Sally Shipard: Steiniger Weg zum Comeback

Von am 10. November 2009 – 14.01 Uhr

2004 nahm Australiens Ausnahmespielerin Sally Shipard im zarten Alter von 16 Jahren am Olympischen Frauenfußball-Turnier in Athen teil, doch vor einem Jahr hängte die 60-fache Nationalspielerin überraschend ihre Fußballschuhe an den Nagel. Jetzt plant die 22-Jährige ihr Comeback in der australischen W-League, doch noch verhindert ein Streit zwischen zwei Vereinen die Fortsetzung ihrer Karriere.
Vor einem Jahr sollte Shipard einer der großen Stars der neuen australischen W-League werden, doch die damals 20-Jährige beschloss nach einer persönlichen Lebens- und Schaffenskrise, eine Pause vom Fußball zu nehmen. Zu groß waren offenbar der Druck und die Erwartungen in der Öffentlichkeit geworden.

Globetrotterin
„Ich hatte einfach keine Lust auf Training und wollte herausfinden, was mir wirklich Spaß macht. Ich hatte etwas die Balance in meinem Leben verloren.“ Und so führte sie ihre Sinnsuche und ihr persönliches Sabbatical quer über den Erdball unter anderem durch Indien, Nepal, England, Italien, Kroatien, Serbien und Spanien. „Ich habe herausgefunden, was das Leben auch ohne ein paar Fußballschuhe in der Tasche 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche zu bieten hat.“ Doch am Ende kam sie zu dem Ergebnis: „Im Herzen bin ich immer noch Fußballerin.“

Futsal als Heilsbringer?
Um den Spaß am Fußball wiederzufinden, unterschrieb sie vor einigen Monaten einen Vertrag beim katalanischen Futsal-Verein FSF Castelldefels, der gerade in die Topliga aufgestiegen war. „Ich dachte: Warum nicht? Ich wollte Spanisch lernen und war der Meinung, meine Leidenschaft für den Fußball könnte so zurückkehren.“ Am 19. September sollte sie beim Spiel gegen El Mósteles ihr Debüt geben, doch daraus wurde nichts.

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Meinungsumschwung
Auf der offiziellen Website von FSF Castelldefels werden medizinische Gründe angeführt, warum Shipard nicht zum Einsatz kam. Bei einer medizinischen Untersuchung habe man eine Krankheit diagnostiziert, die für die gesamte Saison einen Einsatz als fragwürdig erachte. Doch die wahren Gründe liegen offenbar in einem Meinungsumschwung Shipards, die nach einem Heimatbesuch in Australien nun lieber in der W-League für Canberra United spielen möchte und dort einen Vertrag unterzeichnete, da sie in ihrem Vertrag in Spanien eine mutmaßliche Ausstiegsklausel hat.

FIFA muss schlichten
Castelldefels ist dennoch wenig begeistert und verlangt nach einem Bericht der „Canberra Times“ nun rund 5 000 Euro Entschädigung vom neuen Verein, bevor man den internationalen Freigabeschein erteilt. Doch Canberra United weigert sich, zu zahlen, so dass die Angelegenheit über den australischen Fußballverband inzwischen den Fußball-Weltverband (FIFA) erreicht hat. Da nicht mit einer schnellen Entscheidung zu rechnen ist, dürfte Shipard in dieser W-League-Saison nicht mehr zum Einsatz kommen.

Verliert Shipard erneut die Lust?
Canberra-Trainer Ray Junna befürchtet nun, dass Shipard erneut die Lust verlieren könnte. „Sie wird am Boden zerstört sein und vielleicht reicht das schon, um das Handtuch zu werfen. Ich hoffe allerdings auf das Gegenteil, denn sie ist eine großartige Spielerin.“ Und so ist erst mal nichts aus Shipards Hoffnung auf ein wenig Stabilität geworden. „So spontan wie meine Entscheidung war, nach Australien zurückzukehren, in meinem Kopf ist das wohl schon länger gereift.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.