Melissa Wiik: “Die Bundesliga ist stärker als die US-Liga”

Von am 22. Januar 2010 – 17.14 Uhr

Am vergangenen Montag ist die norwegische Nationalspielerin Melissa Wiik beim VfL Wolfsburg angekommen. Womensoccer sprach mit der Stürmerin über die erste Woche beim VfL, ihre Erwartungen sowie Unterschiede zum Ligafußball in ihrer Heimat.

Sie haben jetzt eine Woche mit der Mannschaft trainiert. Wie ist Ihr Eindruck?
Ich war im November schon einmal hier, um meine Mannschaftskolleginnen und den Verein kennenzulernen. Mein Eindruck damals war sehr positiv. Unter der Woche haben wir sehr viel im athletischen Bereich gearbeitet. Die Trainingsbedingungen hier sind gut: Es gibt viele Plätze, aber auch – bei dem Schnee zur Zeit – die Möglichkeit, auf Kunstrasen oder in der Halle zu trainieren.

In Norwegen haben Sie für Stabæk, einen der Top-Vereine gespielt. Gibt es Unterschiede im Training verglichen mit dem VfL?
Hier wird mehr im athletischen Bereich trainiert, in Norwegen sind wir dafür meist selbst verantwortlich. Daher war mein Training dort mehr technisch ausgerichtet. Vom Level gesehen, waren bei Stabæk mehr individuell gute Einzelspielerinnen, hier ist es die gesamte Mannschaft. Der Kader umfasst 25 Spielerinnen, und nicht nur die erste Elf ist stark. Daher herrscht mehr Wettbewerb, und eine verletzte Spielerin wirft die Mannschaft nicht so stark zurück wie in Norwegen.

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Gibt es weitere Unterschiede zwischen der norwegischen und der deutschen Liga?
Ich denke, wir haben eine sehr gute Nationalmannschaft. Aber in Deutschland spielen mehr als eine Millionen Frauen Fußball. Es sollte viel schwieriger sein, sich hier durchzusetzen und für die Spitzenmannschaften zu spielen. Da liegt ein Unterschied, auch wenn eine Mannschaft, wie Stabæk, sicherlich gegen Topteams hier mithalten könnte. Aber die Breite ist nicht gegeben.

Melissa Wiik sucht beim VfL Wolfsburg eine neue Herausforderung.

Was hat den Ausschlag für einen Wechsel nach Wolfsburg gegeben? In Norwegen könnten Sie im Sommer in der Champions League spielen.
Wolfsburg rief mich an und ich wusste, dass die deutsche Liga stark ist. Eine Mannschaft, die hier in der Mitte der Tabelle steht, ist wesentlich besser als eine norwegische auf demselben Platz. Aber es wird auch Spaß machen und spannend sein, anderthalb Jahre vor dem Beginn der Weltmeisterschaft in Deutschland spielen zu können. In Norwegen habe ich die letzten Jahre immer für und gegen dieselben Mannschaften gespielt, hier ist es eine neue Herausforderung.

Viele europäische Spielerinnen wechseln in die Vereinigten Staaten. Wo lag für Sie das Plus der Bundesliga gegenüber der US-Profiliga?
Ich habe natürlich über die Möglichkeit nachgedacht, in die Staaten zu wechseln. Aber für mich ist die Bundesliga momentan vielleicht sogar stärker als die US-Liga, und die Distanz zu Norwegen und somit meiner Familie ist nicht ganz so groß. Ein wichtiges Plus ist für mich auch, dass hier die Weltmeisterschaft stattfinden und die Liga intensiv professionalisiert wird.

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Der Vertrag läuft zunächst anderthalb Jahre. Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Zunächst möchte ich hier stabile Leistungen zeigen und soviele Spiele, wie möglich, bestreiten. Ich habe nicht allzu viele Ziele. Ich bin mitten in der Saison gekommen und lege meine Erwartungen nicht so hoch. Die Spielweise hier ist anders, und meine Mannschaftskolleginnen müssen meine Art kennenlernen. Das wichtigste ist, dass wir uns als Team gut verkaufen und uns in der nächsten Saison noch verbessern.

Werden Sie hier als Profifußballerin spielen oder noch einen Teilzeitjob ausüben?
Da Norwegen kein EU-Mitglied ist, darf ich hier nicht arbeiten. Ab Februar werde ich aber einen Deutschkurs besuchen und hoffentlich im Anschluss studieren.

Morgen steht der DFB-Hallenpokal an. Werden Sie dort erstmals für den VfL auflaufen? Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Turnier?
Hoffentlich. Wir haben solche Turniere nicht in Norwegen und ich spiele recht selten in der Halle. Wir haben unter der Woche trainiert; es war recht schwierig für mich, und es dauerte ein wenig, mich der Spielweise anzupassen. Aber es wird einfach Spaß machen, die Spielerinnen sowohl auf als auch neben dem Feld kennenzulernen.

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