Die deutschen Spielerinnen in der Einzelkritik

Von am 25. August 2009 – 0.39 Uhr 11 Kommentare

Zum Auftakt der Frauenfußball-Europameisterschaft in Finnland feierte die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft einen deutlichen 4:0-Sieg gegen Norwegen. Die Spielerinnen in der Womensoccer-Einzelkritik.

Nadine Angerer
Gegen Norwegen verlebte die Torhüterin über weite Strecken einen recht ruhigen Nachmittag. Doch als sie gebraucht wurde, war sie da. So in der 89. Minute, als sie mit einem Reflex den norwegischen Ausgleich durch Cecilie Pedersen verhinderte.

Note: 2

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Bianca Schmidt
Ihr Einsatz anstelle von Kerstin Stegemann kam für manche Beobachter überraschend, doch die Potsdamer Verteidigerin agierte von Beginn an wie ein alter Hase. Selbstbewusst und mit Übersicht hatte sie die rechte Außenbahn meist fest im Griff. Nur einmal unterlief ihr ein Stellungsfehler.

Note: 2

Ariane Hingst
Die Frankfurter Innenverteidigerin begann souverän, leistete sich aber mit zunehmendem Spielverlauf Schnitzer und wirkte nicht nur einmal unsicher in ihren Aktionen. Möglicherweise waren dies noch die Nachwirkungen eines schmerzhaften Schlags auf den rechten Knöchel im Abschlusstraining am Tag zuvor.

Note: 3,5

Annike Krahn
Die UEFA-Pokal-Siegerin vom FCR 2001 Duisburg begann gut, gelegentlich klärte sie unter Druck etwas überhastet, so dass nicht immer ein geordneter Spielaufbau möglich war. Insgesamt eine solide Leistung, die in den kommenden Spielen aber sicherlich noch ausbaufähig ist.

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Note: 3

Babett Peter
Die Verteidigerin vom Deutschen Meister 1. FFC Turbine Potsdam zeigte auf der linken Außenbahn eine gewohnt unauffällige, aber gleichermaßen souveräne Leistung. Hinten ließ sie nur wenig anbrennen, gelegentlich versuchte sie im Spiel nach vorne Impulse zu setzen, was ihr außer bei einigen Ballverlusten oft gelang.

Note: 2

Kim Kulig
In ihrem erst zehnten Länderspiel und ihrem ersten großen A-Turnier zeigte Kim Kulig sofort, was sie kann. Sah wie schon beim Auftakt der U20-WM in Chile früh Gelb, ließ sich dadurch aber nicht beirren, und bestach durch ihr starkes Stellungs- und Passspiel sowie ihr Kopfballspiel und ihre Zweikampfstärke. Nicht zu Unrecht wurde sie von der Technischen Studiengruppe der UEFA zur Spielerin des Spiels gekürt.

Note: 1,5

Linda Bresonik
Die Duisburgerin erzielte per Elfmeter mit etwas Glück das 1:0, versuchte dem Spiel kreative Impulse zu geben, was ihr meist, aber nicht immer gelang. Hätte aus der Distanz fast einen zweiten Treffer erzielt, und führte ihre Nebenspielerin Kim Kulig immer wieder mit ihrer Erfahrung. Insgesamt eine gute, aber noch steigerungsfähige Leistung.

Note: 2,5

Kerstin Garefrekes
Die Frankfurter Mittelfeldspielerin ließ bei Vorstößen einige Male andeuten, was sie in der Vergangenheit so stark gemacht hat, wirkte allerdings nicht so spritzig wie früher. Mit zunehmender Spieldauer wurde sie ein wenig unauffälliger, ihre Auswechslung war nachvolllziehbar.

Note: 3,5

Melanie Behringer
In der ersten Halbzeit war Melanie Behringer eine der auffälligsten Spielerinnen. Mit schnellen Flankenläufen versuchte sie am linken und gelegentlich auch am rechten Flügel für Impulse zu sorgen. Manchmal zu ungenau bei Pässen und Ecken. In der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz so stark.

Note: 2

Inka Grings
Der Duisburger Stürmerin war anzumerken, dass sie von Beginn an bis in die Haarspitzen motiviert war. Per Kopf traf sie zum vermeintlichen 1:0, das wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Hatte immer wieder gute Szenen, arbeitete viel, im Abschluss fehlte es jedoch an der letzten Entschlossenheit und Konzentration.

