Den Mädchenfußball beleidigt – und keinen stört’s

Von am 29. September 2009 – 15.10 Uhr 9 Kommentare

Es war ein bitteres Wochenende für die Männer von Wacker Burghausen. Der Drittligist verlor in Heidenheim mit 1:6, und vermutlich hat jeder Verständnis dafür, dass Trainer Jürgen Press nicht gerade glücklich über den Auftritt seiner Mannschaft war. Weniger Verständnis sollte man jedoch haben, dass der Coach dies zum Anlass nahm, den Frauen- und Mädchenfußball zu verunglimpfen.

„Wir waren behäbig, zu langsam und zu unbeweglich“, wird Press im Fußballmagazin Kicker zitiert – eine Analyse, wie sie schon von unzähligen Trainern zu hören war. Doch die Kritik des Trainers an seiner Mannschaft ging weiter, seine Elf habe „wie Mädchen“ gespielt. Die Verbindung, die Press schafft, ist beleidigend: Mädchen spielen schlecht, geben nicht alles und verlieren.

Solche Aussagen aus dem Männerfußball sind leider nicht neu. Ottmar Hitzfeld kritisierte einst einen Schiedsrichter, der gepfiffen habe, wie beim Frauenfußball, und in England erklärte Blackburn-Coach Ince im vergangenen Jahr, dass Fußball keine Sportart für Frauen sei. Während Ince damals nach heftiger Kritik zurückrudern musste, gingen Press’ Aussagen durch die Agenturen und Zeitschriften, ohne dass sich jemand darüber zu wundern schien.

Millionen Fernsehzuschauer verfolgen die Spiele der Frauen-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft, von Tausenden wird sie auf dem Römerberg in Frankfurt gefeiert. Das ist die eine Seite des Frauenfußballs. Doch dass die lange Liste der Vorurteile gegenüber der Sportart noch immer besteht, machen nicht nur solche scheinbar beiläufigen Aussagen deutlich, sondern auch die Tatsache, dass diese im Anschluss weder hinterfragt noch kritisiert werden. Weit über 300.000 Mädchen sind beim DFB registriert – Tendenz, wie in anderen europäischen Ländern, steigend. Dass sich die jungen Fußballerinnen vor dem Fernseher ansehen müssen, wie sie mit Behäbigkeit und Erfolglosigkeit gleichgesetzt werden, ist beschämend.

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9 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Willkommen in der Realität!!!
    Glücklicherweise sterben diese Machos langsam aus, bzw trauen sie sich nicht mehr, solche Sachen in aller Öffentlichkeit zu sagen!!!
    Aber wenn sie von Emotionen übermannt werden, zeigt sich ihr wahres Gesicht!!!
    Für mich ist aber die viel größere Sauerei, dass ihn niemand in die Schranken gewiesen hat!!!
    Vor allem die Presse sehe ich hier in der Pflicht!!!

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  • Jarmusch sagt:

    Ich würde diese Äußerungen von Jürgen Press nicht so hoch hängen. Letztlich wird er nur nach einer verbalen Umschreibung seiner Beobachtungen auf dem Spielfeld gesucht haben.
    Das das nicht gerade glücklich ausgefallen ist, dürfte ihm mittlerweile auch klargeworden sein. Aber daraus eine bewusste Verunglimpfung zu interpretieren oder gar frauenverachtende Tendenzen abzuleiten halte ich dann doch für ein wenig ‚too much‘.

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  • suplo sagt:

    Wer ist Jürgen Press?
    Lasst ihn labern! „Was stört es eine Deutsche Eiche, wenn sich eine Wildsau daran schubbert?“

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  • Bartolo sagt:

    Da gibts doch den schönen Spruch einer amerikanischen Spielerin (weiss nicht mehr, wer das war), der geht sinngemäß:
    „When people say ‚you kick like a girl‘ I answer them ‚Well, I sure hope so'“

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  • Marcel sagt:

    Das selbe von mir „Who the f… is Jürgen Press ?“ und warum sollte es mich interessieren was der von sich gibt.
    Ich glaub sogar wir FF-Fans müssen uns nicht an jedem Satz aufhängen eines dahergelaufenen 3.Ligatrainers denn was der labert interessiert höchstens in Burghausen und dort wahrscheinlich auch eher marginal.
    Ausserdem war er ja sowieso emotionsgeladen nach der 1:6 packung und da labert man ja gern ohne gross nachzudenken Müll raus oder bekommt überhaupt keine vollständigen Sätze mehr zusammen wie das neueste Beispiel Lucien Favre 😉

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  • Ralf sagt:

    Und wann ahndet der DFB so ein ’saudummes G’schwätz‘ endlich mal mit entsprechenden Sanktionen?

    „RESPECT“ heißt doch eine Aktion – im ganzen Fußballsport; und nicht getrennt nach Frauen und Männern!

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  • Detlef sagt:

    Wenn er sagt, „die Jungs spielten wie Mädchen“, könnte man natürlich verbal kontern, „nein so gut waren sie nicht!!!“
    Aber es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um unterschwelligen Sexismus, der noch immer weit verbreitet ist!!!
    Ob man den jetzt hoch oder niedrig hängt, es bleibt eine Beleidigung aller Fußballerinnen, ob sie jetzt Kreismeister oder Europameister geworden sind!!!

