Die Tops und Flops des fünften Bundesliga-Spieltags

Von am 19. Oktober 2009 – 15.00 Uhr 18 Kommentare

Eine 16-jährige Torschützin, ein rheinisches Erfolgsduo, unsägliche Verletzungen und eine schlecht kommunizierte Trennung stehen in dieser Woche im Mittelpunkt unserer Tops und Flops.

Top 5

1. Marie Pyko schießt Bad Neuenahr an die Spitze
In der vergangenen Saison entging der SC 07 Bad Neuenahr nur knapp dem Abstieg. Nach fünf Spieltagen der neuen Saison steht das Team von Trainer Thomas Obliers nach fünf Siegen aus den ersten fünf Spielen an der Tabellenspitze. Beim Vizemeister FC Bayern München war es die schlaksige, erst 16 Jahre alte Marie Pyko, die ihr Team zum 1:0-Überraschungssieg und erst zum zweiten Mal an die Spitze der eingleisigen Frauenfußball-Bundesliga schoss. Pyko kam erst vor Saisonbeginn vom TSV Emmelshausen und besucht inzwischen die DFB-Eliteschule auf dem Calvarienberg in Ahrweiler. Schon jetzt sind die Ziele für die Zukunft gesteckt, nach einem Sportstudium strebt Pyko eine Karriere als Profifußballerin an.

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2. Eve Chandraratne auf dem Weg zurück
Seit Eve Chandraratne im vergangenen Sommer vom VfL Sindelfingen zum VfL Wolfsburg wechselte, wurde es ruhig um die 1,57 Meter kleine Mittelfeldspielerin. Immer wieder bereitete der Medizinstudentin das linke Knie Probleme. Mal war die Patellasehne gereizt, mal der Meniskus beschädigt. Doch die 20-jährige Mittelfeldspielerin biss auf die Zähne und bewies Kampfgeist. Beim 3:1-Sieg in Freiburg kam sie erst zum zweiten Mal in dieser Saison zum Einsatz und zeigte gleich, was in ihr steckt. Zwei Minuten vor Spielende erzielte sie den entscheidenden Treffer zum Auswärtssieg.

3. Turbine hamstert Punkte
Zwar brachte Meister 1. FFC Turbine Potsdam auch im zweiten Topspiel binnen 14 Tagen eine Führung nicht über die Zeit, doch man ließ sich auch zum zweiten Mal nicht durch einen Rückstand aus der Bahn werfen. Das Team von Trainer Bernd Schröder hielt sich nach dem 3:3 bei Vizemeister FC Bayern München auch bei UEFA-Pokal-Sieger FCR 2001 Duisburg schadlos. Am Ende hieß es 2:2 und auch wenn die Punktverluste in Homberg nicht weniger ärgerlich waren als in Aschheim, deutete sich ein weiteres Mal an, dass die Turbine-Elf in dieser Saison nur schwer zu schlagen sein wird.

4. Birgit Prinz trifft doppelt
Die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz präsentiert sich derzeit in Torlaune. Vor einer Woche traf sie bereits bei der 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern München, unter der Woche beim 4:0-Sieg im DFB-Pokal beim SC 07 Bad Neuenahr. Und auch beim 4:0-Sieg beim Hamburger SV war sie am Sonntag erfolgreich. Mit voller Wucht hämmerte sie den Ball gleich zweimal (15. und 38.) in die Maschen. Man darf gespannt sein, ob sie auch im Topspiel gegen den FCR 2001 Duisburg am kommenden Sonntag erfolgreich sein kann.

5. Rheinisches Erfolgs-Duo
Schon vor der Saison erwarteten viele, dass sich in der 2. Bundesliga Süd der 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen ein Duell um den Aufstieg in die erste Frauenfußball-Bundesliga liefern würden. Schon nach fünf Spieltagen scheint sich diese Einschätzung zu bestätigen. Nach dem Auftaktremis in Sand setzten die Kölner zum Höhenflug an und feierten vier Siege in Folge – 13 von 15 möglichen Punkten und 20:1-Tore heißt die Erfolgsbilanz. Punktgleich liegt Leverkusen auf Platz zwei mit einem Torverhältnis von 14:2.

Flop 5

1. Warum trennt sich Wolfsburg von Shelley Thompson?
Bereits unter der Woche gab der VfL Wolfsburg die Trennung von Shelley Thompson bekannt. Dass man sich mitten in der laufenden Saison von einer seiner Topstürmerinnen trennt, muss einen triftigen Grund haben. Doch den wollte man weder in der herausgegebenen Pressemitteilung, noch auf Nachfrage bekanntgeben. Die Formulierung „unüberbrückbare Differenzen“ dürfte Thompson zudem die Suche nach einem neuen Verein erschweren. Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann sprach in Freiburg von „turbulenten Tagen, die wir hinter uns haben.“ Doch was er genau meinte, ließ er unbeantwortet. Eine etwas offenere Kommunikationspolitik hätte dem Verein gut zu Gesicht gestanden.

