Bayern erstmals in Frankfurt erfolgreich

Von am 11. Oktober 2009 – 19.45 Uhr 12 Kommentare

Zehn ist die magische Zahl beim FC Bayern München dieser Tage. Auf eben diese Anzahl verletzter Spielerinnen musste der FCB im zehnten Gastspiel beim 1. FFC Frankfurt verzichten. Beendet hat die Mannschaft die Partie nach einer gelbroten Karte mit nur zehn Akteurinnen. Aber nach neunzig Minuten hieß es dennoch 3:2 für die Münchnerinnen, deren Trainer im Anschluss geradezu ins Schwärmen geriet.

„Ich bin begeistert, ich bin hingerissen“, strahlte ein stolzer Günther Wörle über den ersten Sieg des FCB im Frankfurter Stadion am Brentanobad. „Was die Mannschaft geleistet hat, ist grandios. Sie traut sich alles zu, ganz gleich, wer aufläuft“, kam Wörle aus dem Schwärmen kaum heraus.

Längert hält Bayern im Spiel
Dabei standen in der ersten Halbzeit die Zeichen alles andere als auf Sieg für Bayern. Die Chancen gehörten dem FFC, doch Torhüterin Kathrin Längert erwischte einen ganz starken Tag und hielt ihre Mannschaft Glanzparaden im Spiel. Zunächst scheiterte Frankfurts Neuzugang Sara Thunebro mit einem Freistoß an Längert, später Kerstin Garefrekes per Kopf – und auch Meike Weber fand mit einem schönen Weitschuss in Längert ihre Meisterin. „So ist Fußball“, war FFC-Trainer Günter Wegmann nach der Partie niedergeschlagen. „Wir haben es in der ersten Halbzeit versäumt, aus unseren Möglichkeiten Kapital zu schlagen.“ Den Gästen reichte dagegen eine Chance von Mandy Islacker nach 36 Minuten, um mit 0:1 in Führung zu gehen.

Anzeige
Treffsicher: Mandy Islacker erzielt gegen den FFC zwei Tore.

Treffsicher: Mandy Islacker erzielt gegen den FFC zwei Tore.

FFC-Abwehr bleibt Problemkind
Die schlechte Chancenverwertung war für Wegmann allerdings nicht der Hauptgrund für die Niederlage. „Wir haben das Spiel in der Defensive verloren.“ Insbesondere in der zweiten Halbzeit sah die Viererkette mit Thunebro, Tina Wunderlich, Saskia Bartusiak und Karolin Thomas das ein ums andere Mal alt, und vor allem löchrig, aus. Frankfurt spielte engagiert, drängte nach Wiederanpfiff auf den Ausgleich, doch gegen die Konter der Münchnerinnen fand die FFC-Abwehr keine Mittel. Quasi mit dem ersten Angriff der zweiten Hälfte hieß es nach einem Tor von Julia Simic 0:2.

Del Rio lässt Frankfurt hoffen
Neuzugang Laura del Rio García macht ihrem Ruf als Joker beim FFC dagegen weiter alle Ehre. Nachdem die spanische Nationalstürmerin bereits in den ersten beiden Saisonspielen eingewechselt worden war und getroffen hatte, setzte sie diese Serie auch gegen die Bayern fort und kam nach 60 Minuten zum Anschlusstor. Doch trotz dieser Erfolgsquote hält Wegmann vorerst an der Joker-Rolle fest. „Laura hat seit vierzehn Tagen muskuläre Probleme. Wir wissen, was wir an ihr haben, aber wir wollen keine Verletzung riskieren.“

Del Rio belebte das Spiel, Wegmann setzte mit Svenja Huth gar noch eine weitere Stürmerin ein – doch „die Chancenausnutzung war nicht wie auf der anderen Seite.“ Dort nämlich setzten die Gäste weiter auf Konter – und waren erfolgreich. Nach einem schönen Zusammenspiel von Katharina Baunach und Vanessa Bürki erzielte Islacker das 1:3.

Bianca Rech sieht in den Schlussminuten die gelbrote Karte.

Bianca Rech sieht in den Schlussminuten die gelbrote Karte.

Hitzige Schlussphase
Es entwickelten sich vor der Rekordkulisse von 2.580 Zuschauern spannende Schlussminuten in Frankfurt. Der FFC drängte weiter nach vorne, doch die Gäste bissen auf die Zähne und standen hinten gut. Nach 84 Minuten bot Bianca Rech allerdings die wohl unschönste Szene des Tages. Die Mittelfeldspielerin foulte del Rio, Schiedsrichterin Marija Kurtes zeigte korrekterweise die gelbrote Karte.

