Die Tops und Flops der Woche 46/2009

Von am 17. November 2009 – 12.00 Uhr 10 Kommentare

Die vergangene Woche bot wieder reichlich Positives und Negatives. Im Mittelpunkt unserer Betrachtungen stehen diesmal ein glanzvolles Comeback und eine großartige Zuschauerkulisse, aber auch geplatzte Träume, harte Kritik und ein spannungsraubender Pokal-Modus.

Top 5

1. Überragende Pohlers
Mehr als ein Jahr konnte Conny Pohlers, Stürmerin beim 1. FFC Frankfurt, wegen einer langwierigen Verletzung nicht Fußball spielen. Doch nur wenige Wochen nach ihrem Comeback präsentiert sich Pohlers schon wieder in starker Verfassung. Beim 6:0-Sieg gegen den SC Freiburg im DFB-Pokal-Achtelfinale hatte sie mit drei Treffern maßgeblichen Anteil am Erfolg. Beim normalerweise langen Weg zurück an die Spitze scheint die 31-Jährige eine Abkürzung zu nehmen.

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2. Pokalduell als Zuschauermagnet
Die 0:2-Niederlage von Zweitligist Bayer 04 Leverkusen gegen UEFA-Pokal-Sieger FCR 2001 Duisburg war standesgemäß, der Zuschauerzuspruch in der BayArena jedoch außergewöhnlich. 3 000 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion, so viele, wie in dieser Saison noch kein Frauenfußball-Erstligist zu einem Heimspiel empfangen durfte. „Es war die absolut richtige Entscheidung, dieses Spiel in die BayArena zu verlegen“, freute sich Bayer-04-Kommunikationschef Meinolf Sprink. „Das war wirklich gelungene Werbung für den Frauenfußball.“

3. Müller nutzt Gunst der Stunde
Beim 4:0-Heimsieg gegen den FC Bayern München hatte Martina Müller, Stürmerin beim VfL Wolfsburg, bereits zweimal ins Schwarze getroffen. Doch alle Warnungen von Bayern-Trainer Günther Wörle halfen nichts. Beim 3:1-Erfolg der Niedersachsen gegen die müden Bayern im DFB-Pokal-Achtelfinale gelangen der Nationalspielerin gar drei Tore. „Ich habe noch nie eine bessere Martina Müller gesehen. Sie war früher schon gut, aber von den Bayern war sie nicht zu bremsen“, so Wolfsburgs Sportdirektor Bernd Huneke.

4. Abschiedsspiel für Stegemann
Ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft hat die 191-fache Nationalspielerin Kerstin Stegemann bereits nach der Europameisterschaft in Finnland erklärt. Am Ende der Saison soll dann auch mit dem Vereinsfußball beim FSV Gütersloh 2009 Schluss sein. Grund genug, die lange und überaus erfolgreiche Karriere mit einem Abschiedsspiel abzuschließen. Am 5. Juni 2010 bittet „Stege“ nach Hauenhorst, einen Vorort von Rheine, wo es ein Wiedersehen mit aktuellen und ehemaligen Nationalspielerinnen geben wird.

5. Online-Befragung gestartet
Welches Potenzial hat der Mädchen- und Frauenfußball? Dieser Frage will jetzt ein Forschungsteam der Universität Heidelberg auf den Grund gehen. Von November bis Januar soll der Markt für Mädchen- und Frauenfußball näher erforscht werden. Es sollen die Interessen sowie Meinungen zum Angebot im Bereich Medien, Fan- und Sportartikel im Mädchen- und Frauenfußball abgefragt werden. Aktive Spielerinnen sowie Fans können an der Online-Befragung teilnehmen. Ergebnisse gibt es dann im Frühjahr 2010.

Flop 5

1. Bayerns zerplatzte Träume
Binnen vier Tagen sind die Pokalträume von Vizemeister FC Bayern München zerplatzt. Erst kam beim 0:1 das Aus in der UEFA Women’s Champions League gegen Montpellier Hérault SC, danach versetzte der VfL Wolfsburg den Münchnerinnen den K.o. im DFB-Pokal. In der Bundesliga haben die Bayern bereits sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer FCR 2001 Duisburg. „Unser Substanzverlust nach 5 Spielen in 15 Tagen war einfach zu groß“, so Bayern-Trainer Günther Wörle. In der Bundesliga darf sich das Team bis zur Winterpause nun keine Patzer mehr leisten, will man sich nicht frühzeitig als Titelkandidat verabschieden.

