2011: WM-Qualifikation nimmt Fahrt auf

Von am 24. September 2009 – 10.42 Uhr 8 Kommentare

Noch vor der Frauenfußball-Europameisterschaft in Finnland bestritt Island beim 5:0-Sieg gegen Serbien das erste europäische Qualifikationsspiel zur Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland. Inzwischen sind die ersten 18 Spiele absolviert und es ging bereits richtig zur Sache. Spanien feierte den bislang höchsten Sieg und ein EM-Teilnehmer kam überraschend kräftig unter die Räder.

Für die bisher größte Überraschung sorgte in Gruppe 4 Polen. In Nowy Sacz gelang den Gastgeberinnen ein unerwarteter 4:1 (3:0)-Sieg gegen EM-Teilnehmer Ukraine.

Polen überrascht Ukraine
Drei Treffer von Agnieszka Winczo (7., 30., 55.) sowie ein Tor von Donata Leśnik (38.) bei einem Gegentreffer von Lyudmyla Pekur (83.) bescherten dem Team des neuen Trainers Robert Góralczyk einen optimalen Start in die WM-Qualifikation. Möglicherweise steckte einigen ukrainischen Spielerinnen noch das russische Pokalfinale in den Knochen, dass sie drei Tage zuvor bestritten.

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Erfolgreiche EM-Teilnehmer
Auch andere EM-Teilnehmer waren bereits im Einsatz, für sie verlief der Auftakt erfolgreicher als für die Ukraine. Finnland gewann mit 4:0 in Armenien, ein Treffer von Sanna Talonen stellte bereits in der ersten Minute die Weichen für den Sieg. Frankreich siegte in Kroatien mit 7:0, musste sich allerdings fast eine halbe Stunde gedulden, ehe Sandrine Soubeyrand den Bann brach. Dänemark hielt sich beim 6:0 in Griechenland ebenfalls schadlos. Mit vier Treffern in den ersten 25 Minuten schossen sich die Däninnen den EM-Frust von der Seele, in Finnland war man bereits nach der Vorrunde ausgeschieden.

Schweiz mit Sieg und Niederlage
Die russische Nationalmannschaft versetzte durch den 2:1-Erfolg in der Schweiz den Gastgebern einen Dämpfer, die mit einem 2:0-Sieg gegen Irland gestartet waren. Island, deutscher Gruppengegner bei der EM in Finnland, hatte die WM-Qualifikation noch vor der EM erfolgreich mit einem 5:0 gegen Serbien begonnen, nach dem Turnier gelang den Isländerinnen im zweiten Qualifikationsspiel der Gruppe 1 ein 12:0-Sieg gegen Estland.

Italien souverän
Italien eröffnete seine WM-Qualifikation mit einem 8:0-Auswärtssieg gegen Slowenien, bei dem Pamela Conti drei Treffer erzielte. Wenige Tage später sorgten zwei Tore von Patrizia Panico für einen 2:0-Sieg gegen Portugal. Die Italienerinnen mussten auf Bayern-Legionärin Carolina Pini verzichten, die sich im Training eine Fußverletzung zuzog. Schweden hatte beim 2:1-Sieg gegen Belgien weniger Mühe, als es das Ergebnis zum Ausdruck bringt. Nach einer sicheren 2:0-Führung durch Kosovare Asllani und Jessica Landström sorgte ein Eigentor von Stina Segerström für den Anschlusstreffer, zu mehr reichte es allerdings nicht.

Spanien lässt es krachen
Die Belgierinnen hatten zuvor durch ein Last-Minute-Tor mit 1:0 in Wales gewonnen. Im zweiten Heimspiel machte es die Waliserinnen dann besser und bezwangen die Tschechische Republik mit 2:0. Für den höchsten Sieg der bisherigen WM-Qualifikation sorgte Spanien. In Gruppe 5 gelang den Spanierinnen auf Malta ein 13:0-Sieg gegen überforderte Gastgeberinnen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Es stimmt, dass der schwedische Sieg im Prinzip ungefährdet war. Trotzdem war es ein recht unansehnliches Gekicke der Schwedinnen, die erstmals ohne Victoria Svensson spielten (nach deren angekündigtem Rücktritt nach der EM) und auch ohne Mittelfeldas Therese Sjögran (die sich bei der EM den kleinen Zeh gebrochen hat).

