Die Tops und Flops des dritten Bundesliga-Spieltags

Von am 6. Oktober 2009 – 10.09 Uhr 6 Kommentare

Womensoccer blickt auf die positiven wie negativen Höhepunkte des dritten Spieltags der Frauenfußball-Bundesliga zurück. Im Blickfeld stehen diesmal starke Thüringerinnen und treffsichere Stürmerinnen, aber auch schwächelnde Aufsteiger und eine Live-Übertragung, die keine war.

Top 5

1. Jenas Höhenflug hält an
Der FF USV Jena, als Aufsteiger im vergangenen Jahr als einer der Top-Abstiegskandidaten gehandelt, hat sich mit seinen internationalen Neuverpflichtungen in der Winterpause zu einer angesehenen Adresse im deutschen Frauenfußball entwickelt. In der laufenden Saison feierten die Thüringerinnen nach dem Erfolg beim SC Freiburg nun auch beim Hamburger SV einen Auswärtssieg, die Woche zuvor unterlag man nur knapp Vizemeister FC Bayern München mit 1:2. Saisonübergreifend ist Jenas Bundesligabilanz noch eindrucksvoller – in den vergangenen sieben Spielen gab es sechs Siege und nur eine Niederlage bei einem Torverhältnis von 19:7.

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2. Bayern München mobilisiert Zuschauer
Das Duell Vizemeister gegen Meister elektrisierte am Sonntag im Sportpark Aschheim endlich auch einmal die Zuschauer. Am Kassenhäuschen bildete sich vor dem Spiel eine ungewohnte Schlange, 1 020 Zuschauer wollten sich das Duell zwischen dem FC Bayern München und dem 1. FFC Turbine Potsdam trotz des zeitgleich stattfindenden Oktoberfests nicht entgehen lassen. Sie wurden mit Sonnenschein, einem strahlend blauen Himmel und einem spannenden Spiel mit sechs Toren belohnt und dürften ihr Kommen nicht bereut haben.

3. Da Mbabi gelingt Hattrick
Drei Spiele, drei Siege – die Erfolgsserie des SC 07 Bad Neuenahr geht zu einem großen Teil auf das Konto von Célia Okoyino da Mbabi. Im Spiel bei Aufsteiger 1. FC Saarbrücken (4:0) gelang der frisch gebackenen Europameisterin in der zweiten Halbzeit ein Hattrick. 22 Minuten benötigte sie, um es zwischen der 67. und 89. Minute im Kasten der Saarbrückerinnen dreimal klingeln zu lassen. Mit nun bereits fünf Saisontoren liegt sie auf Platz zwei der Torschützenliste. Bleibt Da Mbabi gesund, dürfte sie in Zukunft noch häufiger positive Schlagzeilen schreiben.

4. Treffsichere Grings
Topstürmerin Inka Grings vom FCR 2001 Duisburg ist weiter in bester Torlaune. Selbst eine lange Europameisterschaft in Finnland und zwischenzeitliche Knieprobleme hinderten sie nicht daran, in bisher jedem Bundesligaspiel ins Schwarze zu treffen. Ob beim Hamburger SV, gegen Tennis Borussia Berlin oder gegen die SG Essen-Schönebeck – die 30-Jährige war in jedem Spiel zur Stelle und führt nach nur drei Spieltagen mit sechs Treffern die Torschützenliste an. Gegen Essen bezwang sie Nationaltorhüterin Lisa Weiß mit einem platzierten Flachschuss von der Strafraumgrenze.

5. Joker Del Rio sticht
Und auch eine weitere Stürmerin konnte am Wochenende Akzente setzen. Die Spanierin Laura del Rio kam erneut als Einwechselspielerin zum Einsatz, wie schon im Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken gelang ihr auch dieses Mal beim Gastspiel in Freiburg, obwohl leicht angeschlagen, ein Torerfolg.  Mit einem schönen Schlenzer ins lange Eck sorgte sie für das entscheidende 2:0, auch sonst bestach sie durch ihre Torgefährlichkeit. Ihr erster Einsatz über 90 Minuten dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, sobald der letzte konditionelle Rückstand wettgemacht ist.

