Die Tops und Flops des 4. Spieltags

Von am 12. Oktober 2009 – 18.27 Uhr 1 Kommentar

Auch der vierte Spieltag bot wieder reichhaltig Diskussionsstoff. Im Mittelpunkt der Tops und Flops stehen diesmal unter anderem die erstmals punktenden Aufsteiger, eine starke Bayern-Mannschaft, die Heimniederlage des 1. FFC Frankfurt und eine schwere Verletzung.

Top 5

1. Aufsteiger geben Lebenszeichen
Am vierten Spieltag durften sich die Aufsteiger 1. FC Saarbrücken und Tennis Borussia Berlin über die ersten Punkte freuen, fast hätte es sogar zu den ersten Siegen gereicht. Saarbrücken erkämpfte sich beim VfL Wolfsburg ein 2:2-Unentschieden, ausgerechnet die frühere Saarbrückerin Selina Wagner verdarb mit ihren zwei Treffern, darunter dem späten Ausgleich in der 85. Minute, den ersten möglichen Dreier. Noch näher am Sieg schnuppern durfte Tennis Borussia Berlin. Beim 2:2 bei der SG Essen-Schönebeck lag man gar bis in die Schlusssekunden mit 2:1 in Führung, ehe TB-Torfrau Kerstin Prusas den Ball nach einer Bogenlampe von Melanie Hoffmann unter Bedrängnis ins eigene Tor gleiten ließ. Beide Aufsteiger dürften ein wenig Hoffnung geschöpft haben.

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2. Bayern weiter auf Höhenflug
Der 3:2-Auswärtserfolg des FC Bayern München beim 1. FFC Frankfurt war wohl die bisher größte Überraschung der noch jungen Saison. Auch ohne Topspielerinnen wie Europameisterin Melanie Behringer oder Österreichs Nationalspielerin Nina Aigner wusste die junge Bayern-Elf durch ihren Einsatzwillen und ihre Spielfreude zu gefallen. Hinzu kam eine starke Torhüterin Kathrin Längert, die ihr Team in der ersten Halbzeit dreimal großartig vor einem möglichen Rückstand bewahrte. Auch wenn es nach der Gelb-Roten Karte gegen Bianca Rech noch einmal eng wurde, verdient hat sich das Team von Trainer Günther Wörle den Sieg allemal.

3. Sixpacks – Duisburg und Potsdam lassen Muskeln spielen
Eine Demonstration der Stärke zeigten der FCR 2001 Duisburg und der 1. FFC Turbine Potsdam. Die Duisburgerinnen hatten nur wenig Mühe, den zuletzt starken FF USV Jena mit einem 6:0-Auswärtssieg auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Bereits in der Anfangsviertelstunde wurden die Weichen für den Erfolg gestellt, Inka Grings erzielte die Saisontreffer 7 und 8. In Potsdam präsentierte sich Anja Mittag beim 6:0-Sieg gegen den Hamburger SV in Torlaune und steuerte drei Treffer bei. „Das war schon ein Klassenunterschied und sehr viel einfacher, als wir es erwartet haben“, lautete das Fazit von Turbine-Trainer Bernd Schröder.

4. Wacker tankt Selbstvertrauen
Mit einer disziplinierten Abwehrleistung erkämpfte sich der FFC Wacker München 99 beim 1:0-Sieg gegen die zweite Mannschaft des FCR 2001 Duisburg die ersten drei Punkte in der 2. Bundesliga Süd und tankte vor dem DFB-Pokal-Derby gegen den FC Bayern München am Mittwoch Selbstvertrauen. Das Siegtor erzielte Arlind Maurer nach feiner Einzelleistung in der 27. Minute. Erst in der zweiten Halbzeit zeigte der Gegner sein ganzes Können, doch Wacker hielt dem Ansturm stand und holte mit hohem läuferischen Aufwand den Sieg. In Hinblick auf Mittwoch heißt es in einer Pressemitteilung: „Realistisch ist der Einzug in die 3. Runde des DFB-Pokals nicht, aber Wunder gibt es immer wieder.“

5. Spitzenspiel live im Internet
Dank DFB-TV kamen die Frauenfußball-Fans in den Genuss einer Live-Übertragung des Topspiels 1. FFC Frankfurt gegen FC Bayern München. Sie sahen am Brentanobad eine packende Auseinandersetzung mit fünf Toren und 2 580 Zuschauern im Stadion. Am Ende gewann der Gast aus München mit 3:2. Sogar im Nachhinein kann man sich das Spiel noch einmal in voller Länge ansehen. Einziger Wermutstropfen: Das Kommentatoren-Duo, darunter Ex-Nationaltorhüterin Silke Rottenberg, präsentierte sich nicht in Topform. Da wurde etwa der erst 18-jährigen Bayern-Spielerin Carina Wenninger, die gerade ihr erst viertes Bundesligaspiel über 90 Minuten absolvierte, „eine Menge Erfahrung“ unterstellt, auch mit den Ergebnissen der drei deutschen Teams in der Champions League wenige Tage zuvor nahm man es nicht allzu genau. Ein bisschen mehr Vorbereitung wäre wünschenswert.

