Anpfiff zur neuen Bundesligasaison

Von am 20. September 2009 – 9.10 Uhr 8 Kommentare

Am heutigen Sonntag startet die Frauenfußball-Bundesliga in ihre neue Saison. Nach dem gewonnenen EM-Titel der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft hoffen die zwölf Teams auf wachsenden Zuschauerzuspruch, erneut gelten Meister 1. FFC Turbine Potsdam, Vizemeister FC Bayern München, UEFA-Pokalsieger FCR 2001 Duisburg und der 1. FFC Frankfurt zu den Topkandidaten auf den Meistertitel. Doch auch andere Teams verfolgen ambitionierte Ziele.

Potsdam gilt dank überzeugender Neuverpflichtungen erneut als einer der heißesten Titelanwärter. Fatmire Bajramaj kam genauso wie Corina Schröder aus Duisburg und soll im Team von Trainer Bernd Schröder das Kreativspiel im Mittelfeld beleben.

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Hinzu holte man vom 1. FC Saarbrücken Nadine Keßler und Josephine Henning, zwei der viel versprechenden Talente im deutschen Frauenfußball. „Wir haben noch nie eine solch umfangreiche Vorbereitungsphase absolviert“, so Schröder, der allerdings die derzeitige Leistungsfähigkeit seines Teams noch nicht richtig einschätzen kann. „Wir wissen noch nicht wirklich, wo wir stehen“, räumt er ein.

Turbine Potsdams Jennifer Zietz (re.), hier im Duell mit Sabrina Schlottmann vom Herforder SV, will mit ihrem Team erneut um den Titel kämpfen. ©FF-Archiv, Nora Kruse

Turbine Potsdams Jennifer Zietz (re.), hier im Duell mit Sabrina Schlottmann vom Herforder SV, will mit ihrem Team erneut um den Titel kämpfen. ©FF-Archiv, Nora Kruse

Viele Alternativen
Das liegt vor allem daran, dass durch die späte Rückkehr der sechs Europameisterinnen das Team erst einmal in Optimalbesetzung antreten konnte. Während Marie-Louise Bagehorn wegen einer Oberschenkelverletzung passen muss, sind sonst alle Spielerinnen einsatzfähig, wenngleich teilweise noch angeschlagen (Bianca Schmidt, Nadine Keßler) oder etwas ausgelaugt (Babett Peter). „Der Konkurrenzkampf war noch nie so groß“, beschreibt Schröder das für einen Trainer angenehme Luxusproblem, das sein Team auch unter den Bundestrainern zum Favoriten werden lässt.

Verletzungssorgen in München
Vizemeister FC Bayern München plagen derzeit ganz andere Sorgen. Anfang der Woche zog sich Stefanie Mirlach einen Außenbandriss und Innenband-Anriss im linken Knie zu und vergrößerte damit die Probleme von Trainer Günther Wörle, der verletzungsbedingt auf Nina Aigner, Sylvie Banecki, Isabell Bachor, Corinna Paukner, Katharina Würmseer, Ivana Rudelic, Viki Schnaderbeck verzichten muss und darüber hinaus Vanessa Bürki (Schweiz) und Carolina Pini (Italien) für WM-Qualifikationsspiele abstellen muss. Die Schweizer Stürmerin hat sich inzwischen ebenfalls verletzt. „Damit werden gegen Essen voraussichtlich U17-Europameisterin Annika Doppler und Österreichs Nationalspielerin Carina Wenninger ihr Anfangsdebüt in der Bundesliga feiern“, so Wörle.

Standortbestimmung
Auch beim UEFA-Pokal- und DFB-Pokalsieger FCR 2001 Duisburg ist die personelle Situation angespannt. So fehlen Neuerwerbung Ursula Holl im Tor genauso wie Jennifer Oster, Fehlen werden dem Team auch Femke Maes, die mit der belgischen Nationalmannschaft in Wales in die WM-Qualifikation startet und Lena Wermelt, die sich auf einer Schulabschlussreise befindet. Der  Einsatz von Stürmerin Inka Grings war lange fraglich, doch sie sollte zumindest eine Zeitlang spielen können. „Ich bin wirklich sehr gespannt, wie wir in Hamburg auftreten werden“, erklärt Trainerin Martina Voss, deren fünf Europameisterinnen nach dem Turnier in Finnland nur eine kurze Verschnaufpause hatten. Die Saisonziele sind dennoch wieder hoch gesteckt. „Einen Titel wollen wir auf jeden Fall holen, am liebsten die Meisterschaft, weil uns das schon lange nicht mehr gelungen ist“, so Voss.

Frankfurt will wieder mitmischen
Der 1. FFC Frankfurt möchte beweisen, dass die vergangene verpatzte Saison nur ein Ausrutscher war. Dafür holten die Frankfurterinnen Nachwuchstalent Dzsenifer Maroszan an den Main, zudem soll die schwedische Nationalverteidigerin Sara Thunebro für mehr Stabilität in der Abwehr sorgen. Im Sturm setzt man die Hoffnungen auf die spanische Nationalstürmerin Laura del Rio, die vom FC Indiana aus den USA nach Deutschland wechselte. „Unsere gesamte Konzentration gilt vom ersten Spieltag an unseren klaren Zielen wieder um die Meisterschaft und den DFB-Pokal mitzuspielen”, gibt Trainer Günter Wegmann die Zielsetzung vor. Doch auch Frankfurt kann man nicht aus dem Vollen schöpfen. Ariane Hingst fehlt genauso wie Conny Pohlers, Sarah Schatton und Svenja Huth.

