Herausforderer, der keiner sein will

Von am 17. September 2009 – 15.57 Uhr 3 Kommentare

In der Frage nach dem Meisterschaftsfavoriten in der Zweiten Bundesliga Nord hört man immer wieder zwei Namen: Herford und Leipzig. Während Herfords Trainerin Tanja Schulte offensiv das Ziel Aufstieg propagiert, ist ihr Kollege und potenzieller Herausforderer aus Leipzig eher still. Das direkte Duell der beiden zum Ligaauftakt am Sonntag ist für Sven Thoß statt Spitzenspiel viel mehr eine „Wundertüte“.

Verlust von vier Stammspielerinnen
„Herford ist Favorit. Sowohl am Sonntag als auch in der Meisterschaft. Wäre in der Sommerpause einiges anders gelaufen, könnten wir sicher mit anderen Zielen in die Saison gehen“, so Thoß, der auf die starken personellen Veränderungen anspielt. Peggy Kuznik, Kathleen Radtke, Nadin Sandmann und Torfrau Petra Tausova haben den Verein verlassen – alles Abgänge, die sportlich schmerzen. In der Viererkette muss umgebaut werden, die Sechserposition, auf der Kuznik eine starke Saison spielte, ebenfalls. Hier könnte sich Thoß Neuzugang Sandy Wieruch („ein großes Talent“) vorstellen, doch die hat nach ihrer Meniskusverletzung gerade erst mit dem Lauftraining begonnen und wird Sonntag nicht zur Verfügung stehen.

So ist noch vor Saisonbeginn die Verletztenliste in Leipzig eines der größten Probleme. Neben Wieruch werden auch die Neuzugänge Melanie Piatkowski, Theresa Blum, Lysann Schneider, Yvonne Wutzler, Anja Streubel, Franziska Möttig sowie Yvonne Rademacher nicht spielen können.

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Neue Technik im Training
Nicht verletzt, aber noch nicht fit genug für den Zweitligaeinsatz ist Neuzugang Vanessa Martinez-Lagunas. Die ehemalige mexikanische Nationalspielerin hat in Leipzig aber schon eine andere Rolle übernommen. „Sie hat sowohl die deutsche A-Lizenz als auch die US-amerikanische“, so Thoß, der mit Martinez neue Technik in Leipzig erprobt. Die Mexikanerin schreibt derzeit ihre Doktorarbeit über den GPS-Einsatz im Fußball – ein Verfahren, das nun auch in Leipzig Anwendung findet. „Der GPS-Sender gibt Aufschluss, wo und wie sich die Spielerinnen bewegt haben.“

Österrreichs Nationalspielerin kommt vom USC Landhaus.

Österrreichs Nationalspielerin Isabella Berger kommt vom USC Landhaus.

Offensive Ziele in Herford
„Wir warten mal ab“, gibt sich Thoß zurückhaltend, was die eigenen Aufstiegsambitionen angeht. „Bestimmte Mechanismen laufen noch nicht.“ In erster Linie wird es für die Leipzigerinnen darum gehen, besser in die Saison zu starten als vor einem Jahr, wo man gleich zu Beginn viele Punkte verschenkte. „Herford ist ein Stück weg zu allen anderen“, versucht der Trainer den Druck von seiner Mannschaft zu nehmen. Ganz anders seine Herforder Kollegin, die ihm in der Aussage zustimmt: „Wer aus der ersten Liga kommt und seinen Kader zu 80 Prozent zusammen halten konnte, ist den anderen ein Stück voraus. Ob wir aber in der Lage sind das zu zeigen, ist eine andere Frage.“ Der Druck ist groß bei den Ostwestfälinnen, aber ohne das selbstbewusste Ziel „wäre es gar nicht möglich gewesen, die Spielerinnen zu halten. Der Druck ist nicht erst seit gestern da, aber die Spielerinnen sind reifer geworden und sollten in der Lage sein, ihm stand zu halten.“

Doch der Kader ist klein, „drei bis vier Verletzte auf einmal, und es kann in die Hose gehen“, weist Schulte auf das vielleicht größte Problem der Mannschaft hin. Am Sonntag sind bis auf Claudia Bujna (Kreuzbandriss) alle an Bord. Bujnas Ersatz in der Viererkette, Österreichs Nationalspielerin Isabella Berger, kam beim DFB-Pokalspiel am vergangenen Wochenende erstmals über 90 Minuten zum Einsatz und hat ihre Trainerin begeistert. „Super. Sie ist eine richtig Gute. Das war nicht einfach nur eine Verpflichtung in der Sommerpause, sondern eine echte Verstärkung.“ Die wurde im Defensivbereich allerdings auch nötig, im Mittelfeld „hat Anna Laue eine tolle Vorbereitung gespielt“, im Sturm wird die Abstimmung zwischen Marie Pollmann und Jennifer Nienaus besser. „Sie sind beide ähnliche Spielertypen und haben sich teils selbst auf den Füßen gestanden. Aber am Wochenende hat auch das besser funktioniert.“

Robuste Leipzigerinnen
„Körperlich ist uns Leipzig vielleicht ein Stück voraus“, glaubt Schulte und hofft daher, möglichst schnell das Heft in die Hand nehmen zu können. „Wir müssen Fußball spielen und die Bälle laufen lassen. Dann sind wir nicht aufzuhalten.“ Leipzig wird dagegen halten und reist bereits am Samstag nach Ostwestfalen, trainiert am Abend im LAZ Nord in Gütersloh. Und zur besseren Motivation wird auch ein altes Ritual beibehalten: Die Spielerinnen, die am Trainingsende das Ausschießen verlieren, müssen die anderen am nächsten Morgen beim Frühstück bedienen.

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3 Kommentare »

  • Jarmusch sagt:

    Klasse-Bericht mit vielen Detailinformationen.

    Danke!

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  • Detlef sagt:

    Sehr guter Bericht, sehr informativ!!!
    Ich drücke THOSSI, und seinen „Lokomotiven“ die Daumen, dass sie sich gegen den unmittelbaren Aufstiegsmitbewerber eine gute Ausgangsposition schaffen können!!!

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  • Steffan sagt:

    Ich kann nur den beiden Recht geben. Ein wirklich guter Bericht und ich drück Thossi auch die Daumen. Der Start in die neue Saison war zwar nicht so gut, aber die Leistung der Mädels sehen immer besser aus. Der Thossi macht das schon, da bin ich mir sicher.

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