Flop 5

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1. Frankfurter Bruchlandung
Nach der verpatzten Saison 2008/2009 will der 1. FFC Frankfurt in der neuen Saison wieder angreifen. Doch schon die erste echte Bewährungsprobe misslang, gegen den dezimierten Vizemeister FC Bayern München setzte es eine 2:3-Niederlage.  Für Frankfurt war es die vierte Niederlage gegen Bayern in den vergangenen fünf Duellen. Zwar erarbeitete sich das Team ein paar hochkarätige Torchancen, doch insgesamt hatte man dem spielfreudigen Gegner in puncto Bewegung, Aggressivität und Passspiel zu wenig entgegen zu setzen. Will man im Kampf um den Titel in dieser Saison wieder mitspielen, wird man sich vor allem in der Defensivarbeit gewaltig steigern müssen, will man nicht erneut das Nachsehen haben.

2. Verschenkte Punkte
Seit Jahren wird der VfL Wolfsburg regelmäßig als einer der aussichtsreichsten Kandidaten genannt, dem Führungsquartett nahe zu kommen. Doch in schöner Regelmäßigkeit klaffen Anspruch und Realität bei den Niedersachsen auseinander. Vor kurzem setzte es eine 0:1-Niederlage in Bad Neuenahr, nun ließ man beim 2:2 gar gegen Aufsteiger 1. FC Saarbrücken erneut wertvolle Punkte liegen. 4 von 12 Punkten aus vier Spielen sind für den Anspruch und die Qualität des Kaders der Wölfinnen zu wenig.

3. SC Freiburg weiter auf Formsuche
Was für den VfL Wolfsburg zählt, gilt nicht weniger für den SC Freiburg. In der vergangenen Saison noch eine der großen Überraschungsmannschaften, steht das Team nach vier Spieltagen mit dem Rücken zur Wand. Vier Spiele, vier Niederlagen, 0:11-Tore lautet die traurige Bilanz der Breisgauerinnen, die zwar in Bad Neuenahr eine Stunde gut mitspielten, am Ende aber bei der 0:3-Niederlage wieder mit leeren Händen da standen.

4. Auf der Flucht
Den ersten Punkt hat der 1. FC Saarbrücken in der Tasche, möglicherweise aber eine Spielerin weniger. Denn die Polin Agata Tarczynska reiste in der vergangenen Woche in ihre Heimat Polen ab, ohne die Teamverantwortlichen zu informieren.  Saarbrückens Teammanagerin Denise Gorges spricht von einer „Kurzschluss-Reaktion“, angeblich ausgelöst durch Bedenken rund um eine Transfer-Streitigkeit mit ihrem früheren Verein ASZ Wroclaw.  Doch die Beweggründe sollen angeblich anderer Natur sein, Gerüchten zufolge plant Tarczynska sogar, ihre Fußballkarriere zu beenden. Ihre Zukunft in Saarbrücken steht derzeit in den Sternen.

5. Verletzungspech
Sportlich läuft es für den SC 07 Bad Neuenahr mit vier Siegen aus vier Spielen derzeit ausgezeichnet. Doch beim 3:0-Heimsieg gegen den SC Freiburg verdrehte sich die 17-jährige Claudia Götte in der Anfangsphase ohne gegnerische Einwirkung das Knie. Die niederschmetternde Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbands. Sie wird bereits am Dienstag operiert und steht ihrem Team somit ein halbes Jahr nicht zur Verfügung. Womensoccer wünscht gute Besserung.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Jarmusch sagt:

    Auch die Anmerkung von Silke Rottenberg, dass Francis Banecki (der Bruder von Nicole) ja bei Werder Bremen II spielen würde legt den Verdacht auf Halbwissen nahe. Nebenbei bemerkt wechselte Banecki bereits vor über einem Jahr von Werder II zu Hertha BSC II und dann diesen Sommer noch einmal von Hertha II zu Kickers Emden in die Oberliga.

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