Deutschland – England: Wer gewinnt das Duell auf Augenhöhe?

Von am 10. September 2009 – 11.14 Uhr 9 Kommentare

Wenn man sich in diesen Tagen in Helsinki umhört, bei Freunden, Bekannten oder im Kollegenkreis, dann scheint für die meisten kaum ein Zweifel daran zu bestehen, dass Deutschland heute das EM-Endspiel im Olympiastadion gegen England (live ab 18.00 Uhr in ZDF und Eurosport) gewinnen und zum fünften Mal in Folge Europameister werden wird. Doch für das Team von Bundestrainerin Silvia Neid dürfte die Aufgabe heute um Längen schwerer werden, als es die Bilanz von 16 Siegen aus 18 Spielen vermuten lässt.

Stürmerin Célia Okoyino da Mbabi bringt es auf den Punkt: „Für England wäre es wahrscheinlich das Größte, Deutschland in einem Finale zu schlagen, sie werden alles dafür tun.“ Auf den ersten Blick geht Deutschland dennoch als klarer Favorit in die Partie, alle bisherigen EM-Spiele in Finnland wurden gewonnen, darunter zwei klare Siege gegen Norwegen und Frankreich in der Vorrunde, seit 1993 hat die DFB-Elf weder bei einer EM-Endrunde noch in der Qualifikation ein Spiel verloren.

Gefährlicher Außenseiter
Dagegen fand das Team von Trainerin Hope Powell nur schleppend ins Turnier, kassierte zum Auftakt eine 1:2-Niederlage gegen Italien, rang mit Mühe Russland 3:2 nieder und qualifizierte sich nur als einer der besten Gruppendritten für das Viertelfinale, im Halbfinale benötigte man 120 Minuten, um sich mit 2:1 gegen die Niederlande durchzusetzen. Doch dies lässt nicht darüber hinweg täuschen, dass das Team das Potenzial hat, an einem guten Tag der deutschen Elf gefährlich zu werden.

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Neue Siegermentalität
„Wir haben hier noch nicht unsere Bestform gezeigt“, warnt Powell, die ihr Team in den vergangenen Jahren nach vorne gebracht und ihm eine Siegermentalität eingeimpft hat. Und so war auch am Tag vor dem Finale nur wenig Respekt vor dem scheinbar übermächtigen Gegner zu verspüren. „Wir wissen um Deutschlands Stärken, aber wie jedes Team haben auch sie Schwächen. Wir werden versuchen, sie auszunutzen“, so Powell, die mit ihrer Elf schon beim 0:0 im Gruppenspiel der WM in China vor zwei Jahren der deutschen Mannschaft das Leben schwer gemacht hat.

Spielerisch noch Luft nach oben
Für die deutsche Mannschaft spricht, dass die lange Vorbereitungszeit das Team in einen perfekten Fitnesszustand versetzt hat. Im Halbfinale gegen Norwegen wurde der Gegner mit Athletik und schnellen, spritzigen Einwechselspielerinnen dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit in die Knie gezwungen. Doch offensichtlich wurde im bisherigen Turnierverlauf auch, dass die deutsche Mannschaft spielerisch noch nicht an die Leistung früherer Turniere, etwa der Weltmeisterschaften 2003 oder 2007, anknüpfen konnte.

WPS-Erfahrung als Bonus
Im englischen Team wartet nun ein robuster, aber auch spielstarker Gegner, dem zuzutrauen ist, nicht wie Norwegen 60, sondern auch  90 Minuten körperlich dagegen zu halten, und zudem durch die gefährlichen, in der US-Profiliga WPS gestählten Kelly Smith und Eniola Aluko die deutsche Verteidigung stärker zu fordern als in den bisherigen fünf EM-Spielen in Finnland. Die Engländerinnen deuteten im Turnierverlauf ihre spielerische Klasse bisher aber ebenfalls nur phasenweise an und schafften es nicht konstant, ihre Leistung auf hohem Niveau zu halten.

Hochkarätige Gäste
Das deutsche Team scheint zumindest fest davon überzeugt zu sein, das Turnier als Europameister zu verlassen. Hochrangige Gäste wie Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler und Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble wollen sich das Spektakel genauso wenig entgehen lassen, wie DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach und natürlich auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, der direkt aus Hannover mit einer Chartermaschine in die finnische Hauptstadt reist.

Empfang am Römer geplant
Auch Vereinsvertreter aus der Frauenfußball-Bundesliga reisen auf Einladung vom DFB zum Endspiel an, und von der Party nach dem Spiel bis zum Empfang am Freitag ist alles vorbereitet. Um 13.05 Uhr sollen die deutschen Spielerinnen dann als Europameisterinnen auf dem Frankfurter Flughafen landen, um 14.00 Uhr will sich die Mannschaft dann im Erfolgsfall am Frankfurter Römer präsentieren.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • laasee sagt:

    Hi Markus

    Grings and Prinz decide todays Final.

