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Doreen Meier: “Im Profiverein besser aufgehoben”

Von am 27. November 2009 – 9.03 Uhr 1 Kommentar

Am Abend steht das Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga Süd zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Köln an. Es geht um den Sieg im Derby, somit um die Tabellenführung und die bessere Ausgangsposition im Kampf um den Aufstieg. Geht es nach Leverkusens Trainerin Doreen Meier, macht Bayer heute Abend die Herbstmeisterschaft perfekt. Mit ihr sprach Womensoccer über die Begegnung, Leverkusens Perspektive und die Vorzüge eines Proficlubs.

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Sie hatten vor Saisonbeginn viele Zu- und Abgänge zu verzeichnen. Was ist Ihr Rezept, all diese Veränderungen in der Mannschaft bislang so erfolgreich vollzogen zu haben?
Das ist eine ganz einfache Formel: Der Mix macht’s. Hier ist ein Team auf und neben dem Platz sehr, sehr schnell zusammengewachsen. Dieser Teamgeist war nicht oktroyiert, er hat sich einfach entwickelt. Und da muss ich mir mal auf die Schulter schlagen: Wir hätten bei der Auswahl vielleicht noch bessere Fußballerinnen bekommen können, aber die charakterlichen Geschichten sind mir einfach ganz, ganz wichtig. Und das passt einfach.

Sie sind damit eine andere Schiene gefahren als Köln, die recht bekannte Namen verpflichtet haben. Bei Ihnen sind es die jungen Talente.
Richtig. Das ist eine Philosophie von Bayer 04, die seit Jahren im männlichen Bereich vollzogen wird. Da finde ich mich wieder, da fühle ich mich zu Hause. Diese Auflagen waren für mich überhaupt gar keine, weil das genau mein Prinzip ist, dass man mit jungen Talenten zum Erfolg kommen kann. Vielleicht sogar jetzt eher, als wir das selber vor der Saison geahnt haben. Unser Kader ist klar auf Perspektive ausgelegt für die WM 2011, und daher hätten wir auch noch nächstes Jahr Zeit aufzusteigen. Diese jungen Wilden machen mir einfach Freude. Das ist täglich eine Weiterentwicklung, die die Spielerinnen selber wollen.

Sie stehen an der Spitze, drei Punkte vor Köln, schon sieben vor Sindelfingen. Dann will man doch aber jetzt auch oben bleiben.
Wir haben uns eine sensationelle Ausgangsposition erarbeitet, die mit drei Punkten heute noch besser wäre, das ist völlig logisch. Und wenn du einmal oben stehst, willst du auch nicht wieder weg. Wir nehmen es mit, aber wir haben vom Verein nicht diesen Druck. Und auch das ist sicherlich eine Erfolgsformel: dass wir gerne aufsteigen wollen, aber nicht müssen.

Es ist jetzt das zweite Jahr unter dem Dach von Bayer 04. Sie fühlen sich wohl im Verein?
Ich denke, es gibt keine bessere Infrastruktur und Bedingungen als die, die wir hier vorfinden. Wir sind im alten Profitrakt untergebracht. Wir haben Sauna, Whirlpool, Schuhtrocknungskammer, jede Spielerin ihren eigenen Spint mit Fön, Spiegel und so weiter. Dieser Komfort verleitet wirklich dazu, sich anzustrengen und das nicht einfach nur mitzunehmen und zu genießen. Wir wollen das dem Verein auch ein Stück weit zurück geben mit sportlichen Leistungen.

Es ist ein allgemeiner Trend in Richtung der Männervereine. Sehen Sie da auch eine Gefahr, dass das Interesse der Vereine wieder nachlassen könnte und nur kurzfristig in Richtung 2011 gedacht ist?
Das muss man sicherlich mit wachsamen Augen betrachten. Aber der Frauenfußball hat jetzt zwei Jahre Zeit, sich permanent in den Vordergrund und ins Gespräch zu schieben. Wir sind gefragt, mit guten Leistungen unseren Beitrag zu leisten. Allgemein wird der Trend zu den Profivereinen gehen, weil hier einfach die bessere Infrastruktur vorliegt. Ich glaube, dass es der ein oder andere Traditionsverein schwer haben wird, was ich auch schade finde. Aber ich denke, man ist im Profiverein einfach besser aufgehoben. Bei Bayer war es nicht nur die Entscheidung in Richtung WM. Wenn man sich das Fanpotenzial anschaut: Frauen sind einfach schon längst angekommen. Deswegen war es für Bayer auch ganz klar, dass wir mit Hinblick auf die WM da eine richtig runde Geschichte hinkriegen können, weil einfach der Bedarf da ist.