Birgit Prinz wurde weiter nach vorne geschickt, nach 81 Minuten war die Rekordnationalspielerin erfolgreich. Dass sie bis dato eher im Mittelfeld gespielt hatte, war eine bewusste Entscheidung von Wegmann. „Uns hat die Schaltzentrale im Mittelfeld gefehlt, und Birgit hat diese Fähigkeiten.“

Ein weiteres Tor sollte den Gastgeberinnen allerdings nicht mehr gelingen, obwohl die Möglichkeiten durchaus vorhanden waren. Die wohl knappste Szene bot Thunebro mit einem Freistoß, der wenige Zentimeter über den Kasten flog.

Es blieb beim knappen, etwas glücklichen aber durchaus verdienten Auswärtserfolg der Münchnerinnen, deren Trainer allerdings auch etwas besorgt nach vorne schaut. „Wir sind am Rande unserer Möglichkeiten“, so Wörle, dessen verletzungsgeplagter Kader in weniger als vierzehn Tagen zwei Champions-League-Partien sowie die Topspiele gegen Potsdam und Frankfurt zu absolvieren hatte. Bereits am Mittwoch geht es mit dem Derby gegen den FFC Wacker München im DFB-Pokal weiter; am Sonntag empfängt der Vizemeister den bislang ungeschlagenen und gegentorlosen SC 07 Bad Neuenahr.

Tags: ,

Sie haben eine Frage zum Beitrag? Dann kontaktieren Sie mich doch per Mail! Oder folgen Sie uns einfach via RSS, Facebook oder Twitter!

12 Kommentare »

  • Steffen sagt:

    München hat verdient gewonnen, sie haben aus ihren Möglichkeiten das Maximum herausgeholt und es hat gereicht. Meiner Meinung nach hat Frankfurt das Spiel in der Defensive verloren, aber nicht nur wegen der 4er-Abwehrkette, sondern auch den Defensiven davor, wer auch immer dafür zuständig gewesen sein soll. Die sogenannte „Doppel-6“, von der Nationalmannschaft bestens bekannt. 🙂 Ach übrigens, München hatte auch eine, Rech und Wörle.

    Also abwehrtechnisch ist München eindeutig besser als Frankfurt. Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr… und in dem Fall auch das Spiel. Es macht ja keinen Sinn, nach vorn zu spielen, um Tore zu schießen, wenn man weiss, bei Ballverlust hat der Gegner höchstwahrscheinlich eine Torchance. München war auf Konter aus, mit langen, hohen Bällen, um das Mittelfeld schnell zu überbrücken und dann mit der sich heute in wirklich guter Form befundenen Nicole Banecki über die linke bzw. die rechte Seite von Frankfurt, für die Meike Weber kein Problem darzustellen schien, zu kommen. Also Meike Weber wäre besser im defensiven Mittelfeld aufgehoben gewesen. Und das wurde das ganze Spiel ausgenutzt. Da hätte der Trainer wirklich was ändern müssen, ich weiss jetzt auch nicht was er hätte machen sollen, aber er wird dafür bezahlt. Keine Ahnung, welche Abwehrspielerin er auf die rechte Seite hätte stellen müssen, aber er hätte/muss die Abwehr, die so löchrig wie ein Schweizer Käse war/ist, verstärken, um sich nicht bei jedem Konter/Angriff vom Gegner Einen einschenken zu lassen. Und genauso war’s in dem Fall auch, München hatte nicht viele Chancen, dafür aber 100%ige, die sie auch gemacht haben. Bei einer guten Abwehr würde es nicht so viele 100%ige geben, im Verhältnis gesehen. Und das Passspiel von Frankfurt war auch schlecht, München hat gezeigt wie’s geht, dafür ist auch der Trainer verantwortlich und er ist ja nicht erst seit Kurzem da, da muss auch mal irgendwann eine Handschrift zu sehen sein, siehe München.

    Aber ich finde, dass nicht nur der Trainer, sondern auch das Management dafür verantwortlich sind, dass mindestens 2 gute Abwehrspielerinnen der Mannschaft fehlen und deswegen die Saison meiner Meinung nach wieder nicht dem Anspruch eines FFC Frankfurt genügen wird.

