DFB-Team für die K.-o.-Runde gerüstet

Von am 31. August 2009 – 17.07 Uhr

Drei Spiele, drei Siege, 10:1-Tore – die Bilanz des deutschen Teams nach der Gruppenphase der Frauenfußball-Europameisterschaft in Finnland kann sich sehen lassen. Zwar täuscht die pure Statistik ein wenig darüber hinweg, dass gelegentlich noch ein wenig Sand im deutschen Getriebe war, doch der knappe 1:0-Erfolg gegen Island zum Abschluss der Vorrunde mit auf sechs Positionen veränderter Formation war sicherlich kein Gradmesser für die Leistungsfähigkeit in den kommenden Spielen.

So meinte etwa Sonja Fuss: „Uns hat die Spannung gefehlt, das hat man leider auch gesehen. Wir haben während des Spiels versucht, sie wiederzufinden, das ist uns bis zum Schluss aber nicht gelungen.“

Zu wenig Spannung
Und Anja Mittag ergänzte:  „Es war schon ungewohnt, weil man wusste, dass man bereits qualifiziert ist und viele neue Spielerinnen spielen.“ Ariane Hingst wollte das Thema Vorrunde denn auch so schnell wie möglich hinter sich lassen: „Wir haben 1:0 gewonnen, sind souveräner Gruppenerster“, so die Innenverteidigerin, die ihren Ausführungen ein ironisches „Juchhu!“ folgen ließ.

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Erstaunlich war, dass von den neu ins Spiel gekommenen Spielerinnen – Sonja Fuss, Anja Mittag, Saskia Bartusiak, Simone Laudehr, Fatmire Bajramaj und Martina Müller – nur die Wolfsburger Stürmerin ihre Chance beim Schopfe packte, auch wenn ihr unermüdlicher Einsatz nicht mit einem Tor, dafür aber mit der Auszeichnung zur Spielerin des Spiels belohnt wurde.

Müller unzufrieden
„Ich habe kein Tor geschossen, dann kann man einfach als Stürmerin nicht zufrieden sein, denn man wird nun einmal an den Toren gemessen.“ Dabei hatte Neid vor dem Island-Spiel noch betont, es gebe keine B-Mannschaft, doch die Akteurinnen auf dem Rasen widerlegten diese Einschätzung zumindest an diesem Sonntag.

Bajramaj hatte ihre beste Szene bei der Vorarbeit zum Tor von Inka Grings, blieb aber sonst genauso den Beweis schuldig, in die Startformation zu gehören, wie Fuss, der man aber zu Gute halten musste, dass sie die undankbare Aufgabe hatte, auf der ungewohnten rechten Abwehrseite zu spielen.

Bresonik und Kulig unantastbar
Saskia Bartusiak und Simone Laudehr auf der Doppelsechs untermauerten mit schwachen Leistungen, wie wichtig das an diesem Tag nicht eingesetzte Duo Linda Bresonik und Kim Kulig sowohl für die Abräumarbeit vor der Abwehr sowie die kreativen Momente im deutschen Team ist. Laudehr braucht nach ihrer dreiwöchigen Pause noch mehr Spielpraxis.

In der Zusammensetzung des Island-Spiels wird man die Mannschaft aber wohl weder in Finnland noch bei einem anderen Länderspiel wiedersehen. Doch auch Stammspielerinnen blieben an diesem Tag weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, etwa Birgit Prinz, die gegen die Isländerinnen kaum einen Stich machte und nach 45 Minuten ausgewechselt wurde.

Blasse Prinz
Sie spielte nur, weil Neid hoffte, sie würde sich durch einen Torerfolg neues Selbstvertrauen holen, doch die Angst vor einer möglichen Verletzung war an diesem Tag offensichtlich größer als der Torhunger, nur ein paar Mal deutete sie ihre Stärke an – zu wenig für eine Spielerin ihres Kalibers. Auch die Innenverteidigung wird sich Schnitzer, wie den, als Hingst Márgret Lára Vidársdottir auf und davon ziehen ließ, ab dem Viertelfinale nicht mehr leisten dürfen.

Respekt erarbeitet
Besser machte es Inka Grings, die zwar nur 14 Minuten auf dem Feld war, bevor sie wegen einer Knieprellung wieder ausgewechselt wurde, doch in der kurzen Zeit für viel Wirbel sorgte, einen Pfostenschuss verzeichnete und den Siegtreffer erzielte. „Wir sind souverän Gruppenerster geworden, was unser Ziel war“, hakte auch sie die ersten drei Spiele schnell ab und kündigte an, dass im Viertelfinale am Freitag eine andere deutsche Mannschaft auf dem Platz stehen wird. „Wir haben uns durch die ersten beiden Spiele Respekt verschafft und gezeigt, dass wir Europameister werden wollen. So werden wir auch am Freitag wieder auftreten. Ich glaube, wir sind gut gerüstet.“

Uneinigkeit über Wunschgegner
Noch steht nicht fest, gegen welchen Gegner die DFB-Elf antreten muss. Alle vier Teams der Gruppe C, Schweden, England, Italien und Russland kommen noch als Viertelfinalgegner in Frage. „Ich würde mich auf Schweden freuen, denn skandinavische Mannschaften liegen uns sehr“, so Grings. Doch mit dieser Meinung stößt sie nicht überall auf Zustimmung.

So meint etwa Hingst: „Ich würde nicht gerne gegen Schweden spielen. Wir stehen schon mit einigen schwedischen Spielerinnen in Kontakt, vor allem mit Sara Thunebro, der in der kommenden Saison Teamkollegin von Hingst beim 1. FFC Frankfurt wird. Wir sind uns einig, dass wir lieber erst im Halbfinale aufeinandertreffen wollen.“ Sollte doch Schweden der Gegner werden, ist sich Hingst sicher: „Dann tut es mir Leid für Thunis, dann müssen sie halt früher nach Hause fahren.“

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.