    Am Dienstag hat die amerkanische WPS ihre beiden neuen Vereine „draften“ lassen. Von den zehn Plätzen gingen nicht weniger als sieben (!) an die Damallsvenskan.

    Caroline Seger und Charlotte Rohlin (beide Linköping) sowie Holmfridur Magnusdottir (Kristianstad) sollen nach Philadelphia

    und

    Ramona Bachmann, Johanna Rasmussen, Mami Yamaguchi (alle Umeå) und eben Therese Sjögran (Malmö) nach Atlanta

    wenn die amerikanischen Vereine das Optimum ihrer angekündigten Wünsche verwirklichen können.

    Interessant, dass die Amerikaner gar nicht erst versuchen, auch nur eine einzige deutsche Spielerin zu draften. Die drei anderen Plätze gingen nach England (Fara Williams und Lianne Sanderson) sowie Brasilien.

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  • Jarmusch sagt:

    Furchtbar, wie die Amerikaner die Europäischen Ligen abgrasen.
    Bei mir entsteht immer irgendwie der Eindruck, dass zuerst die Spielerinnen auf die Vereine verteilt werden, und alles andere (Kontaktieren des derzeitigen Vereins, Vertragsgespräche, etc.) erst dann folgt.

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  • Steffen sagt:

    Erst haben die US-Amerikaner fast alle guten Brasilianerinnen geholt (war ja keine Kunst, die kamen ja fast von alleine, die haben ja keine Liga in Brasilien), und jetzt wollen sie die schwedische Liga ausnehmen. Hoffentlich bleiben so viele wie möglich in Schweden! P.S. An Umea’s Stelle würde ich es bereuen, als Endspielgegner hergehalten zu haben, nur um hinterher wieder die besten Spieler an die Amis zu verlieren!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Jarmusch: So wurde das ja bereits vergangenes Jahr gehandhabt, dass das Fell des Bären verteilt wurde, bevor es erlegt war. Ich empfinde diese Vorgehensweise auch als irritierend und arrogant. Und wie man in der Debütsaison gesehen hat, haben die diversen Drafts auch nicht unbedingt zu einer Ausgeglichenheit der Teams geführt. Die finanziellen Probleme der schwedischen Liga sind den Amerikanern natürlich nicht verborgen geblieben, es ist also kein großes Wunder, dass man dort verstärkt versucht, aktiv zu werden.

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  • Ralf sagt:

    Das ‚draften‘ ist schon genauso, wie Du es beschrieben hast, Jarmusch.
    Da werden Namenslisten erstellt, aus der sich dann die Clubs nach bestimmten vorher festgelegten Rechten, die Spielerin raussuchen dürfen, die sie gern in ihrem Team hätten.

    Total daneben find ich es aber, dass die Spielerinnen fast kein Mitspracherecht haben, mit welchem Club sie Vertragsverhandlungen führen dürfen. Das bestimmt sozusagen die Liga (im Voraus).
    Widerspricht nach meinem persönlichem Empfinden völlig den sonstigen amerikanischen Grundprinzipen von individueller Selbstbestimmung und Freiheit.

    Und ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob die WPS-Scouts es tatsächlich aufgegeben haben, nicht auch noch in der Bundesliga der einen oder anderen Akteurin ins Gewissen zu quatschen.
    Hoffentlich bleiben unsere Kickerinnen standhaft und Erliegen nicht den zweifelhaft-schmeichelhaften Versuchungen der WPS; so lukrativ sie im Einzelfall auch sein mögen.

    Persönlich glaube ich jedoch, dass es nach dem Länderspiel am 29. Oktober in Augsburg gegen die USA nochmal eine Welle von Abwerbeversuchen geben wird!
    Wer amerikanisches Geschäftsgebahren ein wenig kennt, weiß wie ’nachhaltig bohrend‘ man dort sein kann, um die eigenen Interessen dementsprechend durchzusetzen!

    Umeå hat sich sicherlich, wie sagt man so schön, ins eigene Bein geschossen!
    Der Damallsvenskan droht in gewisser Weise eine Art ‚Ausverkauf‘.
    Angefangen hat’s damit, dass die Brasilianerinnen ihre Fußballschuh‘ geschnürt haben und ab in die USA sind – und das wird weiter so gehen.
    In der schwedischen Liga ist einfach zu wenig Geld drin, um sich auf Dauer zur Wehr setzen zu können.

