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Leverkusen – Köln: Wegweisendes Gipfeltreffen

Von am 27. November 2009 – 12.46 Uhr 5 Kommentare

Ein Blick auf die Tabelle der 2. Frauenfußball-Bundesliga Süd offenbart schnell die Brisanz, die in der Partie zwischen Spitzenreiter Bayer 04 Leverkusen und dem Tabellenzweiten 1. FC Köln heute Abend steckt. Die Kölnerinnen sind nach der überraschenden Heimniederlage gegen Sindelfingen unter Zugzwang, wollen sie nicht frühzeitig im Kampf um den Aufstieg möglicherweise vorentscheidend ins Hintertreffen geraten.

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Drei Punkte beträgt der Rückstand des Teams aus der Domstadt vor dem Duell in Leverkusen, eine weitere Niederlage würde den Leverkusenerinnen ein ordentliches Sechs-Punkte-Polster verschaffen. Nur eines der beiden Teams kann in der kommenden Saison den heiß begehrten Platz in der 1. Frauenfußball-Bundesliga einnehmen, denn die auf Basis von Entfernungen erfolgte Staffeleinteilung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) kannte vor Saisonbeginn keine Gnade, so dass beide Teams in die Südstaffel eingeordnet wurden.

Jugend trifft Erfahrung
Leverkusen gegen Köln ist auch das Duell zweier unterschiedlicher Philosophien. Während die Gastgeberinnen verstärkt auf junge Talente setzen, holte man in Köln erfahrene Erstligaspielerinnen ins Boot, wie Sonja Fuss, Patricia Hanebeck oder Charline Hartmann. Am Kurtekotten wird man heute Abend um 20 Uhr sehen, welche der beiden Philosophien derzeit besser greift.

Köln wieder mit Defterli
Beide Teams setzten bei ihren Bemühungen vor allem auf ihre starke Offensive, jeweils 30 Tore haben die beiden Kontrahenten nach neun Ligaspielen bereits auf der Habenseite, mehr als drei pro Spiel im Schnitt. Für Köln traf alleine Bilgin Defterli 13 Mal, die gegen Sindelfingen wegen ihrer Abstellung zur türkischen Nationalmannschaft (0:5 gegen Spanien) schmerzlich vermisst wurde. In Leverkusen ist sie wieder mit dabei, doch 90 Länderspielminuten beim 0:3 gegen England am Donnerstag in Izmir dürften Kraft gekostet haben.

Ohne Hartmann, Hanebeck fraglich
Trotz seines mit einigen Routiniers gespickten Kaders weist Kölns Trainer Klaus Schmischke die Favoritenrolle von sich. „Wir gehen als Aufsteiger in das Spiel, sind damit Außenseiter.“ Zumal sein Team auf Charline Hartmann (Ermüdungsbruch) und möglicherweise auch auf Patricia Hanebeck und somit gleich zwei Schlüsselspielerinnen verzichten muss. Dennoch ist er guter Dinge. „Wir haben das 0:1 gegen Sindelfingen gut verkraftet.“

Wiedersehen
In Nina Windmüller, Maike Seuren und Lena Fehrenbach stehen in Kölner Reihen gleich drei Spielerinnen, die bis zur Sommerpause noch in Leverkusen kickten. Welche Brisanz in dem Duell steckt, deutete sich bereits in einem Saisonvorbereitungsspiel an, in dem die Leverkusenerinnen mit 3:1 die Oberhand behielten. Damals sah Leverkusen Lisa Schmitz nach einem Revanchefoul an Patricia Hanebeck die Rote Karte.

Leverkusen gibt sich entspannt
Leverkusens Trainerin Doreen Meier weiß um die große Chance ihres Teams. „Wir haben uns eine sensationelle Ausgangsposition erarbeitet, die mit drei Punkten heute noch besser wäre, das ist völlig logisch.“ Sie sieht ihr Team im Vorteil. „Wir wollen gerne aufsteigen, wir müssen aber nicht.“ Doch Meier weiß auch, dass der Gegner nicht leicht zu bezwingen ist. „Das ist eine ganz erfahrene Mannschaft, gespickt mit tollen Individualistinnen, die in der zweiten Liga eigentlich völlig schlecht aufgehoben sind.“

Prominente Zaungäste
Das Spiel stößt auf breites Interesse – so haben auch die Bundesligateams aus Essen, Duisburg, Wattenscheid und Bad Neuenahr ihren Besuch angekündigt. „Einige haben sogar ihr Training verlegt, um dabei sein zu können. Dieses Spiel elektrisiert“, so Meier.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • Jarmusch sagt:

    Ich werde heute Abend ebenfalls vor Ort sein, trotz des Sauwetters.

