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Die Frauenfußball-Bundesliga wird immer internationaler

Von am 25. November 2009 – 10.40 Uhr 6 Kommentare

1975 sorgte die Jamaikanerin Beverly Ranger mit ihrem fulminanten Solo zum „Tor des Monats“ und ihrem unvergesslichen Treffer als eine der ersten ausländischen Fußballerinnen für Aufsehen. Inzwischen gehören Spielerinnen aus dem Ausland zum Alltag der Frauenfußball-Bundesliga. 42 Akteurinnen aus 21 ausländischen Verbänden sind derzeit aktiv.

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Seit Gründung der Frauenfußball-Bundesliga 1990/91 fanden zahlreiche weitere Spielerinnen den Weg nach Deutschland.

Urgestein Louise Hansen
So standen etwa die beiden Niederländerinnen Loes Camper und Marjan Veldhuizen im Kader des TSV Siegen. Beim FSV Frankfurt hütete die Amerikanerin Mary Harvey das Tor, die 1991 mit den USA Weltmeisterin wurde und heute die Geschicke der neuen US-Profiliga WPS mitbestimmt. Der FC Bayern München hatte Ana Muno-Perez, eine Stürmerin von Real Madrid, in seinen Reihen. Bereits 1994 kam die Dänin Louise Hansen nach Deutschland, 14 Jahre lang spielte sie für den TSV Siegen und den 1. FFC Frankfurt erfolgreich in der Bundesliga. Galten derlei Spielerinnen damals noch als Exoten, gehört es heute zur Liga-Normalität, dass ausländische Spielerinnen die Kader verstärken.

Bayern setzt auf Österreicherinnen
Spielerinnen aus dem benachbarten Ausland sind aufgrund der geographischen Nähe schon seit einigen Jahren stark in der höchsten Spielklasse vertreten. Allein sechs Österreicherinnen, allen voran Nina Aigner, stehen bei Vizemeister FC Bayern München unter Vertrag. Aigner wurde 2003 zweitbeste Torschützin der Liga und verpasste damit nur knappe die Torjägerkrone, die bisher noch keine ausländische Spielerin erobern konnte.

Made in Switzerland
Auch Fußballerinnen made in Switzerland sind nach wie vor gefragt. Bei den Bayern steht bereits seit dem Jahr 2000 Sandra de Pol im Kader, 2006 folgte Vanessa Bürki. Auch der SC Freiburg setzt auf Schweizer Frauen-Power – Marisa Brunner und Martina Moser gehören zu den etablierten Kräften, neu hinzu kam Danique Stein. Ana Maria Crnogorcevic stürmt seit dieser Saison für den Hamburger SV. Der FFC Heike Rheine setzte zu Bundesligazeiten stark auf Spielerinnen aus den Niederlanden.

Bunt gewürfelt
Bei UEFA- und DFB-Pokal-Sieger FCR 2001 Duisburg bekam man im vergangenen Winter Verstärkung aus Belgien, Femke Maes trug maßgeblichen Anteil an den Erfolgen der vergangenen Saison. Der 1. FFC Frankfurt holte vor wenigen Monaten Sara Thunebro als erste Schwedin in die Bundesliga und dazu die Spanierin Laura del Rio Garcia. Die US-Spielerinnen Alexandra Krieger und Gina Lewandowski stießen bereits in der vergangenen Saison zu den Hessinnen. Der SC 07 Bad Neuenahr holte zwei Spielerinnen aus Südkorea, Yunhee Cha und Hee-Young Park. Hinzu kommen Spielerinnen aus Frankreich, Italien, Belgien, Ungarn, Spanien, der Türkei, Norwegen, den Niederlanden, Finnland, Polen, Brasilien und Puerto Rico.

Integration als Herausforderung
Doch nicht immer fällt die Integration leicht. So hatte Brasiliens Topfußballerin Cristiane 2005 sowohl beim VfL Wolfsburg als auch später beim 1. FFC Turbine Potsdam Schwierigkeiten und konnte nur selten die Leistungen zeigen, mit denen sie zu den Erfolgen der brasilianischen Nationalmannschaft beitrug. Und auch die Isländerin Margret Lara Vidarsdottir gab 2006 beim FCR 2001 Duisburg nur ein kurzes Gastspiel, über das sie heute nicht mehr sprechen möchte. Zuletzt traf es die Neuenahrerin Hee-Young Park, die es nur kurze Zeit in Deutschland hielt, aus privaten Gründen kehrte sie Ende Oktober in ihre Heimat zurück.

Trend Afrika
Auch vom afrikanischen Kontinent stoßen immer mehr Spielerinnen dazu. Die nigerianische Nationalstürmerin Cynthia Uwak wechselte zu Aufsteiger 1. FC Saarbrücken, der zweite Neuling Tennis Borussia Berlin verpflichtete Florence Okoe aus Ghana. Schon zur Winterpause der vergangenen Saison nahm der FF USV Jena Genoveva Anonma (Äquatorial-Guinea) und Adjoa Bayor (Ghana), die afrikanische Spielerin des Jahres 2003, unter seine Fittiche. Zur neuen Saison verstärkte sich Jena erneut mit einer namhaften Afrikanerin: Marlyse Bernadette Ngo Ndoumbouk ist Spielführerin der kamerunischen Nationalmannschaft und gehörte dem Allstar-Team der Afrika-Meisterschaft 2008 an.

Zulauf aus Skandinavien?
Nachdem zahlreiche Teams der schwedischen Liga Damallsvenskan mit finanziellen Problemen kämpfen, wäre es wenig überraschend, wenn in Zukunft verstärkt Spielerinnen aus Schweden, Norwegen und Dänemark den Weg nach Deutschland finden würden. Aktuell bemüht sich etwa der VfL Wolfsburg um die Verpflichtung der norwegischen Nationalspielerin Melissa Wiik. Der Einsatz ausländischer Spielerinnen ist jedoch begrenzt. Seit der Spielzeit 2006/07 darf ein Bundesligist laut DFB-Spielordnung nicht mehr als drei Nicht-EU-Ausländerinnen im Team haben.

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Fuxi sagt:

    Da fehlt Slowenien ==> Fata Salkunic (HSV)

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, Fuxi!

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  • peter sagt:

    und aus der schweiz gaëlle thalmann vom hsv…

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  • Markus Juchem sagt:

    @Peter: Danke für die Ergänzung. Da werden sicherlich noch weitere folgen. Es ging mir nicht darum, alle Bundesligaspielerinnen aus dem Ausland lückenlos aufzuführen. Aber wir können diese Liste hier ja gerne erweitern. 😉

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  • Dirk sagt:

    dann füge ich mal Leni Larsen Kaurin hinzu 🙂

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  • franzl sagt:

    Auch der FFC Frankfurt hatte schon immer hochklassige Auslaenderinnen. So war Marleen Wissink 10 Jahre die Torfrau Nr. 1 beim FFC Frankfurt und hat an allen Titeln, die der FFC erreicht hat, im Tor gestanden. Ich denke, sie haette unbedingt erwaehnt werden muessen, da sie dort Akzenten gesetzt hat und ueber lange Zeit auch die Nr. 1 in Deutschland war, was von der damaligen Bundestrainerin und auch der heutigen immer wieder bei den Wahlen der besten Spielerinnen der Liga auf den Positionen bestaetigt wurde.

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