Note: 3

Birgit Prinz
Der Frankfurterin war die Spielfreude und Einsatzbereitschaft von Beginn an anzumerken. Immer wieder schuf sie Räume für ihre Mitspielerinnen und setzte sie mit klugen Pässen in Szene. Lief sich aber auch gelegentlich fest und vergab vor der Pause die Riesenchance zum 2:0.

Note: 2,5

Célia Okoyino da Mbabi
Sie war eine der positiven Überraschungen des Spiels und ein echter Gewinn für das Team. Kam in der 65. Minute und sorgte mit ihrer Schnelligkeit in der Offensive über links für mächtig Wirbel. In dieser Form hat man sie lange nicht gesehen. Hatte ein wenig Pech, dass sie nicht zu den Torschützinnen gehörte.

Note: 2

Fatmire Lira Bajramaj
Am  Anfang noch etwas verspielt, bewies die Neu-Potsdamerin Kaltschnäuzigkeit, als sie mit ihrem Treffer zum 2:0 kurz vor Ende der regulären Spielzeit für die Entscheidung sorgte. Erzielte in der Nachspielzeit noch einen weiteren Treffer und führt somit nach den ersten beiden EM-Tagen die Torschützinnenliste an.

Note: 2

Anja Mittag
Wurde erst in der 86. Minute eingewechselt, bewies aber in den wenigen Minuten auf dem Feld Effizienz, als sie sofort das wichtige zweite Tor von Fatmire Bajramaj einleitete und selbst mit einem abegefälschten Schuss zum 3:0 traf. War aber insgesamt zu kurz auf dem Feld, um benotet zu werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • Matti sagt:

    Zu Anja: Sicher, sie stand insgesamt nur ca. 9 Minuten auf dem Platz, aber was hat sie in dieser kurzen Zeit nicht alles bewirkt. Da war zunächst der Pass auf Celia. Deren Schuss an den Pfosten läutete in meinen Augen die erfolgreiche Schlussoffensive ein. Dann der Pass rüber zu Lira, der zum erlösenden 2:0 führte. Dann ein Tor selbst erzielt (auch wenn es Huse zugeschrieben wurde). Und bei dem Gewusel vor dem 4:0 war sie auch maßgeblich mit beteiligt.
    In meinen Augen war sie die Hauptverantwortliche bei der Aktion „Wie verwandle ich ein drohendes Unentschieden in der 89. Minute noch in einen Kantersieg?“ und bekommt dafür von mir eine glatte 1. Mit den anderen Bewertungen bin ich im Großen und Ganzen einverstanden.

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  • Markus Juchem sagt:

    Matti, ich will damit ja gar nicht Anja Mittags Leistung in der kurzen Zeit auf dem Spielfeld schmälern. Aber es wäre ungerecht gegenüber den anderen Spielerinnen 10 Minuten im Vergleich zu 90 Minuten zu bewerten, egal wie stark diese gewesen sein mögen.

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  • Hella sagt:

    Also zum Teil stimme ich mit den Noten berein, jedoch nicht bei Birgit Prinz und Inka Grings.

    Für mich war Inka auf jeden Fall die bessere Teamplayerin, siehe u.a. die tolle Hereingabe auf Melanie Behringer. Klar hatte sie Pech, aber allemal wesentlich agiler wie Frau Prinz. Es war schon in Bochum eindeutig zu sehen, dass Birgit grundsätzlich keine Flanken auf Inka spielt…frage mich wie lange Frau Neid das noch durchgehen läßt.

    Besonders gut gefallen hat mit Anja Mittag, leider wurde sie viel zu spät eingewechselt…finde hier hätte man Birgit anstelle von Melanie auswechseln müssen und vor allem früher.

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  • Steffen sagt:

    Für mich hat die Birgit gut gespielt. Inka hat mir zwar auch gut gefallen, aber sie war zu überheblich, als sie die Torhüterin noch vorführen wollte. Das kann man sich bei einer hohen Führung leisten, aber nicht bei 0:0. Und die Inka ist mir zu oft ins Abseits gelaufen. Birgit ist da konsequenter, sie hätte eher geschossen. Und wer das Spiel genauer beobachtet hat, der hat gesehen, dass die Birgit oft die Abwehrspieler auf sich gezogen hat und damit natürlich die anderen glänzen konnten. Aber das ist ja auch gut so. Fussball ist ja ein Mannschaftssport. Also immer das ganze sehen.