2. Kreuzbandrisse
Isabell Kerschowski, Anna Marciak, Melanie Kantor, Claudia Götte, Anne-Kathrin Westphal, Adjoa Bayor – die Liste der Kreuzbandrisse in dieser Saison ist lang. Studien belegen, dass das Risiko einen Kreuzbandriss zu erleiden, bei Frauen deutlich höher liegt, als bei Männern. Zwei Drittel der Kreuzbandrisse passieren ohne Fremdeinwirkung. Mit speziellen Trainingsprogrammen lässt sich die Gefahr eines Kreuzbandrisses jedoch deutlich reduzieren. Mehr Infos zum Thema Prävention gibt es unter www.aclprevent.com oder auch auf der DVD „Die Elf“.

3. Essen weiter ohne Sieg
Zumindest die Moral hat gestimmt beim 3:3 der SG Essen-Schönebeck im Spiel gegen den FF USV Jena, denn trotz eines 1:3-Rückstands rettete man zumindest noch einen Punkt. Gegen Jena zeigte das Team erneut zwei Gesichter. Einer schwachen Leistung in Halbzeit eins folgte eine deutliche kämpferische Steigerung. Doch wie schon im Heimspiel gegen den Hamburger SV verspielte man erneut eine Führung, auch im dritten Heimspiel der Saison reichte es nicht zu einem Dreier. Will man nichts mit dem Abstieg zu tun haben, muss die Leistung stabilisiert werden.

4. 1. Frankfurt II im Tabellenkeller
In der vergangenen Woche konnte der 1. FFC Frankfurt II dank prominenter Unterstützung von Conny Pohlers gegen Sand den ersten Saisonsieg einfahren. Doch bei Aufsteiger FC Bayern München II bekam man erneut richtig auf die Mütze. Eine 2:1-Halbzeitführung half nichts, am Ende stand eine 2:5-Niederlage. Nach fünf Spielen liegt man mit nur 3 von 15 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz, im Schnitt kassierte man pro Spiel mehr als vier Gegentreffer.

5. Unnötiger Platzverweis
Sportlich läuft es rund für den Herforder SV, gegen den FSV Gütersloh 2009 wurde der fünfte Sieg in Serie eingefahren. Beendet hat der HSV die Partie allerdings nur zu zehnt, keine zwei Minuten vor Spielende sah Torhüterin Nina Göking wegen einer Notbremse die Rote Karte. Berechtigt, wie auch ihre Trainerin Tanja Schulte zugeben musste, und vor allem unnötig beim Stand von 3:0. Für die 18-jährige Vertretung von Sonja Speckmann war es allerdings erst ihr zweites Pflichtspiel für die erste Mannschaft.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

18 Kommentare »

  • Dirk sagt:

    Hallo zusammen,

    weiss jemand, warum die Kyra malinowski derzeit nicht spielt? Verletzt ist sie offensichtlich nicht und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass iher Qualität nicht reicht 🙂

    Weiss jemand mehr?

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  • verärgert sagt:

    „kommunizieren“…
    Was für ein überflüssiges und bescheuertes Wort.
    Hier könnte man genauso gut sagen vermittelt.
    Aus meiner Firma:
    „Ist das nicht kommuniziert worden?“
    „Nein, ich habe das lediglich mitgeteilt. Hat vielleicht nicht gereicht.“
    Hat der ein blödes Gesicht gemacht! Das war’s aber wert…

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  • Markus Juchem sagt:

    @Dirk: Sie war zuletzt krank und fehlte schon im Pokalspiel in Magdeburg, deswegen kam das Bundesligaspiel wohl noch etwas früh für sie.

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  • Markus Juchem sagt:

    @verärgert: Freut mich, wenn Du sonst keine anderen Sorgen hast. 🙂

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  • Kay sagt:

    Hallöchen

    Also die Kreuzbandrisse als Flops anzusehen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Auch wenn in der Einleitung von unsäglichen Verletzungen die Rede ist passt es so gar nicht zum Beitrag „Die Tops und Flops des fünften Bundesliga-Spieltags“. Verletzungen und Krankheit gehören aufgrund der Unvorhersehbarkeit derer generell nicht als Flops genannt. Wenn halt keine 5 negativen Spieltagserlebnisse zusammen kommen, ist das doch auch kein Drama. Wobei mir jetzt spontan noch einer, oder sogar zwei einfallen mit Blick auch meine Kommentierung des Beitrages „Inka Grins rettet Duisburg Remis“ *grins*.