Flop 5

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1. Punkt- und torloser 1. FC Saarbrücken
Dass es Aufsteiger 1. FC Saarbrücken nach den zahlreichen Abgängen nicht einfach haben würde, war klar. Doch nach dem dritten Bundesligaspiel wartet das Team weiterhin nicht nur auf den ersten Punkt, sondern auch auf das erste Tor. Drei Spiele, drei Niederlagen, 0:11-Tore lautet die ernüchternde Bilanz. Nach dem 0:4 gegen den SC 07 Bad Neuenahr meinte Trainer Stephan Fröhlich: „Das war unsere schlechteste Leistung bislang.“ Früh scheinen sich die Befürchtungen zu bestätigen, dass der Klassenerhalt für das Team ein extrem schweres Unterfangen werden wird.

2. 67 Zuschauer bei TeBe
Bereits zum ersten Heimspiel von Aufsteiger Tennis Borussia Berlin gegen den SC 07 Bad Neuenahr hatten sich nur 160 Zuschauer ins Mommsen-Stadion verirrt. Die Geschehnisse hinter den Kulissen um die entmachtete Gaby Wahnschaffe scheinen bei den wenigen Fans für eine zusätzliche Negativreaktion gesorgt zu haben. Gegen den VfL Wolfsburg waren es diesmal ganze 67 Zuschauer, die die Spielerinnen beider Teams locker per Handschlag hätten begrüßen können. Eine für die Bundesliga unwürdige Kulisse.

3. Heimschwäche des HSV
Mit großen Ambitionen ist der Hamburger SV in die neue Bundesligasaison gestartet. War die erste Heimniederlage gegen den FCR 2001 Duisburg noch zu verschmerzen, dürfte den Verantwortlichen die 1:3-Schlappe gegen den FF USV Jena sauer aufgestoßen sein. Bei kühlem Wetter wurde auch das Team in der Partie gegen die Thüringerinnen nie richtig warm. Gut, dass zumindest das erste Auswärtsspiel nach 0:2-Rückstand bei der SG Essen-Schönebeck zuvor noch 3:2 gewonnen werden konnte, sonst wäre der komplette Fehlstart perfekt gewesen.

4. Ausgeknockt
Gerade noch hatte Turbine-Torhüterin Anna Felicitas Sarholz ihr erfolgreiches Debüt in Bundesliga und Champions League geben, schon streckte sie ein grippaler Infekt im Kampf um die Nummer-1-Position im Potsdamer Tor nieder. Für sie stand nach überstandener Verletzungspause wieder Desirée Schumann beim Meister zwischen den Pfosten. Auch beim Gegner FC Bayern München gab es im Tor einen krankheitsbedingten Ausfall, Kathrin Längert musste nach ihrem starken Auftritt in Jena passen, Ulrike Schmetz bedankte sich trotz dreier Gegentreffer mit einer nicht minder starken Leistung. Auch in München ist derzeit noch unklar, welche der beiden Keeperinnen die Nummer 1 werden wird.

5. Live oder nicht live?
Am Samstagmittag kündigte die DFB-Website mehrere Stunden lang eine vermeintliche Liveübertragung der Partie FCR 2001 Duisburg gegen SG Essen-Schönebeck auf DFB-TV ab 14.00 Uhr an. Selbst nach Spielbeginn war dort noch zu lesen: „Heute zeigt DFB-TV das Spitzenspiel des dritten Spieltags zwischen den Revierrivalen FCR 2001 Duisburg und SG Essen-Schönebeck seit 14 Uhr als Livestream im Internet.“ Livebilder der Partie gab es jedoch nicht zu sehen. Der Fehler wurde erst später korrigiert. Immerhin gab es am Abend dann Highlights der Partie zu sehen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • eisbär sagt:

    Endlich ist Okoyino Da Mbabi richtig gesund und fit und kann zeigen was sie drauf hat. Sie hat ihrem Team letzte Saison sehr gefehlt. Vielleicht hat auch die Teilnahme an der EM ihr neues Selbstvertrauen gegeben.

