Frankfurt gegen Duisburg: mehr als ein Prestigeduell

Von am 23. Oktober 2009 – 15.00 Uhr 6 Kommentare

Wenn am Sonntag ab 11.00 Uhr der 1. FFC Frankfurt am Brentanobad auf den FCR 2001 Duisburg trifft, ist es mehr als nur ein Duell zweier klangvoller Namen im deutschen Frauenfußball. Denn für die Frankfurterinnen geht es darum, sich unter dem neuen Trainer Sven Kahlert mit einem Erfolgserlebnis gegen einen der Großen neuen Respekt zu verschaffen. Duisburg will seinerseits die neuerliche Standortbestimmung nutzen, um sich für das Champions-League-Achtelfinale einzuspielen und zu zeigen, dass man in dieser Saison nicht nur gegen Außenseiter glänzen kann.

Unter Kahlert hat der 1. FFC Frankfurt bisher eine makellose Bilanz vorzuweisen. Zunächst gewann Frankfurt sein Zweitrundenspiel im DFB-Pokal beim SC 07 Bad Neuenahr mit 4:0, um sich wenige Tage später mit dem gleichen Ergebnis in der Bundesliga beim Hamburger SV durchzusetzen.

Siege mit begrenzter Aussagekraft
Zwei schöne Erfolge, deren Wert und Aussagekraft allerdings begrenzt ist, vor allem falls das Team nach der 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern München auch gegen den zweiten Topgegner in dieser Saison verlieren sollte. Denn auch der neue Trainer wird sich an den Ergebnissen gegen Teams wie Duisburg, München und Potsdam messen lassen müssen, nicht an Erfolgen gegen Teams, wo drei Punkte im Normalfall fest eingeplant sind.

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Neuen Respekt verschaffen
Der Respekt vor der sportlichen Leistungsstärke der Frankfurterinnen hat durch die verpatzte letzte Saison Schaden genommen. So meinte Bayern Münchens Torhüterin Ulrike Schmetz unlängst: „Frankfurt hat sicherlich eine gute Mannschaft, aber Duisburg und Potsdam sind stärker.“ Und so werden die Frankfurterinnen alles daran setzen, gegen die Duisburgerinnen mit einem Sieg vom Platz zu gehen, um ein kräftiges Signal für den weiteren Saisonverlauf zu setzen. Noch nicht vergessen sind die bitteren Ergebnisse der Saison 2008/2009, wo man gegen Duisburg im UEFA-Pokal mit 1:3 und 0:2 verlor, in der Bundesliga beim 0:5 in Duisburg und der 1:2-Heimniederlage phasenweise sogar vorgeführt wurde. Gespannt darf man sein, wie Frankfurt am Sonntag seine neuerlichen Ausfälle kompensieren wird.

Frankfurt ohne Thunebro und Lewandowski
Denn neben Ariane Hings (Knorpelschaden), Anna Marciak und Melanie Kantor (jeweils Kreuzbandrisse), muss das Team auf die am Sprunggelenk verletzte Gina Lewandowski verzichten, die einige Wochen pausieren muss. Die zweite Torhüterin Stephanie Ullrich wird nach einem arthroskopischen Eingriff an der Hüfte gar für den Rest der Hinrunde ausfallen. Zudem wird Neuzugang Sara Thunebro in der Abwehr schmerzlich fehlen. Sie bestreitet mit Schweden am Samstag und Mittwoch WM-Qualifikationsspiele in Aserbeidschan und Belgien. „Unabhängig von der Verletztenmisere werden wir ein schlagkräftiges Team auf den Platz schicken, von dem ich überzeugt bin, dass es darauf brennt, leidenschaftlich um drei weitere Meisterschaftspunkte zu kämpfen”, ist sich Kahlert sicher.

Grings fordert mehr Aggressivität
Auch beim Gegner FCR 2001 Duisburg ist in dieser Saison noch nicht alles Gold, was glänzt. Nach vier Siegen in Folge deckte Meister 1. FFC Turbine Potsdam beim für Duisburg schmeichelhaften 2:2 am vergangenen Samstag auf, dass der UEFA- und DFB-Pokalsieger von der Form der vergangenen Saison noch ein ganzes Stück entfernt ist. Topstürmerin Inka Grings meint: „Potsdam hat uns aufgezeigt, wo wir stehen und woran es noch hapert. Es ist deutlich geworden, dass wir weiter an uns arbeiten müssen, wir sind eben noch nicht bei 100 Prozent angekommen. Wir haben über weite Strecken den Kampf und die nötige Aggressivität vermissen lassen, die man gegen eine Spitzenmannschaft braucht.“ Auch die Duisburgerinnen können nicht in Bestbesetzung antreten. Annemieke Kiesel bestreitet für die Niederlande zwei WM-Qualikationsspiele in Norwegen und gegen Mazedonien.

Frankfurter Abwehrschwächen nutzen
Doch das schwere Spiel gegen Potsdam dürfte dem Team von Trainerin Martina Voss geholfen haben, in Frankfurt von Beginn an auf einem höheren Niveau zu agieren, ein weiterer Härtetest vor den schweren Champions-League-Spielen gegen den schwedischen Vizemeister Linköpings FC (4. und 11. November) kommt Trainerin Martina Voss-Tecklenburg mehr als gelegen. Sie hat beim Gegner zudem Schwächen ausgemacht: „„Neuenahr hätte eigentlich in Führung gehen müssen – danach hat Frankfurt aber sehr überzeugend gespielt.“ Duisburgs Vorsitzender Guido Lutz siedelt die Bedeutung des Spiels in Frankfurt als auch die Duelle mit Linköping hoch an: „Diese Spiele sind eine sehr wichtige Standortbestimmung für die ganze Saison.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Eckenkoenig sagt:

    Ergänzung: Auch Duisburg leidet unter der WM-Quali: Kiesel fehlt wegen Holland

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, das habe ich noch schnell ergänzt. 😉

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  • Jennifer sagt:

    Die Verletztenliste der Frankfurter ist wirklich schmerzhaft – im wahrsten Sinne des Wortes. Da kann man nur hoffen, dass es zu einer guten Reaktion der Spielerinnen auf dem Platz kommt und starken Rückenwind durch den neuen Trainer! Gute Besserung von hier aus den verletzten Spielerinnen! Get well soon!

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  • Ute sagt:

    Hallöchen,

    gibt es irgendwo einen Live-Ticker zum Spiel? Auf den Websites der Vereine habe ich nix gefunden – echt peinlich, bei Potsdam gibts den immer…..

    Turbine-Fans interessiert das nämlich auch 😉

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  • uwe sagt:

    @ Ute
    Für die Zukunft, http://www.Dfb.de. (rechts unten)

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  • uwe sagt:

    Das Zdf bringt im Rahmen der Sportreportage eine Zusammenfassung der Partie. 17.10 Uhr

    Quelle: ZDF Videotext s.323

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