Femke Maes: „Wir haben noch etwas gut zu machen“

Von am 4. Dezember 2009 – 13.32 Uhr 2 Kommentare

Seit ihrer Verpflichtung im vergangenen Winter hat sich die belgische Nationalspielerin Femke Maes beim FCR 2001 Duisburg schnell zu einer Schlüsselspielerin und Sympathieträgerin entwickelt. Nach den zwei gewonnenen Titeln in der vergangenen Saison spricht sie im Interview mit Womensoccer über ihre Meisterträume, beurteilt den Titelkampf und denkt über eine Vertragsverlängerung nach.

Womensoccer: Sie sind noch nicht ein Jahr in Duisburg, haben aber schon den DFB-Pokal und den UEFA-Pokal gewonnen und auch in dieser Saison die Chance auf drei Titel. Hat Sie der schnelle Erfolg überrascht?

Femke Maes: Natürlich hofft man, dass man in allen Wettbewerben soweit wie möglich kommt, aber diesen Erfolg hätte ich nicht erwartet. Ich finde es allerdings immer noch ein bisschen schade, dass wir die Meisterschaft nicht geholt haben, denn wer weiß, wie oft man die Chance hat, drei Titel in einer Saison zu gewinnen. Ein paar dumme Momente in der Meisterschaft haben das zunichte gemacht. Wir haben zwei Titel geholt, aber drei wären noch schöner gewesen.

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Womensoccer: Auch in dieser Saison gab es bereits wieder einen dummen Moment, ein 1:1 gegen den 1. FC Saarbrücken.

Maes: Die ganze Mannschaft weiß, dass das dumme Punktverluste waren, die uns vielleicht am Ende der Saison fehlen werden. Aber es ist passiert, und wir können es jetzt nicht mehr ändern. Wir müssen darauf achten, dass dies in der Rückrunde nicht mehr vorkommt. Jetzt geht es gegen Bayern München, das Team, gegen das wir die Meisterschaft verspielt haben. Wir wissen, was wir tun müssen. Wir dürfen keine Punkte mehr abgeben und haben noch etwas gut zu machen.

Womensoccer: Ist Bayern München in der momentanen Situation ein besonders gefährlicher Gegner?

Maes: Es ist immer gefährlich, wenn ein Gegner nicht ganz gut drauf ist, der eigentlich aber alle Möglichkeiten hat, um gut zu spielen. Man hat das auch am Hamburger SV gesehen, der erst zuhause gegen Freiburg verloren, dann aber in München gewonnen hat.

Womensoccer: In der vergangenen Saison war es lange Zeit ein Vierkampf um den Titel. Diesmal sieht alles nach einem Zweikampf zwischen Duisburg und Potsdam aus.

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Maes: Potsdam ist wohl der härteste Konkurrent um den Titel, aber ich glaube, dass Frankfurt noch kommt. Sie haben zwar die Spitzenspiele gegen Potsdam, München und uns verloren, aber sonst keine Punkte abgegeben. Fünf Punkte Rückstand kann man noch aufholen. Ich denke, zwischen Potsdam, Duisburg und Frankfurt wird sich die Meisterschaft entscheiden.

Womensoccer: Wie beurteilen Sie denn die bisherige Leistung Ihres Teams?

Maes: Wir sind mit unserer Leistung noch nicht ganz zufrieden. Letzte Saison hat einfach alles geklappt, ohne dass wir groß darüber nachdenken mussten. In dieser Saison funktioniert es noch nicht so gut. Dennoch stehen wir ganz oben, es gibt also keinen Grund zu zweifeln. Alle sind ein bisschen müde und ich hoffe, dass wir bis zur Winterpause alle Spiele erfolgreich bestreiten. Aber wenn wir schon vorne mitmischen, auch wenn wir nicht so gut spielen, sieht das in der Rückrunde ganz gut aus, wenn wir anfangen, gut zu spielen.

Womensoccer: Im Frühjahr wartet aber ein Mammutprogramm auf Ihr Team. Birgt die Dreifachbelastung nicht die Gefahr, zu patzen?

