Spitzenteams geben sich keine Blöße

Von am 29. September 2009 – 10.38 Uhr 1 Kommentar

Schon nach zwei Spieltagen der neuen Saison in der Frauenfußball-Bundesliga zeichnet sich eine wenig überraschende Tendenz ab. Die Topteams aus Potsdam, Duisburg, München und Frankfurt starten von Beginn an hellwach in die neue Spielzeit, denn die knappe und dramatische vergangene Saison hat gelehrt, dass jeder Punkt und jedes Tor in der Endabrechnung wichtig sein kann. Doch auch ein Außenseiter ist nach zwei Spieltagen noch verlustpunktfrei.

Am meisten überrascht, dass Vizemeister FC Bayern München nach einer alles andere als perfekten Vorbereitung und mit zahlreichen verletzten Akteurinnen die ersten beiden Partien gegen die SG Essen-Schönebeck (3:0) und beim erstarkten FF USV Jena (2:1) schadlos überstanden hat.

Ergebnisse und Tabelle der Frauenfußball-Bundesliga

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Bayern-Trainer Günther Wörle freut sich: „Angesichts der personellen Situation mit zehn verletzten Spielerinnen bewerte ich den Saisonstart mit zwei Siegen als noch besser als im letzten Jahr.“

Neue Welle der Euphorie?
Damals war das Team mit einem fulminanten 3:0-Auswärtssieg gegen den späteren Meister 1. FFC Turbine Potsdam gestartet und auf einer Welle der Euphorie durch die nächsten Saisonspiele von Sieg zu Sieg geeilt. „Wir haben letztes Jahr gesehen, wie wichtig ein erfolgreicher Start ist, deswegen freut es mich umso mehr, dass uns dies trotz des Fehlens zahlreicher Spielerinnen erneut gelungen ist.“ Denn die Ziele sind in München durchaus hoch gesteckt. „Wir wollen vorne dran bleiben, wollen in der Champions League überwintern und im DFB-Pokal heißt Köln unser Ziel.“

Überzeugende Neuzugänge
Meister Potsdam startete mit einem 3:0-Sieg bei Aufsteiger 1. FC Saarbrücken, am Sonntag folgte ein überzeugender 5:0-Sieg gegen den überforderten SC Freiburg, der nur dank seiner starken Torhüterin Marisa Brunner nicht noch stärker unter die Räder kam. Gegen die Breisgauerinnen erzielten zwei Turbine-Neuzugänge vier der fünf Treffer. Zwei Tore gingen auf das Konto von Fatmire Lira Bajramaj, zwei weitere erzielte Nadine Keßler.

Funktionierendes Team
„Das war eine geschlossen starke Mannschaftsleistung, bei der ich niemanden hervorheben möchte. Man hat gesehen, dass unsere neuen Spielerinnen hervorragend in die Mannschaft passen“, freute sich Turbine-Trainer Bernd Schröder. Bajramaj hat sich an die neuen Anforderungen bereits gewöhnt. „Es ist schon hart, wir machen sehr viel im konditionellen Bereich. Aber jetzt geht es einigermaßen.“ Auch wenn die morgendliche Trainingseinheit um 8.30 Uhr stets eine echte Herausforderung darstellt. „Das ist wirklich sehr, sehr früh.“

Marozsan und Del Rio im Blickpunkt
Auch beim 1. FFC Frankfurt ist man begeistert, wie gut sich die Neuzugänge bereits in das Team integriert haben. Die erst 17-jährige Dzsenifer Marozsan traf bei ihrem zweiten Einsatz, dem ersten über 90 Minuten, bereits zum zweiten Mal ins Schwarze, nachdem sie schon beim 3:2-Auswärtssieg gegen den VfL Wolfsburg unter den Torschützinnen war. Und auch die eingewechselte spanische Stürmerin Laura del Rio durfte sich beim 4:0 gegen den 1. FC Saarbrücken über den ersten Torerfolg freuen, als sie bei einer schönen Einzelaktion erst Laura Vetterlein aussteigen ließ und dann flach vollendete. „Ein Saisonstart mit sieben Toren in zwei Spielen ist schon sehr ordentlich“, so Frankfurts Trainer Günter Wegmann, der mit dem Spiel seiner Elf gegen den Aufsteiger aber noch nicht komplett zufrieden war.

Grings weiter in Torlaune
Bei UEFA- und DFB-Pokalsieger FCR 2001 Duisburg kann man sich erneut auf die Treffsicherheit von Topstürmerin Inka Grings verlassen. Beim 4:1-Sieg in Hamburg traf sie zweimal, beim 4:1 gegen Aufsteiger Tennis Borussia Berlin im ersten Heimspiel gelang ihr in der ersten halben Stunde gar bereits der erste Hattrick der Saison, so dass die Torschützenkönigin der vergangenen Saison bereits nach zwei Spieltagen mit fünf Treffern erneut die Rangliste anführt. Trotz zweier Siege ist auch Trainerin Martina Voss mit ihrem Team allerdings noch nicht besonders zufrieden. „Nach der Pause sind wir arrogant und fahrlässig aufgetreten – und haben dem Gegner sogar ein Tor geschenkt.“

Neuenahr korrigiert Zielsetzung nach oben
Als fünftes Team im Bunde hat auch der SC 07 Bad Neuenahr nach zwei Spieltagen die volle Punktzahl. Dem 2:0-Auswärtssieg gegen Tennis Borussia Berlin ließen die Kurstädterinnen einen 1:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg folgen. Célia Okoyino da Mbabi traf in beiden Spielen, doch Trainer Thomas Obliers war auf das ganze Team stolz. „Es gibt noch Potential im Spiel nach vorne“ , so Obliers, der beschwingt durch die beiden Erfolge nun einen „einstelligen Tabellenplatz möglichst weit oben“ als neues Ziel ausgegeben hat.

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Jarmusch sagt:

    Bad Neuenahrs Trainer, Thomas Obliers, täte gut daran etwas mehr Demut walten zu lassen.
    Zu frisch müssten doch die Erinnerungen an die letzte Saison sein, als man dem Abstieg erst kurz vor Saisonende entronnen war.
    Auch wenn die kommenden Aufgaben gegen Saarbrücken (auswärts) und Freiburg (daheim) von einem Traumstart mit 12 Punkten aus 4 Spielen träumen lassen können, die schwierigen Gegner kommen früher als gewollt. Wenn sie allerdings am 5.Spieltag auswärts beim FC Bayern was holen, ja dann kann man vielleicht Optimismus versprühen. – Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich es für deutlich verfrüht.

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