Bayern Münchens Luxusproblem: Schmetz oder Längert?

Von am 9. Oktober 2009 – 12.30 Uhr 5 Kommentare

Bei Vizemeister FC Bayern München ist das Lazarett bei den Feldspielerinnen derzeit groß, doch im Tor plagen das Team ganz andere Sorgen. Dort liefern sich Ulrike Schmetz und Kathrin Längert einen spannenden Kampf um die Nummer-Eins-Position.

Bayern Münchens Frauenfußball-Koordinatorin Karin Danner spricht von einem „Luxusproblem“, Trainer Günther Wörle von einer „Top-Situation“, zwei gute Torhüterinnen in den eigenen Reihen zu haben, um für den Tanz auf den drei Hochzeiten Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League gut gerüstet zu sein.

Duell Erfahrung gegen Jugend
Auf der einen Seite Bayern-Urgestein Schmetz, die gerade in ihre zehnte Saison bei den Münchenerinnen gegangen ist und ihren Vertrag wegen der erfolgreichen Qualifikation für die Champions-League um eine Saison verlängert hat. Auf der anderen Seite die frühere Duisburger Torhüterin Längert, die mit der Reputation von UEFA- und DFB-Pokal-Sieg an die Isar gewechselt ist.

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Wechselspiele
„Deswegen haben wir uns jetzt erst einmal für die Rotation entschieden“, erklärt Wörle gegenüber Womensoccer, warum er sich zu Beginn der Saison nicht auf eine klare Nummer Eins festlegen wollte. Schmetz spielte bei den ersten beiden Heimspielen gegen die SG Essen-Schönebeck und den 1. FFC Turbine Potsdam, dazu auch in der Champions League, Längert beim zweiten Saisonspiel in Jena. Gegen Potsdam und in der Champions League nicht, weil sie wegen einer Krankheit fehlte.

Rotation keine Dauerlösung
Wörle räumt ein, dass in der sensiblen Torhüterinnenfrage die Rotation keine Lösung für die gesamte Saison ist: „Das ist sicherlich kein Dauerzustand.“ Keine einfache Situation, zumal beide mit ihren starken Leistungen derzeit nur wenig Angriffsfläche für Kritik bieten. „Nur die Leistung zählt“, stellt Wörle klar, dass Erfolge und Trophäen der Vergangenheit bei der aktuellen Bewertung keine Rolle spielen.

Schwierige Situation
Doch solange sich die routinierte 29-jährige Schmetz bei ihren Einsätzen keine Patzer leistet, dürfte es für die 22-jährige Herausforderin Längert schwierig sein, an der Bayern-Spielführerin vorbei zu kommen. Denn wie beim Boxen dürfte auch hier die Devise gelten, dass der Herausforderer besser sein, um die Nase vorn zu haben. „Für mich ist das schon schwierig“, sagt Schmetz. „Ich bin eigentlich ein Typ, der das Vertrauen des Trainers braucht, die Nummer Eins zu sehen, aber ich mache das Beste aus der Situation.“

Leistungsdichte
Und dann gilt es auch schon einmal, früh um vier Uhr aus Ungarn von einem Champions-League-Einsatz zurückzukehren, um nur drei Stunden später zum Dienst im Krankenhaus anzutreten. „Ich habe mich so entschieden und dann geht es halt nur mit vollem Einsatz.“ Für den Trainer ist es wichtig, auf zwei starke Torhüterinnen bauen zu können, umso schwieriger aber auch, wenn beide Torhüterinnen gleichermaßen aufgrund ihrer Leistung mit Recht den Platz an der Sonne beanspruchen.

Zukunft gehört Längert
Dass der 22-jährigen, groß gewachsenen Längert die Zukunft gehört, ist unbestritten. „Sie wird spätestens in der Saison 2010/11 unsere Nummer Eins im Tor sein“, so Wörle, der Unterschiede skizziert: „Sie hat eine andere Spielweise, etwa bei Standards, wo ihr eine Absicherung ausreicht. Dazu ist sie Linksfüßlerin.“

Neue Chance in Frankfurt
Schon am Sonntag beim Bundesliga-Topspiel in Frankfurt wird die wieder genesene Längert die Gelegenheit bekommen, mit ihrer dominanten Präsenz auf dem Feld und starker Leistung ihrem Trainer die Entscheidung noch schwerer zu machen und erneut Werbung in eigener Sache zu betreiben.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • sport9 sagt:

    Wie schnell ist eine Spielerin verletzt, dann ist man froh, wenn man ein Luxus-Problem hat !

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  • djane sagt:

    na das war heute eine solide Leistung von Längert, Gratulation. Nur die Sache mit der gelben Karte habe ich nicht so ganz verstanden, aber bei dem heutigen Schiri-Gespann habe ich viele Entscheidungen nicht nachvollziehen können.

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  • uwe sagt:

    @ djane

    ich habe das Spiel auf DFB tv gesehen. gelb hat sie für Zeitspiel gesehen.
    Die Schiedsrichterin hatte heute nicht ihren besten Tag, Aber fairerweise muss man sagen, das die Fehlendscheidungen beidseitig verteilt wurden.
    Was mich gernervt hat, war doch die einseitige Berichterstattung seitens des Moderators.

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  • djane sagt:

    uwe, ich habe das Spiel auch auf dfb.tv gesehen, und dennoch die Hälfte der Entscheidungen nicht verstanden. Und den Kommentator(Adler und Neuer sind auch noch zwei junge Torhüterinnen…) fand ich weniger parteiisch als Rotti, die gefällt mir als Torhüterin immer noch besser wie als Co-Kommentatorin.

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  • Ralf sagt:

    @djane und uwe

    🙂
    Als schwäbischer Löwinnen-Fan habe ich heute eine ganz coole ‚Bellevue‘ auf ‚Sanssouci‘!

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