Maes: Das haben wir schon letzte Saison gemerkt, dass wir immer Schwierigkeiten hatten, wenn wir vom UEFA-Pokal zurückkamen. Es wird wohl auch im März wieder schwer, weil wir Champions League spielen, dazwischen gegen Potsdam und nach dem Rückspiel gegen Arsenal dann gegen Frankfurt. Das werden unglaubliche Wochen mit so vielen Spitzenspielen in kurzer Zeit. Schade, dass der Spielplan so ist. Es kommt ja noch dazu, dass wir viele Nationalspielerinnen, U20- und U19-Spielerinnen haben, die unterwegs sein werden. Ich bin gespannt, wie wir diese Wochen meistern werden.

Womensoccer: Mit welcher Einstellung gehen Sie in diese Spiele?

Maes: Man versucht natürlich, in jedes Spiel voll reinzugehen, aber wir haben im letzten Jahr gemerkt, dass der UEFA-Pokal etwas Besonderes war, und dass wir in den Bundesligaspielen doch etwas zu wenig gemacht haben, was uns Punkte gekostet hat. Ich hoffe, wir machen das diesmal besser und wir spielen konzentrierter. Teams wie Bad Neuenahr und Jena sind besser als letzte Saison. Man muss immer 100 Prozent geben, sonst reicht es nicht.

Femke Maes in Aktion

Femke Maes in Aktion

Womensoccer: Das Champions-League-Finale in Madrid ist eines der großen Saisonziele. Stört es Sie, dass es nur noch ein Endspiel geben wird?

Maes: Das Finalrückspiel in Duisburg hat natürlich Spaß gemacht, aber mir ist es lieber, dass es nur noch ein Endspiel geben wird. Ein Finale muss in einem Spiel entschieden werden und nicht in zwei. Dass jetzt in Madrid vielleicht keine 30 000 Zuschauer kommen, ist sicherlich schade, dafür ist der Frauenfußball noch nicht groß genug. Aber der eingeschlagene Weg ist der richtige. Wir sind froh, dass wir im Viertelfinale gegen einen so großen Gegner wie Arsenal spielen können, auch wenn es nicht einfach wird. Ich hoffe, wir können wieder in der MSV-Arena spielen, denn nach Oberhausen kommen ja leider nicht so viele Zuschauer.

Womensoccer: Sie haben noch Vertrag bis zum Saisonende. Wie geht es dann weiter?

Maes: Ich bin da hin- und hergerissen. Manchmal denke ich, es wäre schön, noch ein Jahr dranzuhängen. Manchmal aber auch, dass ich lieber etwas näher zuhause spielen oder sein würde. Aber im Moment habe ich gar nicht richtig Zeit, darüber nachzudenken. In der Winterpause werde ich mir das gut überlegen, was ich machen will, aber es gibt noch keine Tendenz.

Womensoccer: Gibt es bereits berufliche Vorstellungen für die  Zukunft?

Maes: Es gibt noch keine konkreten Ideen. Ich habe Wirtschaft und Marketing studiert und könnte das einfach weiter machen. Vielleicht kann ich mich aber auch im belgischen Frauenfußball engagieren, dort gibt es viel zu tun. Ich möchte aber auch meinen Trainerschein machen. Mich interessieren viele Sachen, aber ich habe mich noch nicht entschieden.

Womensoccer: Eine letzte Frage: Wie viele Titel holt Duisburg in dieser Saison?

Maes: Alle drei werden schwierig, aber wenn ich mir einen aussuchen müsste, würde ich am liebsten Deutscher Meister werden. Es wäre schön für Duisburg, endlich wieder einmal diesen Titel zu holen. Das wäre auch ein guter Schritt, um neue Sponsoren zu gewinnen. Aber ich würde natürlich auch gerne das Champions-League-Finale spielen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • djane sagt:

    gehört hier jetzt überhaupt nicht hin, aber herzlichen Glückwunsch und alles Liebe zum Geburtstag, Markus. Und danke für das nette Interview mit Femke (puhhhh, Kurve wieder gekriegt ;-))
    Ach ja, mach mal schön weiter so….

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  • Markus Juchem sagt:

    Dankeschön, djane! 🙂

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