Champions League: Nur Turbine Potsdam gewinnt

Von am 5. November 2009 – 10.16 Uhr 6 Kommentare

Zwei Tore in drei Spielen – die sonst vom Erfolg verwöhnten deutschen Frauenfußball-Teams bekamen in den Achtelfinalhinspielen der UEFA Women’s Champions League am Mittwoch gezeigt, dass die Luft auf europäischem Parkett immer dünner wird. Nur Meister 1. FFC Turbine Potsdam gelang ein Sieg, dennoch haben alle drei Teams weiterhin Chancen auf den Viertelfinaleinzug.

Im strömenden Regen des Karl-Liebknecht-Stadions kamen die Potsdamerinnen vor 1 123 Zuschauern zu einem knappen 1:0 (1:0)-Sieg gegen den sechsfachen dänischen Meister Brøndby.

Spielerische Mängel
Den Treffer des Tages erzielte Fatmire Bajramaj in der 17. Minute, als sie nach einem Fehler von Brøndby-Torhüterin Stina Petersen den Ball von Tabea Kemme aufgelegt bekam und sich mit der Führung bedankte. „Spielerisch sind wir nicht zufrieden, man hat tatsächlich gemerkt, dass Anja Mittag heute gefehlt hat“, so das Fazit von Turbine-Trainer Bernd Schröder. Zuvor hatten seine Spielerinnen in 90 Minuten trotz zahlreicher Chancen nur einmal ins Schwarze getroffen. Dennoch konnte Schröder dem knappen Sieg Positives abgewinnen. „Man muss jetzt mit dem 1:0 nach Kopenhagen fahren, ohne Gegentor, das ist immer ganz günstig. Ich denke, wir haben unsere Chance, und die werden wir auch nutzen.“

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Keine Kontrolle
UEFA-Pokal-Sieger FCR 2001 Duisburg mühte sich vor der enttäuschenden Kulisse von 1 030 Zuschauern im Niederrhein-Stadion von Oberhausen gegen den schwedischen Meister Linköpings FC zu einem 1:1 (0:1)-Unentschieden und vermied nur mit Mühe die erste Niederlage seit April. Die junge Kosovare Asllani brachte die Gäste nach einer halben Stunde per Kopf aus dem Nichts in Führung, es dauerte bis in die Schlussminuten, ehe Simone Laudehr mit einer Einzelleistung der Ausgleich für die Gastgeberinnen gelang, als sie in den Strafraum eindrang und mit links abschloss (86.).

 „Wir hatten Probleme im Spielaufbau, aber das Ergebnis lässt uns für das Rückspiel hoffen”, so Trainerin Martina Voss-Tecklenburg nach der Partie. „Obwohl wir nicht gut gespielt haben, hat sich die Mannschaft nie aufgegeben.“ Zuvor war es ihrem Team über 90 Minuten nur in der Anfangsphase gelungen, den Gegner etwas in Verlegenheit zu bringen. „Die ersten drei, vier guten Chancen haben wir leider nicht genutzt und danach hatten wir keine Kontrolle mehr über das Spiel“, räumte Voss-Tecklenburg ein. Im Rückspiel in sechs Tagen wird sich Duisburg steigern müssen, soll das Abenteuer Champions League nicht vorzeitig beendet sein.

Keine Durchschlagskraft
Vizemeister FC Bayern München schuf sich mit dem 0:0 beim HSC Montpellier vor 5 737 Zuschauern eine ordentliche Ausgangsposition für das Rückspiel, doch der ersehnte Auswärtstreffer gelang dem Team von Bayern-Trainer Günther Wörle nicht. Zwar war das Team optisch überlegen, doch die besseren Chancen hatten die Französinnen, die in der 15. Minute bei einem Pfostenschuss aus der Distanz von Marie Laure Delie einem Treffer am Nächsten kamen.

Wörle erklärte: „Wir hatten zwei Ziele hier. Ein Auswärtstor und mindestens einen Punkt. Wir haben nur den Punkt geschafft. Man merkt: Für dieses europäische  Niveau war das etwas zu wenig in der Offensive. Da fehlte das überraschende Moment bei uns.“ Doch zumindest konnte sich Wörle freuen, dass sein Team, indem Nina Aigner nach Verletzung ihr Comeback feierte, seit langem wieder einmal zu Null gespielt hatte. „Für das Rückspiel haben wir nun einen kleinen Vorteil mit einem Heimspiel. Da reicht ein Sieg.“

Keine Chance für Neulengbach
Für den österreichischen Serien Meister SV Neulengbach dürfte die Champions League nach der 1:4 (1:4)-Niederlage gegen ASD Torres Calcio bereits beendet sein. Drei Treffer von Sandy Iannella (12., 27., 44.) und ein Tor von Silvia Fuselli (15.) besiegelten vor 750 Zuschauern früh das Schicksal der Österreicherinnen, auch wenn Nadine Novotny kurz vor der Pause (43.) der Ehrentreffer gelang.

