Home » Bundesliga Frauen

1. FC Saarbrücken wittert Morgenluft

Von am 2. November 2009 – 11.47 Uhr

Bei der 2:6-Niederlage beim Vizemeister FC Bayern München machten sich die Spielerinnen des 1. FC Saarbrücken zwar durch individuelle Fehler das Leben selber schwer, doch der Aufsteiger ist mittlerweile in der Liga angekommen und guter Dinge, mit gezielten Verstärkungen in der Winterpause den Abstieg vermeiden zu können.

Anzeige

Im Sportpark Aschheim gelang es dem Team von Trainer Stephan Fröhlich phasenweise, gut dagegen zu halten, bei Standardsituationen waren die Saarbrückerinnen stets gefährlich, so dass die klare Niederlage die wahren Kräfteverhältnisse auf dem Rasen nur unzureichend wiedergibt. „Wir sind auf einem guten Weg, aber wir werden mit Wellentälern leben müssen“, gibt sich Fröhlich vorsichtig optimistisch.

Individuelle Fehler
Nach zuletzt drei Spielen ohne Niederlage waren die sechs Gegentreffer beim deutschen Vizemeister ein Rückschlag. „Wir waren nicht drei, vier Tore schlechter, aber uns passieren unter Druck kleine Fehler und Abstimmungsprobleme, die werden sofort bestraft.“ So etwa beim dritten und vierten Gegentreffer, als man die Münchnerinnen mit schlechtem Stellungsspiel in der Innenverteidigung zum Tore schießen nahezu einlud.

„Ich hatte fünf Spielerinnen ohne Bundesliga- oder Abstiegserfahrung auf dem Platz“, so Fröhlich, der aber mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben dürfte, dass die aktuelle Formschwäche von SC Freiburg und SG Essen-Schönebeck die Chancen des eigenen Teams auf den Klassenerhalt erhöht.

Mehr Disziplin
„Wir müssen Nuancen verbessern, ich hoffe auf den Lernprozess. Wir müssen uns an den Druck anpassen, es ist von Woche zu Woche dieselbe Situation.“ Dabei gilt es auch, Undiszipliniertheiten abzulegen. So hatte etwa die bereits mit einer Gelben Karte belastete Julia Leykauf Glück nicht die Rote Karte zu sehen, als sie eine Entscheidung von Schiedsrichterin Daniela Schneider gegenüber einer Fotografin mit dem Scheibenwischer kommentierte, die Aktion dem Schiedsrichterinnengespann allerdings entging.

In der Winterpause will man nun in Saarbrücken noch einmal nachlegen. „Der Kader ist quantitativ und qualitativ zu dünn, mir fehlen ein, zwei gestandene Charaktere. Wir sind gezielt auf der Suche nach Verstärkungen“, so Fröhlich, der auch die polnische Nationalspielerin Agata Tarczynska noch nicht völlig abgeschrieben hat, auch wenn deren Vorgehensweise bis heute auf Missfallen stößt.

Gesprächsbereitschaft
„Sie ist einfach über Nacht verschwunden, obwohl sie vertragliche Verpflichtungen hat, die sie seit drei Wochen ruhen lässt. Sie hat in der Zwischenzeit zwei Länderspiele bestritten und sogar ein Tor geschossen. Die Art und Weise ihres Abschieds war charakterlich traurig, außerdem hat sie ihre Mitspielerinnen in einer schwierige Phase alleine gelassen.“

Doch die Tür scheint noch nicht komplett geschlossen zu sein. Fröhlich erklärt: „Ich bin immer zum Dialog bereit, aber ich weiß nicht, ob die Mannschaft noch einmal dazu bereit ist, das ist eine schwierige Sache. Sie kommt nächste Woche aus Polen zurück, dann setzen wir uns zusammen und schauen, was dabei rauskommt.“

Tags: ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.