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Kim Little, kleine Frau ganz groß

Von am 12. November 2009 – 13.13 Uhr

Als Ende August der englische Meister und Pokalsieger Arsenal LFC im beschaulichen Kühnmatt-Stadion des Provinzorts Willstädt-Sand ein Testspiel gegen Frauenfußball-Bundesligist SC 07 Bad Neuenahr austrug, wussten wohl nur die wenigsten der 70 Zuschauer, wer die kleine, wendige Mittelfeldspielerin war, die gerade einen Freistoß aus 20 Metern an die Latte gezimmert hatte. Es war die 19-jährige Schottin Kim Little, eines der Ausnahmetalente im europäischen Frauenfußball.

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In den beiden Champions-League-Spielen gegen PAOK schoss sie für ihr Team sieben Treffer, es folgten zwei weitere in den Achtelfinal-Partien gegen Sparta Prag, so dass sie es inzwischen in vier Spielen auf neun Tore gebracht hat. Und damit wesentlichen Anteil daran hat, dass Arsenal LFC es wie bei allen Versuchen zuvor ins Viertelfinale der UEFA Women’s Champions League bzw. des UEFA-Pokals geschafft hat.

Überzeugter Fürsprecher
Die gelernte Stürmerin steht offiziell seit Dezember 2007 bei den Londonern unter Vertrag und Arsenals ehemaliger Trainer und Urgestein Vic Akers prophezeit der schnellen und torhungrigen Mittelfeldspielerin eine große Zukunft. „Den Namen dieser Spielerin sollte man sich notieren, sie wird eine großartige Spielerin werden.“

Schnell integriert
In ihrer Kindheit spielte Little in der Schule mit den Jungen in der Pause Fußball, und schloss sich zunächst einigen Jungenmannschaften an, bevor sie mit 12 erstmals in einem Mädchenteam stand. Danach ging es im Alter von 15 zu Hibernian in Edinburgh, bevor Arsenal auf das Talent aufmerksam wurde. Schnell gewöhnte sie sich in England an den athletischeren Fußball und die höhere Spielgeschwindigkeit. Bereits im März 2008 feierte sie gegen Leeds ihr Debüt in der Premier League. „Ich war natürlich ein bisschen nervös, aber auch aufgeregt. Am Ende haben wir 4:0 gewonnen und seitdem habe ich einen festen Platz im Team“, so Little.

Kim Little (l.) umspielt Sunderlands Helen Alderson und trifft zum entscheidenden Tor im FA Cup Final.

Kim Little (l.) umspielt Sunderlands Helen Alderson und trifft zum entscheidenden 2:1 im FA- Cup-Finale.

Denkwürdige Saison
Ihre eigene Stärke beschreibt sie wie folgt: „Ich treibe gerne den Ball nach vorne, bin offensiv ausgerichtet und eine Allrounderin im Mittelfeld – Steven Gerrard war wegen seiner Entschlossenheit schon immer ein Vorbild von mir. Aber ich bin mir auch für Defensivarbeit nicht zu schade, und helfe meinem Team, wo es geht.“ 2008/2009 wurde sie zur besten Arsenal-Spielerin der Saison gekürt. Im FA-Cup-Finale erzielte sie den entscheidenden Treffer und schrieb damit in England Fußballgeschichte. „Es war toll, dort zu treffen, aber das echte Highlight war der Meistertitel, weil uns eine Menge Leute schon abgeschrieben hatten.“

Champions League im Fokus
Für die neue Spielzeit hat sie große Ziele. „Wir wollen natürlich unser Triple verteidigen, aber unser Hauptaugenmerk gilt der Champions League“, so Little, die oft mit Kelly Smith verglichen wird. „Das ist ein gewaltiges Kompliment, und ich bin mir da nicht so sicher. Aber es war großartig, neben ihr zu spielen, und ich konnte eine Menge von ihr lernen.“ Einen eigenen Wechsel in die US-Profiliga WPS oder eine andere europäische Topliga kann sie sich derzeit noch nicht vorstellen. „Darüber mache ich mir noch keine Gedanken, auch wenn eine solche Gelegenheit natürlich schön wäre. Profifußballerin zu sein, wäre natürlich schön, aber an die USA denke ich derzeit nicht.“

Gelungener WM-Quali-Auftakt
Ein weiteres großes Ziel verfolgt sie mit der schottischen Nationalmannschaft, die in zwei Play-off-Spielen gegen Russland nur knapp die Teilnahme an der Frauenfußball-Europameisterschaft in Finnland verpasste. „Wir entwickeln uns in die richtige Richtung, und ich hoffe, dass wir es bei den nächsten zwei, drei Malen schaffen, uns für eine Endrunde zu qualifizieren, wir kommen näher.“ Ende Oktober stieg Schottland mit Spielen in Griechenland (1:0) und gegen Georgien (3:1) erfolgreich in die Qualifikation für die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland ein.

Hungrig nach Trophäen
„Jetzt hoffen wir natürlich auf eine gute Auslosung“, blickt Little auf die nächsten Herausforderungen in der Champions League voraus. Vor allem den Teamgeist macht sie für die Erfolge des Teams verantwortlich. „Auch unsere Reise nach Deutschland hat das Team zusammengeschweißt.“ Sie glaubt, dass mit dem Team in dieser Saison viel erreicht werden kann. „Wir müssen einfach konzentriert bleiben und auch gegen große Namen unsere Spiele gewinnen. Ich hoffe, wir können so viele Trophäen wie möglich holen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.