Zuversichtliche Gesichter in Bremen

Von am 22. Oktober 2009 – 17.25 Uhr 3 Kommentare

Fünf Punkte in fünf Spielen. Werder Bremen findet sich nach gut einem Viertel der Saison in der unteren Tabellenhälfte der Zweiten Bundesliga Nord wieder. Aufregung verursacht das an der Weser nicht. „Für einen Aufsteiger ist das völlig okay“, sagt Trainerin Birte Brüggemann, die mit ihrem Verein eine ganz andere Strategie fährt, als die Frauenabteilungen der finanzstarken Männervereine im Süden.

Für viele war Werder vor der Saison die große Unbekannte, für andere gar ein Aufstiegsfavorit. „Darüber musste ich in meinem kleinen Büro immer schmunzeln“, so Brüggemann, die hofft, „dass es in dieser Saison zum Klassenerhalt reicht.“ Der bisherige Saisonverlauf stimmt die ehemalige Verbandstrainerin durchaus positiv. „Alle fünf Spiele hätten mit einem anderen Ergebnis enden können; wir waren nie unterlegen, nie überlegen.“

In kleinen Schritten nach oben
Während Leverkusen und insbesondere Köln vor Saisonbeginn teils spektakuläre Neuzugänge vermeldeten, war es in Bremen deutlich ruhiger. Neu zur Mannschaft stießen Nachwuchsspielerinnen aus Potsdam, die Kenianerin Doreen Nabwire sowie ein zweitligaerfahrenes Trio aus Gütersloh. „Alle haben sich bei uns beworben, wir haben keine einzige Spielerin gescoutet“, betont Brüggemann, räumt dabei allerdings ein, dass das auf Dauer keine erfolgsversprechende Strategie sein kann. „Wir müssen jetzt gezielter arbeiten und mit auf dem Markt stehen.“

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Auch in Bremen heißt das Ziel Aufstieg – allerdings gibt man sich in der Hansestadt dafür etwas mehr Zeit. Zwei bis drei Jahre zweite Liga seien für Werder okay, auch ein viertes kein Beinbruch, sagt die Trainerin, die als einzig Hauptamtliche im Verein für Frauenfußball zuständig ist. „Jetzt müssen wir erstmal drin bleiben, im nächsten Jahr die richtigen Konsequenzen ziehen und uns frühzeitig von Gut und Böse entfernen.“

Im Sommer wechselte Maren Wallenhorst von Gütersloh nach Bremen, momentan ist sie verletzt.

Im Sommer wechselte Maren Wallenhorst von Gütersloh nach Bremen, momentan ist sie verletzt.

Akzeptanz steigt
„Wir lassen uns hier bewusst Zeit“, sagt Brüggemann und nennt diesen kontinuierlichen auf Nachhaltigkeit setzenden Weg „ein sanftes Modell“ und „Werder-like“. Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, keine andere Frauenmannschaft in den Verein einzugliedern, sondern eine eigene zu gründen. „In Bremen herrschte im Frauenfußball stadtflucht, es gab für Spielerinnen überhaupt keine Möglichkeiten, sich zu entwickeln.“ Jetzt gehe es darum, die Strukturen zu schaffen und auszubauen.

Nach drei Jahren steht für die Trainerin jedoch fest, dass „alles noch schöner ist, als erträumt.“ Auch die Akzeptanz des Frauenfußballs steige: innerhalb des Vereins, medial und bei den Zuschauern. Zu den letzten beiden Heimspielen kamen jeweils mehr als 300 Menschen ins Stadion – in der Nordstaffel liegt man damit hinter dem Herforder SV und Victoria Gersten auf dem dritten Rang.

Hoffnung auf Zuschauerrekord in Gersten
Zum nächsten Spiel reisen die Bremerinnen am Sonntag nach Gersten. „Das Emsland ist traditionell eine Hochburg der Werder-Fans“, so Brüggemann, die nun hofft, dass von denen möglichst viele auch den Weg zu den Frauen finden. Da Gersten ohnehin viele Zuschauer zu den Heimspielen anzieht, ist sich die Werder-Trainerin sicher, dass „das eins der Spiele mit Rekordzuschauerzahlen wird.“

Bislang hatten die Victoria-Fans auch allen Grund zum Jubel, mit drei Siegen und einem Unentschieden ist die Elf von Trainerin Maria Reisinger erfolgreich in die Saison gestartet und liegt derzeit auf dem dritten Tabellenrang. „Für mich ist das gar nicht überraschend“, sagt Brüggemann, die am Sonntag eine schwere Aufgabe erwartet. „Sie sind letztes Jahr mit einem sehr jungen Team gestartet, das ist jetzt gefestigt.“

Verzichten müssen die Bremerinnen in ihrem sechsten Zweitligaspiel weiterhin auf Maren Wallenhorst. Der Gütersloher Neuzugang fällt, wie schon im Pokalspiel in der vergangenen Woche, wegen eines Bänderrisses aus. Ebenfalls mit einer Bänderverletzung pausieren muss Jessica Golebiewski.

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3 Kommentare »

  • michael sagt:

    Frau Brüggemann hat schon eine hübsche Form von Realitätsferne.Bekanntlich erfolgte der rasche Aufstieg von Werder durch die Übernahme fremder Vereinsrechte. Bremen hat sich nicht freundlich in der Kreisliga angestellt. Wie geistig schwach die Aussagen sind, belegt daß man bremische Talente wohl dadurch fördert, daß die Spielerinnen aus Potsdam, Gütersloh oder Kenia kommen. Die haben sich wie gesagt wird aus lauter Liebe zur romatischen Hansestadt in Bremen gemeldet. Dann schon lieber die direkte knallharte Art der Kölner oder wie in Leverkusen. Die Märchenstunde a la Bremen ist nun wirklich peinlich.

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  • viererklette sagt:

    @michael

    Wie peinlich unwissend ist dieser beitrag von Michael. ich verfolge den Bremer Frauenfußball von Anfang an. Sie haben sich völlig neu gegründet (Von welchem verein sollten sie denn die Rechte haben, der Bremer Frauenußball war tot). Sie hatten ein Team, dass zu 90 Prozent aus jungen Frauen unter 22 Jahren aus Bremen und den umliegenden Städten kamen. Davon haben sie in den heutigen Kader (2 Klassen höher) immerhin 9 Spielerinnen mitgenommen. Denn sie sind natürlich in der tiefsten Klasse ihres Verbands gestartet (in der 11 gegen 11 gespielt wird), haben sich also wie alle „ganz unten“ angestellt. Dass das in Bremen die vierte Liga (Bremer Verbandsliga) ist, dafür können die Grün-Weißen nichts. Wer dabei war, kann beurteilen, wie steinig der Weg über die leeren Bremer Stadtsportplätze gewesen ist.

    Schade, dass offensichtlichtlich böswillig immer wieder die Legende von den Grün-Weißen finanzkräftigen Über-Privilegierten gestreut wird, und das leidenschaftliche Vollzeitengagement einer Birte Brüggemann (Projektleiterin, Trainerin 1. Mannschaft, Koordinierung aller Nachwuchsteams) und zahlreicher Ehrenamtlicher missachtet wird.

    Außerdem noch ein Wort zur Bremer Talentförderung. Die U 17, ebenfalls fast ausschließlich Mädchen der Region, wurde Norddeutscher Meister. Für junge Talente der Region bietet der sanfte Einstieg von Werder endlich wieder Persepktiven.

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  • Bernhard sagt:

    <>

    Von Bremen aus gesehen, ist ja recht viel „im Süden“.

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