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  • Rainer sagt:

    Naja, dieser Herr, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe, ist halt ein erfolgloser Drittligatrainer und wenn er noch ein paar Mal mit 1:6 verliert, nicht einmal mehr das.
    Das Hitzfeld-Zitat finde ich gar nicht mal so schlimm, denn auch viele Spielerinnen in den höchsten Ligen sind der Ansicht, dass Schiedsrichter im FF Dinge pfeifen, die man eigentlich durchgehen lassen sollte. Hab das auch schon von Welt- und Europameisterinnen gehört.
    Dass der Blackburner abgewatscht wurde ist völlig korrekt.
    Es gibt halt eine grosse Schar von Männern, die sich ihr scheinbar letztes Revier scheinbar uriger Männlichkeit nicht nehmen lassen wollen. Als ob das die Absicht wäre. Im Übrigen gibt es leider Gottes auch eine Reihe von Frauen, die die Nase rümpfen, wenn sie einem Mann begegnen, der sich Frauenfussballspiele anschaut. Die verstehe ich dann schon gar nicht mehr.
    Richtig aber ist, dass man solche Äusserungen immer wieder in Frage stellt, Sie gehören in die 50er Jahre und sind längst Geschichte von Immergestrigen, die (siehe wie hiess der Herr nochmal?) schon längst von der Geschichte überholt worden sind. Wer zu spät kommt, den wird das Leben bestrafen.
    Ich jedenfalls habe heute Abend ein hochklassiges Frauenfussballspiel in Stockholm gesehen, dass Djurgården mit 0:3 gegen LdB Malmö verloren hat, die schwedische Meisterschaft ist jetzt, fünf Spiele vor Schluss mit vier (!) Teams gesegnet, die noch Meister werden können. Und am Sonntag kommt Umeå, da werde ich am Spielfeldrand sein und mich einen Teufel drum scheren, wie hoch die armseligen Kicker von Wacker Burghausen verlieren.

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  • Josef sagt:

    Ich finde es sehr erstaulich wie auf verbale unbedachte Äusserungen reagiert wird…
    Der Frauenfußball wird in allen Fußballverbänden mit Respekt und Hochachtung behandelt.
    Es werden schnell nicht bedachte Äusserungen in die Medien gebracht um Achtung für den Frauenfußball überall zu erlangen.

    Aber was wird für die Frauen gemacht, die selbst mit Begeisterung Fußballspielen, die viele Wochenenden opfern um den Frauenfußball immer noch attraktiver werden zu lassen.

    Die Verbände sonnen sich in Statistiken, Erfolge der Frauennationalmannschaft und versuchen immer als Helden und Förderer des Frauenfußballs verstanden zu werden.

    In meiner Umgebung spielt eine Frauenmannschaft mit voller Hingabe, Leidenschaft und großem Fleiß…
    immerhin in der Frauen-Bayernliga…

    Jetzt gibt der Verband vor daß alle dieser Spiel von Frauen auch gepfiffen werden sollten!
    Nur leider gibt es diese Schiedsrichterinnen nur in sehr begrenzter Anzahl, die dazu auch die Qualität dazu haben…
    Woche für Woche werden Spiele jetzt auch von Frauen geleitet, die leider hoffnungslos überfordert sind…!
    Was will der Verband damit bezwecken???
    Die Zuschauer wenden sich ab, weil da das zuschauen nicht einmal mehr Spaß macht, die Spielerinnen sind oft nur noch frustriert, weil sie sich oft um Ihre Leisung betrogen fühlen, und und und…

    Was will der Verband damit bezwecken?
    Die Statistik füllen mit „wir haben viele Frauen die auch Schiedsrichter sind“
    Ja. diese Frauen gibts also, die Schiedsrichter sind, nur leider können es dies Meisten nicht…

    Natürlich gibt es auch einige, die sehr gut Pfeifen!!!
    Also, bitte lasst die guten pfeiffen!
    aber die Versuche schelchte Schiedsrichterinnen in hohe Klassen zu installieren sollte áls gescheiterter Versuch baldigst wieder beendet werden!
    J.B.

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  • […] Wie wenig Bewusstsein es für Sexismus im Fußball gibt, zeigt sich nicht bei großen Presseterminen, sondern eher im Kleinen. Zum Beispiel vor einigen Monaten in der ARD-Sportschau: dritte Liga, Männerfußball, Wacker Burghausen verliert zu Hause 1:6 gegen Heidenheim. Enttäuschende Leistung, katastrophales Ergebnis. Was sagt der Trainer Jürgen Press? In der zweiten Halbzeit hätte er „eine Mädchenmannschaft“ (!) auf dem Platz gesehen, nicht Burghausen. Wie Mädchen spielen, das heißt eben schlecht spielen, nicht genug Einsatz zeigen. Kommentiert das der Moderator? Nö. Warum auch, verstehen ja alle. Die dpa schreibt es in ihre Meldung, und der kicker hat seine Überschrift gefunden. Protest kam vom Blog Womensoccer. […]