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Essen feiert ersten Saisonsieg

Von am 9. November 2009 – 15.16 Uhr

Man hat sich irgendwie daran gewöhnt, dass der FCR 2001 Duisburg, der 1. FFC Turbine Potsdam, der FC Bayern München und der 1. FFC Frankfurt ihre Spiele im Normalfall gewinnen, so sie denn nicht gerade gegeneinander antreten müssen. Anders liegt der Fall bei der SG Essen-Schönebeck. Die gewann am Sonntag am achten Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga überraschend ihr erstes Saisonspiel.
Beim SC 07 Bad Neuenahr feierte die Elf von Trainer Ralf Agolli trotz eines 0:1-Rückstands zur Halbzeit am Ende einen 2:1-Auswärtssieg, der dem Team nach zwei bitteren Niederlagen in Folge (0:7 beim 1. FFC Turbine Potsdam, 3:8 gegen den 1. FFC Frankfurt) den ersten Dreier der Saison bescherte.

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Verbesserte Defensive
Célia Okoyino da Mbabi hatte die Gastgeberinnen zwar bei einem Konter mit einer feinen Einzelleistung früh in Führung gebracht (9.), doch in der Folge versäumten es die Kurstädterinnen den Vorsprung auszubauen. Und so gelang es den Gästen, durch Kapitänin Melanie Hoffmann (49. ) und Sofia Nati (74.) die Partie zu drehen.

Gehirnerschütterung von Holz
Hoffmann wurde bei ihrem Treffer perfekt von Kyra Malinowski bedient, die eingewechselte Nati traf maßgenau mit einem 22-Meter-Heber unter die Querlatte. Zuvor hatte Neuenahr Lena Goeßling und Torhüterin Romina Holz vom Platz nehmen müssen. Goeßling musste nach einer Stunde den Folgen eines Pressschlags mit Stefanie Goddard Tribut zollen, Holz musste nach einer Rettungsaktion mit einer Gehirnerschütterung gar ins Krankenhaus eingeliefert werden. Vor allem war überraschend, dass Essens Abwehr erstmals die so oft vermisste Bissigkeit und Stabilität zeigte, und nur wenige Torchancen zuließ.

Neuenahr verliert trotz Führung
Bad Neuenahrs Trainer Thomas Obliers klagte nach dem Spiel: „Wir hätten in der ersten Halbzeit nachlegen müssen.“ Sein Gegenüber Agolli hatte schon vor der Partie prophezeit, dass man im Apollinarisstadion nicht chancenlos sein würde: „Tore schießen wir immer.“ Umso erleichterter war er, dass sich sein Team nun etwas Luft verschafft hat.  „Die Mannschaft hat hier nicht gespielt wie ein Abstiegskandidat. Sie ist unglaublich selbstbewusst aufgetreten.”

Favoriten wackeln, aber fallen nicht
Die Topteams der Liga feierten am Sonntag allesamt Siege. Vizemeister FC Bayern München gewann beim SC Freiburg nach einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit mit 3:0 (0:0). Die Einwechslungen von Nina Aigner und Mandy Islacker sorgten für positive Impulse. Aigner (56.), Julia Simic (59.) und Islacker (74.) sorgten am Ende noch für zufriedene Gesichter. Bayern-Trainer Günther Wörle meinte: „In der zweiten Hälfte war das der FC Bayern, wie ich ihn mir vorstelle.“

Duisburg tankt Selbstvetrauen für Champions League
Auch der FCR 2001 Duisburg hatte beim 3:1 (0:1)-Sieg beim VfL Wolfsburg zunächst Mühe und geriet sogar durch einen Freistoß-Treffer von Martina Müller (35.) zunächst in Rückstand. Doch Femke Maes (50.), Alexandra Popp (54.) drehten die Partie auch unter gütiger Mithilfe von Wolfsburgs Torhüterin Nadine Richter und Inka Grings (72.) verwertete einen Pass von Luisa Wensing zum Endstand. Und so durfte sich Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg im dritten Anlauf über ihren ersten Sieg in Wolfsburg freuen. „Es war ein sehr intensives, laufstarkes Spiel, das wir verdient gewonnen haben.“

Frankfurt steigert sich
Auch der 1. FFC Frankfurt geriet zunächst im Rückstand, ehe am Ende ebenfalls ein 3:1-(0:1)-Sieg gegen den FF USV Jena stand. Genoveva Anonma ließ die Gäste kurz von einem Auswärtssieg träumen (41.), doch Sandra Smisek (47.), Sara Thunebro (58.) und Kerstin Garefrekes (74.) sorgten in der zweiten Halbzeit für den Heimsieg der verbesserten Gastgeberinnen. Frankfurts Trainer Sven Kahlert meinte: „In der ersten Halbzeit haben wir es nicht verstanden, die kompakte Deckung auszuhebeln. Nach dem Seitenwechsel hat sich unser Spiel gewandelt. Wir haben uns sehr viele Chancen herausgespielt. Das frühe 1:1 half dabei sicherlich. Aber auch Respekt vor dem Gegner für die gezeigte Leistung.“

Turbine gewinnt glanzlos
Meister 1. FFC Turbine Potsdam gewann seine Pflichtaufgabe gegen Aufsteiger Tennis Borussia Berlin glanzlos mit 3:1 (2:0), schien mit den Köpfen aber bereits beim Champions-League-Rückspiel am Mittwoch gegen Brøndby zu sein. Die Treffer erzielten Babett Peter (4.), Nadine Keßler (43.) und Anja Mittag (70.), Jessica Brückner gelang mit einem verwandelten Handelfmeter der Ehrentreffer (73.). „Was heute einige Spielerinnen gezeigt haben, war nicht zu akzeptieren“, grummelte Turbine-Trainer Bernd Schröder nach dem Spiel, während sich der Gast darüber freuen durfte, das Torverhältnis nicht weiter im großen Stil negativ belastet zu haben.

Saarbrücken verschläft Beginn
Der 1. FC Saarbrücken musste sich im Heimspiel gegen den Hamburger SV mit 2:4 (0:3) geschlagen geben. Verschlafene erste zehn Minuten der Gastgeberinnen reichten dem Team aus der Hansestadt, um die Weichen für den Sieg zu stellen. Ana Maria Crnogorcevic (2. und 10.) sowie Lena Petermann (7.) schossen eine frühe 3:0-Führung heraus, Maja Schubert (87.) sorgte für die Entscheidung, nachdem Ann Katrin Schinkel (59.) und Cynthia Uwak (83.) für einen Hoffnungsschimmer gesorgt hatten.

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.