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  • labrys sagt:

    @Steffen: das inka mehr ins Abseits gelaufen ist, war abzusehen, Inka ist die Spitze. Und manchmal sieht die Frau an der Linie das Abseits nicht 😉 Bei BP, ich weiss nicht. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das sie kein Spass mehr hatte, und die Sache nur halbherzig in Angriff nahm. Aber ist nur mein Gefühl, ich will da keinen Vorwurf machen. Ist sicher demotivierend, wenn der Ball einfach nicht ins eckige will…..
    Jedoch muss an der Abwehr gearbeitet werden. Die harmonie zwischen Annike und Ari stimmt nicht ganz 100%. Auch die AV sollte nicht zu offensiv spielen, gegen Frankreich könnte das ins Auge gehen.
    Ich finde auch, das de Bewertung von Kulig zu hoch ist. Sie hat nicht schlecht gespielt, aber es gab 1-2 bessere auf dem Platz. Vorallem war die norwegische Torhüterin meiner Meinung nach Spielerin des Spiels, das 4:0 war eher unglücklich aus ihrer Sicht.

    Mal schauen, was sie gegen die Blauen machen. DAs wird ein anderes Spiel werden.

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  • C. sagt:

    ich hätte auch die norwegische Torfrau zur Spielerin des Turniers gewählt. Ich meine, ohne sie wäre es doch schon zur Halbzeit deutlich gewesen, aber sie hielt das Spiel spannend.

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  • Dirk sagt:

    ich frage mich schon länger, ob BP nicht nur noch von ihrem großen Namen lebt. Über ihren Leistungszenit ist sie meiner Meinung nach schon weit hinaus. Auch Garefrekes schon im Vorfeld als gesetzt zu bezeichnen, ohne dass da wirklich immer nur das Leistungsprinzip als Gradmesser zu Rate zu ziehen, ist vielleicht zumindest bedenklich…

    Ich bin einfach der Meinung, dass wir mittlerweile bessere Offensive haben…

    Na ja, just my 2 cents…

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  • Steffen sagt:

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie im Vorfeld der WM 2007 über Renate Lingor gesprochen wurde, genau das gleiche, über dem Zenit, Linda Bresonik ist ja viel besser im Mittelfeld und und und. Und das Ende war, Renate Lingor hat das Spiel im Finale an sich gerissen und Deutschland zum WM Titel verholfen!

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  • Dirk sagt:

    @ Steffen

    bei allem Respekt, das sehe ich bei BP nun wirklich nicht mehr… Aber es wird nichts ändern, sie wird sicherlich auch bei der WM 2011 noch gesetzt sein. Man weiss nur nicht, warum….

    Alles in Allem macht es bisher Spaß, der Dominanz dieser deutschen Mannschaft zuzuschauen. Also hat Frau Neid wohl (bisher)offensichtlich alles richtig gemacht… 🙂

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  • SCW sagt:

    Nach dem heutigen Spiel solltest du lieber Dirk den Wert von BP für die Natio zu schätzen wissen! Die 2 Vorlagen zu den Toren von Inka und Simon waren genial und auch die anderen Aktionen zB auf Kg zeigten wieder mal blindes Verständnis dort auf dem Platz. Birgit gehört für mich gesetzt. Sie führt das Team als Kapitän immer noch souverän. Würde sie kontinuierlich keine Leistung zeigen, würde Silv sie sicherlich nicht mehr setzen.

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  • Dirk sagt:

    Hallo SCW,

    mal vorweg, ich ahbe gar kein Problem mit BP oder KG, bin aber dennoch nicht so ganz Deiner Meinung.

    klar, die Vorlage zum 1:0 war schon klasse, aber ehrlich, dafür sind Stürmer auch da. Die Vorlage von Anja Mittag zum 2:0 war noch ein wenig genialer, aber gut, dafür sind die mädels ja nun mal da.

    Ich habe aber auch viele Szenen gesehen, die den verblassten Glanz haben deutlich werden lassen. Aber egal, ich will mich gar nicht streiten. Meiner Meinung nach haben wir mittlerweise deutlich bessere. Sie ist gesetzt, sie bleibt es auch garantiert bis zur WM. Leider allerdings nur aufgrund alter Meriten und ihres Namens.

    Ich habe es aber oben schon mal gesagt: 6 Punkte, 9:1 Tore und fast konkurrenzlos in diesem Turnier: alles richtig gemacht, Frau Neid! Respekt und Gratulation zu diesen mehr als überzeugenden Leistungen. Wer soll diese Mannschaft bei diesem Turnier schlagen?

    Liebe Grüße an alle, denen diese Mannschaft genau so viel Spaß macht, wie mir…

    Dirk

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