Gelungenes Einschießen für die Champions League

Von am 1. November 2009 – 11.11 Uhr 3 Kommentare

Es stand bereits vorher zu befürchten, dass die blütenweiße Weste von Überraschungsteam SC 07 Bad Neuenahr bei UEFA-Pokal-Sieger FCR 2001 Duisburg erste Flecken erhalten würde. Und so kam es dann auch. Inka Grings bezwang im Duell Erster gegen Zweiter den Emporkömmling nahezu im Alleingang. Und auch in Aschheim stand die Partie zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Saarbrücken ganz im Zeichen einer Spielerin.

Die EM-Torschützenkönigin und Anwärterin zur Weltfußballerin des Jahres 2009 machte sich beim 4:1 (2:0)-Sieg vor 1 741 Zuschauern gleich drei Geschenke zum 31. Geburtstag.

Grings trifft und trifft und trifft
Mit ihren Treffern zum 1:0 (20.), 2:0 (30.) und 3:0 (51.) schraubte sie ihre Torausbeute in der aktuellen Bundesligasaison auf 14 Treffer und holte die Gäste aus der Kurstadt auf den Boden der Realität zurück. Ramona Petzelberger konnte zwar verkürzen (66.), doch Turid Knaak (80.) sorgte für den Endstand.

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Trotz der deutlichen Niederlage war Gäste-Trainer Thomas Obliers nicht unzufrieden: „Wir haben nach einer bisher überzeugenden Saison auch gegen den UEFA-Cup-Sieger ein ordentliches Spiel abgeliefert – und ich kann nur mir selbst den Vorwurf machen, zu defensiv angefangen zu haben.“

Grings: Spielpraxis statt Atempause
Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg lobte: „Wir haben schöne Spielzüge gesehen und schöne Tore. Nachdem wir schwer ins Spiel gekommen sind, haben wir dann in jeder Spielsituation die richtige Antwort gegeben.“ Dabei musste ihr Team ohne Jennifer Oster, Marina Hegering und kurzfristig auch ohne Alexandra Popp auskommen. Ein besonderes Lob hatte Voss-Tecklenburg für ihre Topstürmerin parat: „Inka ist derzeit nicht nur spielerisch Klasse, sie ist auch körperlich superfit, in dieser Form kann sie ewig 90 Minuten durchspielen.“

Nun sind die Blicke bereits auf Mittwoch gerichtet, wo eine ungleich schwerere Aufgabe auf die Duisburgerinnen wartet. Zu Gast ist Linköpings FC, dem die schwedische Meisterschaft nach dem furiosen 4:0-Sieg gegen Umeå IK am Samstag kaum noch zu nehmen ist. „Linköping hat absolut das Potential zum CL-Sieger“, ordnet Voss-Tecklenburg die Stärke des Gegners ein.

Bumm Bumm Bürki
Unter der Woche hatte die Schweizer Nationalspielerin Vanessa Bürki in Israel rund um das WM-Qualifkationsspiel noch im Mittelmeer gebadet, doch auch bei vorwinterlichen Außentemperaturen vor den Toren Münchens fühlte sie sich am Samstag pudelwohl. Gleich viermal traf Bürki für den FC Bayern München beim 6:2 (1:0)-Sieg vor 260 Zuschauern ins Schwarze.

„Wir wussten ja, dass wir es können, auch wenn wir in den letzten Spielen nicht die beste Leistung gezeigt haben“, kommentierte sie die Leistung ihres Teams. Nach zwei Niederlagen in Folge fanden die Münchnerinnen trotz Bürkis schneller Führung (14.) nur schleppend in die Partie. Da Sandra de Pol wegen einer Grippe fehlte, wurde Bianca Rech in die Viererkette beordert, Katharina Baunach spielte auf der ungewohnten Sechserposition, Bayern-Trainer Günther Wörle setzte auf dieselbe Formation wie in der zweiten Halbzeit in Wolfsburg.

Sieben Tore in Halbzeit zwei
Die Gäste machten geschickt die Räume eng, im Bayern-Spiel war zu wenig Bewegung, so dass vor dem Saarbrücker Tor nur selten echte Gefahr aufkam. In den zweiten 45 Minuten erhöhten die Bayern das Tempo, und dann ging es Schlag auf Schlag: Drei weitere Treffer von Bürki (52.), (57.) und (89.) sowie Tore von Rech (76.) und Simic (78.) sorgten für den etwas zu hoch ausgefallenen Sieg, Saarbrücken traf zweimal mit Freistößen durch Juliana Edwards (55.) und Kelly Cronkite (83.).

Bayern-Trainer Wörle erklärte: „Wichtig war heute, dass wir die drei Punkte holen, denn dann hat man noch alle drei Ziele im Auge. Saarbrücken hatte ich stärker erwartet, aber uns ist es gut gelungen, Cynthia Uwak aus dem Spiel zu nehmen, vor der ich einen Heidenrespekt habe. Wir werden sehen, ob das der richtige Aufbaugegner für das Spiel in Montpellier war.“

Saarbrücken zu naiv
Saarbrückens Trainer Stephan Fröhlich meinte: „Wir waren nicht drei, vier Tore schlechter, wir waren ein würdiger Gast. Beim dritten und vierten Tor haben wir Bayern zum Tore schießen eingeladen, da hat die Innenverteidigung beim Stellungsspiel geschlafen. Solche Fehler werden beim Vizemeister einfach bestraft.“

Für die Bayern gilt es nun, sich am Mittwoch in Montpellier im Achtelfinalhinspiel der Women’s Champions League eine gute Ausgangsposition zu schaffen, auch wenn man wohl weiter auf Sandra de Pol wird verzichten müssen. Dafür dürfte Stürmerin Nina Aigner dann ihr Comeback feiern. „Sie hat jetzt noch drei Tage Zeit, das wird ihr helfen“, so Wörle.

Selbstvertrauen für Montpellier
Die vierfache Torschützin Bürki ist sich sicher, dass ihr Team auch auf europäischem Parkett für Furore sorgen kann. „Wir dürfen Montpellier auf keinen Fall unterschätzen, aber wenn wir abrufen, was wir können, werden wir sie schlagen. Wenn wir wieder alle im Team haben, ist auch europäisch was drin.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • laasee sagt:

    @Markus

    Neuenahr make a good impression. Petzelberger scored a class goal. There is talent and quality in the team and Obliers is a very good coach. A top four end of season placing for Neuenahr would be very healthy for the Bundesliga.

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  • Brandy74 sagt:

    @laasee: Neuenahr hat sich im Vergleich zum letzten Jahr deutlich verbessert,aber dass sie unter die ersten 4 komme,sehe ich doch utopisch. Besonderes Lob verdient Romina Holz,die mit tollen Paraden eine höhere Niederlage verhindert hat. Enttäuschend fand ich dagegen MBabi und Neid`s Liebling Goessling

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  • djane sagt:

    Goessling ist nur auf Abruf, von daher finde ich es etwas übertrieben, sie als „Neid’s Liebling“ zu bezeichnen.

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