2. Freiburg im freien Fall
In der Frauenfußball-Bundesliga steht der SC Freiburg nach acht Spielen mit dem Rücken zur Wand. Acht Spiele, null Punkte und 1:24-Tore. Doch wer gedacht hat, das Team könnte sich möglicherweise im Pokal ein wenig freischwimmen, sah sich getäuscht. Beim 1. FFC Frankfurt setzte es eine 0:6-Klatsche. „Nach dem ersten Gegentor sind bei uns alle Dämme gebrochen, wir waren eigentlich gar nicht mehr existent“, so Trainer Günter Rommel. Sollte das Team aus dem Breisgau nicht bald die Kurve kriegen, dürfte der Weg direkt in die zweite Liga führen.

3. Überzogene Kritik
7:0 führte Meister 1. FFC Turbine Potsdam gegen Zweitligist Holstein Kiel im DFB-Pokal-Achtelfinale bereits nach 38 Minuten. Nur zu verständlich, dass die Spielerinnen mit der klaren Führung im Rücken einen Gang zurückschalteten und die Konzentration nachließ. Dennoch holte Turbine-Trainer Bernd Schröder nach dem Spiel die Verbalkeule raus. „Fußball ist Leidenschaft, ist Emotion. Wir spielen auch für die Zuschauer. Wer Eintritt bezahlt, muss auch eine ordentliche Leistung sehen können, aber wir sind eingeschlafen in der 2. Halbzeit. Ohne unsere erste Elf reicht es für die zweite Reihe nicht, das muss ich ganz ehrlich sagen.“ Turbines Anspruch und offene Kritik in allen Ehren, doch diese harte öffentliche Reaktion war überzogen.

4. Bedrohen Hooligans den Frauenfußball?
Aus Angst vor Fanausschreitungen hat Bayer 04 Leverkusen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Vorverlegung des Topspiels gegen den 1. FC Köln vom 29. auf den 27. November erwirkt. Dabei wurden die schwach besuchten Spiele der Frauenfußball-Bundesligen bisher nicht von Hooligans als öffentliche Bühne für Scharmützel benutzt. Beim 1. FC Köln hat man deswegen für die Entscheidung wenig Verständnis. „Noch nie zuvor ist eine solche Verbindung hergestellt worden“, so FC-Sprecherin Kathrin Schrage. Ein DFB-Sprecher erklärte: „In der Tat ist der Frauenfußball nicht bekannt für Ausschreitungen, aber nachdem die Leverkusener den Antrag auf Verlegung gestellt und ihn mit dem Hinweis der Polizei versehen haben, dass es besser sei, dem stattzugeben, haben wir so entschieden.“

5. Zeitgemäßer Modus?
Das DFB-Pokal-Achtelfinale offenbarte einmal mehr ein Dilemma. „Zwischen der 1. und 2. Liga liegen Welten“, so Bernd Schröder, Trainer von Meister 1. FFC Turbine Potsdam. Im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion schenkten die Turbine ihrem überforderten Gegner in 38 Minuten 7 Tore ein. Eine Runde zuvor überfuhr der FCR 2001 Duisburg Zweitliga-Tabellenführer Herforder SV mit 9:0. Der große Leistungsunterschied zwischen den Ligen wirft einmal mehr die Frage auf, ob der Modus des DFB-Pokals zeitgemäß ist. Kämen die Zweitligisten im Duell mit Erstligisten in den Genuss eines Heimspiels,  wären die Leistungsunterschiede wohl weniger eklatant, würde die Spannung steigen und zudem das Budget der betroffenen Zweitligisten weniger belastet werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

10 Kommentare »

  • Fuxi sagt:

    Ich finde es erstens interessant, dass der DFB zwar fähig ist, ein Zweitligaspiel der Frauen wegen (relativ unwahrscheinlicher) Ausschreitungsgefahr zu verlegen, die Schwester DFL allerdings nicht gewillt war, das Auswärtsspiel der HSV-Profis auf Schalke zeitlich zu verlegen, wo die HSV-Fans doch den gleichen Zug nehmen mussten wie die zeitgleich in Bochum anwesenden Werder-Besucher.