    Noch nicht so richtig schlau geworden bin ich aus dem Verhalten der WPS-Marketing-Strategen.
    Was wollen die damit bezwecken – mit diesem Legionärinnen-Einkauf aus anderen Ländern?
    Man muss doch auch irgendwie jetzt schon damit anfangen, an die WM 2011 zu denken.
    Die Quali wird für’s USWNT kein Problem sein, davon ist auszugehen.
    Aber anstatt das Geld in ausländische Stars zu stecken, … also ich würde es anderst ausgeben!
    Mir und vielen anderen Fans unserer deutschen Natio soll’s recht sein!!!

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  • Rainer sagt:

    @Ralf: Ja, hat man erst mal einen Vertrag in der WPS unterschrieben, dann ist man dem System ausgeliefert. Die Schwedin Sara Larsson hat dieses Jahr bei St.Louis gespielt und wurde jetzt auch von Atlanta gedraftet und muss wahrscheinlich dahin wechseln. In den Veträgen muss eine entsprechende Klausel stecken, dass man hin und her verschoben werden kann. Ähnlich und viel größer ist es ja im Eishockey in der NHL.
    Ich zweifle aber, dass in der Bundesliga mehr Geld ist als in der Damallsvenskan. Markus hat natürlich Recht, dass die amerikanischen Clubs sehr wohl mitgekriegt haben, dass einige Vereine in Schweden wirtschaftliche Probleme haben. Unter anderem eben auch Umeå, dass nicht nur Marta abgeben musste, weil man mit Los Angeles nicht mithalten konnte, sondern auch beide Trainer, den Manager und auch die Marketing-Chefin verloren hat. Da hieß es, dass einige der Spielerinnen nun nebenbei Telefondienst in der Kanzlei des Clubs machen müssten. Auch wenn die dieses Jahr Meister werden sollten, wird man wohl 2010 weiter sparen müssen. Ramona Bachmann ist sicher das Juwel, das als nächstes seine Umzugskisten packen wird.
    Silvia Neid soll gesagt haben, dass Spielerinnen, die in den USA spielen, nicht für die WM-Vorbereitung berücksichtigt werden, kann das jemand von euch bestätigen? Vielleicht hat auch der DFB eine nicht offizielle Absprache mit der WPS, denn wenn die WPS einfach mal drauflosverhandeln wollte, sollten schon auch deutsche Namen auf der Liste stehen. Dass das aber nicht der Fall ist, weckt in mir den Verdacht, dass man schon vorher Machbarkeitsanalysen gemacht hat und wohl verstanden hat, dass es keinen Erfo,g haben würde, deutsche Spielerinnen „draften“ zu wollen.

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  • Jarmusch sagt:

    Rainer schrieb: ‚Silvia Neid soll gesagt haben, dass Spielerinnen, die in den USA spielen, nicht für die WM-Vorbereitung berücksichtigt werden, kann das jemand von euch bestätigen?‘

    Das habe ich so auch vernommen.

    Damit werden deutsche Spielerinnen mit WM-Ambitionen vor 2011 kaum in die USA wechseln.
    Aber danach befürchte ich eine mittelgroße Massenbewegung von Deutschland in die WPS (Sofern diese dann noch leistungsfähig ist, respektive existiert). Der erhoffte und vielzitierte WM-Effekt für die heimische Liga würde dann natürlich ad-absurdum geführt.

    Ist natürlich vorerst nur eine Vermutung von mir, dennoch ein Szenario was nicht ganz abwegig erscheint. – Warten wir’s mal ab.

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  • Ralf sagt:

    @Rainer

    Fill or Kill (FoK):
    Einschränkung eines limitierten beziehungsweise eines kombinierten Auftrags:
    Der Auftrag muss vollständig ausgeführt werden. Wenn dies nicht möglich ist, wird der Auftrag vollständig ungültig.
    Bei der All-or-Nothing-Order würde es im Gegensatz dazu noch zu einer Teilausführung des Auftrags kommen.
    😉

    ‚Russisches Roulette‘ spielen die in den USA sicher nicht, obwohl – die jüngste Vergangenheit mit Finanzkrise usw. lässt mich zweifeln!
    Lernen, im Sinne von gemachte Fehler analysieren, abstellen und in gleichen oder ähnlichen Situationen nicht wiederholen – war noch nie eine Stärke der usamerikanischen Geschäftswelt! 🙂

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