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  • Ralf sagt:

    @Markus Juchem

    „… und eine Live-Übertragung, die keine war.“

    Das habe ich so auch (nicht) gesehen!

    Nicht nur das, auch die Tatsache, dass man seit August keine Rückmeldung vom help-desk wegen Problemen beim Streaming von Vid’s von dfb.tv erhält, wundert mich schon ein wenig? 🙁

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  • sisyphos sagt:

    Schön und gut, die signifikanten positiven und negativen Aspekte eines Spieltags bzw. entsprechende Entwicklungen aufzuzeigen … aber irgendwann wirkt es etwas gequält, a là: was könnte denn jetzt noch ein Flop gewesen sein, damit ich meine 5 zusammen bekomme? Ein bissl weniger könnte hier mehr sein …

    Äußerst deplaziert finde ich es übrigens, die Erkrankungen von Felix und Kathrin unter ‚Flops‘ zu verbuchen.

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  • Markus Juchem sagt:

    @sisyphos: „Flop“ wurde einleitend als ein „negativer Höhepunkt“ des Spieltags definiert. Und die Erkrankungen der beiden Torhüterinnen waren schade und negativ, weil beide ja gerade um die Nummer-1-Position in ihrem Team kämpfen und sozusagen zu einem ungünstigen Zeitpunkt kampflos zuschauen mussten.

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  • sisyphos sagt:

    @ Markus: ich habe Deine Einleitung wohl gelesen. Zudem sind beide Torhüterinnen sehr weit oben auf meiner Sympathieliste, von daher finde ich es auch für beide sehr schade, dass sie aus krankheitsbedingten Gründen nicht zum Einsatz kommen konnten – ich hätte gern erlebt, wer zum Einsatz gekommen wäre, wenn alle Beteiligten fit sind. Die fälschliche Ankündigung auf der DFB-Seite empfand ich jedenfalls als größere ‚Pleite‘.
    Aber über die Begrifflichkeit mag man sich streiten – als Flop würde ich immer noch Misserfolg, Pleite oder persönliches Scheitern bezeichnen, weniger die äußeren Umstände, an welchen die Beteiligten nichts oder wenig ändern konnten. Aber das sieht oder bewertet halt jeder anders. Ich hätte beispielsweise auch anstelle des FCS in ‚Flop 1‘ eher den SCF angeführt, der als eine der ‚Überraschungen der letzten Saison‘ bezeichnet wurde und nun kaum besser dasteht als die doch arg gerupfte Mannschaft des FCS.

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  • Detlef sagt:

    @sisyphos,
    ich pflichte Dir bei, das die Verletzung/Krankheit einer Spielerin, nicht unbedingt mit einem Flop zu beschreiben ist!!!
    Unter einem Flop verstehe ich zum Beispiel eine schlechte-, bzw eine unterdurchschnittliche Leistung!!!
    Beides traf sowohl auf TURBINE POTSDAM, als auch auf die Schiedsrichterleistung in diesem Spiel zu!!!
    Zur Leistung des amtierenden Meisters, habe ich mich ja schon im betreffenden Beitrag geäußert!!!
    Als ich Christine Beck beim aufwärmen sah, war ich heilfroh, dass wir gegen die Bayern-Ladies die beste Schiedsrichterin der Liga bekamen!!!
    Allerdings zeigte sie an diesem Tag die mit Abstand schlechteste Leistung, die ich je von ihr sah!!! So ein kleinliches Gepfeife, schlechte Vorteilsauslegungen, und ein miserables Stellungsspiel, dass war für mich wirklich ein FLOP!!!

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