    Sonst aber sehr gelungener Beitrag.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Kay: Wir hatten zuletzt schon einmal eine ähnliche Diskussion. Die Häufung der Kreuzbandrisse ist für mich deswegen ein Flop, weil bisher offenbar in den Vereinen unzureichende Präventionsarbeit geleistet wird. Die Beanspruchung der Spielerinnen wird immer höher, die Trainingsarbeit trägt diesen aber meiner Meinung nach nur unzureichend Rechnung. Deswegen denke ich, es ist an der Zeit, hier Überlegungen anzustellen, wie in Zukunft zumindest die eine oder andere schwere Knieverletzung vermieden werden kann.

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  • Kay sagt:

    @Markus

    Gut darüber kann ich mich jetzt nicht äußern, weil ich mich mit dem Training und den Präventionsarbeiten der Vereine in Bezug auf schwere Verletzungen nicht wirklich beschäftige bzw. auskenne. Ich kann jetzt auch nur über den einen von Isy sprechen wo sie beim Versuch des Dribblings im Rasen hängen geblieben ist und sich dadurch das Knie verdreht hat (von dieser Stelle dann auch gleich allerbeste Genesungswünsche nach erfolgreich überstandener Operation). Ob das nun auch mit entsprechenden Maßnahmen zur Verhinderung eines Kreuzbandrisses bzw. ähnlicher Verletzungen geschehen wäre, kann man ja eh nur drüber spekulieren.

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  • eisbär sagt:

    Als klarer Flop würde ich auch die Berichterstattung im WDR einstufen. Bei der ersten Chance von Mittag wird sie als Keßler bezeichnet. Beim 1:0 wird Laudehr statt Maes als Torschützin genannt und auch unten eingeblendet. Wenn der WDR schon dafür sorgt, dass der FCR Samstag spielen „muss“, dann sollte man auch eine vernünftige Berichterstattung liefern.

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  • Hagen sagt:

    Hallo,
    Die Überschrift „eine 16-jährige Torschützin“ klang recht viel versprechend. Ich hatte natürlich Lysann Schneider im Hinterkopf. Welche das entscheidende 3:2 gg. Werder Bremen schoss.
    „Aus gut 30 Metern zog das erst 16-jährige super Talent beherzt ab und rettete damit den Sieg für den 1.FC Lok.“

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  • Detlef sagt:

    Also irgendwie stimmt hier was nicht!!!
    Eigentlich war es doch so, dass sich Shelley Thompson von WOB getrennt hat, und nicht umgekehrt???
    Der Verein soll sogar noch versucht haben, sie umzustimmen und zu halten!!!
    Aber sie sieht wohl persönlich „unüberbrückbare Differenzen“!!!
    So etwas soll schon mal vorkommen!!!
    Ich stelle mir hier nur die Frage; „WARUM erst jetzt???“
    War man sich zum Saisonstart noch nicht so „fremd“???
    Oder hat Shelley gar ein lukrativeres Angebot bekommen, und will deshalb nicht mehr in WOB bleiben???
    Fragen über Fragen!!!
    Aber vielleicht ist es doch nur eine persönliche Diskrepanz zwischen Shelley und dem Trainerstab!!!
    Dann finde ich es gut, dass man sich darauf einigen konnte, nichts an die Öffentlichkeit zu lassen!!!

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  • Ralf sagt:

    @Detlef

    Du hast den (Un)SINN der schwäbisch-alemannischen Fasnet immer noch nicht verstanden!

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  • Detlef sagt:

    @Ralf,
    da ich nur ein „Reingschmeckter“ bin, läßt mich diese Art von Narretei völlig kalt!!!
    Lachen auf Kommando find ich schwachsinnig!!!

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  • Ralf sagt:

    @Detlef

    Bedauerlich!

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  • Eigentor sagt:

    Mal kein Beitrag zur Diskussion, sondern einfach mal ein großes Lob an Markus !
    Ich finde es echt klasse, wie Du nicht nur gute Artikel und Beiträge schreibst, sondern auch Gedanken und Ideen hast – wie z.B.die Präventionsarbeit vor Kreuzbandrissen -, die ich schlichtweg grandios finde.
    Dir Vielen Dank ! Chapeau !

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke für die Blumen! 🙂

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  • Dirk sagt:

    Hallo Marcus,

    ich habe gerade gerade versucht, Dir ein Mail zu schicken, bekam aber eine failure notice..

    Stimmt die mj@womansoccer.de noch?

    wollte Dir liebe Grüße einer Turbine weiterleiten…

    Gruß,

    Dirk

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  • djane sagt:

    Dirk, ich würde mal einen Blick auf die Adresse werfen- es heißt immer noch women- und net womansoccer 😉

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  • Dirk sagt:

    ups 🙂 wie peinlich ist das denn?

    Danke…

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