Wie wird der Frauenfußball in Leverkusen – auch medial – wahrgenommen?
Wir haben unsere lokalen Medien, die permanent Vorberichte, Spielberichte und Nachberichte bringen. Wir sind in den Fanclubs vertreten, im Email-Verteiler, und ich glaube, dass wir bei den Bayer-Fans klar angekommen sind. In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es kleine Beispiele, bei denen ich denke: „Oh, hola.“ Da fährst du in zivil mit dem Pendelbus zum Platz und dann sprechen dich Wildfremde an: „Sind Sie nicht…?“ Man wird wahrgenommen.

So möchte Doreen Meier mit ihrem Team auch heute Abend jubeln.

So möchte Doreen Meier mit ihrem Team auch heute Abend jubeln.

Zum Gegner Köln: Ich gehe davon aus, dass das eine Mannschaft ist, die Sie sehr gut kennen?
Auf jeden Fall. Dieses Derby hat sicherlich eine Brisanz, die von außen durch die bestehende Rivalität rein getragen wird. Aber auch klar ist: Man kennt sich untereinander. Dennoch ist die Vorbereitung auf dieses Spiel nicht anders gelaufen, als sonst. Ich weiß, was wir können und wie wir Köln knacken können.

Wo liegen für Sie die Stärken im Kölner Spiel?
Das ist eine ganz erfahrene Mannschaft, gespickt mit tollen Individualistinnen, die in der zweiten Liga eigentlich völlig schlecht aufgehoben sind. Sie spielen sehr offensiv, sind zweikampfstark, erfahren und wissen auch, wie man mit der nötigen Härte ans Ziel kommt.

Bilgin Defterli hat gestern mit der Türkei über die vollen neunzig Minuten gegen England gespielt, mit ihr rechnen Sie dennoch fest bei Köln?
Auf die können sie gar nicht verzichten, das ist ein Stück weit ihre Torgarantie. Aber auch da werden wir unser Spiel umstellen. Wenn ich daran denke, dass eine Inka Grings gegen uns im Pokal kein Tor gemacht hat, werde ich das der Mannschaft auch nochmal deutlich machen, dass schon andere an uns gescheitert sind. Die Defterli wird spielen, bei Patricia Hanebeck ist noch ein kleines Fragezeichen. Charline Hartmann fällt aus, das ist sicherlich kein Nachteil für uns. Aber die werden mit einer topmotivierten Truppe an den Start gehen, wir werden aber absolut dagegen halten.

In der Tabelle haben Sie drei Punkte Vorsprung. Spielen Sie da dennoch voll auf Sieg oder gehen defensiver ins Spiel?
Das können wir gar nicht. Wir haben auch gegen Duisburg gesagt, dass wir uns nicht hinten rein stellen, weil uns das gar nicht liegt. Das ist nicht unser Spiel. Wir wollen offensiven, attraktiven Kombinationsfußball bieten, und ich würde meine Mädels fast missbrauchen, wenn ich sagen würde, wir arbeiten jetzt mit zwei tiefen Viererketten. Wir werden uns ganz klar auf unsere Stärken besinnen und offensiv spielen. Wir haben natürlich die bessere Ausgangsposition und nicht so sehr den Zwang, wie Köln, gewinnen zu müssen – wollen aber. Und sechs Punkte Vorsprung sind definitiv die Herbstmeisterschaft.

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1 Kommentar »

  • Janine sagt:

    Sehr interessantes Interview. Seit ihren Bad Neuenahrer Tagen scheint Meier ja wesentlich ruhiger geworden zu sein – Daumen hoch!

    Ich muss ihr auch zustimmen, die gute Infrastruktur spricht klar für die Profivereine (vom FFC, Turbine und FCR mal abgesehen). Mir ist das Engagement von Bayer deshalb auch grundsätlich sympathisch. Die Spielerinnen bekommen Jobs und können sich trotzdem genügend um den Fußball kümmern. Und sportlich bauen die in Leverkusen eine gute junge Truppe auf, die sicher langfristig in der Bundesliga mitspielen kann. Auch wenn das für Vereine wie Essen wohl über kurz oder lang das Aus bedeutet. Das ist natürlich die Kehrseite der Medaille. Aber für die Spielerinnen sind die Bedingungen woanders einfach besser.

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