktspiel des Frauenfußball-Jahres 2010 überzeugte die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft beim 3:0 (2:0)-Erfolg gegen Asienmeister Nordkorea im Vergleich zu den Vorjahren mit guter Frühform. Birgit Prinz versprühte in ihrem 200. Länderspiel Spielfreude, alle Spielerinnen präsentierten sich in ausgezeichneter körperlicher Verfassung und gleich zwei Neulinge kamen zu ihrem Nationalmannschaftsdebüt.

Von Beginn an setzte das Team von Bundestrainerin Silvia Neid auch ohne die fehlenden Inka Grings und Annike Krahn mit schnellen Vorstößen über die Flügel den Gegner unter Druck, Melanie Behringer und Fatmire Bajramaj bereiten der Defensive der Asiatinnen ein ums andere Mal Kopfzerbrechen.

Drei Kopfballtore
Der Asienmeister wirkte bei hohen Bällen in den Strafraum überfordert, so dass Fatmire Bajramaj (21.), Simone Laudehr (30.) und die eingewechselte Célia Okoyino da Mbabi (50.) jeweils per Kopf aus nahezu identischer Position wenige Meter vor dem Tor Treffer erzielen konnten. Bundestrainerin Neid war mit der Leistung ihrer Schützlinge „ganz zufrieden“, lobte die Defensive, räumte aber „Probleme im Aufbau“ ein. „Alle haben engagiert und leidenschaftlich gespielt“, so das positive Gesamtfazit.

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Wenig Mühe
Die deutschen Spielerinnen hatten anders als in den beiden Spielen zuvor gegen die Nordkoreanerinnen bei der WM 2007 und den Olympischen Spielen 2008 diesmal nur wenig Mühe mit dem Gegner. „Wir waren körperlich überlegen, die Flanken kamen gut“, so Prinz. Und auch die Einwechslungen in der zweiten Halbzeit – Lena Goeßling, Kerstin Garefrekes, Célia Okoyino da Mbabi, Alexandra Popp und Martina Müller – taten dem Spiel-Rhythmus nur wenig Abbruch.

Alexandra Popp (l.) debütierte im Nationaldress.

Angerer verletzt, geringe Zuschauerzahl
Doch es gab auch zwei Wermutstropfen: Torhüterin Nadine Angerer musste bereits nach 17 Minuten mit einer klaffenden Platzwunde am Schienbein vom Feld, die genäht werden musste. Ihr Einsatz beim Algarve Cup dürfte somit in Gefahr sein. Und auch das Zuschauerinteresse war so gering, wie schon lange nicht mehr. Gerade einmal 9 570 Zuschauer verloren sich in der MSV-Arena. Im Vorjahr hatten den Saisonauftakt gegen China in Bielefeld noch mehr als 17 000 Zuschauer verfolgt.

Debüt für Weiß und Popp
Bedingt durch die Angerer-Verletzung kam Lisa Weiß, Torhüterin der SG Essen-Schönebeck, überraschend zu ihrem ersten Einsatz im Nationaldress. Sie verrichtete ihre Arbeit gut und souverän, verlebte aber gegen eher harmlose Asiatinnen einen recht geruhsamen Nachmittag. Auch Alexandra Popp feierte ihr Debüt, am linken Flügel durfte sie 20 Minuten lang Nationalmannschaftsluft schnuppern. „Es war sehr aufregend“, konstatierte Popp hinterher. „Es ist sehr schön, wenn man seine Chance bekommt.“

Guter Fitnesszustand
Auffällig war der gute Fitnesszustand aller deutschen Spielerinnen, obwohl der Spielbetrieb in der Bundesliga aufgrund des strengen Winters noch ruht. Neids Manöverkritik aus dem Vorjahr nach dem mäßigen Abschneiden beim Algarve Cup scheint Früchte getragen zu haben. Denn offenbar haben die Nationalspielerinnen die Zügel über die Winterpause diesmal nicht allzu sehr schleifen lassen und sind Neids Forderung nach mehr Eigenverantwortung nachgekommen. Denn im Jahr vor der WM im eigenen Land will man sich nicht dem Vorwurf aussetzen, nicht hart genug zu arbeiten.

Keine Bilder vom Algarve Cup
Und so darf man wohl ein wenig hoffnungsfroher als in den vergangenen Jahren in den Süden Portugals schauen, wo die DFB-Elf vom 24. Februar bis 3. März in den Gruppenspielen auf Dänemark, Finnland und China treffen wird. Leider wird es in diesem Jahr keine Bewegtbilder vom Turnier geben, da sowohl die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD und ZDF als auch Eurosport nicht zuletzt wegen des umfangreichen Olympia-Programms auf eine Übertragung verzichten.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • Rebecca sagt:

    Das ist ein Armutszeugnis der Sender, da steht nächtes Jahr die WM ins Haus und jetzt senden Sie nicht mal den Algarve Cup wegen Olympia!!! Super Werbung für die WM2011.

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  • eisbär sagt:

    Anscheinend bringt Olympia (leider) mehr Zuschauer vor dem Fernseher als der Algarve-Cup.