Viele Transfers und zunehmende Internationalisierung
Auch die anderen Bundesligisten blieben auf dem Transfermarkt nicht untätig. Der SC 07 Bad Neuenahr nahm die beiden Südkoreanerinnen Yunhee Cha und Hee-Young Park unter Vertrag, dem 1. FC Saarbrücken gelang in der Verpflichtung der nigerianischen Nationalstürmerin und zweimaligen Fußballerin Afrikas Cynthia Uwak ein echter Coup. Der FF USV Jena verpflichtete nach den guten Erfahrungen der vergangenen Saison einen weitere Afrikanerin, Marlyse Bernadette Ngo Ndoumbouk aus Kamerun soll das Team verstärken.

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • uwe sagt:

    Hallo Markus

    Habe mir mal eben den Spielplan vom FCR Duisburg ( Hinrunde) angesehen.

    7 Spiele in 22 Tagen Sep.-Okt. und nochmal 5 Spiele in 15 Tagen im November. Turb.Potsdam und B.München wohl ebenso.

    Also Marcus

    Wenn Schröder,Voss und Wöhrle rotieren, und das werden sie, hoffe ich auf mehr Verständis von deiner Seite aus, als in der letzten Saison.

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo uwe,

    da muss ich dich enttäuschen – ich werde auch in dieser Saison kein Verständnis dafür haben, wenn Teams zu meisterschaftsentscheidenden Spielen ihre zweite Mannschaft schicken. Das ist ja auch nicht vergleichbar mit punktuellen Rotationen, die zum Tagesgeschäft gehören.

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  • Detlef sagt:

    @Markus,
    ob Du jetzt damit einverstanden bist oder nicht, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, werden sie es tun!!!
    Die Zweite von Duisburg und Potsdam (die von Bayern kenne ich nicht) sind auch nicht zu verachten!!!
    Wenn Du da so empfindlich bist, will ich mal Deine Reaktion sehen, wenn Oldeslohe (warum auch immer), nicht in Potsdam zum Pokalspiel antritt!!! Oder noch perverser, um einer Strafe des DFB zu entgehen, Fuxis Empfehlung realisiert!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    Es bleibt ja jedem Verein überlassen, so zu handeln, wie er es für richtig hält, dann muss man aber auch die Kritik derer aushalten, die eine andere Meinung vertreten.

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  • Ralf sagt:

    @Markus

    Darum geht es ja auch nicht – das die Entscheidungen eines Vereins nicht kritisiert werden dürfen!

    Der Kern der seinerzeitigen Diskussion war m.E. ein bisschen ein anderer:
    WER kritisiert und, die sportliche Ausgangssituation mal zum damaligen Zeitpunkt mit einbezogen, wie wurde die Kritik publiziert!
    Das war die Ausgangssituation!
    Fakt ist und bleibt – die Mannschaftsaufstellungen vom FCR oder von Turbine, und in dieser Saison auch bei den FCB-Damen, werden immer noch in Duisburg, Potsdam und München entschieden – und nirgendswo anderst. Und die Moralattitüden kann man sich und uns allen ersparen!

    Und dann auch noch, wie jüngst wieder provokant über die DFB-News verbreiten zu lassen, man hätte aus der letzten Saison gelernt, mit Anstand und Respekt zu verlieren, geht schon wieder in diese Richtung!

    Wir alle wollen den FF in gewisser Weise ‚hypen‘.
    Mir persönlich geht’s aber mächtig auf den Senkel, zunehmend den Eindruck haben zu müssen, der Hype wird nur auf Grund einseitiger (wirtschaftlicher und sportlicher) Interessen aufgeführt!

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  • Markus Juchem sagt:

    Es ging doch jetzt hier darum, dass „uwe“ mehr Verständnis meinerseits für Rotation in den Teams einfordert.

    Ich habe überhaupt nichts gegen Rotation, aber in einem Spiel, dass den Ausgang der Meisterschaft maßgeblich beeinflusst, die komplett zweite Mannschaft zu schicken und die Trainerin zuhause zu lassen, hat mit Rotation nichts zu tun.

    Ich persönlich habe bis heute kein Verständnis für die damalige Entscheidung. Deswegen auch meine Aussage, dass ich Vergleichbares auch in dieser Saison wieder kritisieren würde.

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  • Jarmusch sagt:

    Der FCR 2001 Duisburg scheint einen Teil der kolportierten 180.000 € vom DFB in die Professionalisierung der Vereinsstrukturen gesteckt zu haben.
    Mit Sven Beuckert, dem ehemaligen Torwart des MSV Duisburg, der bei einem Reitunfall einen Daumen verlor (http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga2/2-bundesliga-beuckert-verliert-daumen-bei-unfall-mit-pferd_aid_410666.html) wurde ein Marketing-Experte installiert.
    a)
    b)

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  • Ralf sagt:

    @Markus

    Okay! ‚Rotieren‘ kann man in Uwes Meinung auch anderst interpretieren! 😉

    @Jarmusch

    Danke!

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