Euphorie als Mittel zur Leistungssteigerung?

Von am 17. Dezember 2009 – 14.43 Uhr

Bringst Du mehr Leistung und bist Du eher bereit, Dich zu quälen, wenn Du Dich gut fühlst? Diese Frage ist natürlich rein rhetorisch. Interessant ist da, dass eine Kohlenhydratzufuhr während des Sports den Athleten in Euphorie versetzen und so die Leistung verbessern kann, wenn man neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen glaubt.

na_alleswas_dunkel_200x62Eine britische Forschergruppe hat herausgefunden, dass eine Kohlenhydratzufuhr sowohl während als auch nach einer langen Radfahrt für Glücksgefühle sorgen und Sportler somit bereit sind, mehr aus sich herauszuholen.

Studie: Können Gefühle täuschen?
Im Rahmen dieser Untersuchung trainierten neun erfahrene Ausdauersportler im Abstand von einer Woche jeweils zwei Stunden lang auf einem Ergometer bei einer Intensität von 70 Prozent ihrer maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität. Im ersten Durchgang trank jeder von ihnen unmittelbar vor dem Test sowie alle 15 Minuten während des Fahrens einen Kohlenhydrat-Elektrolyt-Drink. Im zweiten Durchgang bekamen die Probanden im gleichen Zeitabstand ein identisch schmeckendes Placebo auf Wasserbasis verabreicht.

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Während beider Durchgänge wurden die Ausdauersportler alle 15 Minuten während des Fahrens sowie insgesamt viermal nach dem Ende der Einheit nach ihrem Befinden gefragt, das sie auf einer Skala von 1 bis 10 angeben sollten. Weiterhin sollten sie im Viertelstundentakt, ebenfalls auf einer Skala von 1 bis 10, angeben, wie schwer ihnen das Strampeln fällt.

Kein Placebo-Effekt – Kohlenhydrate euphorisieren
Bei der Auswertung zeigte sich, dass sich die Probanden im ersten Durchgang – also dem mit dem Kohlenhydrat-Elektrolyt-Drink – besser fühlten als bei der Gegenprobe mit dem Placebo. Und nicht nur das: im ersten Durchgang stiegen die Wohlfühlwerte im Verlauf des Experiments sogar gegen Ende hin an, während sie im zweiten Durchgang abfielen. Auch nach dem Training fühlten sich die Probanden nach dem Verzehr des Kohlenhydrat-Elektrolyt-Drinks deutlich besser als in der Folgewoche.

Allerdings: Die gefühlte Erschöpfung nahm in beiden Versuchsreihen in vergleichbarem Maße zu. Rein körperlich konnte also kein leistungssteigernder Unterschied zwischen den Getränken ausgemacht werden. Doch im Zweifel gibt man wahrscheinlich trotzdem mehr, wenn man sich gut fühlt.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.