    Und zum Zweiten entspräche es tatsächlich einem rein sportlichen Gedanke, wenn die (finanz-)stärkeren, höherklassigen Clubs im DFB-Pokal reisen müssten.

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  • till sagt:

    Also den Vorschlag mit dem Heimrecht für die zweitligisten im DFB-Pokal finde ich auch ganz sinnvoll – bei den Herren gibt es selbiges ja für die Amateure und bei den Damen könnte man es auch einführen – bis die Leistungslücke geschlossen ist bzw. nicht mehr so riesig ist…

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  • Christian sagt:

    Meines Wissens werden die Pokaleinnahmen und -ausgaben geteilt, so daß es finanziell keinen Unterschied macht, welcher Verein nun Heimrecht hat.

    Begegnungen wie Bayern gegen Wacker oder Jena gegen Sindelfingen zeigen, dass auch Zweitligisten auswärts bei Erstligisten eine Chance haben können.

    Nicht-Bundesligisten haben ohnehin Heimrecht in den ersten Runden.

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  • Ulf sagt:

    Ich bin kein Leverkusen-Fachmann, aber ich habe wohl gelesen, daß man das Spiel Leverkusen vs. Köln auch deshalb verlegt hat,weil am 29.11. die Männer um 15.30 Uhr gegen Stuttgart spielen, und die BayArena ist halt nicht soweit vom Spielort der Frauen,Jugend-Fußballzentrum Kurtekotten,entfernt. Und wenn die Hools eh´ schon Ausgang haben, dann könnten sie ja auch gleich noch bei den Frauen nach dem „Rechten“ sehen.

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  • Ulf sagt:

    hier noch die entsprechende Meldung

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  • maxsee sagt:

    Ist das einen „Flop“ wert, wenn ein Trainer eine berechtigte, wenn auch etwas überzogene, Kritik in der Pressekonferenz abgibt?

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  • Detlef sagt:

    Jede Spielerin in Potsdam kennt Schröders Anspruch, nicht nur für die Tabelle, sondern vor allem für die Zuschauer eine anspruchsvolle Leistung zu erbringen!!!
    Seine Kritik richtete sich ja vor allem an die zweite Garde!!!
    Wer Ansprüche auf einen Stammplatz in der Startformation erhebt, muss dies auch auf dem Platz zeigen!!!
    Natürlich ist ein 7:0 ein klares Ergebnis!!!
    Aber ein Fußballspiel endet nicht in der 38. min!!!
    Die Zuschauer hatten für mindestens 90 min bezahlt!!!
    Ich bin ganz sicher nicht immer seiner Meinung, aber in diesem Punkt gebe ich Bernd Schröder vollkommen recht!!!
    Wenn wir mehr Zuschauerzuspruch im KARLI wollen, muss es auch inmitten von englischen Wochen, und auch in der 80. Minute beim Stand von 7:0 zu erkennen sein, dass TURBINE seinem Publikum noch etwas bieten möchte!!!
    Von diesem Anspruch läßt sich der alte Trainerfuchs nicht abbringen, und damit hat er auch absolut recht!!!

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  • Detlef sagt:

    In Ermangelung einer EDIT-Funktion;
    Hiermit beantrage ich die „Versetzung“ des Punktes 3 in der Rubrik FLOP, in die Rubrik TOP!!!
    Nur sehr wenige Trainer würden nach einem 7:0 ihre Mannschaft so kritisieren!!! Aber nur so bringt er unser Team wirklich weiter!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    @maxsee und Detlef: Die Kritik als solche mag angebracht gewesen sein, sowas kann man aber auch intern machen und muss nicht seine jungen Spielerinnen öffentlich abwatschen. So ein Schuss kann auch mal in die andere Richtung losgehen.

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  • maxsee sagt:

    Ich halte eine klare und deutliche Kritik von B. Schröder für besser und wirkungsvoller für den FF, als glatte Reden anderer Trainer. Aber neben der 2. Garde haben auch gestandene der 1.Garnitur mindestens bis zur 69.Minute, wenn nicht bis zum Ende auf dem Feld gestanden und dem Spielfluss keine Impulse gegeben. Die Ursachen für den Abfall sind also vielfältiger, als sie der 2.Garde zuzuordnen. Auch B. Schröder darf nicht überziehen.

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