Umeå IK kämpft gegen den Konkurs

Von am 5. Oktober 2009 – 12.29 Uhr 5 Kommentare

Bislang ist man vom schwedischen Meister Umeå IK eher positive Meldungen gewöhnt. Auch nach dem Abgang von Weltfußballerin Marta führte der zweimalige UEFA-Cup-Sieger bis gestern die schwedische Liga an. Doch am Wochenende gab es nicht nur eine bittere 1:4-Niederlage gegen Hammarby, auch finanziell sieht es in Nordschweden ernst aus. Eventuell ist das Thema Frauenfußball in Umeå bereits in diesem Monat beendet.

Einbruch bei den Sponsoren
UIK vermeldet einen Einbruch bei den Sponsorengeldern um vierzig Prozent, Hauptgrund ist die Finanzkrise, die die Partner des Erfolgsvereins zu Sparmaßnahmen zwingt – davon ist auch das Sponsoring nicht ausgenommen. Das Budget bei UIK ist kleiner geworden, die Sparmaßnahmen größer. Eine Krisensitzung mit verbliebenen Partnern in diesem Monat stimmte die Verantwortlichen zwar positiv. Die Sparmaßnahmen haben erste Wirkungen gezeigt, aber noch ist die Lage alles andere als stabil – auch die Septemberlöhne wurden noch nicht ausgezahlt.

Sportliche Auswirkungen
Die 1:4-Niederlage gegen Hammarby am Wochenende war ein Paukenschlag – insgesamt aber nur der Gipfel des Dilemmas. UIK verlor die Tabellenführung an Linköping, insgesamt war es bereits die dritte Saisonniederlage. Im Poker um eine mögliche (vorübergehende) Rückkehr Martas nach Schweden hatte sich UIK frühzeitig zurück ziehen müssen – das Geld für die Weltfußballerin war schlicht nicht vorhanden.

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Insolvenz noch in diesem Monat?
Zusätzlich zu den Löhnen werden in diesem Monat die Steuern und Sozialabgaben fällig. Stichtag dafür ist der 12. Oktober – hat der Verein bis dahin nicht genug Geld, muss er Insolvenz anmelden. Um das zu verhindern, hat man nicht nur noch einmal mit den Sponsoren gesprochen, man erhofft sich nun auch Hilfe aus der Bevölkerung. Mit dem Aufruf „UIK kämpft um seine Zukunft“ will der Club seine herausragende Position in der Sportlandschaft Schwedens unterstreichen und wirbt offensiv um Spenden. Die Solidarität der Bevölkerung hatte schon bis zu Martas Wechsel in die Vereinigten Staaten ihr Engagement in Umeå gesichert.

Finanzprobleme auch bei anderen Vereinen
Umeå IK ist nicht der einzige Verein, der mit finanziellen Problemen kämpft. Ein Drittel der schwedischen Liga, neben Umeå auch Djurgården, Kristianstad und Linköping, hat in diesem Jahr bereits seine Finanznot publik gemacht.

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5 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Mich würde mal interessieren, wie es bei den deutschen Spitzenvereinen (Duisburg, Frankfurt, Potsdam) aussieht. Bei Bayern ist es vielleicht ähnlich wie bei AIK in Schweden. Letztere haben das mit Abstand größte Minus (fast 400.000 €), werden aber, da unter einem Dach mit der Herrenabteilung von den Männern „gerettet“.

    Im Grunde genommen ist der Frauenfußball mit der in Schweden virulenten Entwicklung jetzt béi seinem Kardinalproblem angekommen. Einerseits eine in den letzten Jahren rasante Proffessionalisierung des Sports, der Spielerinnen mit einer extremen Leistungsverbesserung, andererseits aber ziehen sich die ursprünglichen Gönner allmählich zurück oder sind nicht mehr bereit, ohne Gegenleistung in die Brieftasche zu greifen.

    Mit Zuschauerzahlen kann man nicht mal die Handkasse des Zeugwarts füllen, jedenfalls nicht in Stockholm, wo mit gutem Willen wöchentlich 6-700 Leute im Schnitt gezählt werden, wobei sich viele Besucher immer wieder fragen, wer da alles mitgezählt wird…

    Leistung und Erfolg muss auch finanziert werden. Bislang geschah dies meist durch Sponsoren, die nichts zurückverlangten und sich damit benügten, dass die Nennung ihres Unternehmens im Zusammenhang mit Frauenfußball „Goodwill“ und Sympathie brachten.

