Die Tops und Flops der Woche 43/2009

Von am 26. Oktober 2009 – 11.34 Uhr 1 Kommentar

Die furiosen Siege vom VfL Wolfsburg und dem 1. FC Saarbrücken stehen in dieser Woche genauso im Blickpunkt, wie ein sensationeller Auftritt von Holstein Kiels Stürmerin Christina Krause, hohe Niederlagen, eine bittere Degradierung und eine ungewöhnliche Begründung für einen Trainer-Rauswurf.

Top 5

1. Wolfsburg schießt Bayern k.o.
Der VfL Wolfsburg kam zu einem überzeugenden und in der Höhe unerwarteten 4:0-Sieg gegen Vizemeister FC Bayern München. Martina Müller (3., 64.) und Selina Wagner (13., 44.) sorgten vor leider nur 475 Zuschauern im Stadion am Elsterweg dafür, dass der Gast mit einer deutlichen Packung die Heimreise an die Isar antreten musste und die zweite Niederlage in Folge kassierte. Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann freute sich: „Bayern München war natürlich mit reichlich Verletzungssorgen angereist. Aber meine Mannschaft hat heute eine klasse Leistung abgeliefert und hoch verdient gewonnen. Sie war 90 Minuten Spiel bestimmend.“ Und so hatte auch die neue Stadionsprecherin Melanie Kösser erstmals richtig gut Lachen, die bei ihrem ersten Einsatz am 11. Oktober (2:2 gegen den 1. FC Saarbrücken) noch keinen Sieg der „Wölfinnen“ bejubeln durfte.

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2. Furioser 1. FC Saarbrücken
Die Punktgewinne in den Auswärtsspielen beim VFL Wolfsburg und Tennis Borussia Berlin (jeweils 2:2) scheinen den 1. FC Saarbrücken auf den Geschmack gebracht zu haben. Beim 5:0-Sieg gegen den SC Freiburg feierte das Team einen viel umjubelten ersten Saisonsieg, Cynthia Uwak gelangen ihre ersten beiden Saisontreffer. Zehn Tage zuvor hatte man beim gleichen Gegner in der 2. Runde des DFB-Pokals noch mit 0:2 verloren. Dabei hatte Trainer Stephan Fröhlich zuletzt erstmals öffentlich Zweifel an der Qualität seines Kaders geäußert. „Bei allem Trainingsfleiß der Mädchen fehlen uns doch ein paar erfahrene Spielerinnen.“ Und so stehen für die Winterpause eine Innenverteidigerin und eine Offensivkraft auf der Wunschliste. Gut für Saarbrücken, dass bisher Teams wie TeBe, der Hamburger SV und auch die SG Essen-Schönebeck nicht so recht vom Fleck kommen.

3. Echtes Spitzenspiel
2 880 Zuschauer sahen am Sonntag am Brentanobad ein Topspiel, das seinen Namen verdient hatte. Am Ende hatte der FCR 2001 Duisburg dank der größeren Cleverness in der Chancenverwertung beim 3:2-Auswärtssieg die Nase vorne. Doch beide Teams boten in der hochklassigen Partie ein Spektakel der besonderen Art. Duisburgs Topstürmerin Inka Grings, die ihre Saisontreffer 10 und 11 und bereits ihr 300. Bundesligator erzielte, meinte: „Das war ein tolles Spiel für die Zuschauer und für uns; wir sind einfach glücklich, weil wir bewiesen haben, dass wir weiterhin Spitzenspiele gewinnen können.“ Und auch Frankfurts Trainer Sven Kahlert meinte: „Wir haben ein sehr gutes Spiel gesehen.“ Eine Einschätzung, die auch Bundestrainerin Silvia Neid und WM-OK-Präsidentin Steffi Jones teilten.

4. Das Wunder von Leipzig
„Das Wunder von Leipzig“ titelte die offizielle Website von Holstein Kiel am Tag, nachdem das Team aus der 2. Bundesliga Nord sein Gastspiel beim 1. FC Lok Leipzig mit 5:4 gewonnen hatte. Das Ungewöhnliche: Das Team von Guido Gehrke lag in der ersten Halbzeit mit 0:3 in Rückstand, nach dem Anschlusstreffer erhöhte Leipzig schnell auf 4:1, die Messen schienen bereits gesungen. Doch dann schlug die große Stunde von Kiels Stürmerin Christina Krause. Mit einem Hattrick binnen sieben Minuten (60., 63., 67.) glich sie auf 4:4 aus, doch damit nicht genug. Der Linksfuß mit der Nummer 13 erzielte mit einem 18-Meter-Schuss auch noch den Siegtreffer (85.). „Wir hatten heute Suppe. Aber das gehört dazu. Die Mannschaft hat super gespielt“, freute sich Gehrke, der in der kommenden Woche mit seinem Team den ungeschlagenen Tabellenführer Herforder SV empfängt. Dann will Kiel das nächste Wunder vollbringen.

5. Dapne Koster wechselt in US-Profiliga
Bei der Frauenfußball-Europameisterschaft in Finnland hatte Daphne Koster, Kapitänin der niederländischen Nationalmannschaft, großen Anteil daran, dass ihre Elf erst im Halbfinale von England (1:2 n.V.) gestoppt werden konnte. Jetzt zieht es die Verteidigerin in die USA zum WPS-Titelträger Sky Blue FC. Koster, die in den vergangenen zwei Jahren für AZ Alkmaar spielte, erhält einen Einjahresvertrag mit Option für eine weitere Saison. Alkmaar-Trainer Ad Engelkes erklärt: „Sie ist für den Wechsel in den Profifußball bereit. Sie kann jetzt gegen die besten Spielerinnen in der Welt antreten. So eine Chance bekommt man vielleicht nur einmal im Leben, man muss sie also ergreifen.“ Auch US-Nationalspielerin Carli Lloyd wird zukünftig für den WPS-Meister stürmen.

