Anna Felicitas Sarholz: „Ich habe früh gelernt zu kämpfen“

Von am 1. Oktober 2009 – 15.47 Uhr 5 Kommentare

Anna Felicitas Sarholz ist eine der hoffnungsvollen Nachwuchstorhüterinnen in Deutschland. Im Interview mit Womensoccer spricht die 17-Jährige von Meister 1. FFC Turbine Potsdam über ihr unerwartetes Debüt in Bundesliga und Champions League, Ziele für die Zukunft und das Thema Gesundheit.

Womensoccer: Das müssen derzeit aufregende Wochen sein. Erst das unerwartete Bundesligadebüt und dann auch noch der Einsatz in der Champions League.

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Anna Felicitas Sarholz: Unerwartet trifft es auf den Punkt. Ich habe mich natürlich gefreut, auch wenn es aufgrund der Verletzung von Desi [Schumann] eine unangenehme Situation war, in die Mannschaft geworfen zu werden. Aber es hat Gott sei Dank gut geklappt und es war ein geiles Gefühl, im ersten Heimspiel und der Champions League spielen zu können. Das war eine große Ehre für mich, darauf habe ich jahrelang hingearbeitet.

Womensoccer: Gar nicht nervös gewesen?
Sarholz: Ich bin vor jedem Spiel aufgeregt, aber ich mache mich auch nicht verrückt. Ich bin im Spiel so konzentriert, dass ich gar nicht mitbekomme, was um mich herum passiert. Wenn die Aufregung und das Kribbeln im Bauch nicht da wären, würde etwas falsch laufen.

Womensoccer: Besteht jetzt die Gefahr, ein wenig abzuheben?
Sarholz: Ich bin sehr selbstkritisch und mein größter Feind. Mir fallen immer Sachen auf, die man verbessern kann und ich bin auch immer gewillt, an mir zu arbeiten. Ich muss zum Beispiel bei Rückpässen noch ruhiger werden, da bin ich manchmal noch etwas aufgeregt. Aber die Sicherheit wird mit der Erfahrung kommen. Verbessern muss ich mich aber überall, man ist nie perfekt.

Womensoccer: Es gibt nur wenige Spielerinnen mit einem dermaßen großes Selbstvertrauen.
Sarholz: Ich bin allgemein relativ positiv eingestellt. Ich habe früh gelernt zu kämpfen, auch aus familiären Hintergründen. Damit bin ich groß geworden, ich habe viel von meiner Mutter gelernt. Im Moment will ich klar die Nr. 1 werden, das ist mein Ziel, dafür trainiere ich. Im Verein gibt es derzeit keine klare Nummer 1 oder Nummer 2, das ist für mich schon ein positives Feedback, zumal im letzten Jahr fraglich war, ob ich überhaupt weiter Sport treiben kann.

Womensoccer: Inwiefern?
Sarholz: Anfang letzten Jahres hatte ich eine vierfache Herzmuskelentzündung und bin nur knapp am Tod vorbeigeschrammt. Vier verschiedene Viren hatten sich auf mein Herz gelegt. Zum Glück hat man das letztlich durch medizinische Behandlung und sehr gute Ärzte relativ schnell wieder in den Griff bekommen. So gesehen habe ich sowieso einen Riesensprung nach vorne gemacht, ich kann erst einmal sehr zufrieden sein.

Womensoccer: In der Bundesliga scheint sich erneut ein Vierkampf anzubahnen.
Sarholz: Die Topteams haben alle starke Neueinkäufe getätigt, die Karten werden neu gemischt, es deutet sich nach den ersten Spieltagen an, dass die üblichen Verdächtigen oben mitmischen werden. Mich freut es aber, dass immer mehr Vereine dazu kommen, die diesen Teams das Leben schwer machen, was die Sache spannender macht, nicht so wie vor sechs, sieben Jahren, wo zwei Vereine um die Meisterschaft gespielt haben. Es wird trotzdem wieder spannend, die sogenannten kleinen Teams sind unangenehm und schwer zu spielen.

Womensoccer: Letzte Saison hat Turbine das Feld von hinten aufgerollt.
Sarholz: Das war eine krasse Saison, die man so schnell nicht vergessen wird. So spannend muss es diesmal nicht werden. Mich hat es vor allem für die Mannschaft gefreut, dass alle Kritiker, die uns vor der Saison sogar als Abstiegskandidat gesehen haben, einen Schuss vor den Bug bekommen haben.