Neulengbach-Trainerin Olga Hutter meinte: „Schade, eigentlich hätten wir den Grundstein legen können, um vielleicht doch das Viertelfinale zu erreichen. Leider war die Mannschaft in der 1. Halbzeit zu wenig konzentriert, vielleicht sogar einige Spielerinnen nicht so motiviert, so dass dieser Rückstand zustande kam. In der 2. Halbzeit zeigte die Mannschaft, dass auch ein anderes Resultat möglich wäre.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Steffen sagt:

    Das Spiel in Linköping wird bestimmt der Hammer. Wird das Spiel im schwedischen Fernsehen übertragen? Wenn ja, von welchem Sender?

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  • Jarmusch sagt:

    Das die Champions-League nun in der heißen Phase angelangt ist, sieht man auch an der Zahl der gefallenen Tore:
    Nur 13 Tore in 8 Spielen bedeuten einen Schnitt von 1,63!

    Für die Rückspiele wird es für die drei deutschen Teams jetzt alles andere als leicht, aber dennoch traue ich allen das Weiterkommen nach wie vor zu.

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  • till sagt:

    Ja Chancen haben alle drei Mannschaft wobei Duisburg vielleicht die schlechteste Ausgangsposition hat…
    Das Spiel in Linköpping könnte wirklich das interessanteste werden, wobei ich auch Brøndby gegen Potsdam als spannend einschätze. Wie so häufig ist hier auch der Spielverlauf entscheiden. Ein frühes Tor von Duisburg würde zum Beispiel Linköpping auch zwingen was zu tun – denen ja ein 0:0 reichen würde und in Brøndby wäre zum Beispiel ein frühes Tor der Potsdammerinnen eventuell Gift für ein spannendes Spiel – wünschen tue ich es aber natürlich allen deutschen Mannschaften weiterzukommen.
    Wenn jemand weiß, dass eins der Spiele irgendwo live übertragen wird – bitte melden 😉

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  • Detlef sagt:

    Seht groß können die spielerischen Mängel nicht gewesen sein, denn TURBINE hatte ja Chancen im Überfluss!!! (incl. 2x Aluminium)
    Leider machte uns aber wieder einmal die mangelhafte Ausnutzung dieser Möglichkeiten sehr zu schaffen!!!
    Auch eine ANJA MITTAG hatte damit schon so ihre Schwierigkeiten!!!
    Dieses Manko muss also nicht automatisch besser werden, nur weil ANJA mitspielt!!!
    Es ist ein generelles Problem von TURBINE POTSDAM, dass sie einfach zu viele Tormöglichkeiten sausen lassen!!!
    Hier wäre ein breites Aufgabengebiet für einen Mannschaftspsychologen, denn das Trainerduo fällt da komplett aus!!!
    Das sie es auch besser können, haben sie schon des öfteren gezeigt!!! Das Spiel muss zunächst erstmal in den Köpfen gewonnen werden!!!
    Aber das magere Törchen von LIRA, bewirkt zumindest, dass der dänische Rekordmeister jetzt unbedingt gewinnen muss, und 2 Tore mehr erzielen sollte als Potsdam!!!
    Dadurch entstehen natürlich auch Räume, die TURBINE dann viel besser nutzen kann, ob jetzt mit oder ohne ANJA!!!
    Das fehlen von JENNY könnte sich da wesentlich negativer auswirken, denn sie kann ihre Mitspielerinnen auch mitreißen, und selber viele Impulse setzen!!!
    Ich hoffe aber, dass beide Spielerinnen in Bröndby wieder fit sind!!!

    Duisburg wird wohl an seine besten Leistungen anknüpfen müssen, wenn sie die nächste Runde erreichen wollen!!!
    Linköpping ist nicht von ungefähr der neue schwedische Meister geworden!!!
    Seger und Co haben zumindest schon mal ein Auswärtstor erzielt, und den FCR sehr lange am Abgrund einer Heimniederlage gehalten.
    Man wird sehen, wer im Duell der Löwinnen, das bessere Ende für sich gewinnt!!!

    Auch die Bayern-Ladies werden wohl tief in die Taktik-Kiste greifen müssen, um nicht schon im Achtelfinale auszuscheiden!!!
    Jetzt heißt es möglichst wenig Kräfte im Breisgau zu verbrauchen, und das sich ja keine Spielerin mehr verletzt.

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  • Ulf sagt:

    Beim letzten Satz fehlen die 3 Ausrufezeichen!!!

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