    (0)
  • Markus sagt:

    In Frankfurt ist das Management (oder der management) eigentlich für alles verantwortlich, der Trainer hat da soo viel nicht zu entscheiden, besonders nicht welche Spielerinnen verpflichtet werden.

    (0)
  • uwe sagt:

    Wer sich das komplette Spiel (nochmal) ansehen möchte auf DFB-TV besteht noch die Möglichkeit.

    (0)
  • labrys696 sagt:

    Ich war begeistert vom Spiel, vorallem vom Kämpferherz der Bayern. Die hatten 2 Spiele mehr in den Knochen und eine lange Reise nach Ungarn, und seit Saisonbeginn steht die gleiche Elf auf dem Platz. Frankfurt hätte die linke Bayern-seite besser im Auge behalten sollen. Baunach an allen 3 Toren beteiligt. Beim ersten der lange pass aus der Abwehrreihe zu Banecki, die zu Islacker und Tor. Beim zweiten, Einfwurf Baunach, banecki dreht sich und passt zu Simic….Tor. Und das 3: Doppelpass zwischen Baunach und Bürki (hat Seite mit Banecki gewechselt), pass zu Islacker und Tor… Schon gegen Turbine war die linke Seite mit Jay-Katha und Nici Top. Das hätte der FFC wissen müssen. Tja, selber Schuld. Alles voller Top-spielerinnen, aber kein Team. der FCB weint nicht umher wie der FFC letztes jahr mit den Verletzten. Sie nehmen es wie es kommt. Und sie gehören zu den Meisterkanditaten, der FFC wird mit der Abwehrreihe es schwer haben…

    (0)
  • hilene sagt:

    @labrys: Bei aller Euphorie und Vereinsliebe – mit einem Blick durch eine klare Brille trifft dies hier: „er FCB weint nicht umher wie der FFC letztes jahr mit den Verletzten. Sie nehmen es wie es kommt.“ ja wohl nicht so ganz zu. Seit Wochen hört man in jedem Interview vom FCB nichts anderes als „wir haben ja soooviele Verletzte, müssen 10 Spielerinnen ersetzen…“. Es schleicht sich der Eindruck ein, dass da eine sehr gute Mannschaft schwach geredet werden soll. Ok, Gegner verwirren, so dass dieser den FCB dann unterschätzt – immerhin ging die Taktik ja jetzt zwei Mal auf, gegen Turbine und auch Frankfurt. Denn schau dir mal die Startelf an, die da gestern und auch letzte Woche auf dem Platz stand. Das ist eine Top-Mannschaft. Weh tun den Bayern doch vor allem das Fehlen von Mel Behringer und Nina Aigner… die anderen Verletzten, die stets und ständig überall ja – bejammer (!) werden sind doch Spielerinnen aus dem 2. Glied (wenn ich das jetzt so richtig in Erinnerung habe). Insofern wäre ich mit solchen Sprüchen – s.o. – etwas vorsichtiger.

    Nichtsdestotrotz für die Bayern ein Top-Saisonstart – Glückwunsch. Und dass sie Frankfurt so früh schon einen Zahn gezogen haben, Respekt. Der FCB profitiert vor allem von seiner mustergültigen Chancenverwertung.

    Wie es mit Frankfurt weiter geht – ich bin gespannt. Das Frankfurter Modell hat einfach ausgedient, aber das war ja schon vor dieser Saison eigentlich jedem Szenekenner klar.

    (0)
  • labrys696 sagt:

    Ich verstehe unter jammern was anderes als du. Die Mannschaft wäre klar besser mit Aigner, Bachor im Sturm, Mel im Mittelfeld und Paukner in der Abwehr. Bachor hat man ja auch nicht für die Bank verpflichtet, eine S.Banecki, Rudelic, Pini und Mirlach sind alles U oder A Natiospielerinnen, auf deren Qualität man nicht verzichten kann. Eine Wenniger (die ihre Aufgabe super macht!) in der Abwehr ist was anderes als Mirlach oder Paunkner. Irgendeinmal brauchen die Mittelfeldspielerinnen wie Rech, Wörle, Simic oder N.banecki eine Pause, da fehlen halt dann Behringer oder Pini. Im Sturm machen Islacker und Bürki ihre Sache toll, aber auch sie brauchen mal ne Pause, da wäre Aigner, S.Banecki, Bachor oder Rudelic eine Abwechslung und würden vielleicht Schwung ins SPiel bringen. Diese Elf spielt am Limit, und man weiss, wie Stressig der Beruf der Fussballerinnen ist. Die liegen in der knappen Freizeit ned auf der faulen Haut rum. und so sind sie anfälliger auf Verletzungenl….