Anna Felicitas Sarholz, Torhüterin von Meister 1. FFC Turbine Potsdam, dirigiert ihre Abwehr ©1. FFC Turbine Potsdam

Anna Felicitas Sarholz, Torhüterin von Meister 1. FFC Turbine Potsdam, dirigiert ihre Abwehr ©1. FFC Turbine Potsdam

Womensoccer: Jetzt geht es zum Vizemeister Bayern München. Wird das eine echte Standortbestimmung?
Sarholz: Man kann sich nicht dahinter verstecken, dass man noch in der Findungsphase ist. Die Saison hat angefangen und da muss ein Team eingespielt sein. Wir haben mit dem Team das Potenzial zu gewinnen, und wir wollen mit drei Punkten nach Hause fahren, das muss in jedem Spiel das Ziel sein, das Beste herauszuholen. Letztes Jahr hat uns keiner einen Blumentopf zugetraut, jetzt lastet mit den Neuzugängen schon eine gewisse Erwartung auf uns. Mit dem Team ist viel machbar, wenn wir alle gut kommunizieren und anfangen uns blind zu verstehen, ist viel drin.

Womensoccer: Bei Turbine Potsdam ist vor einigen Jahren Nadine Angerer zu einer Weltklassetorhüterin herangereift. Nun stehen wieder zwei Talente in Eurem Team. Liegt das auch am Torwarttraining?
Sarholz: Unsere Tricks werde ich natürlich nicht verraten (lacht). Wir sind ein eingespieltes Team und die Torhüterinnen kommen untereinander alle gut miteinander aus, auch mit dem Torwarttrainer [Dirk Heinrichs], der ein breites Sortiment an Übungen im Programm hat und sich auch die Zeit nimmt für jeden Einzelnen. Wenn man hier auf der Schule ist, hat man auch die Gelegenheit, zweimal am Tag zu trainieren. Da passen einfach die Rahmenbedingungen, das ist ein Punkt, der ganz wichtig ist.

Womensoccer: War Torhüterin zu werden schon immer ein Wunschtraum und gibt es Vorbilder?
Sarholz: Ich war zuerst Feldspielerin im Sturm, bin dann aber aus Lauffaulheit ins Tor gegangen. Ich hatte einfach keine Lust zu rennen, und ich bin auch heute nicht gerade die große Ausdauerbombe. Im Tor hat es mir Spaß gemacht, das hat sich gut entwickelt und es hieß dann, ich soll dort bleiben, auch wenn ich manchmal trotzdem noch im Feld gespielt habe. Ich habe keine Vorbilder im Sport, denn ich will niemanden kopieren, sondern immer ich selbst bleiben. Im privaten Bereich ist meine Mutter mein Vorbild.

Womensoccer: Wie sehen die Ziele für die Zukunft aus?
Sarholz: Ich mache einen Schritt nach dem anderen. Ich werde weiter an meinen Schwächen arbeiten. Ich will mich weiter im Verein etablieren und einen vernünftigen Schulabschluss machen. Die U20-WM im eigenen Land 2010 ist natürlich auch attraktiv und ein Ziel, auf das man hin arbeitet. Es wäre natürlich toll, wenn irgendwann Einladungen für die A-Nationalmannschaft kämen, aber darüber denke ich noch nicht nach.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Bis jetzt hat FELIX ihre Sache ganz gut gemacht!!!
    Für ihre 17 Lenze ist sie erstaunlich cool, naja, sie wirkt zumindest oft so!!!
    Was sie da in Espoo mit den finnischen Angreiferinnen machte, war schon ziemlich frech, zumindest für eine 17-jährige!!!
    Aber Frechheit siegt, also mach weiter so FELIX!!!

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  • Detlef sagt:

    Leider scheint sich FELIX im Kühlen Espoo einen grippalen Infekt geholt zu haben!!!
    Ich wünsche FELIX eine schnelle Genesung!!!

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  • Ralf sagt:

    Und was ist mit Désirée Schumann?

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  • Jarmusch sagt:

    @Ralf

    Schumann hat in der Champions League im finnischen Espoo schon wieder im Kader gestanden, blieb allerdings 90 Minuten auf der Bank.

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  • Detlef sagt:

    DESI hat heute wieder das TURBINE-Tor gehütet!!!
    Am 1:0 hatte sie (meiner Meinung nach) eine Mitschuld, da muß sie raus!!!
    Aber bei den anderen Treffern, kann sie kaum etwas machen!!!

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