    Leverkusen spielt im Vergleich zur Vorsaison einen technisch guten Fußball. Trotzdem steht die Mannschaft erst ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Spielerinnen wie Lynn Mester, Johanna Elsig, Kathrin Hendrich, Lisa Schmitz (allesamt Jahrgang ’92) sind gerade mal 17 Jahre alt und bereits Stammspielerinnen und Leistungsträgerinnen. Eine Teresa Tüllmann ist mit ihren 19 Jahren fast schon so etwas wie ein ‚alter Hase‘, aber vom Potenzial eine große Hoffnung für die Zukunft. Und DFB-Juniorennationalspielerinnen wie ‚Bella‘ Linden, Francesca Weber (derzeit leider verletzt) oder Lisa Schwab sind sicher auch noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt.
    Es macht auf jeden Fall Spaß diesen hungrigen Talenten zuzuschauen.
    Bei freiem Eintritt könnte ich mir durchaus vorstellen, dass an die 1.000 Zuschauer dem Derby beiwohnen werden. – Ich bin gespannt.

    Videos zum Pokalspiel gegen Duisburg (Vorbericht & Spielbericht), sowie ein langes Interview mit Spielführerin Maren Henseler gibt es übrigens unter Bayer04-TV auf der Bayer-Homepage ‚bayer04.de‘. Einfach unter ‚Schlagwort‘ Frauen und rechts Reportagen eingeben.

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  • sisyphos sagt:

    @ Markus: WAT ist kein Erstligateam mehr – und derzeit auch weit davon entfernt 😉

    Nun, ich werds mir natürlich auch ansehen. Im Sommer-Cup hatten die Leverkusenerinnen den Kölnerinnen schon einen guten Kampf geliefert und verdient gewonnen – aber da war auch Billi net dabei. Ich hoffe, die Länderspielreise war net zu anstrengend und bin gespannt – dieses Spiel hat schon bissl was von Vorentscheidung …

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  • sisyphos sagt:

    … wenn LEV gewinnt, meine ich natürlich – ansonsten bleibt es spannend!

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, sisyphos 😉 Korrigiert auf „Bundesligateams“.

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  • Jarmusch sagt:

    War ein äußerst unterhaltsames Spielchen im Jugendleistungszentrum Kurtekotten. Allerdings führten natürlich auch zahlreiche Fehler zu den vielen Toren.
    Unterm Strich war der Punkt für die Kölnerinnen hochverdient, auch wenn Leverkusen in der ersten Halbzeit die Führung hätte ausbauen können. Aber in Halbzeit 2, insbesondere ab der 65. Minute, war der 1.FC Köln physich einfach stärker, sogar ein Sieg war am Ende möglich.
    Überragend die beiden Mehrfachtorschützinnen Schwab (70 Minuten reichte die Kraft) und Defterli (unglaublich wie die so kurz nach dem Länderspieleinsatz für die Türkei 90 Minuten Vollgas geben konnte).
    Bei Leverkusen hatte man Johanna Elsig heute einen gebrauchten Tag angedreht. Zahlreiche Unsicherheiten und Fehler im Stellungsspiel, dazu immer wieder der Versuch Situationen spielerisch zu lösen, statt einfach mal den Ball ins Aus zu schlagen. Da ging bei ihr heute eine Menge daneben.
    Interessant, dass Sonja Fuss (in der Innenverteidigung spielend) bei gleich 2 Toren von Lisa Schwab derart düpiert wurde, wie ihr das in der 1.Liga meines Wissens so noch nie passiert ist. 1 gegen 1-Situationen sind ja normalerweise ihre ganz große Stärke, aber Schwab hat einfach entschlossen ihre Chancen gesucht. Nach dem 2:4 rückte Fuss dann ins Mittelfeld vor und erzielte schlussendlich den letzten Treffer des Spiels zum 4:4 mit einem perfekt getimten Kopfball.

    Noch eine Anmerkung zur Zuschauerzahl:
    Die offiziell angegebenen 1.250 halte ich für zu gering angesetzt. Meines Erachtens waren es mindestens 1.600, vielleicht sogar 1.800. Und die werden ihr Kommen sicher nicht bereut haben. Für ein Zweitligaspiel war das natürlich eine mehr als bemerkenswerte Kulisse.

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  • […] Gemein denkt sich auch der 1.FC Köln, dass das Spiel Leverkusen gegen den FC heute Abend nicht unter den gleichen Vorzeichen in der 1.Bundesliga der Herren stattfindet, wie bei den Damen. Erster gegen Zweiten. Ok. 2.Bundesliga. Frauen. […]