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  • djane sagt:

    …und das zurecht, bei Olympia geht es schließlich um Wettkämpfe und Medaillen- der Algarvecup ist ein besseres Trainingslager mit internationaler Beteiligung. Und auch wenn das Spiel gestern nett anzusehen war, die Spiele der letzten Jahre an der Algarve waren grausam. Die sollen in Ruhe trainieren/testen, ich freue mich dann auf das nächste Länderspiel, das wieder übertragen wird.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @djane
    > die Spiele der letzten Jahre an der Algarve waren grausam.

    Wie wahr, aber trotzdem würde ich im Falle einer TV-Übertragung gucken!
    Bloss, was mag dann Frau Müller-Hohenstein in dieser Zeit kommentieren… 😉

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  • SCW sagt:

    Zumal es eh (fast) nur Aufzeichnungen aus Kanada sind..
    Sehr sehr schade und enttäuschend !
    Ebenso die Zuschauerbeteiligung in Duisburg, im „Frauenfußball-Mekka“ NRW.

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  • rockpommel sagt:

    @SCW

    Um diese Uhrzeit unter der Woche war nicht mehr zu erwarten!

    FF-Spiele werden halt nicht nur von Schülern/innen und Hartz IV-Empfängern besucht!
    Jeder normale Arbeitnehmer war im Prinzip von der Teilnahme ausgeschlossen.
    Schauen wir mal, wieviele Zuschauer der FCR an gleicher Stelle zu einer vernünftigen Uhrzeit gg. Arsenal akquirieren kann.

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  • Turbieni sagt:

    @SCW: Warum sollen das wenig Zuschauer gewesen sein? Ich fands OK. Man sollte wirklich auf dem Teppich bleiben. Eher sollte man dann mal überlegen, die Spiele wieder in kleineren Stadien zu spielen. Dann passt es auch.

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  • Detlef sagt:

    Ich stimme Turbieni absolut zu!!!
    Wenn man die Anstoßzeit bedenkt, kann man unter der Woche mit knapp 10000 Zuschauern wohl sehr zufrieden sein!!!
    Große Stadien machen wirklich nur dann Sinn, wenn die Spiele am Wochenende stattfinden, wo man auch von weiter weg hinfahren könnte!!!

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  • Fußballmama sagt:

    Hallo !!

    Ich habe noch nie etwas zu den vielen Meinungen über FF gesagt.
    Aber heute ist es soweit.

    Ich würde es besser finden wenn die FF-Natio mehr in Bayern spielen würden !!! Hier sind die Stadien immer voll wenn Sie kommen ( z.B. Augsburg, Passau, Haching..) da es ja leider so selten vorkommt.

    Aber da Fr. Neid ja auch generell die Spielerinnen des FCB übergeht
    (Rech, Bachor,..) wird das wohl nur ein Wunsch von mir bleiben.

    PS: Ich bin der festen überzeugung dass Melanie Behringer nicht in der Natio spielen würde wenn Sie dass nicht schon vor Ihrer Zeit bim FCB getan hätte.

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  • Rebecca sagt:

    Es lag auch bestimmt daran, dass es genau in der Karnevalzeit war und auch noch in der Hochburg des Karneval :-).

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  • Detlef sagt:

    @Fußballmama,
    Ich behaupte einfach mal, dass auch in Bayern nicht mehr Leute ins Stadion gehen, um sich FF anzusehen!!!
    Vor allem nicht dann, wenn dies unter der Woche, um 16.30 Uhr angepfiffen wird, gerade ein sportliches Großereignis (wie Olympia) auf allen Kanälen läuft, und auch noch Oktoberfest gefeiert wird!!!
    Dann kommen auch in Augsburg, Haching oder Passau nicht mehr Leute!!!
    Ich behaupte weiter, dass wahrscheinlich doppelt so viele Leute ins MSV-Stadion gekommen wären, wenn die Partie 3 Stunden später angepfiffen worden wär!!!

    Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass über kurz oder lang auch mehr Bayern-Ladies in die Natio kommen werden!!!
    Da sehe ich vor allem Baunach, Längert, Simic, Mirlach, und die Banecki-Twins!!!

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  • Spocky sagt:

    Noch mal zu den Zuschauerzahlen beim Spiel in Duisburg = also ich finde, dass es zu dieser kalten Jahreszeit doch ganz ok ist, wenn ca. 9.500 Zuschauer sich freiwillig „den Hintern abfrieren“, um ein Freundschaftsspiel der Deutschen Damen sich anzuschauen … 🙂

    Ich war auch dabei = und ich finde für diese Witterung war es ein ordentliches Spiel (auch wenn der Gegner doch sehr schwach war …)

    Thema Algarve-Cup = TV-Übertragung = da auch ich schon einmal live bei diesem Turnier war = überrascht es mich nicht, dass die Olympischen Spiel wichtiger sind … Der Algarve Cup ist für die Trainer sehr wichtig = aber eine Live-Übertragung lohnt nicht, weil es in so einer frühen Phase eigentlich keine guten Spiele sein können …!! Auch ich bin der Meinung, dass dieses Turnier eher den Charakter eines „Trainingslagers“ mit internationaler Beteiligung hat!!

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