    Der FCB hat eine Top Mannschaft, aber sie könnte besser sein. Wenn der FFC oder Turbine den FCB unterschätzen, tja selber schuld. Was bisher den FCB so einzigartig und briliant macht? Die machen aus 3-4 Chancen 3 Tore. Sie kämpfen und riskieren Karten. Alle kämpfen für alle. Hätte der FFC in der ersten HZ mehr Druck gemacht, hätten sie am Schluss das Spiel noch wenden können. dem FCB gingen die Kräfte aus, das sah man z.B an der vergebenen Chance von N.Banecki, oder als sie den langen Bällen nicht mehr nachrennen konnten.
    Die TrainerInnen der Buli-Mannschaften kennen die Spielerinnen und wissen um deren Qualität. Da kann mir niemand sagen, dass die anderen Vereine auf die Masche vom FCB reingefallen sind (hinsichtlich des geschwächten Kaders). Herr Wörle hat nur darauf hingewiesen und immer wieder gesagt, ein Punkt wäre Gold wert und wenn sie am Ende der Hinrunde nicht mehr als 4-6 Punkte an die Spitze fehlen, dann werden sie nochmals Gas geben….Aber wenn dann Trainer kommen und sagen, man hätte 3 Punkte in Aschheim geplant, dan ist das einfach ne Überheblichkeit, die bestraft worden ist (dies ist nicht auf den FFC bezogen). Vergleicht man jedoch die Titel der SPielerinnen auf beiden Seiten, weiss man, wer Favorit ist. Aber zum Glück spielen ja keine Titel und Namen, sondern ein Team gegen das andere…. Vereinsbrille hin oder her, ich steh dazu. Ich hätte auch auf kein Unenschieden oder ein Sieg gewettet (TP udn FFC Spiele), aber ich wurde auch des besseren belehrt 😉

    (0)
  • Detlef sagt:

    TURBINE hat Bayern sicherlich nicht unterschätzt!!!
    Dafür sind sie mit viel zu viel Respekt (man kann fast sagen Angst) in die Zweikämpfe gegangen!!!
    Bayern lebt vor allem von seinem bissigen Zweikampfverhalten, und von ihrer nahezu perfekten Chancenverwertung!!!
    Mit ihren Lazarettinsassen hätten sie sicher mehr taktische Möglichkeiten, aber ob sie dann wirklich besser spielen würden, bleibt Spekulation!!!
    Ähnlich wie Duisburg in der letzten Saison, zeigen die Bayern-Ladies, dass sie eine starke Ersatzbank haben, die auch Spitzenspiele gewinnen kann!!!
    Das dürfte an der Isar sicher genügend Sicherheit geben, um auch die Dreifachbelastung zu bestehen!!!
    Glückwunsch an Günther Wörle und seine Mannschaft!!!
    Der Sieg über Frankfurt, läßt unsere „gefühlte Niederlage“ in einem etwas freundlicherem Licht erscheinen!!!

    (0)
  • Lucy sagt:

    Jo, ein Punkt ist immerhin besser, als gar keiner 😉

    (0)
  • Ralf sagt:

    @Stefan

    Ob es nun wirklich nötig ist, gleich „Thor’s Hammer“ kreisen zu lassen, … ist noch nicht soweit!

    Trotzdem, beim 1. FFC in ‚Mainhattan‘ würde es den Verantwortlichen mal ganz gut tun, einen unverbisseneren Blick in den ‚Eulenspiegel‘ zu werfen!

    (0)
  • Jarmusch sagt:

    Habe mir jetzt auch das komplette Spiel auf DFB-TV angesehen (hatte Sonntag leider keine Zeit um live dabei zu sein).
    Bayern hat nicht unverdient gewonnen, war über weite Strecken der ersten Halbzeit das klar bessere Team und führte folgerichtig mit 1:0. Allerdings ging diesem ersten Treffer ein klares Foulspiel von Nicole Banecki voraus, die ihre Gegenspielerin mit dem Arm runterdrückte.

    (0)
  • Lucy sagt:

    @Jarmusch

    Aber wir wollen ja nicht meckern und jetzt den Schiris die Schuld geben. Von unserem Platz aus konnte man die Szene sehr gut sehen und es war wirklich ein Foul. Das Tor wäre aber früher oder später trotzdem gefallen, so oft wie Banecki der Thomas davon geeilt ist…

    (0)