    Die Kosten für einen leistungsfähigen Kader, der oben mitspielen kann, sind aber in den letzten Jahren explodiert. Gerade 2008 sind die Kosten um rund 30% gestiegen, die Einnahmen aber nur um 15% und das auch vor allem wegen eines guten Vertrags mit dem Fernsehsender TV4. Da schauen beim Frauenfußball zwischen 35.000 – 80.000 Zuschauer hin.

    Frauenfußball in Schweden auf dem bisherigen Niveau ist auf einem Scheideweg angekommen. Sollte auch nur einer der beiden Traditionsvereine Umeå oder Djurgården „abstürzen“, dann besteht die Gefahr einer Kettenreaktion, die den Gegnern des Sports (Nora hat darüber geschrieben) Wasser auf ihre Mühlen gießt.

    Gut geht es so richtig nur Malmö dank seines Kosmetik-Sponsors LdB. Dass es in Schweden weitergehen kann, ist letztlich im Interesse aller Freunde dieser Sportart, denn ich fürchte, dass wir hier die Spitze eines europäischen Eisbergs sehen, denn ähnlich schwache Einnahmezahlen bei gleichzeitig rasant steigenden Kosten für den jeweiligen Kader vermute ich auch in Deutschland und Norwegen.

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  • Detlef sagt:

    @Rainer,
    Göteborg müßte es doch auch gut gehen, nachdem der große Getränkehersteller Kopparbergs ihnen ihren Namen verliehen hat!!!

    Also ich kann nur für TURBINE sprechen, wo ja mit CHEVROLET ein großer Sponsor in schwieriges Fahrwasser geriet!!!
    Sie können nicht mehr die großen Summen stemmen, nachdem der Mutterkonzern GM in die Insolvenz rutschte!!!
    Aber sie bleiben (auch aus persönlicher Freundschaft) mit TURBINE verbunden, und sponsern zumindest die Autos der Spielerinnen und Trainer weiter!!!
    Als neuer Hauptsponsor sprang, quasi über Nacht, die ZAL ein!!!
    Auch hier ist die persönliche Bindung an den Verein wohl Hauptgesichtspunkt, und wird sicher erst enden, wenn die Familie Rabe in finanziellen Schwierigkeiten sein sollte, was hoffentlich nie eintritt!!!
    Dazu kommen de treuen Sponsoren DKB, Bonnfinanz und Stadtwerke Potsdam!!!
    Darüber hinaus hat Potsdam traditionell viele kleinere Sponsoren, die vor allem in den Nachwuchsbereich Geld investieren!!!
    Es kommen auch immer wieder mal neue Sponsoren dazu, wie erst kürzlich die Fluglinie Easy Jet, und die Lebensmittelkette EDEKA!!!
    Ein großer Sponsor des FF in Deutschland, ist auch die Bundeswehr!!!
    Auch davon profitiert TURBINE erheblich!!!

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  • Rainer sagt:

    Umeå hat es wohl geschafft. Am Freitag hielt der Club eine Pressekonferenz und bedankte sich bei den vielen Helfern und Sponsoren. Das Finanzamt kriegt sein Geld und auch für das nächste Jahr sieht es besser aus.
    Man muss allerdings sehen, dass nun nicht weniger als fünf Spielerinnen schon offiziell „gedraftet“ wurden: Ramona Bachmann, Johanna Rasmussen, Mami Yamaguchi, Elaine und Madelaine Edlund.
    Bislang hat eine schwedische Spielerin schon einen Vertrag in USA unterschrieben: Caroline Seger (Nachfolgerin als Mannschaftskapitänin von Victoria Sandell Svensson und noch bei Linköping unter Vertrag) geht definitiv zu Philadelphia Independence. Sie hat einen 2+1 Jahresvertrag unterschrieben.

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  • Detlef sagt:

    Na da hoffe ich doch sehr für Caroline Seger, dass es ihr nicht so geht wie Lotta Schelin in Frankreich!!!
    Sie hat dort deutlich an Klasse eingebüßt!!!

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  • Ralf sagt:

    @Rainer

    In der Tat! Das ging jetzt aber Ruckzuck!!!
    Sollten die Marketingstrategen in Umeå sich wirklich der Expertise einer schwäbischen Hausfrau bedient haben?

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