    I expect both to score. Prinz is due a goal and never goes a tournament without scoring. Grings has scored a hattrick in both DFB Pokal Final and UEFA Cup Final and I think possibly today as well.

    However, the key element in the attitude of the team from the first kick. If the attitude is 100% correct then it will be kantersieg tag.

    Thumbs up.

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  • eisbär sagt:

    Nur wenn England einen super Tag erwischt und Deutschland einen schlechten Tag, nur dann kann ich mir vorstellen, dass England die Sensation schaffen kann. 2007 hat sich England komplett hinten rein gestellt und nach vorne so gut wie nichts gemacht. Es wäre für ein Finale schon erschreckend, wenn man mit der „Holland-Taktik“ versucht das Spiel zu gewinnen. Ich tippe ein 3:0 für Deutschland und es ist egal, wer dabei die Tore erzielt.

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  • Rebecca sagt:

    Egal wieviel Tore und wer Sie schießt, hauptsache wir werden Europameister 🙂

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  • moya sagt:

    Wow, die Berichterstattung im ZDF ist ja mal echt nicht schlecht. ARD am Montag war grausam, aber jetzt geht’s los. Und was hat denn Steffi Jones gefuttert? Die Interviews mit ihr machen ja inzwischen richtiggehend Spaß. Vielleicht hat sie mit Sven Voss jetzt einfach nen ordentlichen Gesprächspartner. Jetzt ist nur noch die Frage, Norbert Galeske oder Eurosport-Kommentar? 😉

    Ich bin mal gespannt, ob das Spiel tatsächlich so einseitig wird, wie hier vermutet. Die blutjunge Doppel-Sechs macht mir doch ein wenig Sorge gegen Kelly Smith und Co.
    Nunja, jetzt ist für die WPS und Arsenal nochmal Gelegenheit zu zeigen, was man geleistet hat im Vorfeld.

    Ein schönes Spiel allerseits!

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  • Ralf sagt:

    Naja, die Frau STAATSpräsidentin Tarja Halonen als Herr MINISTERpräsident Matti Vanhanen vorzustellen, ist schon ein gekonnter protokollarischer Fauxpas!!! 🙂
    Da wird noch jemand üben müssen!
    Ansonsten war die Vorberichterstattung ’ne glatte 1!

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  • moya sagt:

    Huiuiui, da hab ich wohl im richtigen Moment weggehört. Wenn es wenigstens die Verwechslung mit Conan O’Brian gewesen wär. 😉
    Der Spielkommentar auf Eurosport wär erwartungsgemäß erträglicher gewesen als Galeske, aber das ZDF-Bild war besser und leider laggt der EurosportPlayer um ne halbe Minute. Aber das ist ja jetzt sowas von egal. 😀

    Deutschland ist Fußballeuropameisterin! Ein Wahnsinnsfinale. Bei soviel Mauertaktik im Turnier gewinnt am Ende die reine Offensive. Sehr schön. 7 von 8 Toren aus dem Spiel heraus, wann kriegt man sowas mal zu sehen. Beneide alle, die in Helsinki im Stadion waren! Feiert ordentlich! 😉

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  • Rainer sagt:

    Ohja, der Mensch im ZDF hat Tarja Halonen mindestens viermal als Ministerpräsidentin bezeichnet. Damit ist der Traum wohl ausgeträumt, jemals ins politische Genre zu wechseln…
    Birgit Prinz eröffnete den Reigen und schloss ihn ab. Schluss mit all dem negativen Gerede über die Kapitänin. England hielt 60 Minuten mit, taktisch hätten sie defensiver spielen sollen, aber so haben sie immerhin ein Superfinale mit acht Toren ermöglicht.

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  • Ralf sagt:

    🙂
    Prings-Grinz!!!
    „What a ‚Neid’mare!“

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  • maru sagt:

    Hallo,egal was andere denken ich sage das Prinz und Grings richtige Waffen sind.Beide sind extrem Torgefährlich.Gut bei Prinz lief es nicht immer bei der EM.Prinz ist mehr die Dynamische und Grings der Typische Knipser, denn man fast nicht sieht und dann zuschlägt.
    Beide sind leider nicht mehr die jüngsten.Ich hoffe das die uns noch bis mindestens WM 2011 erhalten bleiben.Solche Tormaschinen findet man nicht jedes Jahr.Im Mittelfeld haben wir allerdings die Qual der Wahl.

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