Flop 5

1. Bittere Klatschen
Gleich für vier Mannschaften gab es am vergangenen Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga bittere Niederlagen. Fiel die 0:4-Niederlage von Tennis Borussia Berlin beim FF USV Jena noch in die Kategorie „erwartungsgemäß“, hatten es die anderen Ergebnisse in sich. Vizemeister FC Bayern München ist nach der 0:4-Niederlage beim VfL Wolfsburg und nach zwei Niederlagen in Folge zurück auf dem Boden der Realität und derzeit nur noch Tabellensiebter. „Momentan haben wir einfach nicht die Kraft dagegen zuhalten“, so Bayern-Trainer Günther Wörle ernüchtert. Der SC Freiburg ist nach der 0:5-Niederlage beim 1. FC Saarbrücken nach sechs Spieltagen weiter als einziges Team ohne einen einzigen Punkt. Die SG Essen-Schönebeck kassierte beim 0:7 beim Meister 1. FFC Turbine Potsdam gar die höchste Niederlage ihrer fünfjährigen Bundesliga-Geschichte. „Bis zur 57. Minute haben wir richtig gut mitgespielt. Es kann nicht sein, dass wir nach dem 0:3 einfach aufgeben und in den letzten 20 Minuten überhaupt keine Gegenwehr mehr leisten“, so Essens Trainer Ralf Agolli.

2. Degradiert
Im Spitzenspiel der Frauenfußball-Bundesliga zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem FCR 2001 Duisburg musste trotz der Abwesenheit von Sara Thunebro und des verletzungsbedingten Fehlens von Gina Lewandowski ein hessisches Urgestein auf Seiten der Gastgeberinnen zuschauen. Innenverteidigerin Tina Wunderlich wurde nach Aussage von Frankfurts neuem Trainer Sven Kahlert „aus taktischen Gründen“ nicht eingesetzt. Dafür durfte die 32-Jährige dann vergeblich 90 Minuten lang bei der 2:4-Niederlage des 1. FFC Frankfurt II gegen den ASV Hagsfeld rackern. Man darf gespannt sein, ob und wann man die dreifache UEFA-Pokal-Siegerin, siebenfache deutsche Meisterin und siebenfache DFB-Pokalsiegerin wieder in der ersten Mannschaft sehen wird.

3. TSV Eching feuert Sissy Raith
Dass Vereine Trainerinnen und Trainer entlassen, ist erst einmal nichts Ungewöhnliches, zumal Landesligist TSV Eching in den ersten 14 Saisonspielen nur 9 Punkte geholt hat und auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Doch die Begründung, warum Sissy Raith vor die Tür gesetzt wurde, ist mehr als bizarr. Vereinsvorsitzender Peter Raab wird in der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert, es sei „für einen Mann, der nach einem harten Arbeitstag ins Training kommt, vielleicht doch besser, sich nicht mit einer Frau auseinandersetzen zu müssen.“ Im Januar hatte Raith die Männermannschaft des TSV Eching in der Bezirksoberliga übernommen, was damals bundesweit für Schlagzeilen sorgte, war sie doch eine der ersten Frauen, die eine Männermannschaft im höheren Amateurbereich trainiert. Notiz am Rande: Nachfolger Ivica Bacic verlor seine Premiere mit 1:3. Merke: Geschlecht bringt keine Siege.

4. Unter die Räder gekommen
Die Nationalmannschaft Georgiens hatte am Wochenende beim WM-Qualifikationsspiel in Dänemark nur wenig zu lachen. Dass es beim EM-Teilnehmer nur wenig zu ernten geben würde, war dem Team bereits vor dem Spiel bewusst, dass man die Rückreise mit einer 0:15-Klatsche im Gepäck antreten musste, haben die größten Pessimisten nicht erwartet. Die dänischen Debütantinnen Lise Munk (Fortuna Hjørring) und die erst 16-jährige Pernille Harder (Team Viborg) erzielten jeweils einen Hattrick beim bisher höchsten Sieg einer dänischen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Der bisherige Rekord war ein 11:0 gegen Litauen aus dem Jahr 1994. Dänemarks Trainer Kenneth Heiner-Møller erklärte: „Das sah möglicherweise leicht aus, aber nach der EM tat es uns gut, dermaßen viele Tore zu schießen.“

5. Finger weg!
Dass eine Torhüterin den Ball mit der Hand berühren darf, liegt in der Natur der Sache. Dass dies außerhalb des Strafraums jedoch nicht zum guten Ton gehört, hatte Kathrin Wojtasik, Torhüterin des 1. FC Köln, beim 3:1-Auswärtssieg gegen den FC Löchgau offenbar vergessen. Als Löchgaus Jasmin Klotz nach einem Steilpass von Larissa Braun die Kölner Abwehr überlief, zögerte Wojtasik mit dem Herauslaufen und wehrte den Schuss von Klotz schließlich knapp außerhalb des Strafraums mit den Händen ab. Schiedsrichterin-Assistentin Deborah Wiemann machte Schiedsrichterin Julia Heuschkel auf den Fauxpas aufmerksam, die Folge war klar: Rote Karte.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • nemo sagt:

    Der wahre Grund für die Entlassung von Sissy Raith ist die drohende Insolvenz des Vereins, der sich die Trainerin schlicht nicht mehr leisten kann; so meldet es die lokale Presse.

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