Home » Champions League

Anspruchsvolle Aufgaben für Champions-League-Trio

Von am 4. November 2009 – 10.24 Uhr

Die Bundesliga gehört für den FCR 2001 Duisburg zum Alltagsgeschäft, doch das Achtelfinalhinspiel der UEFA Women’s Champions League gegen den frisch gebackenen schwedischen Meister Linköpings FC ist für den amtierenden UEFA-Pokal-Sieger ein echtes Highlight und ein wahrer Prüfstein. Doch auch für Meister 1. FFC Turbine Potsdam und Vizemeister FC Bayern München sind die Aufgaben nur geringfügig leichter.

Anzeige

Duisburgs Respekt vor der Mannschaft, die am vergangenen Samstag Umeå IK mit 4:0 vom Platz fegte und damit die Basis für den ersten Meistertitel schuf, ist groß. „Linköping hat absolut das Potenzial, in diesem Jahr die Champions League zu gewinnen“, ist sich Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg sicher. Doch auch die eigene Mannschaft zählt sie erneut zum Favoritenkreis, den in dieser Saison erstmals ausgetragenen Wettbewerb zu gewinnen.

Einsatz von Popp fraglich
Und das Erfolgsrezept? „Wir müssen von der ersten Minute an gegenhalten und dürfen uns am besten überhaupt keinen Fehler erlauben“,  so Voss-Tecklenburg, die auf Marina Hegering, Jennifer Oster und möglicherweise auch Alexandra Popp wird verzichten müssen. Linköping-Trainer Magnus Wikman meint: „Wir wissen, dass das ein schwieriges Spiel werden wird, aber alle meine Spielerinnen sind fit und wir wollen mit einem guten Ergebnis zurückkehren.“ Und schon mehrfach bewies sein Team in dieser Saison, dass man nur wenige Torchancen braucht, um Treffer zu erzielen.

Wiedergutmachung
Auch Potsdam und München haben in der Runde der letzten 16 Teams erstmals anspruchsvolle Gegner zugelost bekommen. Der Meister empfängt zunächst im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion das dänischen Spitzenteam Brøndby, das vor drei Jahren im UEFA-Pokal-Viertelfinale zum Stolperstein wurde. „Gegen diese Mannschaft haben wir noch etwas gutzumachen. Wir sind seinerzeit sang- und klanglos ausgeschieden, weil wir den Gegner unterschätzt hatten“, erinnert sich Trainer Bernd Schröder vor allem an die damalige 0:3-Niederlage im Hinspiel in Kopenhagen.

Ohne Anja Mittag
Das Team muss jedoch auf Topstürmerin Anja Mittag verzichten. „Anja Mittag wird definitiv nicht spielen können, sie laboriert nach wie vor an einer Muskelverhärtung im rechten Oberschenkel und wird uns wohl frühestens im Rückspiel wieder zur Verfügung stehen. Das ärgert uns sehr“, so der Turbine-Coach. Brøndby-Trainer Klavs Rasmussen meint: „Optimal für uns wäre, dass das Ergebnis des Hinspiels die Entscheidung über den Ausgang des Achtelfinals offen lässt und der Vergleich erst im Rückspiel entschieden wird.“

Bayern ohne Sieben
Der FC Bayern München muss beim Gastspiel in Montpellier weiter auf sieben Spielerinnen verzichten, dennoch hofft man, mit Zählbarem zurück nach Deutschland zu kommen. „Unser Ziel ist, ein Auswärtstor zu erzielen und zu punkten, um für das Rückspiel in einer Woche gewappnet zu sein“, so Bayern-Trainer Günther Wörle, der aus beruflichen Gründen unter anderem auf Torhüterin Ulrike Schmetz verzichten muss. Über den französischen Gegner ist nicht allzu viel bekannt. „HSC Montpellier verfügt über mehrere torgefährliche Spielerinnen. Zu ihren Stärken gehören ein gutes Kurzpassspiel sowie routinierte Kräfte in der Abwehr.“

Junges Team mit Potenzial
Bekannteste Spielerin im Team, das mit vier Nationalspielerinnen, aber auch vielen jungen Spielerinnen gespickt ist, ist die frühere 112-fache französische Nationalspielerin Hoda Lattaf. Montpelliers Trainerin Sarah M’Barek, ebenfalls eine frühere Nationalspielerin, erklärt: „Das Erreichen der K.-o.-Phase in der Champions League war unser Hauptziel in dieser Saison. Jetzt stehen wir im Achtelfinale gegen ein großartiges Team von Bayern München. Das sind zwei Spiele, in denen wir eine Menge lernen können. Und warum sollten wir nicht weiterkommen?“ Torhüterin Céline Deville, die mit ihrem Team bereits gegen Potsdam und gegen Frankfurt spielte, meint: „Wir sind sicherlich nicht Favorit, aber auch sie haben nur zwei Arme und zwei Beine. Wir dürfen keine Angst haben, sonst sind wir auf verlorenem Posten.“

Neulengbach will überraschen
Auf Österreichs Meister SC Neulengbach wartet in Italiens Vertreter ASD Torres Calcio ebenfalls eine schwere Aufgabe. Die Italienerinnen setzten sich in der vergangenen Runde unerwartet deutlich gegen Islands Titelträger Valur Reykjavík (4:1 und 2:1). Trotzdem hoffen die Niederösterreicherinnen, erstmals das Viertelfinale in einem europäischen Wettbewerb erreichen zu können. Dabei muss Trainerin Olga Hutter ohne Daniela Tasch (Seitenbandverletzung) und die Langzeitverletzte Birgit Gumpenberger (Kreuzbandriss) auskommen. Dafür stehen die Zeichen günstig, dass Kapitänin Natascha Celouch nach ihrem Augenhöhlenbruch wieder mit an Bord ist. Hutter meint:  „ASD Torres ist zwar Favorit im Achtelfinale, aber wir werden alles versuchen um zunächst einmal eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel auf Sardinien zu erreichen. Vielleicht hilft uns auch etwas das kalte Wetter, das die Italienerinnen nicht so gewohnt sind!“

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.